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Samstag, den 14 Oktober

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Uf ^'^ »Schlüchterner Zenuig" ev* ^H-UUlüyt werden noch fortwährend von allen - " Poslanstalren undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Wahlaufruf.

Wir stehen am Schluße der ersten fünfjährigen Legislaturperiode und vor Neuwahlen zum preußischen Landtage.

Die konservative Partei kann mit Befriedigung auf diesen Abschnitt ihrer politischen Thätigkeit ^urüdbliden; denn sie hat unter schwierigen Verhältnissen an den altbewährten, im Programm vom 8. Dezember 1892 neuerdings festgelegten konservativen Grundsätzen fest- gehalten. Diese Grundsätze haben sich als das Heil des Vaterlandes fördernd wie stets so auch jetzt bewährt.

Die unter Kämpfen durchgesetzte Verlängerung der Legislaturperioden auf 5 Jahre hat sich als eine dem Lande vortheilhafte Maßregel erwiesen; denn es wäre unmöglich gewesen, die großen Reformarbeiten aus dem Gebiete der direkten Steuern mit einem Abgeordneten­haus von nur dreijähriger Mandatsdauer einheitlich durchzuführen. In dieser Reform sind die lang­jährigen Forderungen der konservativen Partei: Be­seitigung der Grund- und Gebäudesteuer als Staatssteuer, ihre Ueberweisung als (Steuerquelle an die Kommunen, Reform der Einkommensteuer durch Einführung einer richtigen Einschätzung, zur Ausführung gelangt damit ist eine erhebliche Entlastung des durch diese Steuern schwer und ungerecht belasteten Grundbesitzes vornehmlich des verschuldeten erreicht.

Für die nächste Zukunft wird es sich darum handeln, die in der verflossenen Legislaturperiode ge­schaffenen, großen Organisanonsgesetze sich einlebet- ge­lassen. Unser Verwaltungsaparat ist in den mittleren und unteren Instanzen derartig angespannt, daß er nicht ferner mit organisatorischen Gesetzen belastet werden darf, bevor nicht die Steuergesetze und die Land-Gemeinde-Ordnung vollkommen zur Gewohnheit geworden sind.

Die gegen die Stimmen der Konservativen be­schlossene Land-Gemeinde-Ordnung zeigt in ihrer Aus­führung, wie wir vorausgesagt, erhebliche Mängel. Es wird nothwendig sein, die bei Erlaß der Land- Gemeinde-Ordnung gemachten Fehler zu verbessern und die bei Ausführung der Steuergesetze sich etwa heraus­stellenden Härten auszugleichen.

Später muß die Gewtzgebung die Organisation des Volksschulwesens und das in der Verfassung vorgesehene Volksschulgesetz in Angriff nehmen; denn die Mißstände und Unklarheiten auf dem Gebiete der Schulunter- Haltungspflicht erheischen eine gesetzliche einheitliche Regelung. Indessen besteht die konservative Partei darauf, daß die äußeren Schulangelegenheiten von der inneren Ausgestaltung der Volksschule nicht getrennt werden können, weil die festzuhaltende Grundlage des Christlichen und Konfessionellen nothwendig die äußere Gestaltung der Volksschule beeinflußt.

Die Hauptthätigkeit der nächsten und mancher fol­genden Legislaturperioden wird sich der Erhaltung und Förderung der Mittelklassen unserer ländlichen und städtische» Bevölkerung zuzuwenden haben. Diese Mittelklassen, wesentliche Stützen des Staats und der Monarchie, der Bauernstand und der Handwerkerstand sind in ihrer wirthschaftlichen Existenz gefährdet.

In diesem Sinne werden wir eine besonnene Fort- entwickelung unserer Verhältnisse anstreben.

Der Vorstand der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses.

Deutsches Ncich.

Berlin. S. M. der Kaiser wird voraussichtlich bis Ende dieser Woche auf Jagdschloß Hnberiusstvck ver­weilen und dann am 18. d. M. der Einweihung des Denkmals Kaiser Wilhelms 1. in Bremen beiwvhncn. Der Geburtstag der Kaiserin, der auf den 22. Eli ob er fällt, wird in diesem Jahre etwas stiller als sonst gefeiert werden, da der Kaiser an diesem Tage zur Feier des bttjLhrigey Milttmrjubiläums des Königs von Sachsen nach Dresden fährt Dem Vernehmen nach wird der Kronprinz seinen Vater nach Dresden begleiten.

Breölau, 7. Oktober. Vor dem hiesigen L-chwur- gerichl wurden vieler Tage die Exzesse in der Matthias- straße abgeurtheilt. Nach dreitägiger Verhandlung

wurden von 33 Angeklagten 18 freigesprochen, 2 Arbeiter zu je 8 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehr­verlust, 3 Arbeiter zu 7 bezw. 5 und 2/a Jahren Zuchthaus, eine Schlosserfrau zu 1H» Jahren Zucht­haus, die Ucbrigeu mit Gefängniß von 4 Monaten bis 2 Hz Jahren verurtheilt.

