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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirten Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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X 26. Samstag, den 31. März 1894.

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fWh'IhtttAMI "^ dieSchlüchterner Zeitung" S^V^milliytU werden noch fortwährend von allen

-------------~ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März. Der Besuch des Kaisers auf der Wartburg zur Auerhahnjagd ist aus den 21. April angesetzt.

Aus Abbazia, 29. März, wird gemeldet: Der Kaiser von Oesterreich ist mit dem deutschen Kaiser, der bis Mattugkia entgegengefahren war, um 9 Vn Uhr hier eingetroffen und von einer zahlreichen Menge enthusiastisch begrüßt worden. Am Hotel Stefanie wurde der Mo­narch vom Erzherzog Josef und den Spitzen der Be­hörden empfangen. Das SchulschiffMolche" hatte Flaggengala angelegt; auch alle anderen Fahrzeuge im Hafen hatten geflaggt.

* Den im dritten Jahre dienenden Soldaten, welche vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen zweijährigen Dienstzeit eingetreten sind und nicht zur Entlassung ge­langten, wird nach der neuen Heeres-Ordnung der Dienst im dritten Jahre als Uebung angerechnet. In früheren Zeiten, unter dem Regime der dreijährigen Dienstzeit, blieben bis zum Ende dieses Zeitraumes meist 30 bis 35 Mann im Dienst. In diesem Jahre sind dagegen bei den Truppentheilen nur 12 bis 15 solcheralten Leute" bei jeder Kompagnie verblieben.

Leipzig. Gymnasial-Kurse für Damen. Unter der Leitung von Fräul. Dr. phil. Käthe Windscheid, der Tochter des verstorbenen Pandektenlehrers, die vor Kurzem sich in Heidelberg den Doktortitel erwarb, werden nunmehr in Leipzig zu Ostern Gymnasial-Kurse für Damen in's Leben treten. Die Dauer des Kurses, dessen Ziel die Ablegung der Gymnasial-Abiturienten- prüfung ist, hat man auf 4 Jahre bei wöchentlich 24 Stunden festgesetzt.

Breslau, 24. März. In der Zuckerfabrik Kletten- dorf löste ein jugendlicher Arbeiter von einem Leitungs­draht der elektrischen Beleuchtung die Umhüllung und berührte, um sich elektrischen zu lassen, den blanken Draht. Ein elektrischer Schlag tödtete den Arbeiter sofort.

Stuttgart, 19. März. Der Weinhändler und Essigfabrikant Bollmer in der Weimarstraße hat, wie man demSchw. B." schreibt, seiner Frau den Hirn­schädel eingeschlagen und er schlug auch seinem einzigen Kinde den Arm ab. Der Grund zu der Thal soll darin liegen, daß ihm seine Frau weniger Vermögen gebracht, als sie versprochen hatte.

Gießen, 26. März. (Tod durch Blutvergiftung.) Der Professor der Medizin, Herr Dr. Friedrich Birnbaum, ein um die Wissenschaft sowohl die Chirurgie wie Medizin hochverdienter Gelehrter, welcher vor einigen Tagen nach kurzem Leiden im Alter von 60 Jahren starb, ist ein Opfer seines Berufes geworden, wie jetzt nachträglich bekannt wird. Er hat sich bei Section einer Leiche eine Blutvergiftung an der Hand zugezogen, der er trotz sofortiger Hilfe nach qualvollem Leiden zum Opfer fiel. Das tragische Ende des in seinem Berufe sehr erfolgreich thätig gewesenen, sehr geachteten Mannes, der eine zahlreiche Familie hinter­läßt, erregt in den weitesten Kreisen Theilnahme.

In PeraSdorf (Niederbayern) starb kürzlich eine Frau, die auf dem Sterbebette bekannte, daß sie einen vor zwanzig Jahren in dortiger Gegend spurlos ver­schwundenen Händler ermordet und ihren ersten Mann nach und nach durch Tabak ebenfalls vergiftet habe. Ihren zweiten Mann lockte sie in den Brunnen, den sie mit Steinen überdeckte, weshalb sie wegen Mord­versuchs seiner Zeit zu 8 Jahren Zuchthaus vcr- urtheilt wurde.

Ausland.

Madrid, 22. März. Bei den Arbeiten, die im Hafen von Santander an dem Wrack des Dynamit­schisfesCabo Machichaco" vorgenommen wurden, ist heute eine Explosion erfolgt. Dabei sind 10 Personen gclödtet und 27 verwundet worden, außerdem werden verschiedene Personen vermißt. In der Stadt herrscht eine große Panik. Die Ursache der Explosion i|t noch unbekannt. Es hat sich herausgestellt, daß sich unter den Trümmern des Dampfers noch eine Menge Dy­namit man spricht von 40C0 Kilogramm im

