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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirten Familienfreund" vicrtcljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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.M 40. Samstag, den 19. Mai 1894.
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Deutsches Reich.
Berlin, 16. Mai. Der Kaiser trifft am 30. d. M. : aus Pröckelwitz wieder in Berlin ein, wo er sofort nach
seiner Ankunft die große Frühjahrsparade des Garde- Korps auf dem Tempelhofer Felde abhalten wird. — Die Kaiserin wird in den ersten Tagen der nächsten Woche aus Grünholz im Neuen Palais bei Potsdam zurückerwartet. Am 28. d. M. gedenkt die hohe Frau die Generalversammlung des Vaterländischen Frauen- Vereins in der Sing-Akademie zu Berlin abzuhalten.
— Heute ist eine Extra-Ausgabe des „Militär- Wochenblattes" erschienen, welche zahlreiche Personal- Veränderungen in der Armee mittheilt, darunter auch eine große Anzahl Veränderungen in den höheren Kommandostellen. 3 Generallieutenants, 2 Generalmajors und 5 Regiments-Kommandeure sind theils in Genehmigung ihres Abschieds-Gesuches zur Disposition gestellt, theils haben sie den Abschied erhalten.
— Der König von Württemberg hat am Pfingst- sonntag einer Abordnung von Synodalversammlungen, die nach Stuttgart gekommen war, um dem Monarchen eine Petition gegen die Wiederzulassung der Jesuiten zu unterbreiten, die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Zustimmung des Bundesraths zu dem bezüglichen Beschluß des Reichsrags nicht zu erwarten sei. Dies entspreche sowohl seiner persönlichen Auffassung wie der seiner Regierung. Hoffentlich ist die Mehrzahl der deutschen Fürsten derselben Ansicht!
Von einem bayerischen Reservat der Abgeordneten wird aus München berichtet. Der Präsident der Abgeordnetenkammer in München, Herr Walter, ließ folgendes Schreiben an die Abgeordneten ergehen: „Vertraulich! Für die Herren Mitglieder der Abgeordnetenkammer sind vier Hectoliter Hofbräuhaus reservirt worden. Da am Mittwoch den 9. d. M. ohnehin die Sitzung um 110« ufjr geschlossn werden muß, weil eine Sitzung des Finanzausschusses der Kammer der Reichsrüthe stattfindet, so dürfte wohl dieser Tag als besonders geeignet erscheinen, mit dem reservirten Stoffe aufzuräumen. Ich beehre mich deshalb, Ihre Excellenzen die Herren Staatsminister, die Herren Mimsterial-Commissare und die Herren Kollegen ergebenst einzuladen, sich am oben bezeichneten Tage nach der Plenarsitzung recht zahlreich im Hofbräuhauskeller in den oberen Sälen einzufinden, und füge noch bei, daß nicht nur für Bockwürste, sondern auch für den Mittagstisch ausreichende Vorsorge getroffen wird." — Diese parlamentarische Sitzung mit der Tagesordnung „Hosbrüuhaus - Bock und Bockwürstl" wird sicherlich nicht an Beschlußunfähigkeit gescheitert sein.
Würzburg. Nach der „Süddeutschen Landpost" verlangen die Bauern für die Ländereien, die zu dem neuen Uebungsplatz des zweiten bayerischen Armeekorps bei Hammelburg von der Militärbehörde in Aussicht genommen sind, 48 Mill. Mark. Der Voranschlag beträgt nur 5 Mill. Die Forderungen verblüffen größtentheils, da es sich dabei um ziemlich ertraglose Gründe handelt. Es ist selbstverständlich, daß die Militärbehörde nicht in der Lage ist, auf solche Forderungen einzugehen. — Nach dem „Kemptener Anzeigeblatt" hat der Schneider Epple in Kempten einen neuen schußsicheren Panzer erfunden. Auf dem Infanterie-Schießplatz bei Kempten haben bereits Schieß- Proben stattgcsundcn; zwölf auf dem Panzer abgegebene Schüsse haben die Wirkung gehabt, daß die Geschosse angeblich an dem Stoff des Panzers zerstäubt sind, ohne daß die Rückseite beschädigt worden ist.
Eine furchtbare Volksjustiz ereignete sich im oberbayerischen Städtchen Wcilheim. Gelegentlich eines Ausfluges zweier Vereine nach Peißenberg wurde ein Bäckergehilfe durch übermäßigen Getränkekonsum rabiat und stieß dem abmahnenden Herbergsvater ein Messer in die Brust. Der Mörder floh, wurde eingefangen und Abends nach Weilheim gebracht. Bei der Aus- waggonirung stürzten etwa 500 Männer auf den Mörder, der mit Steinen und Holzscheiten niedergeschlagen und so zugerichtet wurde, daß sein Aufkommen zweifelhaft ist. Fünf Gendarmen wehrten die Angreifer mit blanker Waffe ab, sonst wäre der Mörder buchstäblich in Stücke zerrissen worden. Mehrere Gendarmen und zahlreiche Leute wurden verletzt. Die Aufregung in der ganzen Gegend jft unbeschreiblich.
