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SchluchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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.M 67, Mittwoch, den 22. August 1894.

Die Manöver der deutschen Flotte erlangen in diesem Jahre eine ganz außergewöhnliche bisher nicht dagewesene Ausdehnung. Der Grund dafür ist vor allen Dingen in der starken Vermehrung unserer Kriegsschiffe im Laufe der letzten Jahre zu suchen; denn wenn ein starkes, kiiegsbcreircs Material vorhanden ist, muß auch seine praktische Anwendbarkeit erprobt werden. Die deutsche Küstenlime, die es in einem Kriege zu vertheidigen gilt, ist von großer Ausdehnung, die heimischen Gewässer sind keineswegs so einfach, daß sie nun ohne Weiteres übersehen werden und für den Ernst­fall wichtige Anordnungen sicher auf Grund von theo­retischen Grundsätzen getroffen werden könnten. Wie eine starke Armee die Verwendung von entsprechenden Truppenmassen im Manöver erforderlich macht, so ist bei der Marine ein erhebliches Schiffsaufgebot wenigstens von Zeit zu Zeit nicht zu umgehen. Die Kosten dieser Friedensübungen sind naturgemäß nicht gering, sie werden indessen ausnahmslos in allen Staaten an- gewendet. Wir sehen in England Seemanöver von einer Schiffszahl ausgeführt, die größer ist als die ge- sammte Flotte des Deutschen Reiches, und Frankreich bemüht sich, England in dieser Beziehung noch in den Schatten zu stellen.

Man sollte meinen, in England etwa, das schon seit Jahrhunderten über eine mächtige Kriegsflotte ver­fügt, müßte man nachgerade doch so weit kommen oder vielmehr schon gekommen sein, festzustellen/ wie im Ernstfalle die vorhandenen Kriegsschiffe verwendet werden müßten. Aus einer solchen Thatsache würde die andere dann folgen, daß diese sommerlichen Schiffsübungen eingeschränkt werden könnten. Indessen dahin kommt man doch nicht. Wenn im Mililärwcsen eine außer­ordentlich weitgehende Umwälzung, eine Neugestaltung und Abschaffung veralteter Bestimmungen eingetrcten ist, so ist diese Reform in der Landarmee noch gar nicht mit den technischen Neuerungen zu vergleichen, die in der Marine Platz gegriffen haben. Ungefähr ist man in der Landarmee doch zu einem gewissen Abschluß ge­kommen, und die Verbesserung des heutigen Repetir- gewchres wird keinen solchen Schritt mehr machen, wie derjenige war, der vom Zündnadelgewehr bis zur heutigen Schußwaffe des Fußvolks gethan worden ist. Anders bei der Marine, wo eine Neukonstruktion der Schiffs- kolosse sofort eine andere Konstruktion wachruft, die andere Voraussetzungen für das Gefecht bedingt und umfangreiche Einübungcn erfordert. So kommt man in der Vervollkommnung der Knegswaffen der Marine Schritt für Schritt vorwärts, aber vom Ende mag man noch sehr weit entfernt sein.

Darin liegt, schreibt dasMainz. Journ.", der Grund für die Nothwendigkeit der nimmer endenden Schiffsübungen im Frieden. Deutschland hat gegen früher eine erheblich stärkere Kriegsmarine, schon die vermehrten Aufgaben unserer Flotte begründeten die Vermehrung, aber der Bestand der Schiffe wird sich doch immer in gewissen Grenzen halten und auch halten müssen. Unsere Hauptkraft liegt in der Landarmee, die Marine wird immer die Aktionen der letzteren mindestens indirekt unterstützen müssen und kaum in die Lage kommen, durch selbstständige Siege den Krieg zu ent­scheiden. In einem Kriege mit Frankreich oder Ruß­land, in welchem doch unsere Marine eigentlich nur eine Rolle spielen kann, kann die deutsche Flotte nicht daran denken, nach Cherbourg oder Brest in Frankreich oder nach Kronstadt in Rußland zu dampfen und eine Beschießung der feindlichen Scesestungen zu beginnen. Wir würden damit die eigene Küste von Vertheidigern entblößen und für den Ausgang des Krieges wäre auch eine Einnahme der feindlichen Küstenplätze, die aber doch schon zu den Unwahrscheinlichkeiten gehört, nicht bestimmend. Die deutsche Flotte kann in unseren Ge­wässern eine feindliche Angriffsflotte schlagen, aber ihr Hauptzweck wird nicht in der Erringung von Siegen über feindliche Seestreitkräfte zu suchen sein, sondern in dem wirksamen Schutz unserer Küste. Die deutsche Herbstmanöocrflotte wird 8 Hochseepanzer, 3 Küsten- Panzer, 4 Schulschiffe, 1 Kanonenboot, 1 Transportschiff, 6 Avisos, 4 Divisionsboote und 24 Torpedoboote ver­einigen. Diese gewaltige Seemacht hat eine Gesammt- besatzung von gegen 10,000 Mann und führt rund 200 Geschütze schweren Kal bers.

