geleistet. Fünf schwere Pferde konnten einen mit den' Rädern eingesunkenen, schwer beladenen Lastwagen nicht weiterbringen. Alles Antreiben der Thiere war umsonst, der Wagen rührte sich nicht vom Fleck. Man bat nun einen auf dem Markt anwesenden Budenbesitzer, mit einem Elephanten auszuhelfen. Kaum zog der Dickhäuter au, da setzte sich auch schon der Wagen in Bewegung. Der Elephant ging dabei so gemüthlich weiter, als wenn er sich auf einem Spaziergang bewegte. Mit dem Rüssel suchte er im Vorwärtsgehen noch den Boden ab, ob sich nichts Eßbares vorfinde.
Aasland.
Italien. Ein 35 Kilometer langer Marsch dreier italienischer Infanterie-Regimenter von Forriglia nach Genua gestaltete sich g radezu zu einer Katastrophe. Die Regimenter kamen in Genua in einem furchtbaren Zustande an in Folge des Sonnenbrandes. Gruppenweise fielen die Soldaten zusammen. 400 fehlten, mehrere sind gestorben.
Amerika. In den Bereinigten Staaten wird in diesen Tagen ein Stück der südlichen Indianer-Reservation, der „Jrokesen-Streifen", an der Westgrenze von Arkansas und Missouri gelegen, für offenes Niederlassungs- gebiet erklärt werden, und das bei solchen Gelegenheiten übliche Wettrennen um die Besitzergreifung von den verschiedenen Grundstücken bereitet sich in Folge dessen vor. Ungefähr 100,000 Männer und Frauen sind schon seit einigen Tagen in der Nähe versammelt, auf die Gelegenheit, sich eines Stückes Landes zu bemächtigen, lauernd. Große Menschenmassen sind in der Stadt Arkansas zusammengedrängt. Schon vor mehreren Tagen war daselbst kein Stückchen Brod mehr zu haben. Unter denen, die warten, befinden sich auch viele Radfahrer, die mit Lebensmittel versehen sind. Sie glauben, daß sie schneller sein werden, als die Männer und Frauen zu Pferde, und so von den schönsten Landstrichen Besitz ergreifen können. Unter den Radfahrern befinden sich auch 30 Frauen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 22. Sept.
* — Zu der am 9. Oktober beginnenden Schwurgerichtsperiode wurden aus dem Kreise Schlüchtern als Geschworene ausgelost: Mühlenbesitzer Jean Hadermann und Metzger Carl Freund, beide zu Schlüchtern.
* — Dem Lehrer und Kirchendiener Philipp Neuber in Nlcderzell, Kreis Schlüchtern, wurde der Cantortitel verliehen.
* — Der commissarische Kreisthierarzt R e m y hier ist auf längere Zeit beurlaubt und wird durch den praktischen Thierarzt Herrn Graumann vertreten.
* — Morgen Sonntag verunstaltet der Kinzigthaler Radfahrer-Verein Schlüchtern auf der Landstraße zwischen Schlüchtern und Nicderzell ein Straßenrennen. Am Hessischen Hof in Schlüchtern ist von Vormittags 11 Uhr an Empfang der Gäste, nachmittags 3/<4 Uhr Corso durch Schlüchtern nach dem Start. Abends findet Preisvertheilung und Tanz statt.
* — Aus der Strafkammersitzung vom 18. September. Wegen schwerer Beleidigung des Bürgermeisters in Oberkalbach war ein dortiger Taglöhner und Hüttner vom Schöffengericht zu Schlüchtern zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Der Angeklagte hatte sich nämlich in einer an Königl. Regierung zu Kassel gerichteten Beschwerde über den Bürgermeister rc. zu verschiedenen groben Beschimpfungen hinreißen lassen. Gegen dies Urtheil hatte er Berufung eingelegt, die jedoch verworfen wurde, da die Beleidigungen in der an sich gerechtfertigten Beschwerde zu erheblicher Natur waren und es in der Absicht des Angeklagten lag, den Bürgermeister in seiner Stellung herabzuwürdigen und zu kränken.