äRuing, 17. Mai. Unter dem Verdacht der Spionage sind hier zwei Franzosen in Hast genommen. Sie wurden bei der Abzeichnung der Festungswerke betroffen.
Ausland.
Wien, 16. Mai. Der akademische Maler Kolarzi vergiftete sich gestern mit seinen drei Schwestern im bekannten Wallfahrtsort Lanzendorf bei Wien. Die Ursache war die Erkrankung' der ältesten 60 jährigen Schwester. In dem Testamente erklärten die Geschwister gemeinsam sterben zu wollen, weil sie nicht wollen, daß eines den Tod des anderen überleben solle. Die mysteriöse Affaire macht Aufsehen.
Rußland. In dem Warschauer Haupt-Zollamt wurden vor Abschluß des Handelsvertrages nicht mehr als 5 Waggons täglich abgefertigt. Jetzt dagegen gehen täglich durchschnittlich 26 Waggons mit ausländischen Waaren für Warschau ein, und gegen 85 Waggons gehen in das Innere Rußlands. Dabei sind die Waggons nicht inbcgriffcn, welche auf der Weichselbahn aus Ulawa eingehen, und die auf dem Neben-Zollamte in Powonski abgefertigt werden. Der größte Theil der aus Deutschland kommenden Waggons enthält Ladungen von Maschinen und landwirthschaftlichen Geräthen,
Amerika. Die Wirkung des neuen amerikanischen
Esipendorf, 11. Mai. Einen schrecklichen Abschluß fand hier eine Hochzeitsfeier. Ein zum Feste geladener Bergmann gerieth mit den anderen Gästen in Streit und bohrte 3 Familienvätern sein Dolchmesser in die Brust, so daß die Verletzten sofort zu Boden stürzten und schwerlich mit dem Leben davonkommen werden. Nur mit Mühe gelang es, den Wüthench zu bändigen und festzunehmen.
Bremerhaben, 11. Mai. Die jüngste Verhandlung des hiesigen Seeamts brächte weitere Aufklärungen über den Untergang des hiesigen Vollschiffes
„Cleopatra", welches auf der Reise von Geeste- münde nach New-Iork in der Mitte des Atlantischen Ozeans in Brand gerieth und durch eine Explosion vollständig vernichtet wurde. Das Schiff war am 21. März von der Weser abgegangen, und zwar mit einer Ladung, welche im Laufe der Seeamtsverhand- lung vom Reichskommissar für „sehr gefährlich" erklärt wurde; sie bestand unter anderem ans 1150 Ballen Lumpen, 700 Ballen Strohhülsen für Flaschenver- packungcn, 500 Barreln Wollfett und 80 Kisten Sprengstoffen, welche letztere erst auf der Rhcde an Bord gekommen und in den Frachtbriefen als „Zündhütchen" deklarirt waren. Die Reise verlief ohne besondere Ereignisse, bis der Obersteuermann am 22. April, um 2 Uhr Morgens in der Kajüte Brandgeruch verspürte. Er ließ sofort den Kapitän und die ganze Mannschaft wecken, worauf man so schnell als möglich die unter der großen Luke liegenden 80 Kisten Sprengstoffe nach oben in die zweite Kajüte brächte. Beim Oeffneu der Luken drang etwas Ranch von unten herauf; man schloß daraus, daß das Feuer seinen Hcerd im Unterraum habe. Da der Rauch bald nachließ, befürchtete man zunächst keine weitere Gefahr und beorderte die Mannschaft gegen 4 Uhr Morgens nach vorn, um sie zunächst durch Kaffee zu erfrischen. Kaum hatten die Leute das Logis betreten, als plötzlich eine ungeheure Flammensäule aus der Hinterluke emporschlug. In kurzer Zeit hatte das Feuer sich über das ganze Schiff ausgedehnt. Die beiden großen Böte in der Nähe des Hinterdecks wurden so schnell von den Flammen ergriffen, daß sie nicht mehr ins Wasser gelassen werden konnten. Jetzt blieben den Leuten nur noch die beiden kleinen Böte auf dem Vorderdeck übrig, die sie auch glücklich ins Wasser brachten und bestiegen. Inzwischen stand der Kapitän ans Hinterdeck; es war ihm unmöglich, durch die Flammen nach dem Vorderdeck zu gelangen, und sich in eines der Boote zu retten. Ihm blieb nur die Wahl, ins Wasser zu springen, oder zu verbrennen; nachdem er noch glücklich einen Schwimm- gürtel gefunden hatte, stürzte er sich in die Fluchen. Gleich darauf hatten die Flammen die Sprengstoffe ergriffen, es erfolgte eine fürchterliche Explosion, das Schiff brach mitten durch und sank in die Tiefe. Nachdem der Kapitän etwa eine Stunde im Wasser zugebracht hatte, wurde er von einem der Boote, dessen Insassen sein Schreien gehört hatten, gerettet. Bei Tagesanbruch kam der englische Dampfer „Neßmore" in Sicht, welcher die Schiffbrüchigen aufnahm und acht Tage später in London landete; die bedauernswerthcn Leute haben nur das nackte Leben gerettet.
