MWernerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirten Familiensreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Samstag, den 2L April
1894.
l^fMhtttlWtl "^ btc "Schlüchterner Zeitung" U werden noch fortwährend von allen - ------ - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. April. Der Kaiser ist heute Vormittag von Karlsruhe nach Koburg abgereist, wird daselbst morgen (Donnerstag) und übermorgen (Freitag verweilen und dann nach der Wartburg reisen. Der kurze Besuch in Dresden am Montag zur Beglückwünschung des Königs von Sachsen zu dessen Geburtstage erfolgt von der Wartburg aus, wohin der Kaiser noch an demselben Tage zurückkehrt, um daselbst noch einige Tage zu verweilen.
— Am Mittwoch hat auch die deutsche Kaiserin Venedig, wo ihr zahlreiche enthusiastische Ovationen bereitet worden sind, wieder verlassen und ist von dort nach Abbazia zurückgereist. Anfang Mai wird die ge- sammte kaiserliche Familie wieder im Neuen Palais bei Potsdam vereint sein. Vorher wird sich der Kaiser noch auf einen Tag zum Geburtstag des Königs Albert von Sachsen nach Dresden begeben.
— Laut kaiserlicher Kabinetsordre ist, wie die „Kreuzzeitung" vernimmt, sämmtlichen Offizieren der Armee und Marine das Totalisatorspiel verboten worden.
— Neue Reichsanleihe. Es bestätigt sich, wie die N. A. Z. hört, daß eine Reichsanleihe im Betrage von 160 Millionen nächster Tage aufgelegt werden soll.
* — Die preußische Eisenbahnverwaltung geht mit der Absicht um, die Fahrgeschwindigkeit der Züge auf den Hauptstrecken noch um ein Bedeutendes zu erhöhen. Damit aber die Sicherheit für das reisende Publikum nicht verringert wird, ist es nothwendig, den Oberbau sicherer einzuricheen. Auf verschiedenen Strecken sino in der letzten Zeit in dieser Hinsicht Versuche eingestellt worden, die darauf gerichtet waren, stärkere und längere Schienen (statt 7, wie bisher, 9 Meter lang) zu verwenden und die Schwellen, auf welchen die Schienen ruhen, näher zusammenzulegen. Die Versuche sollen bewiesen haben, daß es sehr wohl möglich ist, die Geschwindigkeit der Züge ohne Gefährdung der Sicherheit zu erhöhen.
In Coburg fand am Donnerstag die feierliche Vermählung der Prinzessin Victoria Melitta, der Tochter des Herzogs Alfred, mit dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen im Kreise zahlreicher Fürstlichkeiten statt. Als letzter der Festgäste ist der deutsche Kaiser in der alten thüringischen Stadt angekommen.
Darutstadt, 18. April. Der Großherzog spendet anläßlich seiner Vermählung zwanzig unbemittelten und unbescholtenen Brautpaaren des Landes, von denen zehn dem landwirthschaftlichen und zehn dem gewerblichen Arbeiterstande angehören, Gnadengeschenke von je eintausend Mark.
Die Genickstarre scheint in Franken sich ausbreiten zu wollen; so werden aus Würzburg ein neuer Todesfall und eine neue Erkrankung, aus Aschaffenburg ein Todesfall, aus Ansbach zwei Krankheitsfälle und aus Bechhofen (Mittelfranken) ein solcher gemeldet.
Die Stadt Dortmund ist am 17. April, wo der hunderttausendste Einwohner polizeilich angemeldet wurde, in die Reihe der Großstädte eingetreten. Die Einwohnerzahl hat sich in den letzten 21 Jahren verdoppelt. — Die Barmer Bergbahn, die erste elektrische Zahnradbahn Deutschlands, ist am 16, April eröffnet worden.
Dortmund, 13. April. In großer Gefahr befand sich in vergangener Nacht die Belegschaft der Zeche Bruchstraße. Es brach dort während der Nachtschicht in einer unterirdischen Maschinenkammer durch Explosion einer Petroleumlampe Feuer aus, das sich mit rasender Schnelligkeit verbreitete und einen riesigen Qualm entwickelte, der durch den Wctterstrom mit in die Grube gerissen wurde. Gelang es nicht, die Leute, etwa 130 Mann, schleunigst herauszuschaffen, so lag für sie Gefahr des Erstickens vor. Mit großer Emsigkeit wurde das Herausschaffen der Arbeiter betrieben, gegen 12 Uhr fehlten aber noch 7 Mann. Von diesen wurden 4 in einem tiefer liegenden Baue angetroffen, wo sie unversehrt geblieben waren. Zwei fand man nach langem Suchen auf der Wettersohle des Schachtes, den siebenten glaubte man schon verloren, aber Morgens um halb 7 Uhr fand man ihn, und zwar unversehrt. Die Be
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 20. April.