Am 19. August verließ die gesummte Flotte Wilhelms- Hafen und unternimmt bis zum Ende des Monats

Manöverübungen in der Nordsee. In Fachkreisen erregt namentlich der Plan eines Angriffs der Manöverflotte auf die Insel Helgoland, die von Marine-Artillerie vertheidigt werden wird, lebhaftes Interesse. Ende August dampft das Geschwader um die jütländische Nordspitze nach der Ostsee und manöverirt in den ersten Tagen des September in den schlcswig-holstcinischcn Ge­wässern. Gegen den 10. September beginnen in den westpreußischen Gewässern die großen abschließenden Manöver, die sich um den 20. September nach der Kieler Föhrde hinziehen. Hier wird die Auflösung des Herbstgcschwadcrs erfolgen.

Jung an Jahren, aber hoch an Ansehen ist fürwahr die deutsche Flotte, und sie wird auch bei den diesjährigen Uebungen sicher ihrem Rufe Ehre machen. An unseren Küsten und in unserer Küstenvertheidigung ist sicher das Meiste geschehen, aber die Probe auf das Exempel bleibt doch noch übrig, und diese erbringt eben der Manöver-Ausgang.

Berliner Anarchisten in engster Verbindung mit den in Frankreich lebenden Genossen stehen. Die Anarchisten sollen auf einem von einer Wittwe W. gepachteten, in der Nähe des Zentralviehhofes gelegenen Gelände ihre geheimen Zusammenkünfte abgehalten haben. Im Ucbrigen deuten behördliche Vorsichtsmaßregeln darauf hin, daß die Polizei auch von der beabsichtigten Ver­wendung des Sprengstoffes unterrichtet ist.

Die sogenannte schwarze Bande, welche Berliner und namentlich auswärtige Waarenhäuser beschwindelten, ist, wie derConfectionär" erfährt, gestern in Berlin verhaftet worden. Es sollen eine größere Anzahl Berliner Geschäftsinhaber in Untersuchungshaft ge­nommen worden sein, deren Treiben in Folge vielfacher Denunciationen schon lange von den Behörden beobachtet wurde. Dieselben haben kein Mittel gescheut, um auf betrügerische Weise sich in den Besitz von Waaren zu setzen, die sie nachher zu allen Preisen verschleudert haben. Die Einzelnen bestellten Waare und gaben sich gegenseitig als- Referenzen auf.

Dresdeif. Vom Ministerium des Innern wird vom 1. September d. I. an in Sachsen, wie dasL. T." meldet, ein tragbares Ehrenzeichen an Arbeiter und Dienstboten verliehen. Das Ehrenzeichen ist für Solche bestimmt, welche nach vollendetem funfundzwanzigsten Lebensjahre dreißig Jahre ununterbrochen in einem und demselben Arbeits- beziehungsweise Dienstverhältnisse gestanden haben und unbescholten und königstrcu gesinnt sind. Das Ehrenzeichen besteht in einer silbernen Medaille, deren Vorderseite das Bildniß des Königs zeigt und deren Rückseite die Aufschrift:Für Treue in der- Arbeit" enthält. Die Inhaber des Ehren­zeichens sind berechtigt, dasselbe und zwar die Männer an einem einfarbigen grünen Bande auf der linken Seite der Brust, die Frauen aber an einem schwarz- sammetnen Bande um den Hals, sowohl in als außer der Arbeit beziehentlich dem Dienste und nach Austritt aus dem Arbeits- beziehentlich Dienstverhältnisse zu tragen. Das Tragen des grünen Bandes ohne das Ehrenzeichen ist nicht gestattet. Eine Rücklieferung des Ehrenzeichens nach dem Tode des Inhabers findet nicht statt. Ueber die Verleihung des Ehrenzeichens wird eine besondere Urkunde ausgefertigt. Die gesetzlichen Vor­schriften über den dauernden Verlust von Orden und Ehrenzeichen finden auch für Arbeiter und Dienstboten Anwendung. Zum Umtausch der seitherigen Medaille gegen die neue, tragbare Medaille ist die Genehmigung des Ministeriums des Innern erforderlich, welche nur ertheilt wird, wenn die in § 1 bezeichneten Voraus­setzungen noch allenthalben vorhanden sind.

Landeshut, 14. August. Ein Hochstablcr aus Berlin in Begleitung einer Dame versuchte hier ge­fälschte Banknoten und Wertpapiere umzusetzen. Beide wurden verhaftet. Bei der Dame fanden sich noch 1100 Mark in Falsifikaten vor. Wie aus Liegnitz gemeldet wird, stürzte während des jetzt dort statt- findenden schlesischen Provinzial-Schützenfestes ein Dampfcarroussel ein. Mehrere Personen sind schwer verletzt.