Granden; 10. Okt. Bei der Wahl des Kirchen- vorstandes der katholischen Pfarrgemeinde zu Graudenz kam es zu wüsten Auftritten. Die Polen hinderten die deutschen Wähler, an den Wahltisch heranzutreten. Es fielen Schimpfworte und Rufe wie:Wenn Ihr nicht polnisch sprechen könnt, so bellt polnisch!"Die deutschen Hunde müssen todtgeschlagen werden!" u. dergl. Da über 100 Deutsche den Saal verließen, so siegten die Polen mit 186 Stimmen über die Deutschen, welche es nur auf 36 brachten. Bei der Verkündigung des Wahlergebnisses brachen die Polen in Jubelgeschrei aus und riefen:Es lebe Polen!"

Lauenburg. Einen Versuch, sich der Militärpflicht zu entziehen, machte der Sohn des Gastwirths I. zu S. Er trank große Mengen Essig und wusch auch seinen Körper mit Essigessenz. Es gelang ihm that­sächlich, bei der Gencralmustcrung die Herren Hinter's Licht zu führen, da er durch krankhafte Blässe den Eindruck eines Lungenleidenden machte. Jetzt ist die Sache aber ruchbar geworden und eine nochmalige Untersuchung hat die Einziehung des I. zur Artillerie zur Folge gehabt.

Mühlhausen, 9. Oktober. Die Trompeter unseres Ulanen-Regiments reiten seit einiger Zeit keine Schimmel mehr, sondern Füchse. Die Schimmel sollen überhaupt aus dem Tromveterkorps der Armee verschwinden. Der Grund dafür dürfte darin zu suchen sein, daß man die Schimmel zu weit sieht unb daß die Schimmel erfahrungs­gemäß nicht so gebrauchsfähig sind, wie z. B. die Füchse.

Rathhaus (im Schwarzwald), 5. Okt. Auf eine ganz eigenartige Weise wurde der Wissensdurst einiger Schwarzwäldern Bauern gestillt. In unmittelbarer Nähe des Waldes landete nämlich ein Versuchsballon, dessen Trikolore auf französische Abstammung hindeutete. Zwei Knaben des Stadtförsters fanden denselben und befestigten thu an einen Baum, während sie das Leder- täschchen mit dem Begleitbrieffür den Finder" ihrem Vater überbrachten. Da ein Luftballon nun nicht zu den täglichen Erscheinungen des Schwarzwaldes gehört, so hatte sich bald eine Schaar Bauern um das Ungcthüm versammelt. Es war mittlerweile Nacht ge­worden und man hatte sich mit Laternen bewaffnet. Da kam ein Bauer auf den Einfall, dem Ding in den Leib zu schauen. Schnell zündete er ein Streichholz an, hielt dasselbe an das Ventil und a tempo explodirte der Ballon, verbrannte die zunächststehendcu Bauern und warf die andern über den Haufen. Die biederen Landbewohner entflohen unter dem Rufe: Der Deiwel! der Deiwel!" Noch heute schlagen sie ein Kreuz, wenn sie in die Nähe der Unsallsstelle kommen.

Ausland.

Amerika. Noch sechs Grad vom Nordpol. Aus San Francisco kommt die erstaunliche Kunde, daß der WalfischdampferNewport", der den letzten Winter bei den Herschel-Juseln zubrachte, mit Hilfe einer ganz be­sonders von Eis freien See bei der Jagd auf einen Walfisch bis zum 84. Grad, d. h. 6 Grade vom Nord­pol entfernt, vordrang. Das ist der nördlichste je von Menschen erreichte Punkt. Das Schiff vermochte nicht weiter zu dringen, doch glaubt man, daß der Nordpol leicht hätte erreicht werden können, wenn das Schiff mit Hunden und Schlitten versehen gewesen wäre.

Chicago, 10. Oktober. An dem gestrigen großen Festtage war die Ausstellung von einer gewaltigen Menschenmenge besucht. 2)1 an schätzt die Anwesenden auf 750,000. Die Cirkulation war sehr schwierig, an einigen Stellen sogar unmöglich. Viele Frauen und Kinder wurden zu Boden gerissen, drei Personen wurden von Tramway-Wagen Überfuhren und gelobtet. Die Zahl der Verletzten beträgt etwa 150.

