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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

32. 56. Samstag, den 11 Juli 1894.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Das Kaiserpaar ist gestern Abend in Fjaerlands-Fjord eingetroffen. Die Weiterreise nach Bergen sollte heute erfolgen; morgen Nachmittag ge­denken die Majestäten in Drontheim einzutressen, wo ein zweitägiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist. Die Weiterfahrt des Kaisers nach Norden soll am Sonnabend Abend an Bord derHohenzollern" erfolgen, während sich die Kaiserin von Drontheim per Bahn nach Cyristiama begibt und von dort auf dem Seewege nach Deutschland zurückkehrt. Die Ankunft der Kaiserin auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel ist für den 20. d. M. in Aussicht genommen.

9. Juli. Der Bundesrath lehnte heute den Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung des Jesuiten­gesetzes ab, nahm dagegen den Antrag Bayerns auf Zulassung der Redemptoristen an.

Einer kriegsministeriellen Weisung zufolge haben die einzelnen Truppentheile den Bau von Eisenbahn- nothrampen zu erlernen, um in Kriegsfällen den Eisenbahnbeamten zur Hand gehen zu können und ein schnelles Einschiffen von Mannschaften, Pferden, Ge­schützen und Fahrzeugen in die Eisenbahnwagen zu ermöglichen. Zur Durchführung dieser Anordnung haben die Eisenbahnverwaltungen das erforderliche Material an Pfählen, Bohlen, Brettern und Klempen zu beschaffen und auf den größeren Bahnstellcn für alle Fälle bereit zu halten.

Nach derDeutschen Verkehrszeitung" wird eine Anzahl von angestellten Postassistcuten die Beförderung zum Oberassistenten erlangen. Die Ernennung wird ausschließlich Assistenten aus der Klasse der Militär- anwärter, welche am 1. April 1891 etatsmäßig angc- stellt worden sind, zu Theil werden. Den Militär- anwärtern wird eine Beförderung zu Oberassistenten schon nach weiteren drei Jahren zu Theil, während die anderen Assistenten in der Regel erst fünf Jahre nach der Ernennung zu Assistenten die unkündbare Bestellung als Oberassistenten erlangen.

DerStaatsanzeiger" veröffentlicht eine Königl. Ordre, wonach bis zur anderweitigen Regelung des Apothekerwesens denjenigen Apothekern in Preußen, denen zukünftig eine Konzession verliehen wird, die Präsentation eines Geschäftsnachfolgers nicht mehr ge­stattet ist.

Aus den betheiligten Kreisen ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß der Rückgang des Kleingewerbes beschleunigt werde, weil es dem kleineren Gewerbetreibenden nicht möglich sei, sich stets einen ausgiebigen und schnellen Kredit zu beschaffen. Be­sonders aus Handwerkerkreisen ist vielfach der Wunsch laut geworden, daß ihnen erleichterte Bedingungen zur Benutzung des Reichsbankkredits gewährt werden möchten. In Verfolg dessen hat sich vor einiger Zeit der Redakteur Tippel in Schweidnitz an den Reichsbank- präsidenten Dr. Koch mit einem Gesuch gewendet. Daraufhin hat Dr. Koch folgenden Bescheid ertheilt: Euer Wohlgeboren erwiedere ich auf das gefällige Schreiben, vom 18. v. M. ergeben st, daß die Reichs­bank verpflichtet ist, ihre Noten sofort auf Verlangen gegen bnares Geld einzulösen und deshalb nicht im Siande ist, langfristige Kredite zu bewilligen. In der Vorschrift des Bankgesetzes, daß sie Wechsel nur mit einer Verfallzeit von höchstens drei Monaten dis- kontiren darf, ist dies zum Ausdruck gekommen. Im Rahmen der Bestimmungen des Bankgesetzes aber gewährt sie jedem, auch dem kleinen soliden Geschäfts­mann, angemessenen Kredit, wenn und soweit seine Geschäftsführung und sein Vermögen für die pünktliche Erfüllung seiner Zahlungsverbindlichkeiten Gewähr bieten. Minder bemittelte Handwerker und Gewerbe­treibende werden sich stets zu kreditfähigen Genossen­schaften vortheilhaft zusammenschließen."

Gelsenkirchen, 3. Juli. Zu den vier Menschen­opfern, die vom Samstag bis zum Montag voriger Woche durch die Rohheit junger Burschen gefallen, sind zwei weitere gekommen. Auf dem Sutemer Wege bei Schalke wurde ein Mann überfallen und erstochen, und ein Bergmann siel, nachdem er sein sauer verdientes Geld erhalten hatte, bei den hiesigen Kirchhöfen jungen Straßenrändern in die Hände. Dieselben stachen ihn nieder und beraubten ihn. In beiden Fällen wurden mehrere der Thäter durchnegs junge Burschen ermittelt und verhaftet.

