SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Krcisblatt" u. „Jllustrirten Familiensreund" Vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 30. Samstag, den 14 April 1894
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- — Postanstalten und Landbriefträgerii sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Wie aus Abbazia gemeldet wird, war am Mittwoch Abend zu Ehren der kaiserlichen Prinzen von einem Komitee ein Feuerwerk arrangirt worden, welches sehr gelungen ausfiel. Die vier älteren Prinzen sahen dem Feuerwerk von einer besonderen Tribüne aus zu. Das zahlreich anwesende Publikum begrüßte die Prinzen mit lebhaften Zurufen, die Kurmusik spielte die deutsche Hymne. Der Kaiser und die Kaiserin, welche zu dieser Zeit gerade von dem nach der Insel Cherso unternommen Jagdausflug zurückkehrten, besichtigten das Feuerwerk vom Bord der Macht „Christabel" aus.
— 9. April. Trotz polizeilichen Verbots ließ Schneider Dowe vor geladenem Publikum, worunter auch ein höherer Officier war, seinen kugelsicheren Panzer an seiner eigenen Brust erproben. Während die meisten Zuschauer sich schaudernd abwandten, blieb Dowe lächelnd stehen. Geschossen ward auf vierzig Meter mit dem Armeegewehr. Ferner ward der Panzer an einem lebenden Pferd erprobt, welches ruhig weiterfraß und nur beim Knall zusammenzuckte.
Hamburg, 6. April. Welchen Schaden die Februar- stürme besonders an Schiffen angenchtet haben, beweist die jetzt von der Direkton des Büremis „Verilas" veröffentlichte Statistik der Schiffsverluste im Monat Februar d. I. Nach dieser Statistik sind in dem genannten Monat 103 Schiffe mit 49,088 Register-TonS total verloren gegangen. Unter diesen befand sich die verhältnißmäßig große Zahl von zwölf deutschen Schiffen nnb zwar neun Segelschiffe und drei Dampfer.
Paderborn, 11. April. In dem Kurorte Lippspringe brach heule Mittag Feuer aus, das noch nicht gelöscht werden konnte. Ueber 40 Gebäude sind vernichtet. Von hier aus ist die Feuerwehr und Militär zu Hilfe gerufen worden.
Creuznach. Ein Amtsvorsteher des Dorfes Britten bei Losheim auf dem Hochwald wurde vor Kurzem durch einen Forstaufseher beim Wildern betroffen.
In Mainz setzte sich kürzlich in einer Restauration ein junger Mann aus Versehen auf einen neuen Hut, der auf einem Stuhle lag. Der Eigenthümer des durch dieses „Attentat" völlig unbrauchbar gewordenen Hutes klagte auf Schadenersatz, wurde aber vom Gerichte abgewiesen und in die Kosten verurtheilt unter Hinweis darauf, daß ein Stuhl kein Aufbewahrungsort für Hüte sei, wer ihn als solchen benütze, müsse dies natürlich stets auf seine Gefahr thun.
AuS der Pfalz, 10, April. Aus den verschiedensten Orten der Pfalz wird berichtet, daß daselbst am vergangenen Sonntag Abend gegen 9 Uhr ein mehrere Minuten anhaltendes starkes Erdbeben wahrgenommen worden ist. Dasselbe war von einem dumpfen, rollenden Getöse begleitet. Betten, Tische, Stühle, Spiegel und Bilder geriethen in Bewegung, Fenster klirrten. An einigen Wohnungen sprangen Thür und Fenster auf. Leute, die sich zur Ruhe gelegt hatten, sprangen aus den Betten und die Thiere brüllten in den Ställen.
Amerika. Das amerikanische Riesenwerk, die Ausuutzung der im ganzen 15 Millionen Pferdestärken betragenden Wasserkraft des Niagarrafallcs, von welcher durch die Anlage 50,000 Pferdestärken durch Turbinen ausgenutzt werden, ist nunmehr vollendet. Bei der Anlage, welche 16 Millionen Mark kostete, wird die Kraft der Turbinen durch Dynamomaschinen, die direkt oben auf den Wellen der Motoren sitzen, in Elektrizität umgewandelt, die dann durch Kabel zur Beleuchtung und zum mechanischen Betrieb industrieller Werke weit ins Land geleidet werden soll. Einen Hauptabnehmer von Kraft hat die Gesellschaft bereits in einer nahe gelegenen Papierfabrik, welche kontraktlich 6600 Pferdekräfte beansprucht, vorläufig aber nur die Hälfte der Kraft ausnutzen wird; als Miethe zahlt das Werk pro Pferdekraft und Jahr 32 Mark, gewiß ein ungemein billiger Preis gegenüber den sonst für Dampf- und elektrischen Betrieb erwachsenden Kosten. Die offizielle feierliche Eröffnung der Anlage ist auf den ersten Juni festgesetzt, welcher Präsident Cleveland und alle amerikanischen Größen der Industrie und Wissenschaften beiwohnen werden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtcr», 14. April.