* — Währschaftsgeld. Das Kgl. Oberverwaltungs- gcricht hat in seiner Sitzung vom 19. September eine Entscheidung von principieller Bedeutung erlassen, welche sich auf folgenden Thatbestand stützt: Ein Grundstück war von den Eigenthümern ihrem Sohne gegen einen Ueberlassungspreis von Mk. 100000 zu Eigenthum übertragen worden, welcher in der Weise berichtigt werden sollte, daß eine Hypothek von Mk. 39000 von dem Sohne übernommen und der Restbetrag von Mk. 61,000 bis zum Tode der Eltern mit 5 pCt. verzinst, bei der Erbfolge aber conferirt (auf das Erbtheil ungerechnet) werden sollte. Die Heranziehung zur Zahlung eines Währschaftsgeldcs von Mk. 1000 hatten Kläger ai',gefochten, da nach Art. 9 der Verordnung vom 16. März 1820 bei allen mittelst Schenkung oder aus Erbrecht erworbenen Gütern Währschaftsgeld nicht zu zahlen sei. Das Oberverwaltungsgericht ist den Ausführungen des Vertreters des Magistrats, Herrn Assessor Waldschmidt, beigetreten, daß ein solcher zwischen Eltern und Kindern geschlossener Vertrag ein oneroses, daher währschaftspflichtiges Rechtsgeschäft sei.
Am letzten Sonntag wurde in Ahl ein Knabe von einem Radfahrer derart überfahren, daß schwere Verletzungen stattfanden. Der Knabe hat eine starke Wunde am Oberschenkel, das Schlüsselbein ist verletzt und eine Gehirnerschütterung läßt Schlimmes befürchten.
Birstein, 16. September. Dem Beispiele des Erbprinzen von Usenburg-Birstein, der sich, wie gemeldet,
mit der Tochter des reichen Eisenbahn-Unternehmers und Wagenbauers Pullmann in Newyork verlobt hat, ist nun auch des Erbprinzen zweiter Bruder gefolgt. Derselbe hat sich mit der Amerikanerin Miß Bertha Lewis verlobt, welche sich in einem vornehmen Pensionat Berlins aufhielt und wegen ihrer Schönheit auf dem Blumencorso viel bewundert worden ist.
Hanau. Am Montag gab es bei Nieder-Erlenbach eine große Menschenjagd. Ein Spitzbube hatte die allgemeine Aufregung, welche sich der Bevölkerung beim Herannahen der Truppen bemächtigt hatte, benutzt, um in die Bürgermeisterei einzudringen. Er erbrach dort eine Schublade und entwendete aus dem Fach die ganze Ortskasse. Wenige Minuten darauf wurde der Diebstahl entdeckt, und da man einen Menschen aus dem Hause hatte eilen sehen, so verfolgte man diesen. Die ganze Ortsbevölkerung machte sich auf die Beine und eilte nach verschiedenen Richtungen dem Flüchtling nach, der denn auch in den Feldern abgefaßt und zunächst gehörig durchgeprügelt wurde. Die Ortskasse fand sich noch unversehrt vor. Der Dieb entpuppte sich als ein vielfach vorbestraftes Subject.
Fulda, 18. September. Das gestrige Distauzfahren von hier nach Zwingenberg und zurück — 308 Kilometer innerhalb 24 Stunden, wurde von Herrn August Grafs trotz aller möglichen Unbill und Widerwärtigkeiten eines windigen Regentages glänzend gewonnen. Auf dem Hinweg, zu dem Herr A. Grass, Fahrwart des „Velocipedclubs Fulda", 10 und eine halbe Stunde brauchte, begoß ihn bei Schlüchtern ein Gewitterregen tüchtig; von Hanau ab hatte er starken Gegenwind. Auf der Rückfahrt machte ihn wieder strömender Regen zwischen Gelnhausen und Nenhof bis auf die Haut naß und zu Allem hin ist er auch noch zweimal gestürzt, woran die aufgeweichte Chaussee die Schuld trägt. Zu dieser Tour, welche Herrn Grafs eine goldene Medaille vom „Vilocipedclub Fulda" und die goldene Unions medaille als Preise einträgt, waren 104,700 Pedaltritte nöthig.
Von der Rhön Seit einigen Tagen haben die Krammetsvögel sich bei uns wieder einzustellen begonnen und belagern die Ebereschenbäume, die ihnen in diesem Herbst reichlich Futter bieten. Ihre frühe Ankunft soll auf den baldigen Eintritt des Winters schließen lassen.
Gersseld, 17. September. In Obernhausen hat sich ein bedauernswerther Unglücksfall zugetragen. Die Ehefrau eines Landwirths daselbst kam während des Dreschens mit einem Fuß derart in das Göpclwerk, daß derselbe im Gelenk abgedreht wurde und nur noch an den Flechsen hing.