Oberhausen i. Rheinl. 6. Juli. Der schon oft beklagten Unvorsichtigkeit beim Rangirdienst ist heute Mittag ein Arbeiter der Gutehoffnungshütte auf schreck liche Weise zum Opfer gefallen. Er wollte einem mit flüssigem Eisen gefüllten sogenannten Pfanneuwagen, welche den Guß von den Hochöfen nach dem Walzwerk bringen, ankuppeln, als die Locomotive zu stark an den Wagen stieß. In Folge dessen flog ein großer Theil der glühenden Eisenmasse aus dem Wagen und über­schüttete den armen Mann von oben bis unten wie Wasser. Unter den gräßlichsten Schmerzen trat der Tod ein.

Altona, 8. Juli. Hier scheint seit einiger Zeit eine förmliche Kindesmordmanie zu herrschen. Im Laufe der letzten vierzehn Tage sind an verschiedenen Stellen in der Stadt nicht weniger als fünf Leichen neugeborener Kinder gefunden worden. Die gerichtliche Sektion hat in allen fünf Fällen ergeben, daß die Kinder nach der Geburt gelebt und entweder durch Erdrosselung oder durch anderweite Anwendung von Gewalt gestorben sind. In drei Fällen ist es gelungen, die Mutter des betreffenden Kindes zu ermitteln und zu verhaften. Alle sind geständig, heimlich geboren und das Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getödtet zu haben.

Heiligcustadt, 10. Juli. Eine unglaubliche That beging in Kreuzeber ein Vater an seinem eigenen Kinde. Derselbe hatte eine Kuh verkauft und dafür in Papier­geld 200 Mark erhalten. Die zwei 100 Mark-Noten ließ der betr. Landwirth auf dem Tische liegen, so daß dessen 2jähriges Kind die Scheine erlangen konnte, um dieBilder" auszuschneiden. Als der Vater in's Zimmer zurückkam, waren die Geldnoten schon zer­schnitten, und in seiner Wuth hieb er dem Kinde mit einem Beile beide Hände ab. Die Mutter, welche herbeikam, erlitt bei dem Anblick des im Blute schwimmenden Geschöpfes ein Schlagaufall und starb alsbald. Das unglückliche Kind, welches noch am Leben ist, wurde in das Krankenhaus nach Heiligenstadt gebracht. Der Vater aber wird seinen Wuthanfall und seine geldgierige Gesinnung wohl strenge büßen müssen.

Stuttgart, 9. Juli. Aus zahlreichen Orten Württemberg kommen Hiobsposten über bedeutende Schäden, welche am Sonnabend und Sonntag Ge- wikter angerichlet haben. In einem Falle wurden Gebäude in Folge zündender Blitze eingeäschert; in einem anderen vernichtete der Hagel die Obsternte; auch in den Weinbergen ist die Weinernte bedroht.

Mainz, 9. Juli. Die Nachricht, das Kriegsmini- sterium in Berlin habe dem zweiten Sohn des Herrn Chr. Falk anläßlich des dienstlichen Unglücksfalles, dem der älteste Sohn des Herrn Falk zum Opfer fiel, die Militärdienstzeit erlassen, stellt sich als Schwindel heraus. Um von der Familie Falk Geld zu erhalten, hat ein Soldat, der auf dem Bezirkskommando beschäftigt sein wollte, diese Mittheilung der Familie Falk angeblich Namens des Bezirkskommandos gemacht, wofür der Soldat reichlich belohnt wurde. Der Soldat, der auch sonstige Schwindeleien verübte, ist flüchtig gegangen und wird nun verfolgt.

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Italien. 24 Kinder abgeschlachtet hat in Lercara, sowie einigen anderen Orten der Mnsiker Aramico Car- melo. Bei seiner Verhaftung erzählte er, es sei ihm Nachts ein Gespenst erschienen, das ihm mitgetheilt habe, daß man jeden im Erdinnern verborgenen Schatz finden könne, wenn man die Erde mit dem Blute von 50 un­schuldigen Kindern tränke. So sei er denn auf den Kinderfang ausgegangen.

Aus Rußland. Bei der Oeffnung eines alten Schachtes in den Kohlengruben in Hsing Knochow fand man 170 Leichen, welche vor 400 Jahren in Folge schlagender Wetter umgekommen waren. Die Leichen waren wohl erhalten und sahen aus, als ob der Tod erst gestern eingetreten wäre. Als man sie aber beerdigen wollte, blieb nur ein Staubhaufen übrig.

Konstantinopel, 10. Juli. Gestern Mittag hat hier ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Drei starke Erdstöße folgten aufeinander. Viele Häuser sind ein­gestürzt, viele Verwundete und Todte unter den Trümmern begraben. Die Aufregung unter der Bevölkerung ist groß. Alle Geschäfte sind geschlossen.

Chicago, 11. Juli. Der Großmeister derRitter der Arbeit" hat den allgemeinen Ausstand angeordnet. Heute streiken über eine Million Arbeiter.

