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NpstpHuna^k °"l dieSchlüchterner Zeitung" n werden noch fortwährend von allen . . ----- - . "^ - -.- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Bekanntmachung.

Um feststellen zu können, ob und welche Mittel noch erforderlich sind, um der in diesem Frühjahre weiter zu Tage tretenden Streu- und Fnttcruoth vvrzubcugcn und die vorhandenen nothwendigen Viehbestände zu erhalten, fordere ich die Herren Bürgermeister auf, bei allen Landwinhen ihrer Gemeinde den Bedarf an Streu- material, Futterstroh und Kraftfuttermittch welcher bis zum 1. Mai d. I. noch zu decken bleibt, möglichst genau zu ermitteln, nach unten folgendem Schema zu- sammenzustetlen, und diese Zusammenstellung bis spätestens den 10. Januar d. I. ohne Erinnerung an mich einzusenden. In Solenne Bemerkungen ist bei jedem Einwohner anzugeben ob er Bezug durch Vermittelung des Kreises gegen Credit oder gegen Baarzahlung wünscht oder ob er sich den Bedarf selbst beschaffen will.

Schlüchtern, den 2. Januar 1894.

Der Königliche Landrath, Geh. Reg. Rath: Roth.

Zusammenstellung des Bedarf an Streumatcrial, Futterstroh und Kraft- fuitermittcl für die Gemeinde.....bis zum 1. Mai d. J.

N Nanien des

Vieh-

Bedarf an

Landwir

hs.

08. on.

Haltung

Pfer- ^Rind- de. | viel).

Streu male- Netl.

Fut- IKraft ter- futrer stroh luiutei entner.

1

Bemr, fuiiqen.

11 wünscht B-zug ourch Bei uiiiremng veS Kreis-« gegen (Jiteoit voec gegen Baarzndiung.

2) will gch teil Be- varf selbst besch.

Die wirthschaftliche Gemeiuschast.

AuSzug aus einer Broschüre von einem westdeutschen tndustrieUen Kreise. (Fortsetzung.)

V1H.

Was thatsächlich eine bedauerliche Folge politischer Verhältnisse gewesen war, was die Leitenden und Wissen­den in der preußischen Regierung als Opfer für die politischen Ideale der Nation angesehen hatten, das war den beschränkten Köpfen der geistigen unb thatsächlichen Subalternbeamten in den Ministcrial-Bureaux nur als ein befriedigender Sieg der ewig unabänderlichen Lehren Adam Smiths und ihrer scheinbaren Erfolge in England erschienen. Nur mir diesen Enthusiasten allein hatte sich auch die fast 40 Jahre lange freihändlerische Politik durchführen lassen. Es war daher kein Wunder, daß die gesamte preußische Bureaukratie, welche mit den produktiven Ständen überhaupt keine Fühlung besaß, gegen die umstürzlerischen Bestrebungen der Schutzzöllner stimmte. Fürst Bismarck, welcher diese latente Oppo­sition der Geheimen Räthe schwerer empfand, als die lärmende im Parlament, ging gegen sie mit durch­greifenden Maßregeln vor; wir wissen aus neueren Veröffentlichungen, daß er hervorragenden Vertretern dieser Obstruktionspolitik das Ressort entzog.

Die Macht der produktiven Stände wurde dadurch frei entfaltet; ihre ungeheuere Kraft offenbarte sich, sie schlugen ihre vier parlamentarischen Gegner im ersten Anlauf. Die Zollgcsetze gingen mit großer Mehrheit durch. .

In dem Fürsten Bismarck war die Personalunion zwischen Landwirthschaft, Industrie und Bureaukratie verkörpert; so lange er die Regierung leitete, ist die wirthschaftliche Grundlage dieser Stände niemals ernstlich erschüttert worden. Er hat sich nicht gescheut, diesen Ständen ganz bedeutende Lasten anfzuerlcgen, aber dafür lebte in diesen das Bewußtsein, im entscheidenden Augenblick immer Verständniß an entscheidender Stelle zu finden. Ihm sind daher diese Stände zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. Aber was er nicht ändern konnte, das war der Grundfehler, an dem das Regie- rungsshstem in wirthschaftlicher Beziehung krankte: Der natürliche Gegensatz zwischen dem bezahlten und zwar schlecht bezahlten Beamtenthum und den wirthschaftlichen, verdienenden Klassen.

Wir wollen hier die Frage nicht ausführlich erörtern, weßhalb dieser Gegensatz entstanden ist, er liegt haupt­sächlich daran, daß große Organisationen (wie die Ver­waltung eines mächtigen Reiches sie darstellt) nicht mehr

im Nebenamt, sondern nur durch bezahlte Fachbeamlen sich durchführen lassen, welche ihre ganze Kraft darauf werfen. An die Stelle unabhängiger Großgrundbesitzer, welche die Verwaltung ihres Kreises führen, treten immer mehr die rein beamteten Landräthe, deren Zukunft nur in ihrer Karriere liegt. Die erwerbenden Klassen werden bamit aus der Regierung hcrausgcdrängt; erst durch Einführung der Volksvertretung haben sie wieder Ein­fluß aus die Regierung erlangt, aber sie wirken dort nicht innerhalb der Regierung, sondern im Kampf gegen die Regierung.