* — Ernannt: der Pfarrer Friedrich Orth in Ramholz zum Metropolitan der Classe Schwarzenfels, der außerordentliche Pfarrer Rollmann in Fulda zum Hülfspfarrer daselbst, der Pfarramts-Candidat Hufnagel zum Gehülfen des Pfarrers Neuber an der Marienkirche in Hanau, der Pfarrer Ruhl zu Aufenau bei Salmünster vom 1. Juli d. I. ab zum zweiten Pfarrer an der vangel. Gemeinde zu Fulda.
* — Durch die heute vollzogenen Ergänzungswahlen des großen Ausschusses ist nunmehr die Stadt- vertretnng wie folgt zusammengesetzt und bestätigt: I. Stadtrath: 1. H. Köhler, Viccbürgermeister, 2. I. Gutermuth, 3. K. Denhard, 4. A. Fehl, 5. W. Thaler, 6. F. Fenner, 7. J. Hadermann, 8. F. Lotz; I. A usschuß: A. Schäfer, Vorsteher, 2. F. Denhard, Stellvertreter, 3. L. Hafner, 4. B. Strauß. 5. L. Baist, 6. H. Eckhard, 7. L. Klöber, 8. G. Freund, 9. H. Baist; II. Ausschuß: 1. Carl Freund, 2. M. Neuhof, 3. F. Orth, 4. G. A. Leinberger, 5. Adam Denhard, 6. H- Bolender, sen., 7. L. Kohlhepp, 8. K. Rüder, 9. K. Pauli.
* — In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag wurde bei dem Uhrmacher Fr. Orth hier ein Einbruch versucht. Durch Wachwerden des Herrn Orth wurden die Diebe verscheucht. Eine Zange ließen dieselben liegen. Wenige Stunden später wurde ein Einbruch beim Kaufmann Gutermuth sen. in der Krämergasse versucht, doch auch hier wurden die Diebe verscheucht. Und soeben wird mitgetheilt, daß in letzter Nacht in S teinau bei Uhrmacher Neuber ein Einbruch versucht und bei Apotheker Rappe daselbst ein solcher ausgeführt wurde. In letzterem Falle fielen den Dieben über 100 Mk. baar Geld in die Hände. Da am letzten Freitag in Neuhof bei Färber Gärtner durch Einbruch eine größere Geldsumme, Kleidungsstücke rc. gestohlen und in Hünfeld, Hers feld,, Be bra, ebenfalls Einbrüche versucht wurden, so nimmt man an, die Einbrecher seien vagirende Handwerks- burschen. Man fahndet jetzt auf die Spitzbuben.
* — Zu den Nachrichten über eine Reform der Jnvaliditäts- und Altersversicherung bemerken die „Berl. Pol. Nachrichten", von prinzipiellen Aenderungen des bisherigen Versicherungssystems sei nicht die Rede. Von vornherein sei der Grundsatz ausgestellt worden, an
amten und Arbeiter haben wahre Wunder verrichtet, um den Bedrängten Hilfe zu bringen. Das Feuer konnte im Laufe des Vormittags gelöscht werden, so daß der Schaden nicht allzu groß sein wird.
Ausland.
Schweden-Norwegen. Die norwegische Regierung hat im Storthing eine Vorlage über die Krankenversicherung der Arbeiter eingebracht.
Amerika. Ein Phantast, Namens I. S. Coxey von Ohio, hat den grandiosen Plan gefaßt, die Arbeitslosen sollten in Hunderttausenden aus dem ganzen Lande vor das Kapital in Washington ziehen und dort vom versammelten Kongreß gesetzliche Maßnahmen zur Abhilfe ihrer Noth erzwingen. Zu dem Zwecke hat er zwei große Verbände ins Leben gerufen: die Industrie- Armee und die Armee des Reiches Christi. Beide sind gänzlich von einander geschieden. Die erstere zählt jetzt pOOÖO Mann. Der letzteren schließen sich in jedem Dorfe auf ihrem Marsche nach Washington neue Rekruten an. 100000 Mann zu Fuß, zu Pferde und zu Wagen sind jetzt unterwegs nach der Hauptstadt, wo sie in einigen Tagen eintreffen können. In Oak- lnnd, Kalifornien, kam es zu ernstlichen Reibungen zwischen 600 Mann von dem dortigen Zweigvereinc der Industrie-Armee und der Polizei. Der Stadtrath beschloß schließlich, sie aus der Stadt zu schaffen und stellte ihnen einen Güterzug zur Verfügung. Anfangs weigerten Sie sich, in die Güterwagen zu steigen. Schließlich aber gaben sie nach und fuhren nach Sacramento. Als die Industrie-Armee von Oakland in Sacramento eintraf, wurde sie sogleich beköstigt. Der Stadtrath hielt es für das gerathenste, sie gut zu behandeln und dann weiter zu befördern. Dies geschah, nachdem sie auf 1000 Mann angeschwollen war. Der Gründer dieser seltsamen Arbeiterorganisation, Coxey, ist ein reicher und gebildeter Mann.
den Grundlagen nichts zu ändern, sondern die Umgestaltung auf die Abstellung der Mißstände zu beschränken, welche sich bei der Ausführung des Gesetzes vom 22. Juni 1889 gezeigt haben. Was insbesondere die Methode der Aufbringung der Beiträge betreffe, so gedenke man einmal Beitragsmarken für längere Zeiträume auszugeben und sodann die Quittungskarte durch ein Pensionsbuch für längere Zeiträume zu ersetzen.
