Gesurr-Kettslehre.
Welches ist das beste Morgengetränk? Daß das Branntwein-Trinken des Morgens in der That unvernünftig ist, bedarf eigentlich keiner weiteren Erörterung. Wenn andere Leute Morgens sich eine Mehlsuppe bereiten, so ist das zwar billig, ist auch nicht schädlich und gefährlich wie Branntwein, aber der Nährwerth ist gering. Nur wenn die Mehlsuppe mit Milch zubereitet wird, dann stellt sie ein ganz zweckmäßiges Morgengetränk dar, und zwar wächst ihr Nährwerth mit der größeren Menge der zugesetzten Milch. Thee, Kaffee, Chokolade sind allerdings nicht zu verachten, aber nur, wenn sie aus gutem Material bereitet sind. Das gleichzeitig billigste und nahrhafteste Morgengetränk ist Milch, aber natürlich nur wirklich gute Milch. Wer sich irgendwie gute Milch verschaffen kann, der sollte diese jedem anderen Getränke unbedingt vorziehen. Doch ist daS Abkochen derselben vor dem Genuß dringend anzurathen.
Fürs Haus.
Wollene Strümpfe waschen. Um wollene Strümpfe zu waschen, daß sie nicht Anlaufen, giebt es kein besseres Mittel als Ammoniakflüssigkeit (billia — aus Apotheke oder Droguen-Geschäft zu beziehen), die man mit ihrem zehnfachen Gewichte Wasser verdünnt hat. Man weicht die Strümpfe darin ein, reibt und klopft sie, legt sie wieder in Flüssigkeit, wiederholt das Reiben und Klopfew noch einmal, spült sie dann in reinem Wasser auS und trocknet sie. Man wird finden, daß die Wolle ihre frühere Elasticität und Weickheit vollständig behalten hat und die Strümpfe nicht wie gewöhnlich nach einer unachtsamen Wäsche so eingelaufen find, daß der Hacken unter ben Fuß rückt,
Kiuder-Gpziehuug.
Hütet eure Kinder, daß sie nichts Häßliches und Unanständiges sehen und hören. Im Hause thuen das ja alle ordentlichen Eltern, aber sehr viele nehmen unbedenklich die Kinder mit zu Trinkgelagen und Tanzvergnügen, ohne zu bedenken, was unter Umständen hierbei die Kinder sehen und hören können, ja müssen, wenn sie gerade daneben sitzen; denn nicht immer trifft man ordentliche Gesellschaft an. Auch in Wirthshäusern kann ohne Schuld der Wirthe unflätiges Zeug Vorkommen und wie viel solches, das einmal nicht für kindliche Augen und Ohren Paßt. Nun sitzt ihr da, ihr Eltern, schämt euch selbst über das, was geschieht, und eure Kinder find noch dabei, sehen euch erstaunt darüber an, fangen vielleicht zu kichern an und nehmen so an ihrer Seele Schaden. ____________
Fragekasten.
W. K. 1. Die von Ihrem Sohne gebrauchten Redensarten, die wir hier nicht wiederholen wollen, enthalten eine Bedrohung mit einem Verbrechen und eine Beleidigung. Beides ist strafbar. Dagegen kann jeder ungestraft die Aeußerung thun, er werde eine Sache der Staatsanwaltschaft an- zetgen. 2. Die Kosten eines Scheidungsprozesses gegen Ihre Frau müssen Sie tragen, wenn Ihre Frau zwar verurtheilt wird, aber zahlungsunfähig ist. Ob die Frau gegen Sie noch vermögensrechtliche Ansprüche hat, hängt ganz von dem Ergebnisse des Scheidungsprozesses ab.
E. M. in K. Auch wenn der Rechtsanwalt aus irgend welchen Gründen einen Prozeß nicht zu Ende führt, kann er für seine eigene Thätigkeit die Prozeßgebühr Verlangen.
C. B. in R. Wenn Ihr Nachbar in gemeinschädlicher Weise den Wasser-Ablauf hemmt und Sie sonst beeinträchtigt, so wenden Sie sich zunächst einmal an die Polizei, den Amtsvorsteher, damit dieser es ihm untersagt. Sollte es keinen Erfolg haben, so müssen Sie gegen den Nachbar beim Gericht auf Unterlassung weiterer Störungen klagen.
