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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirten Familienfreund" vierteljährl. 1 Btt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 24 ~Samstag, den 24. März ^ 1894
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WM- „8<^lüc^teraer Zeitung" "^^ bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. Ale Expedition.
Ein Ostergrnß.
Früher als in anderen Jahren zieht das liebe Osterfest wieder ins Land. Schon bei seinem Namen weitet sich jedes christliche Herz, zieht ein inneres Früh- lingsgcsühl durch jede Seele. Denn Ostern bedeutet: Leben, Sieg, Hoffnung! Nicht umsonst taucht das Osterfest aus dem Dunkel und aus dem Ernst der Passionszeit hervor. Aus dem Tode erblüht das Leben, aus dem Leiden und Sterben des Erlösers, als des Hauptes das Leben seiner Glieder. Ich lebe und ihr sollt auch leben! das ist die.Her-rüche Lebcns- botschast Christi an die Seinigen. Das Leben des von Gott losgelösten Menschen mündet überall in die Sünde, und der Sünde Sold ist der Tod. Der heilige Sohn Gottes selbst hat den Fluch der Sünde auf sich genommen, um Leben und unvergängliches Wesen für uns ans Licht zu bringen. Sein Sieg über den Tod ist unser Sieg, sein Auferstehen aus dem Grab unser Trost an unseren Gräbern, unsere Hoffnung im Blick auf das eigene Grab. Das ist das innerste Geheimniß des christlichen Glaubens, dem heute noch so Viele kalt gegenüber stehen, weil ihnen leider auch heute noch beim Klang der Osterglocken das Goethesche Faustwort gilt: Die Botschaft Hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!
Aber selbst sie können sich dem Heilgen Bann der Osterthatsache nicht ganz entziehen. Mit einem bloßen sentimentalen Schwärmen über den Osterfrühling der Natur ist Niemand geholfen. Denn was nutzt es, wenn die Natur ringsum aus de^n Tode erwacht, aber das Herz kahl und leer und ersterben ist, wenn die Lerchen ihr Frühlingslied anstimmen, aber kein fröhliches Osterlied durch die Seele klingen will. Mit dem Evangelium des Unglaubens im Herzen kann man so wenig Ostern feiern, als mit dem des Materialismus und Naturalismus. Wehe unserem Volke, wenn ihm jemals die Quellen versiegten, aus "denen allein eine Verjüngung der Volksseele herfließen kann. Mit der Ostergewißhell im Herzen erhebt sich der Mensch nicht bloß über die Schrecken von Tod und Grab, sondern auch über jedes Erdenleid und Erdenweh. Mit dem Osterglauben im Herzen sehen wir auch der Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes getrost entgegen und gehen getrost an die Mitarbeit an den großen Aufgaben der Zeit. Trotz allen Dunkels halten wir fest an der Osterhoffnung: durch Tod zum Leben, durch Kampf zum Sieg.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist Dienstag früh nach Abbazia abgereist, wo er die Charwoche und das Osterfest gemeinsam mit der Kaiserlichen Familie zu begehen gedenkt. Als Vertreter des Auswärtigen Amtes begleitet den Kaiser der Gesandte Giaf Eulenburg, der für den Botschafterposten in Wien in Aussicht genommen ist. Am Tage vorher hatte Seine Majestät die Berliner Garnison alarmiren lassen, um auf dem Tcmpclhofcr Felde eine Gefechtsübung zu Veranstaltern Als der Kaiser Abends 7 Uhr an der Spitze des 2. Garde- regiments zur Stadt zurückkchrte, wurde er überall in den Straßen mit Begeisterung begrüßt, eine Kundgebung, die sich als ein herzlicher Abschied von der Berliner Bevölkerung kennzeichnete.
— Ueber die Uniformirung der Armee schreibt der „Reichsanzuger": Durch die Tagespresse läuft die Mittheilung einer Lokalkorrespondenz, die Unifonmrung der Armer solle von Grund auf umgeäudert werden. Es seien in Aussicht genommen kurze Waffenröcke von graugrüner Farbe, Käppis an Stelle des Helmes, Gürtel an Stelle der Offizierschärpen u. a. m. Alle diese Nachrichten sind, wie uns von zuständiger Seite mit- getheilt wird, erfunden.