Nach Fürst Bismarcks Sturz tritt dieser stets be­stehende Riß mit besonderer Stärke wieder zu Tage. Der Nachfolger des Fürsten Bismarck übertrumpfte seinen Untergebenen, jenen Landrath, welcherdas Un­glück hatte, Laudrath eines industriellen Kreises zu sein," durch eine neue Auflage der alten Demokraten-Prahlerei Sohn armer, aber ehrlicher Eltern", indem er in der Volksvertretung mit besonderem Stolz hervorhob, er besitzekeinen Ar unb keinen Strohhalm." So wie dem Chef der deutschen Beamtenwelt geht es seinen Geheimräthen auch, auch sie besitzenkeinen Ar und keinen Strohhalm."

Aus diesen Verhältnissen heraus erklärt sich die ab­solute Theilnahmlosigkeit, ja zum Theil Gehässigkeit der Bureaukratie, welche sich bei der ersten großen Krise offenbarte, welcher die wirthschaftlichen Stände das Un­glück hatten, nach dem Sturze des Fürsten Bismarck zu begegnen.

Die H a nd elsv er trä ge von 1891 92 entspringen erstens aus dem ängstlichen Gefühl von Männern, welche mit einer Riesenaufgabe zu thun haben, der ihre Kräfte nicht gewachsen sind, und welche daher trachten, selbst mit Opfern weitaus blickende Geschäfte rasch ab= zuwickeln, um das Risiko- zu mindern. Sie entspringen aus dem Hagemuth von Leuten, welche die Klippe, welche sie nmstenern sollen, gerade als ihr Ziel betrachten; man kann es doch nicht lediglich der Regierung als Ungeschicklichkeit auslegen, wenn sie nach Wien erklärte Anhänger des Freihandels zur Unterhandlung über die Handelsverträge sandte. Es ist klar, daß solche Unter Händler keine besondere Sorge an den Tag legen würden, eine entscheidende Umwandlung zum Freihandel zn ver­meiden; hat man doch mit schwerwiegenden Gründen einem dieser Unterhändler, dem Geheimrath Huber, in der Volksvertretung entgcgcngewvrfen, daß er Zugeständ­nisse bewilligt habe, um die ihn niemand gebeten hatte.

Die Industrie hat aus den Handelsverträgen keine Vortheile, die Landwirthschaft hat daraus ent­schieden Nachtheile, das Kleingewerbe ist über­haupt nicht direkt daran intcressirt. Aber alle drei Klassen haben zunächst wirthschaftlich verloren durch die Schwächung des inländischen Marktes und sie haben politisch verloren durch die moralische Niederlage, welche sie sich bei der Abstimmung über die Handels­verträge zugezogen haben; die Handelsverträge wurden mit bedeutender Mehrheit angenommen. Es hat diese Niederlage die allgemeine Schwäche der produktiven Stände enthüllt, welche sie nur ihrer Uneinigkeit zu verdanken haben, unb es wird nunmehr an Versuchen nicht fehlen, diese Schwäche weiter auszubeuten. Durch die Handelsverträge sind die Zölle nach oben feftgelegt, man wird alles aufbieten müssen, zu verhindern, daß sie nach unten hin eine weitere Abschwächung erfahren.

In der Schwebe ist heute (Mai 1893) allein noch der russische Handelsvertrag. Fällt die Entscheidung über diesen Handelsvertrag nach der Richtung der übrigen Handelsverträge, so ist der Gang des deutschen Reiches zum Freihandel noch schärfer erkennbar.

Dieser russische Handelsvertrag ist noch nach einer anderen Richtung interessant. Als die durch die Handels­verträge erschreckten produktiven Klassen sich znm Wider­stand organisirten und sich bemühten, der Verständniß- losigkeit des Reichstages für wirthschaftliche Fragen anf- 311 beiseit, schlug die Reichsregierung jeden Ansturm ab, indem sie in einer Mischung von Diplomatenhockumtth und Geheimnißlhucrci auf die hohe politische Bedeutung der Verträge" hinwies. Bei der Schulung, welche die wirthschaftlichen Kreise Deutschlands durchgemacht ha eu, gaben sie weiteren Widerstand auf; was alles mochte nicht im Stillen abgemacht sein: ein großer Zollverein, eine Bohkattirung Frankreichs und Rußland n. s. w.; den parlamentarischen Philister ergriff die Ruhmsucht, bei einer großen politischen Aktion mitzuhelfen. Und

wo sind heute alle diese schönen Seifenblasen? Der russische Handelsvertrag ober seine Einleitung zeigt, daß diehohe politische Bedeutung" nur Theaterdonner war, mit dem man ernsten Donner früherer Jahre nachäffte; man handelt unb feilscht wie ein Hausirer mit jedem, welcher bietet, und obendrein, man feilscht ungeschickt.

