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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllnstrirten Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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<42. Samstag, den 26. Mai 1894.
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Deutsches Reich.
Berlin. Wie aus Pröckelwitz gemeldet wird, gedenkt der Kaiser Freitag früh auf der Wildparkstation bczw. neuen Palais wieder cinzutreffen. — Als Kaiserpreis für das Bundesschießen in Mainz hat Se. Majestät tiuen prachtvollen Silberpokal im Gewichte von 5900 Gramm gestiftet. Ausführung, Form und Technik sind meisterhaft, ein erfreuliches Zeichen des Fortschrittes des Berliner Kunstgewerbes.
— Durch die im letzten Konsistorium zu Rom erfolgte Ernennung des Jesuiten Steinhuber zum Kardinal ist, so schreibt die Krzztg., die Zahl der deutschen Kardinäle auf sechs erhöht. Es sind: Hohen- lvhe, Ledochowski, Melchers, Krementz, Kopp und Sternhuber. Von einem Kardinal „Prinz" Hohenlohe oder „Graf" Ledochowski zu reden, ist nicht korrekt, da die Kardinalswürde den Prinzen- und ©rasen rang, ebenso den Doktortitel absorbirt. Auch Rampolla ist z. B. Marchese, wird aber nicht Kardinal Marchese de Rampolla, sondern einfach Kardinal Rampolla genannt. So viele deutsche Kardinäle wie jetzt hat es seit langer Zeit nicht mehr gegeben, ein Beweis für die nicht unerhebliche Rolle, welche jetzt der deutsche Katholizismus im Vatikan spielt. Kardinal Hohenlohe und Steinhuber sind Baiern, während die übrigen Preußen sind.
— Im Abgeordneteuhause hat der Finanzminister die Hauptergebnisse einer Verschnldungsstatistik mit= getheilt, welcher das prozentuale Verhältniß der Schuldzinsen zu dem geschätzten Einkommen aus Grundbesitz unterlegt worden ist. Es werden nunmehr durch die N. A. Z. die geNauren Daten dieser Untersuchung bekannt, und zwar ergibt sich, getrennt für städtischen und ländlichen Grundbesitz, daß die Schuldenzinsen in Prozenten des geschätzten Einkommuns betrugen:
die Thatsache, daß jedesmal, wenn die bürgerliche ling, Ferd., Schuhmachermeister, Fulda. 2. Wörner, Gesellschaft au einem Anhänger dieser fanatischen Lehre Johs. 9r, Ackermann, Langeudiebach. 3. Baader, ein Exempel statnirt hat, sofort ein anderer Anarchist Fr., Brauereibesitzer, Hanau. 3. Berk, Georg., an die Stelle des Gefallenen tritt. Kaum hat sich die
Gruft über dem Körper des Hingerichteten Anarchisten Henry geschlossen, so meldet der Telegraph bereits von einem neuen Dynamitanschlag in Paris, der glücklicherweise noch rechtzeitig entdeckt worden ist, wodurch vielleicht wieder einmal unabsehbares Unglück verhütet wurde. Am Montag Abend wurde vor der Thür der im ersten Stock eines Hauses der Avenne du Mar^chal Niel gelegenen Wohnung des Abb^ Garnier, des Direktors des „Peuple francais“, eine Bombe mit angezündeter Zündschnur gefunden. Der Concierge des Hauses löschte die Zündschnur aus. Die Bombe wurde nach dem Laboratorium gebracht, wo die vorgenommene Untersuchung ergab, daß dieselbe Chloratpulver und Eisenstücke enthielt. Dir Bombe, welche sechs Kilogramm wog, wurde für höchst gefährlich befunden. Die Polizei ist bereits auf der Spur des Attentäters.
Amerika. Der Bergarbeiter-AuSstand in den Vereinigten Staaten ist noch immer nicht beendigt, die Lage in Pennsylvanien wird in neueren Depeschen sogar als sehr ernst geschildert. Falls der Bergarbcilerstreik noch eine Woche dauert, müssen die Fabriken in Folge Kohleumangels die Arbeit einffellen; hierdurch würden zwei Millionen Arbeiter brotlos werden.
