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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" uJllustrirtenLamiliensreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Mittwoch heu 25. Oktober

RM

Deutsches Reich.

Dresden. König Albert von Sachsen hat aus Anlaß seines 50jährigen Militärjubiläums einer Anzahl von Milttärgcfangenen des FcstungSgcsängnisses die Strafe entweder ganz erlassen oder erheblich herab­gesetzt, ferner viele Gefangene der Landesanstalt Zwickau, die zu langen Freiheitsstrafen und Entfernung aus dem Heere verurtheilt waren, in Freiheit setzen lassen. Den­jenigen Müilärpcrsoucn, die gerichtlich wegen nicht entehrender Vergehen zu Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen verurtheilt waren, endlich allen im Disziplinar- wege bestraften Militärpersonen ist die Strafe erlassen worden. Alle Personen, die wegen Mißhandlung Unter­gebener verurtheilt worden, sind von einem Straf- nachlaß oder einer Strafnunderung ausgeschlossen.

Dresden, 15, Oktober. Unschuldig verurtheilt wurde vor zwölf Jahren ein Kassirer. Der jetzt 75jährige Greis mußte damals ein Jahr im Gefängniß sitzen und 5000 Mk. Ersatz leisten für von ihm angeblich verübte Unterschlagungen. Ein Beamter der Brandkasse halte die Bücher revidirt und das Vorhandensein der

Jetzt hat ein Sekretär

Unterschlagung festgestellt. Tjiyi i;m HU wuuui ; ^uv, uuv mag« meyr ^yciuugt gtiei|iei yuuen, tu» sie des Finanzministeriums eine Nachrevision vorgenommen | an Entschädigung empfangen haben, für je volle 50 Mk. und gefunden, daß alle Eintragungen von 1869 bis 1881 ! ihres Beitragsüberschusses 1 Mk. Beitragserleichterung

auf den Pfennig stimmten.

Ob der alte Mann für

die ihm widerfahrene Schädigung seiner Ehre und seiner Gesundheit irgendwie entschädigt werden wird? Seinen Unschuldsbetheucrungen hatten damals die Richter keinen Glauben geschenkt.

Hamburg, 16. Oktober. Vor einigen Tagen wurde hierorts am Borstelmannsweg eine Fälscherbande fest« genommen. In einer bei dem Bezirksgericht zu Mar­burg in Steiermark anhängigen Strassache gegen Oswald Dilla, Georg Ehlcrs und Ferdinand Dornich wegen Betrugs und Urkundenfälschung sind durch eine bei hier wohnhaften Angehörigen des Dilla uorgeiimm mene Haussuchung viele fälschlich angefertigte Stempel von Behörden und Privaten, ein Kasten mit ver­schiedenen Drucklettern, viele Stempelabdrücke auf leeren Papierbogen, falsche Pässe, Arbeitsbücher, Lehrbriefe, Dienstzeugnisse und Briefe der Fälscher und ihrer Angehörigen beschlagnahmt worden. Die Thäter haben bis zum Jahre 1888 zurück fortdauernd Urkunden fälschlich angefertigt, alle dazu erforderlichen Materialien bei hiesigen Verwandten in Verwahrung gehabt und von diesen je nach Wunsch und Bedarf das Erforderliche nach den verschiedenen Ländern und Orten, nach Deutschland, Italien, Frankreich Türkei, Schweiz und Oesterreich, zum Theil unter den falschen Namen de Sil, de Salle, de Dilla durch die Post zum An- fertigen und Vertrieb zugeschickt erhalten. Die Wittwe Emilie Dilla, geb. Lange, und deren Tochter Anna Dilla sind wegen dringenden Verdachts der Beihülfe zur Urkundenfälschung hier verhaftet. Die Polizei- dehörde ersucht um recht schleunige und eingehende Nachforschungen und Mittheilungen darüber, ob etwa behördliche Stempel abhanden gekommen, und besonders, ob Vorgänge zur Anzeige gelangt oder zu ermitteln sind, welche auf die zur Untersuchung stehenden Fäl­schungen sich beziehen.

