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auf dieSchlüchterner Zeitung"! dem nunmehr vorliegenden Gesetzentwurf zufolge bis zu werden noch fortwährend von allen

Bestellungen

--...... Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien erfolgte unter großen Ehrungen seitens des öster­reichischen Kaiserhauses. Der Kaiser hat Wien wieder verlassen und sich nach Karlsruhe begeben. In Wien

hat ber Kaiser auch den Minister des Auswärtigen,

Viertel ihres penstousfähigen Diensteiukommens. Die Grafen Kalnokh, in längerer Audienz empfangen und zur Verfügung des Ministers verbleibenden Beamten dem deutschen Botschafter Prinzen Reuß die Brillanten. haben sich nach der Anordnung desselben auch der zeit- zum Schwarzen Adlerorden verliehen. I welligen Wahrnehmung solcher Aemter zu unterziehen,

König Albert von Sachsen wird im Sommer! welche ihren Fähigkeiten und ihren bisherigen Ver- zur völligen Herstellung seiner Gesundheit, die durch die; hältnissen entsprechen.

letzte schwere Krankheit noch immer etwas angegriffen i ist, einen längeren Aufenthalt in Eins nehmen. Schon vor Jahren hat der König die Emser Kur wiederholt | mit Erfolg gebraucht. Gleichzeitig mit ihm wird König: Oskar von Schweden in Eins weilen.

16. April. Der Reichstag hat den Antrag auf! Aufhebung des Jesuitengesetzes definitiv mit 168 gegen! 145 Stimmen angenommen.

Militärisches. Im Laufe dieses Sommers finden Einstellungen und Uebungen von Reservisten uud Leuten der Landwehr in großem Maße statt. Einer durch das Königliche Kriegsministerium bekannt gegebenen Be­stimmung zufolge erhalten diejenigen Mannschaften des Beurlaubtenstandes der Jüfanterie, Jäger (Schützen), welche zu den Friedensübungen eigene, brauchbare Fuß­bekleidung mitbringen und tragen, eine Prämie von je 3 Mk. für jede auch nur angefangene Uebung. Die Trüppentheile und Bezirkskommandos sind an­gewiesen, vor beu Uebungen resp. bei den Kontra-,- versammlungen diese Bestimmung bekannt zu machen.

Das neue bürgerliche Gesetzbuch für das deutsche Reich wird eine gewaltige Umwälzung auf dem Gebiete unserer Gesetzgebung überhaupt hervorrufen. Namentlich werden das Handelsgesetzbuch, die Civilprozeß-, die Konkursordnung einer vollständigen Umarbeitung unter­zogen werden müssen, um mit dem bürgerlichen Gesetz­buch in Einklang gebracht zu werden. An Stelle der preußischen Grundbuchsordnung und deS Jmmobiliar- zwangsvollstreckungsgesetzes müssen diesbezügliche Reichs- gesetze ausgearbeitet werden. Alle diese Aufgaben sind bereits vom Reichsjustizamt neben der zweiten Lesung des bürgerlichen Gesetzbuches in Angriff genommen und mehr oder minder weit gefördert worden. So soll der Entwurf eines umgearbeiteten Handelsgesetzbuches, an dessen Aufstellung hervorragende Mitglieder des Reichs­gerichts bethciligt sind, demnächst einer Kommission von

Vertretern des Handelsstandes zur Begutachtung vor- gelegt werden. Das Gleiche gilt von dem Versicherungs­recht, soweit dieses dem bürgerlichen Recht angehört und Nicht in das Gebiet der Polizei fällt.

9. April. Die Reichsbank ist im Begriff, eine Einrichtung zu treffen, welche von einschneidender Wirkung auf den gesammten geschäftlichen Verkehr der Reichs­hauptstadt sein dürfte. Das Reichsbankdirectorium geht mit der Absicht um, die sogenannte englische Tischzeit zur Einführung zu bringen. Während jetzt die Bureaux der Reichsbank von 1 Uhr bis 3 !ä Uhr Nachmittags für den Verkehr geschlossen sind, sollen sie fortab von 9 bis 5 Uhr ohne Unterbrechung geöffnet sein. Um die Durchführung dieser neuen Einrichtung zu erproben, soll sie erst versuchsweise für eine Abtheilung eingeführt werden. Wird diese neue Einrichtung von der Reichs­bank definitiv getroffen, müßten alle Bank- und Groß- geschäfte folgen, wodurch schließlich auch der gestimmte öffentliche Verkehr der Reichshauptstadt auch eine andere Gestaltung erfahren würde.

Die Zuchthauserzcugnisse bereiten der Privat- inbuftrie immer schärfere Konkurrenz, indem die Straf­anstalten, um die Gefangenen ausgiebig zu beschäftigen, jetzt auch große maschinelle Anlagen einrichten lassen. So wird zur Zeit in der Strafanstalt zu Rawitsch in großem Umfange und unter Benutzung großartiger Maschinen die Ofenthür-Fabrikation betrieben. Absatz­gebiet ist besonders Berlin, wohin ganze Wagenladungen derartiger Zuchchauscrzcngnisse zur Versendung kommen.