Gerbereibesitzer, Gelnhausen.
Bürgermeister, Oberdorfelden.
5. Reichhold, Christian,
6. Engelhard, Julius,
Regierungs- bezirk.
Königsberg Gumbinnen Danzig Marienwerder Berlin Potsdam Frankfurt a. £ Stettin Köslin Stralsund Posen Bromberg Breslau Liegnitz Oppcln Magdeburg Merseburg Erfurt
Aus dieser Tabelle ergiebt
Städte.
Land.
Regierungs-
Städte.
Land.
pLt.
pCl.
bezirk.
pCt.
pCr
64
51
Schleswig
65
25
67
44
Hannover
63
20
69
48
Hildesheim
65
20
75
58
Lüneburg
73
22
66
Stade
49
21
69
73
Osnabrück
59
14
). 79
48
Aurich
40
17
76
48
Münster
39
18
97
15
Minden
58
22
116
50
Arnsbcrg
62
29
66
60
Kassel
60
23
67
60
Wiesbaden
59
20
67
44
Koblenz
50
19
73
50
Düsseldorf
64
26
64
48
Köln
51
19
60
23
Trier
38
16
62
28
Aachen
41
14
61
27
&taat:
63
38
sich, daß die Verschuldung des städtischen Grundbesitzes vielfach eine verhältnißmäßig eben so hohe und unter Umständen noch höhere ist, als die des ländlichen. Ein rein arithmetischer Vergleich ist natürlich bei der Verschiedenartigkeit des Einkommens aus Haus- und Grundbesitz nicht zulässig. Wäre das der Fall, so müßte ja die Lage der städtischen Grundbesitzer eine viel schlimmere sein als die der ländlichen.
Leipzig, 22. Mai. Ein 25jähriger verhcirathctcr,
aber von seiner Frau getrennt lebender Postassistent, der am Pfingstheiligenabend auf mehrere Tage beurlaubt worden war, hat, wie sich jetzt herausstellt, mit einem Postbeutel von 180—200 000 Mark (40 Geldbriefe) das Weite gesucht. Er war am Postamt Dresdener- Bahnhof stationirt. Der Flüchtling heißt Georg Aug. Adolf Ullrich und ist am 20. Oktober 1869 in Se- ligenthal bei Schmalkalden geboren, 1,73 Meter groß von kräftiger Gestalt, röthlich blondem Haar und hat ein volles gcröthctes Gesicht. Der Flüchtige wurde in Alexanderbad bei Wunsiedel (Bayern) verhaftet.
Altana, 22. Mai. Hamburger Blätter melden übereinstimmend, Preußen habe beim Hamburger Senat die Abtretung Cuxhafens und Ritzebüttels beantragt wogegen Allona an Hamburg abgetreten werden solle'
Ausland.
Paris. Wie wenig Abschreckung die drakonischen Strafen und die mit Blut geschriebenen Ausnahmegesetze auszuüben im Stande sind, mit denen man die anarchistische Bewegung todt zu machen hoffte, beweist
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 25. Mai.
* — Die Felder und Wiesen haben infolge des in den letzten Nächten niedcrgegangcncn Regens ein frisches Ansehen bekommen und es ist Hoffnung auf eine reich gesegnete Ernte vorhanden. Namentlich verspricht der Roggen sehr einträglich zu liefern. An Futter wird es allerdings vorläufig noch fehlen, da der im vorigen | trockenen Jahr gesäete Klee nicht anfgegangen ist. Man hilft sich vorläufig dadurch, daß man Roggen abfüttert. Auch verspricht die Obsternte eine sehr reichliche zu werden, da fast sämmtliche Obstbäume vvr dem ein- getretenen Froste abgcblüht und bereits Früchte an- gesetzt hatten.