Köln. Ein Landbriefträger aus Ehrcnbrcttsteiu behauptete vor einiger Zeit, daß er auf seinen Boten­gängen mehrmals Überfällen und mißhandelt worden sei. Die eingeleitete Untersuchung hat nun ergeben, daß der Briefträger, um die Unterschlagung seines eisernen Bestandes an Briefmarken zu verdecken, die beiden Ueberfälle, von denen der letzte anscheinend so schwerer Art war, daß man den Schwerverletzten mit einem Wagen nach HauK brächte, fingirt und sich die Wunden selbst beigebracht hat. Von der Strafkammer in Neuwied ist jetzt der Angeklagte zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden.

Mainz, 20. Oct. Von traurigen^ Folgen, welche die Züchtigung eines Kindes in der Schule nach sich zog, spricht ein Fall, der in der heutigen SsMng des Landgerichts zur Aburtheilung kam. Die UZähnge Tochter eines Landwirths von Dolgesheim, ein sehr fleißiges Kind, sollte am 13. Februar d. J. eine Stunde nachsitzen, weil es unfolgsam gewesen ist. Ein Lehrer war aber am Schluß der Schule über ras Kind aufgebracht, weil es sich trotz der verhäugten Strafe entfernen wollte. Der Lehrer hielt das .um ober fest und versetzte ihm mehrere Schläge, so daß es, Mch Aussage einiger Kinder, gegen den Ofen gefallen

sein sollte. Bald darauf wurde das Mädchen sehr krank und ist heute ein blödsinniges idiotisches Kind, welches einem Erwachsenen auf Fragen keine Antwort giebt, ja das sonst so fleißige Mädchen kann heute weder lesen, schreiben, noch rechnen. Zu der heutigen Sitzung waren eine Anzahl Aerzte geladen und erklärten dieselben übereinstimmend, daß das Mädchen hysterisch sei, die in dem Mädchen schlummernde Krankheit sei in Folge der Schläge geweckt worden. Wegen Körperverletzung wurde der Lehrer zu einer Geldbuße von 25 Mark ver­

urtheilt, die Staatsanwaltschaft hatte 150 Mark beantragt. i 1892 ist die Provinz Hessen-Nassau durch Hagelwetter Das Königreich Bayern ist das einzige Land, das sehr empfindlich heimgesucht worden. Ein ungewöhnlich

eine staatliche Hagelvcrsichcrungs-Anstalt besitzt. Die Anstalt erhebt feste Beiträge ohneNachschußverbindlichkcit. Sollten die eintretenden Hagelschäden aus den ver- füglichcn durch Staatszuschuß gedeckten Mitteln einmal nicht voll gedeckt werden können, so werden die Schäden auf mehrere Jahre veriheilt. In diesem Jahr hat die Anstalt einen so günstigen Abschluß gemacht, daß sie in der Lage ist, die Hagelschäden voll zu bezahlen und denjenigen Mitgliedern, die mindestens 3 Jahre versichert

sind, und bisher mehr Beiträge geleistet haben, als sie

gewähren, außerdem den Beitragstarif um 20 °/o hcrab- setzen zu können. Es wäre sehr zu wünschen, daß die übrigen deutschen Staaten dem Beispiel Bayerns folgen und staatliche Hagelversicherungs-Anstalten bilden würden.

Ludwigshafen, 16. Okt. Gestern Abend wurde ein angesehener hiesiger Bürger, der Poststallhalter Reffert, im Wirthshause auf dem Hemshof von einem jungen Burschen Namens Bausch aus Oppenheim durch fünf Revolverschüsse ermordet. Der Thäter hatte in der Wirthschaft mit dem Poststallhalter Reffert Händel gesucht und diesen aufgefordert,mit ihm hinaus- zukommen, wenn er was wolle." Reffert folgte dieser Aufforderung und hatte kaum das Haus verlassen, als rasch hintereinander fünf Schüsse fielen, die den Unglücklichen auf der Stelle tödteten. Der Mörder wurde von zwei Civilpersonen festgehalten, bis die Polizei erschien und benahm sich nach seiner Festnehmung noch äußerst frech. Er wurde sofort in sicheren Gewahrsam gebracht und dürfte der wohlverdienten Strafe nicht entrinnen.