* - - Die allgemein herrschende Befürchtung, daß der bevorstehende Sommer dem vorjährigen an Dürre und Wachsthumsstockung ähnlich werde, scheint sich leider erfüllen zu sollen, denn der durch die scharfe Märzluft und die brennende Sonnenwärme ausgetrocknete Boden besitzt fast gar keine Feuchtigkeit mehr, besonders in kalkhaltigen Gegenden. Viel ausgesäter Samen, z. B. Klee, Runkeln, Gemüse u. s. w. ist im Boden gleichsam verbrannt und verdorben. Ebenso will auch die Sommersaat nicht recht hervorkommen. Auf den Wiesen wächst nichts. Sobald die noch vorhandenen Kartoffeln aus der vorjährigen Ernte verfüttert sein werden, wird das arme Vieh wieder Noth leiden müssen! Auch für die Bienen beginnt wieder ein böses Jahr. In verschiedenen Ortschaften sind eine ganze Reihe von Jinmenvölkern an der seuchenartigen Ruhrkrankhcit zu Grunde gegangen.
* — Die kritische Periode der so ganz außerordentlich unwillkommenen Nachtfröste, sie beginnen uns näher und näher zu rücken; selbst die Wetterpropheten beginnen ernstlich damit zu rechnen. Möchten sie sich doch auch hier einmal verrechnen. Die warmen Tage der Oster- zeit haben vielfach die Knospen verschiedener Obstbaumsorten entwickelt und zur Blüthe gebracht, es ist auch manches gepflanzt, was eben nicht einen ungestümen Witterungswechsel zu ertragen vermag. Die Obstbaumzucht, die bei rühriger Aufmerksamkeit so sehr viel Freude bereitet, hat im letzten Jahrzehnt in Deutschland gewaltige Ausdehnung gewonnen, und beim Sprießen der Knospen beginnen schon die frohen Hoffnungen, die ein Nachtfrost rasch tilgctt kann. Wir wollen denken, daß es nicht so weit kommt, immerhin wird es gut sein, da Vorsichtsmaßregeln für alle Fälle zu treffen, wo solche ergriffen werden können. Um Wassersnoth und dergleichen werden wir ja in diesem Frühling, dem ja ein wenig schneereicher Winter vor- ausging, nicht allzuviel zu sorgen brauchen, mag uns daher auch die andere Enttäuschung durch einen harten Frost in zwölfter Stunde erspart bleiben. Bis zu den drei Eisheiligen Marmertus, Servatius und Pankratius (11.—13. Mai) ist es noch ein tüchtiges Stück Weges, und, der erfahrene Gärtner traut bei kostbaren und empfindlichen Pflanzen u. s. w. bekanntlich dem Frieden nicht, bevor nicht diese gefahrdrohende Tage vorüber sind. Vom „alten Fritz" wird erzählt, daß auf seinen bestimmten Befehl der Hofgärtner in Sanssouci eine Collektion seltener Gartenprodukte am Tage vor Pankratius auf die Teraffen des berühmten Schlosses bringen mußte. Folgenden Tags war Alles hin. Von nun an befahl der Gärtner und schwieg der König in Gartenangelegenheiten.
* — Der Herr Minister für Landwirthschaft hat die Regierung der Provinz Hessen-Nassau ermächtigt, bis zur diesjährigen Ernte Waldstren aus den Staatsforsten zur Beseitigung von Streunoth in größerem Umfange zu verabfolgen, soweit hierzu das Bedürfniß vorliegt. Auch kann bei sortbestehendem Bedürfniß zur Streuabgabe die herabgesetzte Taxe bis zu dem gedachten Zeitpunkte in Anwendung gebracht werden. Bei der Abgabe von Streu aus den Gemeindewaldungen soll in gleicher wohlwollender Weise verfahren werden.
* — Vor der Strafkammer zu Hanau standen am 10. April zwei Anklagen wegen Jagdvergehen zur Verhandlung. Die erste richtete sich gegen einen Maurergesellen, die zweite gegen einen Hafner von Altengronau. Beide Anklagen bildeten bereits vor dem Schöffengericht Schwarzenfels Gegenstand der Verhandlung, und lautete das Urtheil gegen den Maurer auf Freisprechung, weil man den Angaben des in dieser Sache als Zeuge auftretenden Hafners keinen Glauben schenkte. In der Sache gegen den Hafner trat der Maurer als Zeuge auf und lautete hier das Urtheil auf eine Geldstrafe von 30 Alk. In der heutigen Verhandlung nahm die Sache einen umgekehrten Verlauf. Hier wurde der Maurer zu 30 Mk. Geldstrafe verurtheilt, da ein Zeuge gesehen hat, wie der Angeklagte sein Gewehr aus einer Hecke geholt hatte Der Hafner dagegen wurde freigesprochen, da ihm eine Slrafthat nicht nachgewiesen werden konnte.
* — Am 4. d. Mts., Nachmittags gegen 5 Uhr, brach im Nebengebäude des Johs. Ullrich in Gomfritz Feuer aus, durch welches dieses Gebäude vernichtet wurde. Dasselbe ist versichert.