San Francisco, 9. Juli. Die Lage ist hier noch sehr bedrohlich. Sämmliche Matrosen und Seesoldaten von Märe-Jsland haben Befehl erhalten, die Truppen zu unterstützen. Auch Kriegsschiffe werden für den Nothfall bereit gehalten. Sechs Compagnien Soldaten begaben sich von San Francisco nach Sacramento, dieselben führen Gatling-Kanonen mit. Die Ausstän­digen, die 1500 Gewehre und eine große Anzahl Revolver besitzen, sind auf eine Belagerung vorbereitet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 13. Juli.

* Auf eine bezügliche Eingabe des Stadtraths hat die Königliche Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. in dankenswerther Weise veranlaßt, daß der Abend- schnellzug ab Frankfurt 8 Uhr 45 Min. vom 1. Ok­tober er. ab auf Station Schlächtern hält. Hiermit ist einem vielseitigen Bedürfniß für unsere Stadt und Um­gebung abgeholfen worden.

* Mit dem Kornschnitt wird in diesem Jahre wohl drei Wochen früher gegen sonstige Jahre begonnen werden können. Schon zeigen die Roggenfelder einen gelblichen Schein, den Eintritt der Reife.

* Aus der Strafkammersitzung vom 9. d. M. Bei unbefugter Jagdausübung in der Gemarkung Steinau waren ein Maurer und ein Taglöhner von Marborn von einem Förster betroffen und auf erhobene Anzeige Jeder zu 35 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Beide hatten Berufung eingelegt und den Alibibeweis anzutreten versucht. Das Berufungsgericht gelangte jedoch ebenfalls zu der Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten und erkannte deshalb auf Verwerfung der Berufung. Wegen Betrugs ange­klagt war ein 66jähriger früherer Blüttermacher von Weiperz, und zwar sollte er angeblich eine bereits gelöschte Forderung von 120 Mark nochmals an einen Handelsmann von Sterbfritz eibirt haben. Es erfolgte jedoch Freisprechung, da die Forderung nicht gelöscht, sondern nur verpfändet war.

* Frische Kirschen und frische Beeren werden auf den Eisenbahnen Deutschlands eilgutmäßig zu den einfachen Frachlsätzen befördert, wenn die Ausgabe solcher Sendungen mit weißen Frachtbriefen erfolgt; bei Verwendung rother Frachtbriefe kommt die volle Eilgnttaxe zur Erhebung.

Hanau. In dem benachbarten Klein-Krotzenburg, stürzte am Freitag Abend nach 8 Uhr plötzlich die vordere Facade des dem Wagner Philipp Appel dahier gehörenden Wohnhauses zusammen. Die Gemeinde läßt nämlich gegenwärtig längs der unteren Mainstraße einen Kanalbau ausführen. Der Kanalschacht ist über 2 Meter tief, 1 Meter breit und ungefähr 50 Centi- meter von den Häusern entfernt. Der Bauunternehmer, Beigeordneter Schwab dahier, unterließ auffallender Weise die Verschalung des Schachtes, mißachtete über- Haupt jedwede Unfallverhütungsvorschriften. Gerichtliche Untersuchung ist bereits eingeteitet. Bei dem schweren Unfälle sind glücklicher Weise keine Menschenleben zu beklagen, weil die Kanalarbeiter kurz vorher die Arbeits­stätte verließen und sich die Hausbewohner zufällig nicht in den gefährdeten Räumen aufhielten.

Bei Seligenstadt stand am Sonntag Abend am Steinheimer Thor ein Kornacker plötzlich in Hellen Flammen. Ein beträchtlicher Theil des nahezu aus­gereiften Getreides wurde vom Feuer vernichtet. Ener­gischem Einschreiten gelang schließlich die Eindämmung des Kornbrandes, der auf den ausgedehnten Getreide­fluren größere Dimensionen anzunehmen drohte. Der Brand soll durch einige muthwillige Schulbuben aus Fahrlässigkeit angelegt worden sein.

Neuses, 6. Juli. DerFld. Ztg." wird von hier geschrieben: In den späten Nachmittagsstunden des vergangenen Sonntags (1. Juli) wurden die Bewohner hiesigen Ortes durch eine heftige Detonation in große Aufregung versetzt. Hunderte liefen auf die Straßeen und forschten mit ängstlicher Neugierde nach Ursache und Wirkung des ungewohnten Knalles. Im Hofe des Gastwirths Jenior schwebte eine Rauchwolke, während eigenartiger Geruch die Luft erfüllte. Auf dem Boden aber wälzte sich ein kleiner Junge umher, und an einer Mauer lag blutüberströmt und anscheinend todt das fünfjährige Söhnchen des Lehrers Neumann. Einige Männer reinigten im nahen Bache den leblosen Körper sofort vom Blute, und hierbei kehrten Leben