Zwingcuberg, 15. Oktober. In dem naheliegenden Orte Balkhausen wurde gestern Abend ein 53jähriger Mann, Namens Muth, beim Nachhausegehdn plötzlich von einer bösartigen Dogge in das linke Bein unmittelbar über dem Fersengelenk gebissen. Der Verletzte schleppte sich in seine Wohnung und dort entdeckte man an der überaus starken Blutung, daß eine Hauptader zerrissen war. Beim Eintresfeu des 3M Stunden entfernt wohnenden Arztes konnte derselbe nur noch den bereits eingetretenen Tod des Verletzten konstatiren.

GreisswM, 17. Okt. Auf das gräflich Blücher'sche Ehepaar in Witzow wurde von dem herrschaftlichen Gärtner ein Attentat ausgeübt, wobei der Graf getödtet und die Gräfin schwer verwundet wurde. Der Mörder entleibte sich selbst. Der Thäter ist gleichzeitig Jäger des Grafen gewesen und war als ein sehr sicherer Schütze bekannt. Er stand in einem intimen Liebes- verhälniß zu einem Mädchen im Schloß, und um der Liebelei ein Ende zu machen, wurde die Magd, bei der das Verhältniß nicht ohne Folgen geblieben war, vom Gute entfernt. Der Jäger wollte das Verbleiben seiner Braut bewirken, erhielt aber aus diesem Grunde selbst seine Kündigung. Gestern gegen Nachmittag blickte das gräfliche Paar aus einem Fenster des Schlosses in den Park, als der Jäger aus einem Versteck im Gebüsch mit einem doppelläufigen Gewehr zuerst auf den Grafen schoß. Die Kugel drang durch die Stirn in den Kopf und hatte den sofortigen Tod zur Folge. Unmittelbar darauf traf der zweite Schuß die Gräfin in den Hals. Die Verletzung ist leider so schwer, daß daS Ableben der Gräfin zu erwarten steht. Der verbrecherische Schütze soll die Schußwaffe so vorzüglich zu führen verstanden haben, daß er einen Sperling im Fluge mit einer Kugel sicher traf.

Lokales und ProviuzicLcs

* Bchlüchlcrn, 24. Okt.

* Für die bevorstehende Landtagswahl hat bie| Aus Dem Bsgelsberg, 18. Oktober. Daß man bei konservative Partei in Hessen und Waldeck folgende j dem Gebrauch von Fliegenpapier recht vorsichtig sein

Kandidaten ausgestellt: Im Wahlkreis Kassel-(Land)- Witzenhausen Professor Hüpeden-Kassel, in Melsungen- Fritzlar Landrath von Negelcin-Melsungen, in Homberg- Ziegenhain Rittergutsbesitzer von Baumbach-Ropper- Hausen, in Kirchhain-Fraukenberg-Böhl Landrath Riesch- Frankenberg, inAMarburg Laudrath von Trott zu Solz-Marburg, in Gelnhausen-Schlüchtern-Orb Pfarrer Meycnschcin-Hohcnzell.

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Nach den von dem Königlichen Statistischen

Bureau festgcstclltcn Hagelschäden in Preußen im Jahre

sehr empfindlich heimgesucht worden. Ein ungewöhnlich

: Hagelreicher' Tag war der 31. Juli 1892, an welchem der Kreis Fulda 191,720 Mk., der Kreis Gersfeld 133,346 Mk. Hagelschaden erlitten haben.