* - - Die preußischen Beamten, die in Folge der am 1. April 1895 eintretenben Umgestaltung der Eisenbahnbehörden nicht weiter verwendet werden, bleiben

ihrer Dienstunfähigkeit zur Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten unb werden auf einem besonderen Etat geführt. Sie erhalten bis zu ihrer etwaigen Wiedcranstellung, vorbehaltlich weitergeheuder wohl-

erworbener Rechte, anch im Fall ihrer demnächstigen Dienstunfähigkeit während eines Zeitraums von fünf Jahren unverkürzt ihr bisheriges Diensteinkommeu und den Wohnun^sgeldzuschuß in dem bisherigen Betrag, nach Ablauf des fünfjährigen Zeitraums dagegen drei

I * Klagen der zustehenden Behörden über den i Mangel an vorschriftsmäßiger Entrichtung der Beitrags- ; marken der Juvaliditäts- und Altersversicherung wollen, ; ob schon das Gesetz seit drei Jahren in Kraft getreten, nicht verstummen. Die Koutrole hat ergeben, daß eine ; namhafte Anzahl von Arbeitgebern sich dieser Ver­pflichtung noch immer entzieht. Die Juvaliditäts- und s Ältersversicherungs Anstalt hat daher eine Kundgebung erlassen, wonach sie eine strengere Ueberwachung als bisher ein führen und gegen die betreffenden Arbeitgeber mit höheren ^Strafen vorgehen wird. Dagegen sollen zur Erleichterung für die Arbeitgeber in kleineren Ort­schaften und Dörfern besondere Markenverkaufsstellen eingerichtet werden.

* Seit einigen Tagen kursieren aus Anlaß des im Februar in Friedrichsruh stattgchabten Besuchs des Kaisers Wilhelm bei dem Fürsten Bismarck ausgeprägte neue 3 Mark- resp. Einthalerstücke. Die Münzen tragen auf einer Seite das Bildniß des Kaisers, auf der anderen das des Fürsten und die Jahreszahl 1894. Es sind im Ganzen nur 5000 Stück geprägt worden.

Hamburg. Kirchliche Assistenz bei der Leichen- verbrennung. Die Blätter bringen die Nachricht, daß die Leichenfeier für Hans v. Bülow in großartigster Weise sich in Hamburg vollzogen habe. Bevor die Verbrennung der Leiche in Ohlsdorf erfolgte, fand in der Michaelskirche in Hamburg die kirchliche Feier statt. Die Leichenrede hielt Hauptpastor Behrmann. Diese letztere Thatsache ist um so wichtiger, als Behrmann ein strenger orthodoxer Theologe ist und derzeit an der Spitze der Hamburger Geistlichkeit steht. Wir können daran nur den Wunsch knüpfen, daß auch in Preußen die Erkenntniß auftauche, wie wenig es mit dem Wesen des Christenthums vereinbar ist,. die kirchliche Mit­wirkung zu versagen, wenn eine Leiche nicht beerdigt, sondern verbrannt wird. Bekanntlich sind es in Preußen die Orthodoxie und das Kirchenregiment, welche die Meinung vertreten, daß dies unbedingt zur Aufrecht­erhaltung kirchlicherSitte nöthig sei.

Kiel. An Rechtsanwälten ist, wie dieHamburger Nachr." ausführen, in der Provinz Schleswig- Holstein durchaus keinUeberfluß vorhanden. In den Städten Altona, Kiel, Flensburg ist kein einziger Rechtsanwalt, der sich nicht eines guten Einkommens natürlich mehr oder minder zu erfreuen hat. Es ist dies doch gewiß ein Beweis von der Großartigkeit der Vermehrung der Geschäftsverhältnisse. In Altona rechnet man mehreren Rechtsanwälten, die zugleich Notare sind, eine jährliche Einnahme von 16 bis 20,000 Mark nach. Auch von den bei den Amtsgerichten in der Provinz praktizirenden Rechtsanwälten ist kein einziger zu nennen, der nicht sein gutes Auskommen hätte In Ahrensburg, Blankenese, Marne, Mölln und Wilster befindet sich nur ein Anwalt, in Elmshorn, Meldorf und Oldesloe sind deren zwei, und in Jtzehoe, Pinncberg, Ratzeburg und Wandsbeck je drei Anwälte beschäftigt. Zahlen, bei denen von einer Ueberfüllung nicht die Rede sein kann.