— Die Tilgung der Schafräude in Preußen hat nach den amtlichen Berichten im vergangenen Jahre wieder Fortschritte gemacht. Während 1892 35767
Schafe dem Badeverfahren unterworfen werden mußten, wurde 1893 dieses Heilverfahren nur noch auf 28 650 Schafe angewendet. In größerem Umfange war die Seuche in den Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim, Stade, Osnabrück und Cassel verbreitet. Vollständig räudefrei waren am Schluß des Jahres 1893 die Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Schleswig-Holstein und die Rhein- provinz, sowie die Hohenzollernschcn Lande und die Regierungsbezirke Magdeburg, Erfurt und Aurich. Zwecks völliger Tilgung der Seuche in der Monarchie hat der Minister der Landwirthschaft für die noch nicht räudefreien Bezirke die Fortsetzung des Badeverfahrens angeorbnet.
— In Veranlassung einer Anordnung des Ministers des Innern und der Finanzen werden die königlichen Regierungen in der Verwaltung der direkten Steuern (Einkommensteuer, Gewerbsteuer) jetzt Steuer-Sekretäre ernennen, denen die Bearbeitung der Steuersachen, die bisher Supcrnumcraren bei den Regierungen und Landrathsämtern übertragen war, ständig obliegt. Der Gehalt beträgt wie bei den Kreissekretären 1800 bis 3600 Mark. Diejenigen Regierungs-Supernumerare, wslche bereits die Steuersachen bearbeiten, scheiden demzufolge aus und bilden sclbstständigc Verbände. Die Zahl der Steuer-Sekretäre ist einstweilen auf 120 normirt.
München. Der über das ganze Königreich Bayern verbreitete Pensionsverein „Bavaria" hat seinen Mitgliedern eröffnet, daß er vor einem Fehlbetrag von mehr als zwei Millionen stehe, zu dessen Beseitigung er die Erhöhung der Jahresbeiträge von fünf auf sechs Prozent der Einschreibsumme und die Herabsetzung der Pensionen, die bereits bezahlt werden, um die Hälfte vorschlagen müsse. Die Aufregung über dieses Ereigniß ist nicht gering, denn der Verein setzt sich größtentheils zusammen aus Privalbeamten und kleinen Staatsbeamten, lauter kleinen Leuten, die schon namhafte Einzahlungen gemacht haben.
Stuttgart, 16. März. Die Kammer der Abgeordneten genehmigte einstimmig die Nothstandsvorlage, betreffend die Bewilligung von 410,000 Mark Unterstützung an Gemeinden und einzelne nothleidende Land- wirthe. Im Laufe der Debatte wies der Justizminister Dr. v. Faber darauf hin, daß 2753 Gnadengesuche für Waldfrevelstrafen eingelaufen seien, denen fast sämmtlich stattgegeben wurde; es seien 86 Prozent erkannter Strafen nachgelassen worden. Als im preußischen Ab- geordnetenhause unlängst eine möglichst ausgedehnte Begnadigung angeregt wurde, sprachen sich bekanntlich mehrere Vertreter der Landwirthschaft mit möglichster Schroffheit gegen dieses Verlangen aus.
Leipzig, 16. März. Kein Tag vergeht hier, ohne daß ein oder mehrere Selbstmorde gemeldet werden. Gestern haben sich 3 Personen den Tod gegeben. Unter diesen befand sich ein junges erst 6 Monate verheiratetes Ehepaar, dessen Selbstmord besonderes Aufsehen erregt. Die jungen Leute hatten den Schlüssel zu ihrer Wohnung der Polizei zugesandt mit dem Auftrag, die Wohnung zu öffnen. Die Polizei fand das Ehepaar entseelt auf dem Sopha liegend vor, die Frau im weißen Atlasbrautkleid, den Mann in Frack und weißer Weste. Der Mann, ein in einem angesehenen Geschäft Angestellter, hatte sich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen, bereit Folgen ihn und sein junges Weib in den Tod getrieben haben. Sie hatten sich mit Cyankali vergiftet.
Ausland.
Turin, 20. März. Kossuth ist heute Abend 10 Uhr 55 Minuten gestorben. (Ludwig Kossuth, der ungarische Dictator, war geboren am 21. April 1805 in Tapio Birske bei Pest, wurde Advokat daselbst,
1840—44 Redacteur des Organs der radicalen Opposition, 1847 Führer der Opposition, 1848 Finanzminister. Im September Präsident des Landesvertheidigungsausschusses, organisirte er ben Kampf gegen die österreichische Regierung und betrieb April 1849 auf dem Reichstag die Entsetzung des Hauses Habsburg und die Unabhängigkeitserklärnng. Zum Dictator ernannt, zog er am 5. Juni in Pest ein, mußte sich aber nach dem Einrücker! der Russen nach dem Süden zurück- ziehen und trat auf türkisches Gebiet über. Er wurde in Kleinasien internirt; 1851 frcigclassen, begab er sich nach London. 1867 amneftirt, kehrte er nicht nach Ungarn zurück, sondern lebte in Turin.)
