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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirten Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 102. Samstag, heu 23. Dczcmiicr 1893.

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Bestellungen auf das 1. Quartal 1894 £^~Sddüd.kro bitten wir durch die Post (auch Landbrieftrc und zwar möglichst balch da die Nachlieferui möglich ist. Die Bestellung muß spätestens rechnet die Post 10 Pfennig extra für die s

Die wirthschaftliche Gemeinschaft.

AuSzug aus einer Broschüre von einem westdeutsch»« industriellen Kreise. (Fortsetzung.)

VII. Austausch der Waaren mit dem Auslande. (Handelsverträge.)

Wir haben oben unseren Standpunkt über die un- verhältnißmäßige Wichtigkeit des inländischen Markts gegen den ausländischen dargelegt. Es ergießt sich von diesem Standpunkt ohne weiteres, daß ein Land/ wie Deutschland, welchem die natürliche Grundlage zur Deckung seines Bedarfs an landwirthschaftlichen und industriellen Erzeugnissen nicht ermangelt, versuchen muß, durch den Schutz des nationalen inländischen Marktes den Druck des überlegenen Auslandes zu beseitigen und die schaffenden Stände bis zur Wettbewerbsfähigkeit erstarken zu lassen. Wir werden im folgenden, da der Beweis hierfür unzähligcmale geführt ist, dies als ge­geben und selbstverständlich voraussetzen; wenigstens in den Reihen der produktiven Stände selbst wird darüber schwerlich mehr eine Meinungsverschiedenheit bssM,cn.

Das hartnäckige Widerstreben, welches die deutschen Regierungen 40 lange Jahre hindurch gegen diesen Grundsatz an den Tag gelegt haben, läßt sich nur durch die Thatsache erklären, daß vor allem Preußen bis in die neuere Zeit hinein lediglich die Welt von. rein politischen Standpunkt aus angesehen und daher seine Maßnahmen nach den Strömungen getroffen hat, wie sie in dieser ganz anderen Sphäre herrschen.

Die vierziger Jahre brachten unter Friedrich Liszt's Führung eine starke Schntzzollbcwegung, welche sich in der Erhöhung mehrerer Zölle niederschlug. 1848 setzte die vornehme, geringschätzige Zurückhaltung, mit welcher Oesterreich den Zollverein behandelt hatte, in das Gegen­theil um, der talentvolle österreichische Handelsmimstcr von Bruck organisirte den österreichischen Staat handels­politisch auf der Grundlage verständigen, im ganzen mäßigen Schutzzolls, und nach der Durchführung dieser Maßregel überraschte er 1849 Preußen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, mit dem Anträge um Aufnahme Oesterreichs in den Zollverein. Die starke schutzzöll nerische Strömung, befondes im Süden, begrüßte diesen Antrag mit Jubel; für Preußen aber bedeutete er eine völlige Vernichtung der Erfolge von 20 Jahren. Preußen war politisch und militärisch dem Kaiserstaate nicht ge­wachsen; nun wurde ihm gleichzeitig die wirthschaftliche Vorherrschaft bedroht und der Boden entzogen, auf dem seine Macht zwar im Stillen und dem Bewußtsein der Zeitgenossen wenig lebfubig, aber kräftig gewachsen war. Am letzten Dezember 1853 liefen die Zvllvcreinsverträgc ab. Da schloß Preußen 1851 den zunächst geheimen Vertrag mit Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Thüringen auf freihändlerischer Grundlage; das treibende freihändlerische Element war Hannover, welches durch England an einen ungemein starken Bezug von Kolonial Waaren gewohnt war. Die andern deutschen Staaten folgten gezwungen nach. Oesterreichs Widerstand wurde durch entstehende finanzielle Krisen gebrochen; es erhielt die Meistbcgünstigungsklauscl, den freien Rohstoff- und Veredelungsverkehr und 2530 Prozent niedrigere Zölle als die übrigen, und wurde obendrein Oesterreichs Eintritt in den Zollverein formell ossengehalten, obgleich Preußen im Ernst nicht daran dachte. Der gefährlich: Schlag war damit abgewiesen, Preußen blieb winyschaft- lich Vorort.

Diese freihändlerische Politik gewann eine festere Grundlage, als England und Frankreich zum Freihandel übergingen und so dem Zollverein die Möglichkeit ge­geben war, nach Westen hin Lust für die Absperrung nach Osten hin zu bekommen. Preußen beeilte sich mit Zustimmung der übrigen Vereinsstaaten, 1862 den be­rühmten Handelsvertrag mit Frankreich zu schließen. Die Rolle des Löwen spielte dabei Frankreich Als

IMF Des hl. Christfestes wegen erscheint nächsten Mittwoch kein Blatt. "^

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(Januar, Februar, März) der er «elfund« 'M

Her) ober Boten gest aufgeben zu wollen, ig bereits erschienener Nummern nicht immer bis zum 28. Dezember geschehen, sonst be- ^achlieserung. Die Expedition. erste wirthschaftliche Leistung setzte Herr von Bismarck nach mehrjährigen Kämpfen gegen die österreichische Schutzzollopposition mit Hülfe des freihändlerischen Liberalismus seinen Willen durch. Nur die politische Konstellation (fing doch Oesterreich bereits an, auf Grundlage seiner Meistbegünstigungsklausel in die dies­bezüglichen Verhandlungen cinzngreifcn) kann diesen Vertrag erklären und rechtfertigen.