Hintertheil des Schisfsrumpfes befindet, dessen all- mählige Zersetzung Stadt und Hafen mit einer neuen Katastrophe bedroht. Irgend ein Stoß oder eine unvorsichtige Berührung kann eine Explosion des Nitro­glycerin zur Folge haben. Die um ein Gutachten angegangene Torpedo-Kommission hat sich nach der Köln. Zeitung" dahin ausgesprochen, daß eine Sprengung des Schiffskörpers nöthig ist, um einem Unglück vorzubeugcn. Die Abgeordneten für Santander sind in Folge dessen beim Ministerium vorstellig ge­worden, hier schleunigst Rath zu schaffen, und dieses hat die sofortige Absendung einer Kommission beschlossen, um die Anordnungen zu treffen, welche die schwierige Lage erfordert. Im Fall die Sprengung vorgenommen wird, müssen natürlich alle Wohnungen in weitem Umkreis geräumt werden. Pioniere sollen alsdann die Arbeit ausführen, die schon aus dem Grunde sehr gefährlich ist, weil aus dem Dynamit noch Kisten mit eisernen Nägeln u. s. w. liegen. Es kann sich also möglicherweise derselbe Vorfall wiederholen, wie im November v. I., wo diese Gegenstände wie Projektile wirkten. Außerdem wird die Stadt gegebenenfalls durch Infanterie und Gendarmen besetzt, damit die verlassenen Häuser keinem räuberischen Gesindel, das sich bei solchen Gelegenheiten immer einzustellen pflegt, zum Opfer fallen, und ausbrechendes Feuer sofort gelöscht werden kann. Die Erschütterung wird wahr­scheinlich furchtbar sein, aber es bleibt nach Ansicht der Sachverständigen wie gesagt kein anderer Ausweg.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 30. März.

* In dem am 28. ds. Mts. im Hotel zum Stern hier abgchaltenen Kreistage wurde zunächst der Etat berathen und der Verwaltungsbericht vorgetragen. Bei Nr. 4 des Verwaltungsberichts (Krcisoichvcrsicherung) wurde, da die Garantiezeit des Kreises für dieselbe am 1. April d. Js. aufhört, von verschiedener Seite beantragt, derselben zur Gründung eines Reservefonds einen Zuschuß aus Kreismitteln zu gewähren. Der Kreistag beschloß deshalb, der Kreis-Vich-Versicherung zur Gründung eines Reservefonds auf 5 Jahre einen jährlichen Zuschuß von 500 Mk. zu gewähren. Bei Nr. 5 des Verwaltungsberichts (Kreis-Armen-Verwaltung) wurde zur Sprache gebracht, daß verhältnißmäßig den Städten gegenüber die Landgemeinden von den Wohl- thaten dieser Einrichtung zu wenig Gebrauch machen und es nothwendig erscheine, daß die Bürgermeister der Landgemeinden veranlaßt würden, ihre Ortskranken zur Aufnahme in Krcispflcgc anzumelden, was bisher leider nur in sehr vereinzelten Fällen geschehen ist. Der Kreistag ersuchte deshalb den Kreis-Ausschuß, seine volle Aufmerksamkeit auf diese Sache zu richten und dahin zu wirken, daß von dieser wohlthätigen Einrichtung auch die Bürgermeister der Landgemeinden mehr Gebrauch machen. Der Kreistag hatte die Ueberzeugung ge­wonnen, daß die Ausführung der baulichen Verände­rungen im Kreishause unbedingt nothwendig sei und wurde beschlossen, anstatt 6000 Mk. 7000 Mk. zu diesem Zweck im Etat einzusetzen. Der Etat wurde demnächst in Einnahme und Ausgabe auf 110350 Mk. festgesetzt. Das von dem Kreisausschuß ausgestellte Statut über Erhebung einer Kreishundesteuer vom 1. April 1895 ab wurde angenommen. Der Steuer­betrag beträgt jährlich 5 Mk. und sind von Zahlung der Steuer nur die Besitzer einzeln liegender Gehöfte, welche 200 Meter von dem nächsten bewohnten Gehöft liegen, befreit, sofern sie nur einen Hund halten. Werden auf solchen Gehöften zwei oder mehrere Hunde gehalten, so ist nur ein Hund steuerfrei. Ueber die Befreiung entscheidet der Kreisausschuß. Hierauf wurden gewählt: Als Schiedsmann des Schiedsmannsbezirks Mottgers und Forstbezirk Sterbfritz der Bauer Friedrich Limpert und als dessen Stellvertreter der Bürgermeister Müller zu Mottgers. Als Mitglied der Körungs- kommission, als stellvertretendes Mitglied der Pferde- musterungs-Kommissiou und als stellvertretendes Mit­glied für die nach dem Gesetz v. 12. Juni 1893 be­treffend Kriegsleistung zu bildende Kommission wurde Herr Gutsinspektor Weiche! in Ramholz gewählt. Als Beisitzer zum Schiedsgericht für landwirthschaftliche Unfallsachen aus der Zahl der Arbeitsnehmer wurde Herr Gutsverwalter Preiß in Vollmerz, als erster Stellvertreter der Hofmeister Hildenbrand in Ahlers-

bach, als zweiter Stellvertreter der Oberholzhauer Kaul in Steinau gewählt. Der Kindcrhcilanstalt in Orb wurde eine fortlaufende Unterstützung von jährlich 100 Mk. bewilligt. Hierauf wurde der Kreistag geschlossen.