* — Wie wir hören, beabsichtigt der Verband ländl. Genossenschaften für den Reg. Bezirk Cassel, der an 200 Vereine mit etwa 10 000 Mitgliedern umfaßt, am 6. Juni d. Js. seinen Verbandstag in Schlächtern abzuhalten.
* — Die vom landwirthschaftlichen Kreisverein durch die Herren Schröder von Horas, früher zu Heubach, und Gastwirth Kohlhepp zu Schwarzenfels, im Bezirk Hannover angekauften Zuchtserkel gelangen nächsten Montag zür Versteigerung, worauf wir die Eberhalter und Züchter besonders aufmerksam machen. (Siehe Jnseratentheil.)
Als eine große Seltenheit wird aus Aufennn mitgetheilt, daß sich kürzlich auf dem Bienenstände des Herrn Lehrer Karpenstein in einem Zeitraum von 24 Stunden ein Bienenstock auf die Zahl drei gestellt hat. Die beiden abgelegten 'Schwärme erfreuen sich ihres Daseins und gehen munter an die Arbeit.
Gelnhausen. Die in der Samstagnummer in dem Bericht über die Einbruchasfairc in Wächlerrbach ausgesprochene Muthmaßung, daß die Einbrecher sich auf einer Kunstreise befinden, scheint sich bestätigen zu wollen. Vergangenen Samstag Abend gingen in hiesiger Stadt gegen V-10 Uhr zwei ziemlich anständig gekleidete Individuen „fechten", welche nachträglich mit den Wächtersbacher Diebstahl als verdächtig in Verbindung gebracht wurden. Auch aus dem benachbarten bayrischen GrenzorteLohr werden Einbruchdiebstähle, welche in dortiger Gegend verübt wurden, gemeldet; dcsgl. aus Langenselbold.
Fulda, 23. Mai. Nach hierher gelangter Nachricht aus Rom ist die Präkonisirung des Hochw. Herrn Bis- thumsverwesers Prälat Dr. Georg Jgnatius Komp zum Bischof von Fulda nunmehr erfolgt. Die durch ein päpstliches Breve vollzogene Ernennung wurde in dem am Montag den 21. d. M. im Vatikan zu Rom stattgcfundencn Konsistorium vom hl. Vater verkündigt. Wie wir hören, findet die Konsekration und Inthronisation unseres neuen Oberhirten wahrscheinlich am Montag den 11. Juni statt.
Hanau, 22. Mai. In der heute Vormittag statt- gefundenen Sitzung des Königl. Landgerichts wurden folgende Herren als Geschworene ausgeloost: 1. Emmer-
i Kaufmann, Hanau. 7. Ruppert, Carl, Metzger, Bergen. : 8. Reuhl, Johs. 4r, Bäcker und Landwirth, Bischofsheim. । 9. Spatz, Carl, Fabrikant, Hanau. 10. Augustin, Louis, Glashändler, Hanau. 11. Freiherr von Oer, Hof- ' marschall, Birstein. 12. Detter, Kaspar, Landwirth, : Oberissigheim. 13. Horst, Gustav, Fabrikant, Hanau. 1 14. Künstler, Carl, Kaufmann, Fulda. 15. Zorn, : Bernhard, Ockouom, Steinau. 16. Traut, Fr., i Mühlenbesitzer, Steinau. 17. Hamm, Christian, Fabri- : kaut, Hanau. 18. Wolfs, Engen, Kaufmann, Fulda. ' 19. Brückmann, Georg, Hch., Müller, Eichen. 20.