Von diesen politischen Gesichtspunkten blieb auch in der folgenden Zeit die Wirthschaftspolitik des Herrn von Bismarck beherrscht. Als das Jahr 1866 die drohende Wolke im Osten, den Anschluß Oesterreichs, endgültig verscheucht hatte, als die Jahre 1870 71 die Freiheit gegen Frankreich ziirückgcgebcn hatten, und bamit sämtliche politischen Gründe, welche zu der Handels­politik der Jahre 1840 bis 1870 geführt hatten, be­seitigt waren, ging Graf Bismarck zunächst doch in den alten Geleisen weiter; an die Stelle der auswärtigen politischen Gründe waren innerpolitische Gründe getreten. Das deutsche Reich war aus begreiflicher Abneigung g"gen die etwas antiquirten Anschauungen der preußischen Konservativen, welche über die Idee eines Großpreußen nicht herauskamen, in ein liberales Fahrwasser gerathen und gefiel sich in allen Exzentrizitäten des Liberalismus. Fürst Bismarck, mit der Organisation des junge > Reiches beschäftigt, hakte weder Zeit noch Lust, sich in einen wirthschaftlichen Konflikt zu stürzen, und ließ die Liberalen nach Belieben auf ihren Steckenpferden, dem Freihandel und der Goldwährung, herumreiten. Erst Mitte der 70er Jahre, als nach dem großen wirthschaft­lichen Krach Zweifel an der Richtigkeit deslaissoz donc aller entstanden und zugleich Fürst Bismarck nach Abschluß des politischen Ausbaus des Reichs Zeit erhielt, sich mit den wirthschaftlichen Fragen zu befassen, kam die große Schutzzollkampagne 1874 1879.

Die Schutzzollbewegung dieser Jahre ist für uns deshalb so interessant, weil die Idee der Interessen­gemeinschaft von Landwirthschaft und Gewerbe in diesen Jahren geradezu zum Grundsatz erhoben wurde; was uns heute zu thun bleibt, ist nichts, als aus diese Zeit zurückzukommen und den leider bald abgebrochenen Ver­such, die produktiven Stände zusämmenzufassen, fort« zuführen. Bekanntlich bildete sich auf Löwe's Anregung die freie wirthschaftliche Vereinigung.

Fünf Feinde stellten sich ihr entgegen. Die Arbeiter standen schon damals zum Theil mit Haß, zum Theil in Unkenntniß ihrer eigenen wirthschaftlichen Bedürfnisse dem Unternehmen gegenüber; der Phrase, daß man im Begriff stehe, ihnen die Gebrauchsartikel zu verthcucru, waren sie vollständig anheimgefallen.

Handel und Börse strengten naturgemäß jede Muskel an, um die schutzzöllucrischcn Pläne zu durch­kreuzen. Zur Verstärkung wurde der berühmteReine Konsu ment" wiederum vcrschiedenemale über die politische Bühne gezogen; da die produktiven Stäube sich von ihm nicht einschüchtern ließen, so machte man damals im Gegensatz zu heute die unangenehme Beobach­tung, daß sein Erscheinen nichts fruchtete.

Gefährlicher als diese drei Gegner war die vierte Klasse, der zünftige Liberalismus, welcher gegen­über den sprechenden Thatsachen des wirklichen Lebens die Augen verschloß. Bon der äußersten Linken bis tief in die Reihen der Nationalliberalen verhielt sich alles ablehnend. Bei den Nationalliberalen, welche unter dem geistigen Einfluß Lasters und Bambergers standen, betrachtete die eine Hälfte jeden Vorstoß gegen. die herrschende wirthschaftliche Theorie als einen Verrath an den Idealen der Nation. Die bona lides wollen wir bett Herren Laster und Bamberger bei dieser Lei­tung der nationalliberalen Partei nicht absprechen, allein man darf doch wohl die Vermuthung äußern, daß ihr Vorleben, die eigene Veranlagung und schließlich die Händlernatur ihrer Rasse sie instinktiv beeinflußte. Von

