Wefnndheitslehre.
Ausgestopfte Thiere im Wohnzimmer aufzube- wahren ist mitunter gesundheitsschädlich, wie nachfolgender Fall beweist. Ein hoher Beamter in Schlesien hatte" einen Seeadler auf der Jagd erlegt und denselben, ausgestopft, auf seinen. Schreibtisch aufgestellt. Seit Eintreffen des ausge- stopften Adlers befand sich der Besitzer desselben jedoch nicht wohl, ohne die Ursache ermitteln zu können. Ein zu Rathe gezogener Arzt stellte Bei giftung fest. Nach längerem Suchen entdeckte man den Krankheitserreger in dem Balge des Seeadlers, welcher mit einer seinen Schicht arsenikhältigen Prä- parationsputbers bestreut war. Durch die Erschütterung beim Gehen im Zimmer, durch das Werfen und Schließen der Thüren und Fenster hatte das Arsenik sich abgelöst und der Lunge des im Zimmer Befindlichen mitgetheilt. Erst nach länger Zeit wurde der Vergiftete wieder hergestellt. Es empfiehlt sich daher, alle im Wohnzimmer aufbewahrleu Bogelbnlge auf ihre Gifchaltigkeit untersuchen zu lassen. In keinem Falle dulde man sie im Schlaf- oder Kinderzimmer. ____________
Fürs Haus.
Als schlechte Ware sind alle Geschirre zu betrachten, welche beim Anklopien keinen reinen Klang haben, deren Glasur nicht gleichmäßig aufgetragen ist, Sprünge oder Risse zeigt, sich abblättert oder mit dem Messer sich ritzen läßt. Man soll daher jedes Geschirr vor der erstmaligen Benutzuna mit Wasser, dem auf jeden Liter Wasser je ein Eßlöffellvoll Salz und Essig zugesetzt wird, anfüllen, zudecken und eine Viertelstunde lang auskochen. Eine gleiche Behandlnng lasse man auch emaillierten Etsengeschirren angedeihen, um etwa in der Glasur enthaltene, lösliche, schädliche Metallverbindungen zu entfernen.
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Fünf Rezepte für Kinder - Erziehung. Lavater schickte eines Tages an eine Freundin fünf Rezepte, die den Grund der ganzen Kinder-Erziehung bilden. 1. Du mußt lernen, deine Kleinen in guter Laune zu erhalten. 2. Sie au Ordnung gewöhnen. 3. Unerlaubte Dinge ihnen ganz bestimmt abschlagen. 4. Ihnen so viel als möglich gestatten und nidjt am Verbieten dich freuen. 5. Fortwährend sie be- s.häst igen.__
Fragelraste«.
G. M. Reutlingen. Wer wegen schmaler Brust zurück- m stellt worden ist, kann sich nicht mehr bei einem preußischen Husaren - Regiment als Freiwilliger melden. Die Meldung zum freiwilligen Eintritt muß nach vollendetem 17. und vor Dem 20. Lebensjahre erfolgen.
Abonnent im Hannoverschen. Wenn Ihr Vater nicht mehr als Arbeiter beschäftigt ist, kann er auch an der Jn- validitäts- und Altersversicherung nicht theilnehmen. Ist er dagegen noch als Arbeiter thätig, so muß er ja auf jeden Fall versichert werden. Wenn gleichwohl für ihn keine Marken eingeklebt sind, so hat er allerdings keinen Anspruch aus die Rente.
K. P. 100. Aus Ihrer Anfrage geht weder hervor, ob ein festes Arbeitsverhältniß bestand, noch, welches der Grund -der Entlassung war. Wir können Ihnen daher auch Ihre Frage nicht beantworten.
W- K. in O- Wenn Sie als 21 jähriger Jüngling absolut auf ein Schiff wollen, so rathen wir Ihnen folgendes: 1. Bevor Sie nicht von der Musterungsbehörde als untauglich zum Militärdienst erklärt worden sind, rathen wir Ihnen, nidjt auf ein Schiff zu gehen. 2. Sie sind zu alt, um in Hamburg oder Kiel eine Schule zu besuchen, welche Schiffsjungen für Kausfahrer ausbildet. 3. Sie werden wahrscheinlich bei der nächsten Musterung nicht zur Kaiserlichen Marine ausgehoben. Sie können aber den Wunsch äußern. 4. Wollen Sie unter allen Umständen zur See gehen, dann wenden Sie sich an die Seemannsschulen zu Hamburg oder Kiel. Wenn Sie dort Ihres Alters wegen nicht angenommen werden, an einen Heuerbaas, d. t. ein Mann, der den Matrosen Stellen auf. Schiffen besorgt. Sie werden es dann auch zum -Steuermann bringen. 5. Wir rathen Ihnen aber, ohne Genehmigung der Militärbehörde nicht zur See zu gehen, weil Sie sonst bestraft werden.