Mathilde Hbch. 1. In die Armee kann man freiwillig nach beendetem 17. Lebensjahre eintreten. Sofern man tauglich ist, wird man beim Beginn des 21. Lebensjahres ausgehoben und als Rekrut in das Heer eingestellt. 2. Das erbetene Rezept zur Herstellung der Naturfarbe des Elfenbein werden wir im Arbeiter-Freund unter „Fürs Haus" bringen, sobald uns eins unter die Hände kommt.
Räthsel.
Zweisilbig.
Lieder habe ich gesungen
Meinem Volk zur Zeit der Noth,
Und für's Vaterland gestorben
Bin ich schönen Heldentod.
Aber auch als Erntesegen
Liege auf der Tenne ich,
Vieh und Menschen zu ernähren,
Lieber Leser kennst du mich? A. V.
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: Glückwunsch.
Kampf gegen Hottentotten.
In unserer Kolonie Südwest-Afrika treibt der Hottentottenführer Witboi seit geraumer Zeit zum Schaden der Ansiedler und des deutschen Ansehens sein Wesen. Am 1. und 2. Januar dieses Jahres nun ist es gelungen, die Hottentotten in die Flucht zu treiben. Am 31. Dezember standen zwei Kompagnieen der Schutztruppe in dem wildzerklüfteten Gebiet zwischen Areb und Kantisfluß, und der Befehlshaber, Major von Franpois, ließ das Vorgelände, in dem man den Gegner vermuthete, durch Patrouillen absuchen. Am Morgen des 1. Januar lief die Meldung ein, daß im Borgelände einige Witboipferde weideten. Unter dem Schutze einer Patrouille, die den Auftrag hatte, einen etwa 500 Meter vorwärts liegenden Berg zu besetzen, sollte das Einfängen der Pferde durch dazu kommandierte Bastards, Abkömmlinge von Negern und Weißen, vor sich gehen. Die Patrouille befand sich nicht fern von der Kuppe des Berges, auf dem zwei Schanzen sich befanden, etwa zehn Bastards in der Nähe der Witboi- pferde, als Plötzlich der rückwärts gelegene Unterosfizier- posten ein Schnellfeuer auf Hottentotten richtete, die sich anschickten, der entsandten Patrouille in die Flanke zu fallen. Die Hotteniotten schienen aller Wahrscheinlichkeit nach von der Nähe der Mannschaften nichts zu ahnen und zogen sich erschreckt durch das Feuer sofort zurück. Der Patrouille war es mittlerweile gelungen, zu je zwei Mann die beiden Schanzen zu besetzen, und sie überraschte in denselben einige Hottentotten, die mit Bereitung ihres Mittagsmahles beschäftigt waren und beim Anblick der Soldaten sofort flüchteten. Da jedoch der Besitz der Schanzen für die Hottentotten höchst wichtig war, wurde die Patrouille alsbald von einem derartigen Feuer überschüttet, daß zu befürchten stand, den Witboischen könnte es gelingen, sie wieder aus den Schanzen zu werfen. Major v. Franyms befahl daher dem Lieutenant Lampe, mit dem zunächst stehenden Unteroffizierposten und einigen Bastards der Patrouille Unterstützung zu bringen, und eilte selbst persönlich zur Verstärkung derselben nach dem Berge, woselbst er als Erster Hilfe bringen konnte. Bald daraus traf Lieutenant Lampe mit dem Unteroffizierposten ein. Nachdem den ganzen Tag, die Nacht und den Vormittag des 2. Januar d. J. ein Feuergefecht geführt würbe, flüchteten die Hottentotten. Das mitgeführte Geschütz war unter großen, vier Stunden währenden Mühen am Nachmittage des 1. Januar auf einen 2000 Meter rückwärts gelegenen Berg von Mannschaften gezogen worden und konnte von dort sehr wirkungsvoll in das Gefecht und bei dem Verfolgungsfeuer eingreifen. Der Fluchtweg war durch starke Blutspuren und weggeworfene Sachen kenntlich. Erbeutet wurden 40 Pferde (die meisten derselben gesattelt und aufgezäumt), 70 Rinder und 70 Schafe. Die Zahl der Toten ist auf Seiten der Feinde schwer festzustellen, da das Terrain zu zerklüftet und zerrissen ist, die Hottentotten zudem die Angewohnheit haben, ihre Toten zu verstecken. Auf deutscher Seite sind drei Mann leicht verwundet worden.