Die Land Wirth schuft hat sich dieser Gefahr gegenüber endlich aufgerufft. Der Bund der Landwirthe ist ein erstes Zeichen energischer» Selbstständigkeit.

Das Kleingewerbe rührt sich znr Sache über­haupt nicht, bei ihm machen sich die Folgen der Handels­verträge erst nach Jahren bemerkbar.

Das Großgewerbe ist gespalten. Wir müssen allerdings zunächst schärfsten Protest dagegen einlegen, daß man die Aeußerungen einer Reihe von Instituten, welche angeblich das Großgewerbe vertreten sollen, aber durch ihre verfehlte Verfassung einen Hohn auf dasselbe bedeuten und sich daher mit Recht als Handels- kammcru bezeichnen, heranzicht, zum Beweise, daß die Industrie die Regierung auf ihrem Marsche zum Frei­handel unterstützt. Nur die gänzliche Unkcnntniß des landwirthschaftlichen Ostens mit den westlichen Verhält­nissen kann es als einen Abfall der Industrie auffassen, wenn die freihändlcrischen Handelskammern, wie die von Bielefeld, Hanan, Frankfurt a. M., Lüdenscheid n. s. w. die Handelsverträge mit besonderer Genugthuung begrüßen. Die großen Industrien, wie sie im Zentral- verbaud deutscher Industrieller und im Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sich zusammenfinden, haben Handelsverträge anf Kosten der Landwirthschaft abgelehnt. Aber wir müssen zugestehen, daß mehrere kleine In­dustrien mit einer gewissen Befriedigung anf die Vor­theile der neuen Handelsverträge hingewiesen haben.

Hier liegt eine außerordentliche Gefahr. Es heißt den Keil in die wirthschaftliche Gemeinschaft hineintreiben, wenn einer der Verbündeten sich verleiten läßt, Vortheile auf viosten der übrigen zu erheischen oder auch nur au- zunehmen. Die Interessengemeinschaft der drei Stände in der Frage der Handelsverträge ist offenkundig. Sie stützt sich auf zwei Umstände:

1. Wenn die entscheidende Bedeutung und Ueber legenbeit des innern Marktes einmal anerkannt ist, so kann keiner der drei Faktoren, welche die wirthschaftliche Gemeinschaft bilden, sich veranlaßt sehen, diesen anderen Vortheilen gegenüber aufzugeben; nur von der Grund­lage eines gesicherten unb starken Bi nnen ab satzes aus kann überhaupt exportirt werden.

2. Sind die Vortheile des Außenhandels überhaupt problematischer Natur. Ihr Bestehen und Fallen hängt von dem souveränen nnbceinflußbaren Willen der Außen- staaten ab und sie fallen beim ersten Kanonenschuß.

Ein festes Zusammcnstehen der drei Stünde ist hier daher möglich und nothwendig.

Die schaffenden Stände haben dem Staate manche Opfer in den letzten Jahren gebracht. Sie haben große Belastungen auf sich genommen, um den sozialen Frieden zu fördern. Sie werden ferner auch gewärtig sein müssen, in der äußeren Handelspolitik, wie in früheren Jahren so in Zukunft die diplomatischen Fragen oft entscheiden zu sehen; auch in Zukunft wird die deutsche Diplomatie den produktiven Ständen häufig zurufen: Noü längere circulos meos. Die schaffenden Stände werden sich dann fügen. Aber sie werden sich zur Wehr setzen, wenn, wie geschehen, man sie den Launen einer Bureaukratie, die von ihren Bedürfnissen nichts wissen will, den Spielereien einer unfruchtbaren Theorie und den Interessen des Handels und der Börse zu Liebe opfern will. (Fortsetzung folgt.)

Deutschos Reich.

Berlin. Der Kaiser ist von Kiel nach Potsdam zurückgekehrt und hat das Neujahrsfest in üolichcr Weise zngcbracht.

Ueber einen Guadenakt des Kaisers berichtet dieFrks. Oder-Ztg." Folgendes: Im Jahre 1892 hat der in Frankfurt a. O. verstorbene Rentner Carl August Miethe sein ungefähr 90000 Mark betragendes Vermögen zum weitaus größten Theile dem Kaiser vermacht. D^e nächsten Verwandten, vier Neffen und Nichten, waren nicht bedacht worden, darunter der - Einwohner Gottlieb Miethe in Liebenau, sie wandten sich deshalb mit Bittgesuchen au den Kaiser. Seit dem 18, December seinem Geburtstage, weiß nun Miethe durch ein Schreiben des Ministeriums des königlichen Hauses