Räthsel.
Einsilbig.
Die Sonne hat's und auch der Mond
Und jeder Körper, der glänzet;
Ein jedes Wesen hat's eigentlich, Sonst würd' es dem Auge nicht zeigen sich. Ui d oft ist es wieder ein Bogen Papier, Worauf man etwas bestätiget dir! Doch trauen mußt du dem ganzen Wort, Mein Leser, nur äußerst selten; Es ist nur die Schale, die niemals dir Für den Kern der Sache darf gelten.
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: Hunger.
Griatz gegen Blutwurst.
Im neunten Jahrhundert erließ der oströmische Kaiser Leo VI. folgenden Befehl gegen Fabrikation von Blutwurst: „Wir haben in Erfahrung gebracht, daß mc Menschen so toll geworden sind, theils des Gewinnsteo. [ theils der Leckerei wegen, Blut in eßbare Speisen zu verwandeln. Es ist uns zu Ohren gekommen, daß man Blut in Eingeweide, wie in Röcke einpackt und so als Speise dem Magen zuschickt. Wir können nicht länger zugeben, daß die Ehre unseres Staates durch eine so frevelhafte Erfindung bloß zur Schlemmerei freßlustiger Menschen geschändet werde. Wer Blut zur Speise umschafft oder dergleichen verkauft oder kauft, der wird hart gegeißelt, zum Zeichen der Ehrlosigkeit bis auf die Haut geschoren und auf ewig aus dem Vaterlande verbannt. Auch die Obrigkeiten der Städte sind Wir nicht geneigt, frei ausgehen zu lassen; hätten sie ihr Amt wachsamer geführt, so wäre solche Unthat nie begangen worden. Sie sollen ihre Nachlässigkeit mit je zehn Pfund Goldes büßen." So damals, und wie ist es heute? Wenn ein Soldat, dessen Eltern auf dem Lande leben, so ein Kistchen von Muttern mit schöner Blutwurst geschickt bekommt, wie freut er sich darüber, und arglos darf er das in Röcke „gepackte Blut" seinem Magen zuschicken, denn auch sein König hindert ihn nicht daran. Ja, wir können von unserem jetzigen Kaiser verrathen, daß er, als er noch als Prinz Wilhelm in Potsdam bei den Garde- Husaren stand, sich oft bei einem Offizier des Regiments frische Wurst hat gut schmecken lassen, wenn dieser von seiner Mutter auf dem Lande solche zugeschickt erhielt. Ein Scheibchen Wurst aber diente dem großen Schlachten- denker Moltke nach der Schlacht von Königgratz zur Erquickung. Er erzählte selbst: „Bei dem plötzlichen Aufbruch hatte niemand daran gedacht, Lebensmittel mitzu- nehmen. Mir schenkte ein Ulan vom zweiten Regiment ein Scheibchen Wurst; Brot hatte er selbst nicht." v. d. T.
Das Pferd auf Tahiti.
Was war das vor siebzig Jahren für eine Aufregung in Tahiti, als das erste Pferd den Boden der Insel betrat! Solch ein Geschöpf hatten die braunen M nschcn noch nie gesehen. Es war ja Litt Zweifel, daß eine gewisse Aehnlichkeit mit dem einzigen größeren Säugethier, welches sie kannten, dem Schwein, vorhanden war, aber wie trat das hochgeschätzte Schwein bei einem Vergleich zurück, wie viel größer, schöner und vor allen Dingen schneller war doch das Pferd. Nun galt es aber, einen Namen für das neue Thier zu finden, und der war bald da und hatte den Vorzug, hübsch lang zu sein und genau das zu bezeichnen, was die Tahitier sich dachten, sie nannten es nämlich: „Das schnell über das Land laufende Schwein," und so heißt es dort noch bis auf den heutigen Tag. tt.