Namholz, 3. April. Heute Morgen brach bei dem Schuhmacher Jakob Kirst hier Feuer aus, indem ein Spannbalken in der Wand zwischen Küche und Stube in Brand gerathen war. Die Ehefrau Kirst hatte den Brand noch rechtzeitig bemerkt und wurde derselbe ohne großen Schaden anzurichten wieder erstickt.
S. Sodcn-Stolzenbcrg, 11. April. In unserem Salzquellengebiet wird in den nächsten Tagen mit einer Tiefbohrung begonnen, die dem Bohrunternehmer Pettenpohl in Wächtersbach übertragen worden ist. Man hofft, in einer Tiesc von 50 bis 100 Meter die Soole direkt aus ihrem Lager zu Tage zu fördern und nach dem Gutachten Sachverständiger, insbesondere des Geologen und Bergingenieurs Frantzen in Weimar, darf erwartet werden, daß infolge des gerade hier herrschenden starken hydraulichen Druckes, in Verbindung mit der Wirkung der Kohlensäure, ein mächtiger Sprudel erzielt werden wird.
Gersfeld (Rhön), 9. April. Man hofft im Kreise Gersfeld ein drittes Amtsgericht mit dem Sitze in Gersfeld zu bekommen. Die Stadtgemeinde Gersfeld ist zu diesem Zwecke petitionirend vorgegangen und stellt zum Justizgebäude das jetzige Gemeindewirthsaaus „Zum Stern" zur Verfügung, im Falle jedoch dasselbe den Zwecken nicht genügen sollte, so erbietet sie sich, auf eigene Kosten ein neues Gebäude aufzurichten.
Fulda. Wie wir hören, wird im Schlosse zu Schlitz auch dieses Jahr wieder der Kaiser zu zweitägigem Besuche der gräflich Görtz'schen Familie und zur Auerhahn- jagd in den gräflichen Forsten erwartet. Die Ankunft Sr. Majestät ist zwar noch nicht bestimmt festgesetzt; jedenfalls wird sie aber auf Grund der bekannten Reise- dispositionen direkt nach dem Aufenthalt auf der Wartburg am 22. oder 23. d. M. zu gewärtigen sein.
Abtervi e. 6. April. In gewaltiger Aufregung befindet man sich, wie dem „Eschw. Kreisbl." mitgetheilt wird, dermalen auf hiesigem Postamte. Schon seit Jahren zeigten sich bei den hiesigen Postbeamten merkwürdige Krankheitserscheinungen, die in der letzten Zeit so auffallend heftig und so bezeichneter Art waren, daß man sich ärztlicherseits dem Gedanken einer stattfindenden Vergiftung nicht mehr verschließen konnte. Als besonders verdächtig wurden nun die Theile einer elektrischen Batterie zur Untersuchung an die chemische Versuchsanstalt zu Marburg eingesandt, und von dieser kommt jetzt die alarmirende Nachricht, daß das zur Füllung der Batterie verwandte Kupfervitriol stark mit Arsen versetzt sei. Da bei der chemischen Umsetzung der Füllung eines elektrischen Elementes bei Gegenwart von Arsen sich Arsenwasserstofs bildet, sind, wie Sachverständige annehmen, diese Erscheinungen wohl auf das Einathmen dieses giftigen Gases zurückzuführen. Bei dem engen, wenig venlilirbaren Dienstraum waren naturgemäß die Wirkungen dieses Gases ganz besonders auffallende.
Leimbach, 5. April. Vor etlichen Wochen stieß sich der Tagelöhner Hermann Brand hier, der bei dem Vorwerk beschäftigt war, einen Splitter in einen Finger. Nach kurzer Zeit schwollen Hand und Arm so an, daß der Verunglückte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der Arzt stellte sofort Blutvergiftung fest und ordnete die Ueberführung des Unglücklichen nach dem Landkrankeuhanse in Hersfeld an. Hier mußte demselben der Arm abgenommen und mehrere Operationen an dem Rücken und den Beinen vorgenommen werden. Trotz der großen Bemühungen des Arztes ist es nicht gelungen, den Bedauernswerthen am Leben zu erhalten, er ist vor einigen Tagen gestorben. Eine Frau und drei Kinder beweinen ihren Ernährer.
Rotenburg a. F., 7. April. Gestern Abend wurde am hiesigen Bahnhof ein Mann aus Oberthalhausen verhaftet. Die Verhaftung steht im Zusammenhang mit einem in den 80er Jahren in der Gegend von Rinteln begangenen Morde, welcher bis jetzt noch nicht aufgeklärt geblieben ist; die Leiche des damals verschwundenen Siebmachers wurde vor Kurzem beim Ausschachten auf einem Grundstück, welches damals dem Verhafteten gehörte, gefunden.
Homberg, 7. April. Der hiesige Kreishaushalt weist ein Defizit von 48 765,45 Mk. nach, welches durch Umlagen in Höhe dieses Betrages gedeckt werden soll, sofern die Ueberschüsse der landwirthschaftlichen Zölle aus den Jahren 1892/93 und 1893/94 hierzu nicht hinreichen. Man ist im Kreise von diesen Umlagen nicht sonderlich erbaut.