Sauerwein, Fr., Kaufmann, Hanau. 21. Göbcls, Theodor, Ockonom, Fcchcnheim. 22. Möller, Pins, Hüttner und Bürgermeister, Hattenhof. 23. Schwarz, Ferd., Obcramtmann, Baiersröderhof. 24. Arnd, Theo- : dor, Eisenhändler, Fulda. 25. Diegel, Johannes, Bäcker, Windecken. 26. Schneeweis, Richard, Hotelbesitzer, Orb. 27. Bechtel, Hch., Kaufmann, Hanau. 28. Schwerzel, Franz, Kaufmann, Fulda. 29. Huth, Adam Justus, Bauer, Lauzingen. 30. Halbleib, Lorenz, Kaufmann, Fulda. Die Verhandlungen werden am 18. Juni beginnen und ca. 8 Tage in Anspruch nehmen. Der Vorsitz ist Herrn Landrichter Kehr übertragen.
Frankfurt. Tief blicken in die Masse von Schreibwerk, die jetzt an der Bahn geübt wird, läßt eine Verkaufsanzeige der hiesigen Eisenbahndirektion. Nach derselben kommen zum Verkauf ca. 3000 Kilogramm alte Mvycr, 30 000 Kilo alte Akten, 10 000 Kilo Fahrkarten und 5000 Kilo sonstiges Maculatur, insgesammt also 48 000 Kilogramm oder 960 Centner altes Papier. — Da derartige Angebote so ziemlich alle Jahre einmal vorkommen, so kann man sich vor- stellen, was für ein riesiger Schreibapparat bei der Bahn in Thätigkeit ist, zieht man die anderen Eisem bahndirektionen mit in den Calcul.
Vom Main, 20. Mai. Die am Verbindungswege zwischen Rothenbuch und Weihersbrunn stehende stärkste und älteste Eiche des Spessarts, deren Stamm 6 Meter Umfang aufweist, wurde dieser Tage von einem unbekannten Burschen in Brand zu setzen versucht. Durch das energische Eingreifen des Försters konnte das Feuer gedämpft und der mächtige Baumriese einstweilen noch erhalten werden.
Kassel, 22. Mai. Aus einer geringfügigen Ursache entstand gestern Abend von 7 Uhr an in verschiedenen Straßen der Altstadt ein Straßenkrawall, der bedenkliche Ausdehnung annahm. Ein Maurer war gegen 6 Uhr in der Essiggasse durch einen Schutzmann wegen Verödung , großen StraßenunfugS verhaftet worden und sollte in das Polizeiarresthaus an der Brüderkirche eingeliefert werden. Verschiedene Kollegen desselben versuchten nun die Verhaftung ihres Freundes zu verhindern, es kam hierbei zu einem Handgemenge, wobei die herbeigeeilten Polizeimannschaften mit Steinen beworfen wurden. In Folge dessen machten die Schutzleute von ihrer Waffe Gebrauch, ebenso wurden die in der Husarenkaserne am Marställer Platze liegenden Mannschaften alarmirt, die mit blanker Waffe einschreiten mußten. Durch den Steinhagel der Massen, wobei sich namentlich die fremden hier weilenden Maurer auszeichneten, wurden verschiedene Personen verletzt, so erhielt ein Husar durch einen Steinwurf eine erhebliche Verletzung im Gesicht. Die Menschenansammlungen erstreckten sich schließlich vom Marställerplatze aus auf den Altmarkt, Marktgasse, Fuldabrücke und in die angrenzenden Straßen und dauerten bis 10 Uhr Abends. Eine große Anzahl Verhaftungen wurde durch die Polizei vorgenommen. Nach 10 Uhr Abends war schließlich die Ruhe und Ordnung wieder hergestellt.
— 23. Mai. Heute Abend haben sich die Straßen- krawalle wiederholt. Die Schutzmannschaft trieb die Ruhestörer aber mit blanker Waffe auseinander.
Gefährliche Höhlenfahrten.
Der $oi fall in der Lueglochhöhle bei Graz giebt einem hervorragenden Höhlenforscher, dem f. k. Regierungsrath I. Kraus Veranlassung, im Wiener „Frdbl." sich über Unfälle bei Höhlenfahrten zu erklären. In Wasserhöhlen, schreibt er u. a., kann man sehr leicht