Lokales««!» Provinzielles. * Schlüchtcrn, 23. März.
* — Wir machen unsere geehrten Postabonnenten auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß mit Ablauf nächster Woche das gegenwärtige Quartal zu Ende geht und die Bestellung auf die „Schlüchterner Zeitung", soweit sie noch nicht geschehen ist, bei der Post rechtzeitig erneuert werden muß, indem der ununterbrochene Empfang der Zeitung für die folgende Bezugszeit davon abhängt. Bei verspäteter Bestellung kann auf vollständige Lieferung kein Anspruch gemacht werden. Erfolgt die Bestellung auf unsere Zeitung erst in den letzten zwei Tagen dieses Monats oder nach Beginn der Bezugszeit, so werden die vor Erledigung der Bestellung bereits erschienenen Nummern, so weit solche überhaupt noch zu beschaffen sind, nur auf ausdrückliches Verlangen und gegen eine Gebühr von 10 Pfg. für das von der Post zu erlassende Bcstcllschrciben nachgeliefert. Außer den Postaustalten ist auch jeder Laudbriefträger verpflichtet, Bestellungen auzunchmen.
* - Laut seiner Zeit erlassener Bekanntmachung Königlicher Regierung zu Cassel ist am ersten Öfter-, Psingst- und Weihnachtsfeierlag der Handel mit Back- und Konditorwaaren, mit Fleisch und Wurst, Vorkost- artikeln und mit Milch von 5 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags, jedoch ausschließlich der für den Haupt- gottesdienst festgesetzten Unterbrechung zugelassen, der Handel mit Kolonialwaaren, mit Blumen, mit Tabak und Cigarren, sowie mit Bier und Wein während zweier Stunden vor Beginn der Pause für den Hauptgottes- bienft gestattet. Alle anderen Geschäfte müssen während des ganzen Tages geschlossen halten.
* — Die mit einem jährlichen Gehalt von 600 Mk. verbundene Kreisthierarztstelle des Kreises Schlüchten mit dem Wohnsitz in Schlüchtcrn ist vom l. April d.J. ab anderweit zu besetzen.
* — Aus dem Bundesamt für das Heimathwesen. Von Hohenzell war die Witwe Kehrn nach Frankfurt a. M. verzogen, woselbst ihr bald darauf eine Armenunterstützung von wöchentlich 3 Mk. gezahlt wurde. Die Unterstützungs- fumme war in der Zeit vom 24. Oktober 1888 bis zum 31. März 1891 auf 381 Mark angewachsen, welche der Ortsarmenverband Hohenzell, als der Unterstützungswohnsitz der Kehm, zu erstatten sich weigerte. Infolgedessen ftrengte der Armeuverbaud Frankfurt die Klage an, erreichte aber nur, daß ihm vom Bezirksausschuß zu Cassel ein Theilbetrag von 12 Mark zugesprochen wurde. Auf die Erstattung des übrigen Geldes, so führte das Urtheil begründend aus, habe der Armenverband Frankfurt keinen Anspruch, weil er dem Anträge auf Ucberführung der K. nach Hohenzell nicht stattgegeben habe und somit nur die vor dem Anträge gezahlten 12M. zurückcrstattet verlangen könne. Gegen diese Entscheidung legte der Kläger Berufung ein und stützte sich darauf, daß von dein Beklagten gar kein Ueberführuugsantrag gestellt worden, sondern nur ein Antwortschreiben nach Frankfurt gekommen sei, worin der Beschluß des Armenverbands Hohenzell, die K. nach dort zurückkommen zu lassen, mitgetheilt gewesen wäre. Das Original dieses Schreibens sei zwar nicht beizubringen, wohl aber eine Abschrift, die sich in den Akten des Kreis- ausschusses Schlüchtcrn gefunden habe. Aus den Zeilen könne man nicht einen Ueberführuugsantrag Heranslesen, denn außer der Mittheilung des Beschlusses sei in dem ganzen Schreiben nur noch die Rede von der Art und Weise, wie die K. in Hohenzell unterhalten werden sollte, daß man ihr nämlich freie Wohnung im Armenhause und freie Kost bei den Besitzern der Reihe nach gewähren und auch eine eigene Kammer einräumen wolle, falls für die letztere ihre Verwandten in Frankfurt einen kleinen Beitrag zuzuzahlen bereit wären. Das Bundesamt für dasHeimak-