Ncw-Orleanö, 3. Oktober. Man schätzt den Verlust an Menschenleben, der durch die Hochfluth und den Sturmwind am vergangenen Sonntag in den benach­barten Niederungen verursacht wurde, auf 2000 Seelen. Die Zerstörung auf Grande Jsle und in Cheniere Caminda war furchtbar, Plantagen wurden gänzlich

verwüstet, ganze Dörfer wurden hinweggefegt, Hunderte von Menschen ertranken oder kamen um, als in ihren leicht gebauten Holzaäusern zusammend Dutzende von Barken wurden an die Küste geworfen und als das Wasser zurückwich, lagen Haufen von Leichen an der Küste verstreut.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 13. Okt.

* Am 29. September er. fanden der 17 jährige Sohn des Bahnwärters Nix und der 14jährige Sohn des Bahnwärters Jestädt an der von Schlüchtern nach Elm führenden Eisenbahnstrecke, am sogenannten Hunds- graben, 12 bis 14 Meter vom Schienenftrange ent­fernt, an der Böschung des Bahndammes zwölf große eiserne Kugeln, die mit einer Gummiumhüllung versehen waren. Diese Kugeln, einem größeren Gummiball ähnlich, sind innen hohl und, wie festgestellt worden, mit Sprengstoff gefüllt. Auf welche Weise diese Bomben dorthin gekommen sind, wird wohl die einge­leitete Untersuchung ergeben.

* Die in diesem Jahre zur Erhebung kommende und bis zum 1. Dezember d. I. fällige Kreis st euer beträgt 20 pCt. von der Einkommensteuer und 10 pCt' von der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer.

* Die Krankenversich erung wird voraussichtlich mancher Leuten, die bei »er Kartoffelernte sonst einen kleinen Verdienst fanden, diese Gelegenheit in Zukunft rauben. Zur Hilfeleistung bei der Kartoffelernte werden viele Frauen, Greise und Kinder verwendet. Gewöhnlich ist es so, daß von dem betreffenden Gutsherrn der Ehemann für den Korb Kartoffeln einen bestimmten Preis erhält und, um einen Extraverdienst zu erzielen, pflegen die Angehörigen des Arbeiters zu helfen. Nach einer Anfrage eines Gutsherrn bei zuständiger Stelle ist nun aber diesem der Bescheid zugegangen, daß nicht allein der Ehemann als krankenversicherungspflichtig zu betrachten sei, sondern auch sämmtliche vom Ehemanne mit zur Hilfeleistung herangezogenen Kinder, Greise rc. Hiernach werden sich die betreffenden Arbeitgeber in Zukunft hüten, derartige Personen bei der Ernte zuzu- lassen, denn es tönnte sie sonst mehr Krankengeld kosten, als sie durch die schnellere Arbeitserledigung Vortheil erzielten.

* Die Rekruten werden nun bald zu ihren Re­gimentern eingezogen. Wir möchten deshalb nicht unterlassen, auf die Postvorschriften bezüglich der an Soldaten gerichteten Sendungen hiermit hinzuweisen. Postkarten und gewöhnliche Briefe bis zu einem Ge­wichte von 60 Gramm kosten überhaupt kein Porto. Für die an Soldaten gerichteten Postanweisungen bis zu 15 Mark einschließlich beträgt das Porto 10 Pfg. ohne Unterschied der Entfernung. Soldatenpackete bis zum Gewicht von drei Kilo einschließlich kosten überall hin nur 20 Pf. Porto. Diese Vergünstigungen kommen jedoch nur dann zur Geltung, wenn die Postkarten, Briefe, Postanweisungen und Postpacketadressen mit dem Vermerk:Soldatenbrief, eigene Angelegenheit des Empfängers" versehen sind. Sendungen, die diesen Vermerk nicht tragen, werden mit dem tarifmäßigen Porto belegt.

* Der Herr Regierungspräsident erläßt folgende Bekanntmachung des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten:Trotz der Ver­warnungen kommen immer wieder Fälle zu meiner Kenntniß, daß Lehrervereine, Wittwenkassen rc. aus dem Verkaufe von Schulbüchern, Heften und sonstigen Lehr- und Lernmitteln Gewinnantheile beziehen. So sehr ich auch geneigt bin, anzuerkennen, daß die Zwecke der hierdurch geförderten Stiftungen rc. im Allgemeinen eine Beisteuer wünschenswceth erscheinen lassen, so muß ich doch den hierfür gewählten Weg als unzulässig be­zeichnen, da es in keinem Falle zu rechtfertigen ist, daß den Kindern bezw. deren Eltern für dergleichen Zwecke indirekte Steuern auferlegt werden. Die Königliche Regierung veranlasse ich daher, für die Abstellung des erwähnten Verfahrens, wo es im dortigen Regierungs- Bezirk noch bestehen sollte, Sorge zu tragen. Selbst­verständlich ist es auch unstatthaft, daß Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen aus dem Verkaufe von Büchern, Heften :c. irgend welchen Antheil erhalten."

* Ueber die sogenanntenRevers e", durch welche sich die Priester der römischen Kirche vor der Trauung eines Brautpaares gemischter Konfession die