* — Zur Warnung für Arbeitgeber theilen wir einen Fall mit, welcher vor der sechsten Kammer des Berliner Gewerbegerichts (Vorsitzender Magistrats- Assessor Weltz) verhandelt worden ist. Der Buchhalter eines hiesigen Hotels hatte einen sich dort meldenden Hausdiener dessen Papiere behufs Prüfung abgenommen, dieselben aber nach Verlauf von zwölf Tagen zurück- gegeben, ohne daß ein Engagement zu Stande gekommen war. Nunmehr klagte der betreffende Hausdiener beim Gewerbegericht auf Entschädigung für diese zwölf Tage unter der Begründung, daß er in dieser Zeit mangelnder Papiere wegen verhindert gewesen sei, um eine andere Stellung sich zu bemühen bezw. eine solche anzunehmen. Der Einwand des persönlich zum Termin erschienenen Direktors des in Rede stehenden Hotels, daß er die Zurückbehaltung der Papiere nicht veranlaßt habe, wurde vom Gewerbegericht als nicht stichhaltig für die Ablehnung der Verantwortung erachtet. Der Beklagte wurde demgemäß verurtheill; vor der amtlichen Publikation kam jedoch ein dem Urtheil entsprechender Vergleich zu Stande, nach welchem der klagende Hausdiener eine Entschädigung von 35 Mark und außerdem 1 Mark 50 Pfg. Vcrsäumnißkosteu für den wahrgenommenen Termin erhielt. — Die Nutzanwendung aus diesem Fall werden unsere Leser selbst ziehen.
* — Mittheilung der Handelskammer. Durch Verfügung der Kgl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. vom 26. April 1893 wurde der Handelskammer mit dem Ersuchen um eine Aeußerung darüber ein Antrag der General-Direktion der bayrischen StaatS- bahnen bekannt gegeben, dahin, daß für die Eisbehälter und für das den Biersendungen zum Schutze gegen die Wärme beiaeladene Eis gewährte Vergünstigung der frachtfreien Beförderung in gleicher Weise den Schutzmitteln gewährt werden, welche beigeladen werden müssen, um den schädigenden Einfluß der Kälte und des Frostes zu verhindern. Die Handelskammer er- klärte in ihrem Rcskriptc, daß sie den gestellten Antrag nur befürworten könne. Durch den mit dem 1. April er. in Kraft getretenen „Deutschen Eisenbahn-Gütertarif, Theil l" ist nunmehr mit dem § 47 folgende Erweiterung der Bestimmungen getroffen worden: Die den Biersendungen in Wagenladungen von den Absendern beigegebenen Eisbehälter sowie das beigegebene Eis, desgleichen die gegen den Einfluß der Kälte beigegebenen Schutzmittel wie Stroh, Dünger, Decken, Tuchumhüllungen, mit heißem Wasser gefüllte eiserne Zylinder und dergleichen, werden wie die in den §§ 45 und 46 erwähnten Gegenstände behandelt und daher frachtfrei befördert. Die Tragfähigkeit der Wagen darf unter Einrechnung des Gewichts dieser Wärmeschutz- bezw. Kälteschutzmittel nicht überschritten werden. Die Absender Haben^das der Frachtberechnung unterliegende Gewicht der Sendung im Frachtbriefe anzugeben; andernfalls wird die Fracht für das gesammte Bruttogewicht der Sendung einschließlich der beigeladenen Schutzmittel berechnet. — § 36 lautet: „Für die Rückbeförderung der als Stückgut angegebenen, mit Magermilch, Buttermilch und Molken gefüllten Milchgefäße, welche, mit dem Eigenthumsmerkmal des Besitzers versehen, an denselben zurückgehen, wird die Fracht nach dem halben wirklichen Gewichte, jedoch für mindestens 20 kg,, nach den Sätzen der allgemeinen Stückgutklasse berechnet.
Heubach. Am 15. d. Mts., Vormittags zwischen 6_ und 7 Uhr, ist in dem Wohnhause des Bauers Valentin Schäfer zu Sparhof, Gemeinde Veitsteinbach, im Kreise Fulda, Feuer entstanden und Wohnhaus nebst Schweinestall vollständig niedergebrannt. Das Feuer soll im Schornstein begonnen und im Dachstuhle so schnell um sich gegriffen haben, daß auf dem Boden nichts zu retten war. Schäfer ist gegen Brandschaden versichert.
AuS der Rhön, 14, April. Gestern brach wieder einmal in Frankenheim auf der hohen Rhön aus bis