* Es wird darüber geklagt, daß sich in diesem Jahre auch das sorgfältig gestückte Lagerobst (Tafelobst) nicht hält. Das Obst fault leicht und zwar von innen heraus. Die Ursache dieses frühzeitigen Faulwerdens soll mit auf die große Hitze und den späten Regen zurückzuführen sein, welch' letzterer die beinahe ausge­reiften Früchte zu neuem Wachsthum gebracht habe.

* Den Klagen über den Gebrauch des unprak­tischen Rüaumur - Thermometers kann man gewiß von Herzen zustimmen. Ein anderer Schlendrian aber ist mindestens ebenso bedenklich.Hör', Nachbar," sagt der Henner,heut ist's aber eine Heidenhitz' gewesen; auf meinem Thermometer waren's um 3 Uhr 38 Grad."Bei mir waren's blos 33", antwortete der Valtin; und nun gehen sie miteinander in die Schenke und der Vallin trinkt ein Glas mehr wie gewöhnlich und der Henner zwei, denn er »hat das Recht dazu. Jawohl, ihr Schlauberger! Ich weiß schon, wo eure Thermometer hängen! Vorn an der Mittagsseite, wo die Sonne binbrennt, daß die Bretter aufplatzen usb-ber Hans krepiert, wenn ihr vergoßt, ihn herein zu thun. Und dem Henner sein Thermometer ist noch dazu auf einem schwarzen Holzbrett befestigt, das sich in der Sonne noch extra stark erhitzt. Kanu man doch in einem Glaskasten, den man auf vier Seiten mit schwarzem Tuch nmgiebt und im Hochsommer in die Mittagssonne stellt, ein Schülchen voll Wasser zum Kochen bringen! Ueberhaupt versteht man unter der Temperatur der Luft stets die Wärme im Schatten, und. so werthvoll auch ein richtiges Thermometer als Rathgeber ist, so unzuverlässig ist es, wenn ihm die Sonne direkt auf den Pelz, d. h. auf die Kugel, brennt. Merkt euch also, Valtin und Henner, die alte Regel: Ein Thermometer muß an der Nordseite des Hauses angebracht werden, womöglich so, daß es den ganzen Tag nicht von der Sonne getroffen wird. Es muß ferner frei hängen, darf also nicht an der Wand anliegen und muß möglichst weit von derselben entfernt sein, damit die von der Wand ausgehende Wärme möglichst wenig Einfluß muf dasselbe ausübt. Und ivernt Ihr nun einen Schoppen mehr trinken wollt, da müßt Ihr euch gefälligst eine andere Ursache machen.

* UlWbach, 22. Oktob. Nachdem durch den Central- Wahlausschuß der Centrupispartei die Katholiken auf­gefordert worden, bei der bevorstehenden Landtagswahl im Kreise Schlüchtern-Gelnhausen für den Kandidaten der Konservativen einzutreten, fand heute im Jobst'schen Lokale dahier eine Wählerversammlung statt, zu welcher die Konservativen und Centrumsmäniier hiesiger Gegend in großer Zahl erschienen waren. Der Kandidat der Deutschkonservaliven des Wahlkreises Gelnhausen- Schlüchtcrn, Herr Pfarrer Meyenschein aus Hohenzell, teilte sich den Wählern vor und hielt seine Programmrede. Dieselbe befriedigte in hohem Grade, sodaß alle Bor- urtheile gegen die Kandidatur Meyenschein, die hie und da noch anftauchten, ernstlich gefallen sind. Die Er­klärung, mit welcher der Vortragende die bedeutendsten Aufgaben der Gegenwart beleuchtete, war gründlich, ^aßlich und geschickt. Alle an ihn gestellten Fragen beantwortete Herr Meyenschein schlagfertig und eingehend. Die Zuhörer mußten die Ueberzeugung gewinnen, daß nian es hier mit einem Manne zu thun habe, der den Anforderungen gewachsen ist, die an einen Volksvertreter

gefteßt werden dürfen und gingen mit dem Entschlüsse aus der ohne Störung verlaufenen Versammlung, bei der bevorstehenden Wahl für Herrn Meyenschein nach Kräften einzutreten.