Trier, 10. April Vorgestern ist es gelungen, hier einen recht bösartigen Schwindler dingfest zu machen. Schon seit mehreren Tagen hatte derselbe sich in ver­schiedenen Orten des Moselthales in der Kleidung eines italienischen Geistlichen gezeigt und war dann nach Trier gekommen, wo er sich in einem feinen Gasthof einquartirte und sich für einen in Rom ausgebildeten und geweihten Priester ausgab. Am folgenden Tage hat er im Dom eine Pseudo-Messe gelesen und dann die Schatzkammer besichtigt. Einen Tag später begab

er sich zur nächsten Station Karthaus und suchte im dortigen, mit Pension verbundenen Nonnenkloster Quartier zu bekommen. Doch beschafften die Nonnen ihm dies in einem nahen Wirthshause. Am anderen Morgen las derselbe auch dort eine Pseudo-Messe, benahm sich aber dabei so fehlerhaft, daß es dem kundigen Meßknaben sehr auffiel. Dieser meldete es der Ordens­schwester, welche Küsterdienste versteht; Letztere, eine ebenso kluge wie beherzte Dame, sperrte den Verdächtigen in der Sakristei ein, die sie rasch von außen verschloß und ließ den Ortsgensdarmen herbeirufen, der den Schwindler nach Trier in's Gefängniß abführte. Hier wies derselbe ein Taufzeugniß, das ihn als einen sammt seiner Mutter getauften Juden Namens Teichmann bekundete, und ein Priester-Zeugniß vor, das ihn als in einer Missions-Anstalt zu Rom erzogen und dort von einem Bischof von Selua geweiht bezeichnet. Das Taufzeugniß scheint echt zu sein, das Priester-Zeugniß ist offenbar eine recht plumpe Fälschung.

Mainz, 12. April. Der Festausschuß zum Deutschen Bundesschießen 1894 hat das Festprogramm im All­gemeinen festgesetzt; die Mainzer Turnerschaft, alle Gesangvereine, Fechiklub und Radfahrervereine u. s. w. haben Veranstaltungen in der Festhalle gern zugesagt. Für fünf Tage ist der Luftschiffer Lattemann gewonnen, um mit seinen Fesselballons Aufstiege in die Lüfte, an zwei Tagen auch Abstürze mit dem Fallschirm zu ver- anstalten. Für den 23. Juni (1. Tag der Ruder- Regatta) ist die Abhaltung eines großen Feuerwerks vorgesehen, während die Rheinfahrt auf Dampfern der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft bis zum Fuße deS Niedcrwalddcnkmnls mit Beleuchtung der Rheinufer, der Landhäuser und Fabriken, der Häfen und Rheinbrücken bei der Rückfahrt am Donnerstag, den 21. Juni, um 6 UJ Abends beginnen soll. An den übrigen Tagen der Festwoche sind Monstrc-Konzertc der Militärkapellen, Massenaufführungen der Gesangvereine, Kommerse, Auf­führungen der Turner, Fechter, Ochsenbraten, Volksfeste u. s. w. vorgesehen, so daß sich das Leben auf dem Festplntze zu einem Bild echt rheinischer Fröhlichkeit entwickeln dürfte. Das Probebankett in der Festhalle unb- das Probeschießen findet am 10. Juni, der Fest- kommers zur Begrüßung der fremden Schützen am 16. Juni, Abends, in der Stadthalle statt. Ein vernünftiger Mann ist unser ncugcwühltcr Bürgermeister Gaßner. Derselbe ließ sich kürzlich sämmtliche Schutz­leute, Wachtmeister und Polizeikvmmiffare vorstellen und sprach zu ihnen folgende beherzigenswerthe Worte: Vergessen Sie nie, daß nicht das Publikum für Sie, sondern sie für das Publikum da sind. Mit allzu schneidigem Auftreten erreicht man selten etwas Gutes. Wollen Sie unterlassen, das Publikum in Uebertretungs- fällen sofort zur Anzeige zu bringen, sondern lassen Sie zuvor Verwarnung einlreten; damit wird mehr erreicht. Vor Allem aber befleißigen sie sich eines anständigen Tones gegen das Publikum, denn wie es in den Wald schallt, so schallt es heraus." Zur Nachahmung auch anderwärts empfohlen.

Höxter, 12. April. Hochbetagt ist der Geheime Sanitälsrath Dr. Friedrich Wilh. Weber, der Dichter des EposDreizehnlinden", in Niehcim bei Höxter gestorben. Am 26. December 1813 zu Alshausen in Westfalen geboren, studirte er zu Greifswald und Bres- lau erst Philologie, dann Medicin und ließ sich nach längeren Reisen in Deutschland, Frankreich und Italien 1841 als Arzt in dem Kurort Driburg nieder. 1856 siedelte er als Kurarzt nach Bad Lippspringe über, gab aber zehn Jahre später die ärztliche Praxis ganz auf und lebte seitdem ganz der Dichtung, der er sich schon früh zugewandt hatte. Außer einigen trefflichen Ueber* setzungen von Tennyson'sEnoch Arden",Maud" und Schwedischen Liedern" veröffentlichte er 1878 das den Kampf des sächsischen Heidenthums gegen das Christen­thum schildernde EposDreizehnlinden", eine in Form und Inhalt gleich vollendete Dichtung, die seinen Namen erst bekannt gemacht hat und einen so außerordentlichen Erfolg erzielte, daß in fünfzehn Jahren 56 Auflagen erscheinen konnten. Nicht minder vortrefflich sind seine 1881 erschienenenGedichte", welche 15 Auflagen er­lebten. Er schrieb fernerMarienblumen",Vaterunser", Goliath",Passion", in denen er, ohne sich in Con- fessionalismus zu verlieren, tief religiösen Anschauungen poetischen Ausdruck gab. Von ultramontaner Seite ist er vielfach als Parteidichter auf den Schild erhoben