Altendorf, 7. August. Der unvorsichtige Gebrauch des Petroleums zum Anmachen des Herdfeuers hat schon wieder ein Menschenleben gefordert. Die 72jährige Frau B. aus Essen, welche sich behufs Pflege einer mit ihr verwandten Wöchnerin hier aufhielt, griff am Samstag Nachmittag zur Petroleumkanne, um schnell das Herdfeuer anzuzünden. Das Petroleum explodirte, und im Nu stand die arme Frau in Flammen und als Hülfe hinzukam, war die Unglückliche schon über und über mit Brandwunden bedeckt. Am Abend des Tages gegen 8 Uhr verschied die Frau im katholischen Krankenhause in Essen, wohin sie sogleich gebracht worden war. Eine weitere Mahnung mehr zu den vielen; wird sie fruchten?

Ein Anbtick, wie ihn Bayreuth noch nicht gehabt, wurde ihm nach demFränkischen Kurier" vor einigen Tagen zu Theil: Siegfried Wagners Bernhardinerhund war erkrankt, und die zu Rathe gezogenen Thierärzte erklärten, man möge das Thier, da keine Rettung mehr möglich, sofort erschießen. Der Hausarzt der Villa Wahnfried, Herr Dr. Landgraf rieth zu einer Opera­tion, und diese wurde denn auch vorgenommen. Sorg­fältig wurde der Hund verpackt, auf einen Handwagen geladen und, damit der Wagen nicht schaukele,' über das Trottoir dem städtischen Krankenhause zugefahren, wo

Deutsches Reich.

Berlin, 18. August. Der Kaiser nahm heute die große Herbstparade über das Garde-Korps auf dem Tempelhoker Felde bei Berlin ab. Die Parade war vom Wetter begünstigt. Der Kaiser trug die Uniform des ersten Garde-Regiments zu Fuß mit dem Orange­band des Schwarzen-Adler-Ordens und der Kette von diesem und dem Hohenzoller'schen Hausorden. Die diesjährige Sommerreise ist dem Kaiser offenbar sehr gut bekommen, über sein frisches kräftiges Aussehen herrschte nur eine Stimme. Die Kaiserin, welche wie angekündigt der Parade beiwohnte, trug den Galarock des Pommerschen Kürassier-Reg.Königin" über dem weißen Reitkleid. Das militärische Schauspiel verlief in der gewohnten glänzenden Weise.

Aus Anlaß des in Konstantinopel stattgehabten Erdbebens hat der Kaiser die Summe von 10,000 Mk. aus seiner Privatschatulle bewilligt. Davon sind 5000 Mk. zu allgemeinen Zwecken der Unterstützung Be­schädigter, die übrigen 5000 Mk. aber ausschließlich für die deutsche Schule in Konstantinopel bestimmt.

Die Offiziere des ersten Garde-Regiments z. F. in Potsdam tragen jetzt bei den Felddienstübungen probe­weise einen silbernen Leibgurt, der zur Befestigung des Fernglases, des Revolvers und der Tasche für Karten und Meldepapiere dient. Die Versuche damit sollen sich derartig bewährt haben, daß die elatsmäßige Einführung dieses Ausrüstungsstückes für den Herbst bevorsteht. Dagegen ist die Meldung einiger Blätter, daß der Gürtel die Offiziersschärpe ersetzen soll, nicht richtig. Letztere wird vielmehr für Parade- und Garnison- Dicnstzwcckc bcibehalten. Mit dem silbernen Leibgurt werden zunächst die Offiziere der Fußtruppen ausgerüstet. Wie es bei den Offizieren der Kavallerie, Artillerie, des Trains und den Berittenen der Infanterie gehalten werden soll, steht noch aus.

Das Schulpatronat von Privatpersonen besteht insbesondere in Schlesien noch in einem großen Um­fange. Derartige Privatpatronate kommen in Schlesien für 4060 Stellen in Betracht. So hat Fürst Pleß 123, der Herzog von Ujest 65, Graf Henckel von Donnersmarck 129, v. Tiele-Winckler 94, der Herzog von Ratibor 87, der Fürstbischof von Breslau 76 Stellen zu besetzen.

Die Hauptsteuerämter haben derSchles. Ztg." zufolge, auf Anordnung des Finanzministers den Auf­trag erhalten, feststellen zu lassen und zu berichten, wie viel Miethswohnungen auf dem platten Lande wie in den Städten schätzungsweise vorhanden sind und für welche Wohnungen Miethsbeträge bis zu 300 Mark einerseits und über 300 Mark andererseits gezahlt werden.

Die Kreissparkassen sind vom Minister Graf Eulenburg darauf hingewiesen worden, daß sie nament­lich ländlichen Besitzern mit tilgbaren Hypothekendarlehen große Hülfe leisten könnten. In einigen Provinzen, so besonders in Posen, wo sich die Kreistage demnächst mit der Angelegenheit beschäftigen werden, ist man der Frage bereits näher getreten.

Bei Berliner Anarchisten sollen, nach dortigen Blättern, gelegentlich der in Folge des Straßenkampfcs mit dem Schlosser Schewe vorgenommenen Haus­suchungen gefüllte Bomben aufgefunden worden sein. Ferner sollen bei einem Mechaniker D. (Lange Straße) Schriftstücke entdeckt worden sein, die darthun, daß die