* Von zuständiger Seite erfahren wir, daß in der Sitzung des großen Bürgerausschusses am Donnerstag die am 7. d. Mts. stattgehabte Bürger­ausschußwahl einstimmig für gültig erklärt worden ist. Der gegen dieselbe erhobene Einspruch mußte als nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften sachlich unbegründet verworfen werden.

* Für Handwerker. Vom 8.11. April findet in Berlin ein Handwerkertag statt, bei welchem alle Handwerke des ganzen Deutschen Reiches durch Delegirte vertreten sein werden. Der Haupt-Gegenstand der Be­rathung (wahrscheinlich der einzige) ist die Stellungnahme des Handwerkerstandes zu dem bekannten Organisations- entwurf Sr. Excellenz des Herrn Handelsminister von Berlepsch. Diese Angelegenheit erscheint wichtig genug, um die Einberufung eines allgemeinen Handwerkertages zu rechtfertigen. So weit wir die Stimmung in Hand- werkerkreifen kennen, ist dieselbe dem gemeldeten Entwurf gegenüber keineswegs günstig. Man erblickt in demselben ein Versuch, dem Handwerk aufzuhelfen, der aber Mühen und Kosten bringt, ohne ihm in Wahrheit zu nutzen. Mönen also die Handwerker sich rühren, so lange es noch Zeit ist! Wie wir hören, hat der Handwerker- bezirksverein Hanau den Herrn Lehrer König hierselbst zu seinem Delegirten ernannt. Den Handwerkern des Kreises Schlüchtern soll am nächsten Sonntage Ge­legenheit gegeben werden, demselben ihre Wünsche für den Handwerkertag kund zu geben. Wir verweisen auf die bez. Annonce in dieser Nummer.

* Ernannt: der Stellenanwärter Fuchs zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht in Schwarzenfels.

- Herr Amtsrichter Dietrich von Ziegenhain ist nach Wächtersbach versetzt worden.

* Wieder ist der Zeitpunkt gekommen, wo eine große Anzahl von Knaben in die Lehre treten. Wir machen deshalb darauf aufmerksam, daß das Verhältniß zwischen Meister und Lehrling seit dem 1. April 1892, das heißt seit Einführung des Gesetzes betr. die Ab­änderung der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 sich in weitgehender Weise geändert hat. Die Zeiten sind vorbei, wo nach mehrmonatlicher Arbeitszeit der Lehrling dem Meister entlief, um irgendwo als halbausgebildeter Gehilfe in Arbeit zu treten. Das Verhältniß ist durch das Gesetz bestimmt geregelt; am empfchlenswerthesten in dieser Beziehung sind schriftliche Verträge, die übrigens nach dem Gesetze stempelfrei sind. Einseitig kann das Verhältniß nur in den ersten vier Wochen gelöst werden, auch bestimmt das Gesetz genau, wenn nach dieser Zeit, bei grober Vernachlässigung der Pflichten, gesetzwidriger Handlungen u. s. w. dasselbe gelöst werden kann.

* Das diesjährige Sängerbundfest des Vogels- berg-Kinzigthaler-Sängerbundes wird gegen Ende Juni in Schlierbach bei Wächtersbach stattfinden.

= Salmünster, 29. März. Vergangene Nacht ist in das Magazin des hiesigen Consumvereins eingebrochen worden. Es wurden vorzugsweise Uhrketten und Hemden gestohlen; der Verlust ist nicht bedeutend. Der Einbruch hat jedenfalls in der Weise stattgefunden, daß eine der unteren Fensterscheiben zertrümmert und alsdann der Schließhaken aufgedreht worden ist. Auf diese Ver­muthung lenkt der Umstand, daß man heute Morgen diese Fensterscheibe zerbrochen vorfand. Dem Diebe ist man, wie verlautet, auf der Spur.

Salmünster, den 30. März. Mit dem kommenden 1. April wird unsere neue. Wasserleitung dem Betriebe übergeben. Anläßlich dieses freudigen Ereignisses, an dessen Verwirklichung so manche Spötter immer und immer wieder ihren unberechtigten Zweifel hatten, sind bereits die umfangreichsten Vorkehrungen zu großartigen Festlichkeiten getroffen. Sämmtliche Civil- und Militär­spitzen haben ihr Erscheinen zugesagt. Das von Natur schon so herrlich geschmückte Thal zwischen Salmünster und Ahl ist in einen wahren Feenpalast umgewandelt worden; Carronsscls, Schießbuden mit kokett einladenden Schützinnen, Münchener Bierhallen mit zierlichen Kell­nerinnen und Frankfurter Würstchen, Schuellphotographen, Riesendamen, Kasperltheater, Glücksbuden u. s. w. um­rahmen in anmutigem Wechsel den eigentlichen Festplatz mit der kunstvollen Rednerbühne und dem wahrhaft