Einwanderergesetzes, welches bekanntlich den Andrang von diesseits des Atlantic thunlichst zu beschränken sucht, hat den beabsichtigten Erfolg davongetragen. Gegen das Vorjahr ist eine beträchtliche Abnahme der Einwanderung nach der Vereinigten Staaten zu constatiren. Englische Auswandcrcrschifse haben kaum den dritten Theil des sonstigen Jahresdurchschnitts befördert.
Lokales und Provinzielles
* Schlüchtern, 18. Mai.
* — Frau Maria Claus (Tochter der Eheleute Philipp Freund, Küfer dahier), Mitglied des Vereins für Krankenpflege (Rothes Kreuz) in Darmstadt erhielt vom Großherzog von Hessen die Silberne Verdienstmedaille für 15jährige treugeleistete Dienste als Krankenpflegerin.
* — Der landwirthschaftliche Kreisverein dahier, welcher in den letzten Jahrzehnten zur Hebung und Verbesserung der Rindvieh- und Pferdezucht große Opfer gebracht hat und deren Erfolg auch nicht ausgeblieben ist, will gegenwärtig auf dem Gebiete der Schweinezucht die Initiative ergreifen und 100 Stück Zuchtferkel in den Bezirken Hannover, Westfalen und Meißen ankaufen und hier zur Versteigerung bringen. Da die andauernd niedrigen Fruchtpreise den Landwirth zwingen, mehr wie früher seine Aufmerksamkeit der Viehzucht zuzuwenden und hierbei die Schweinezucht sehr lohnend werden kann, wird das Vorgehen des Vereins mit Freuden begrüßt und der Erfolg wohl auch nicht ausbleiben.
* — Vorsicht! Bei den Arbeiten in Feld und Wiesen konimt es sehr häufig vor, daß Mäuse und dergleichen Thiere getödtet werden; man soll in solchen Fällen todte Thiere nicht offen liegen lassen, so daß die Fliegen daran kommen können, sondern die Kadaver in eine kleine Grube legen und gut mit Erde bedecken, Hat eine Fliege an einem solchen Aas gefressen und sticht hiernach einen Menschen, so tritt fast regelmäßig eine gefährliche Blutvergiftung ein.
— Das Aufkleben der Wechselstempelmarken betreffend sei folgender interessante Fall mitgetheilt: Die Steuerbehörde zu Berlin hat die Stempelmarke eines Wechsels für ungültig erklärt, weil dieselbe elf Millimeter vom Rande des Papiers aufgeklebt war. Die Behörde erhielt Kenntniß von diesem Verfahren, weil der Wechsel protestirt worden war. Eine Strafverfügung über den 50fachen Betrag der zu entrichtenden Stempelgebühr, für jeden der Betheiligten in diesem Falle 5 Mk., war die Folge. Die mit der Strafverfügung Bedachten beantragten richterliche Entscheidung. Das Schöffengericht sowohl wie die zweite Instanz waren der gleichen Ansicht wie die Steuerbehörde. Die Gcsetzesvorschrift über das Aufkleben der Marke „unmittelbar an einem Rande des Wechsels" sei buchstäblich auszulegen. Der Rand der Marke und des Wechsels müßten sich genau decken. Hiernach hat sich also Jedermann, der Wechsel ausstellt oder in Zahlung nimmt, zu richten.
— Nachdem das Höchstgehalt der etatsmäßigen Ge- richtsschrcibergchilfen und Assistenten bei den Landgerichten und Amtsgerichten durch den Staatshaushaltsetat für 189495 von 1800 auf 2200 Mk. erhöht worden ist, wird die in Klasse 50 der Anlage zur Allgemeinen Verfügung vom 5. April enthaltene Gehaltsabstufung dahin abgeändert, daß die Beamten vom 1. April d. J. ab in der 1. Stufe 1500, 2. Stufe 1650, 3. Stufe 1800, 4. Stufe 1900, 5. Stufe 2000, 6. Stufe 2100, 7. Stufe 2200 Mark beziehen und von drei zu drei Jahren in die höhere Gehaltsstufe aufrücken.
— Eine für Bauunternehmer wichtige Entscheidung ließ kürzlich das Reichsgericht ergehen. Nach derselben fällt jede in das Gebiet der Bauthätigkeit fallende Arbeit, bei welcher überhaupt allgemein anerkannte Regeln der Baukunst in Betracht kommen, (also auch Abbruchs- arbeiten) unter den Begriff der Bauthätigkeit im 8. 330 R.-Str.-G.-B.
— Alters- und Jnvaliditätsversicherung. ES ist vielfach nicht bekannt, daß derjenige, der mit einem Antrag auf eine Alters- und Jnvaliditätsrente abgewiesen worden ist, weil seine Beschäftigung nicht für versiehe- . rungspflichtig erachtet worden ist, Anspruch auf Rückerstattung seiner Beiträge hat. Verhältnißmäßig bedeutende Summen sind schon durch solche Irrthümer ungerechtfertigt in die Kassen der Versicherungsanstalten geflossen. Es empfiehlt sich für solche Personen, am besten gemeinschaftlich mit ihren Arbeitgebern bei den-