der anderen Hälfte der NationEberDu wurden drei Viertel von ihren Wäflern vorwärts gedrängt, bis znr Grenze, wo sie sich in einer zweideutigen Mittelstellung hielten. Sie bildeten den unzuverlässigen Bundesge­nossen, welcher unthätig wartet, bis die Schlacht ent­schieden ist; unter den Wortführern dieser Gruppe brächte damals einer, welcher noch heute als wirthschaftliche Größe in gewissen Kreisen gilt, es fertig, vormittags den Schutz,zöllneru und nachmittags den Freihändlern seines Wahlbezirkes in bündigster Form seinen Beistand zuzusichern. Ein Achtel der Nationalliberalen im Höchst­fälle war entschieden, für den nationalen Schutzzoll ein- zutreten; aber den Gedanken, daß die Landwirthschaft dasselbe Recht auf nationalen Schutz habe wie die In­dustrie, deren Verhältnisse sie besser kannten, und den weiteren Gedanken, daß die Nachhaltigkeil dieses Schutzes sich nicht nach Mark und Pfennig, sondern nach den Bedürfnissen des ' zu schützenden Standes zu berechnen sei: diesen Gedanken haben bis heute nur sehr wenig vorgeschrittene Geister in den Kreisen des National- liberalismus gefaßt, welche dafür von der Masse ihrer Partei mit mitleidigen und mißliebigen Augen angesehen werden. Im Großen und Ganzen hat der National- liberalismus sich in den Schlacht n der Handelspolitik darauf beschränkt, nur zu markiren, Konservative und Uttramonrane haben den eigentlichen Kampf ausgefochten.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches 91 ich.

Berlin. Der Kaiser hat dem Grenzaufscher Streichhan in Tönning aus seiner Schatulle ein Gnadengeschenk von 250 Mk. dafür bewilligt, däß er s. Z. bei dienst­licher Durchinchung der englischen Lust-AachtJnsect" den ersten Verdacht gegen die französischen Späher erhob und zu ihrer schließlichen Ergreifung mitgewirkt bat.

- Von dem Nothstand im Gewerbe, der jetzt, kurz nur Weihnachten, in Berlin herrscht,' weiß die dortige Volkszeitung" ein trübes Bild zu entwerfen. Sie schreibt: Uns sind Tischlerwerkstätten bekannt, in denen sonst an vierzehn, sechszehn und zwanzig Hobelbänken geschafft wurde, in den Wochen vor Weihnachten sogar nach der üblichen Arbeitszeit, jetzt arbeiten in der ersten der Meister mit seinen beiden erwachsenen Söhnen und zwei Gesellen, bic jünger als zehn Jahre im Geschäft thätig sind. In Lumina fünf Mann, während neun spazieren gehen müssen! In der zweiten Werkstatt, einer Spiegelrahmenfabtik, sind ebenfalls außer den beiden Söhnen des Meisters nur vier der ältesten Ge­sellen in Thätigkeit, zehn warten auf bessere Zeiten, denn auch die anderen sechs arbeiten auf Vorrath. In der dritten Werkstatt ist das Verhältniß noch ungünstiger. Dort sind von zwanzig Gesellen, die Stühle und Sophas fertigen, nur acht in Arbeit, und auch sie arbeiten ohne bestimmten Auftrag bei beschränkter Arbeitszeit, bis Käufer kommen. So liegen uns wahrheitsgetreue An­gaben aus mehr als zwanzig Werkstätten vor. Ebenso soll e£ in den Barbiergeschäften, in der Schuhmacherei und Schneiderei sein. Von anderer Seite betont man, daß im Weihnachtsgeschäft nur billige Sachen verlangt werden. Die Krisis im Erwerbsleben hält leider immer noch an und die Slenervorlagcn tragen nicht dazu bei, eine hosfnungsfreudigere Stimmung zu erwecken.

* Das neueste Vierteljahreshest der Statistik des Deutschen Reichs enthält die vorläufigen Mit­theilungen über bic deutsche KriminalMtistik 1892, Es hat sich danach die Zahl der Personen, die wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze ver- Ukthcilt sind, gegen das Vorjahr sehr erheblich vermehrt; sie betrug 422,326 gegen 391,064 im Vorjahre. Es ergießt dies eine Zunahme um 31,262 Personen ober nahezu 8 Prozent. Diese Zunahme erstreckt sich auf alle Gattungen von strafbaren Handlungen. Sehr be- zeichnen ist die abermalige Steigerung der Zahl der jugendlichen Verbrecher, indem unter den Berurtheilten sich 49,488 Personen von 12 bis 18 Jahren befanden gegen 41,240 im Vorjahre, so daß eine Zunahme von über lo Prozent ffattgcfunben hat, also eine um mehr als zwei Prozent größere Zunahme wie bei erwachsenen Personen.

Hamburg, 21. Dez. Im sog. Fahrkartenprozeß hat Zas Landgericht gestern 22 Schaffner zu Gefängniß- strafen von 3 Monaten bis zu 2 Jahren und 3 Monaten nebst entsprechendem Ehrverlust verurtheilt. 19 Viehhändler sind zu Strafen von einem bis zu