Gersseld. Ein feiner Herr war der Herr „stud. jur. Graf von Rodeneck", wie sich ein Mitte voriger Woche in einer Gastwirthschaft zu Schmalnau eingefundener Fremder nannte. Der hohe Herr wünschte einige Zeit als Sommerfrischler in dieser Ortschaft zu verleben. Zutrauen und Kredit fehlte dem Herrn „Grafen" nicht; bei guten Speisen und Getränken lebte er froh und zufrieden. Bei einem Kaufmann machte er einige Einkäufe ohne Baarzahlung, die bei solch' feiner Kundschaft auch gar keine Eile hat. Aus Samstag bestimmte der feine Gast einen Ausflug nach Abtsroda, woselbst in der Wirthschaft bereits schrifilich ein anständiges Mahl bestellt war. Vor Antritt der Tour lud Herr „Graf von Rodeneck" den geschicktesten Friseur von Gersseld per Karte auf Sonntag zu sich nach Schmalnau, um sich an diesem Tage rasiren, frisiren und parfümircn zu lassen. Ein Schmalnauer Kutscher, dem die Ehre zu Theil wurde, den feinen Passagier fahren zu dürfen, fuhr dann frohen Muths nach Abtsroda zu. Im Walde zwischen Abtsroda und Tränkhof wünschte der Fahrgast einige Augenblicke ab- zusteigen und den Wald zu betreten. Der Kutscher hielt lange, bis er der Meinung, der Herr „Graf" sei durch den Wald zu Fuß nach Abtsroda, dem Ziele zufuhr. Wer aber nicht da war. das war der Herr „von Rodeneck". Kutscher und Wirth warteten vergebens, denn er ist heute noch nicht eingetroffen. Nachdem sich der Fuhrmann auf eigene Rechnung mit Speise und Trank gestärkt, fuhr er mit dem Trost, daß er nicht allein angeführt sei, nach Hause und erzählte den verblüfften Wirthsleuten die Geschichte vom verlorenen „Grafen". Zum Schluß kam am Sonntag ein mit Rasirmesfer und den feinsten Par- fümerien ausgerüsteter Friseur von Gersseld nach Schmalnau und mußte erfahren, daß kein Geschäft zu machen sei, da der „Herr Graf" schon ohne Parfüm „verduftet" war. Gegenseitige Verwunderung, rasches Verabschieden und schleunige Heimreise des Verschönerungskommissars bildeten das Ende der Schmalnauer Sommerfrische.
Langtnschwalbach. 18. Sept. Gestern verunglückten, wie dem „Rhein. Kur." gemeldet wird, zwei Radfahrer von Schlangenbad kommend, auf der Rheinstraße ^ier, indem sie infolge zu schnellen Fahrens die Kurve bei derPost nicht nehmen konnten. Beide wurden bewußtlos' in benachbarte Häuser gebracht, woselbst ihnen alsbald ärztliche Hilfe zu Theil wurde. Der eine mußte an 16 Stellen genäht werden und es soll der Zustand höchst bedenklich sein. Der zweite ist mit Verlust mehrerer Zähne und Hautabschürfungen davongekommen. »Es sind die Verunglückten Mitglieder eines Frankfurter
Radfahrerklubs und hatten in Gemeinschaft von noch 5 weiteren Mitgliedern die Tour Biebrich-Schlangenbad- Schwalbach unternommen. Diese waren, der angebrachten Warnungstafel folgend, von ihren Rädern abgestiegen und haben die gefährliche, außerordentlich abschüssige Strecke zu Fuß zurückgelegt, während die beiden Verunglückten die tolle Fahrt ausführten, welche sie vielleicht zeitlebens arbeitsunfähig machen wird.
Helmarshausen, 18. Sept. Schon oft sind Unglücks- salle gemeldet worden, die dadurch herbeigeführt wurden, daß Viehhüter sich an die Führungsleine festbanden und dann von dem durchgehenden Stück Vieh fortgeschleift wurden. Ein gleicher 'Fall ereignete sich auch hier. Der Sohn des Landwirths E. B. hatte sich die Leine des von ihm zu hütenden Kalbes um den Hals (!) geschlungen, durch daherkommende Kinder wurde das Thier scheu gemacht und schleifte nun den bedauernswerthen Knaben hinter sich her. Glücklicherweise konnte ein des Weges kommender Mann das scheue Thier schnell auf- halten, sonst wäre der armeJunge sicherlich erwürgt worden.
Vermischtes.
— Ein deutscher Ansiedler im Hottentottenlande. Einer Schilderung der Hottcntotten-Niedcrlassung Ukamas entnimmt das „Deutsche Kolonial-Blatt" Folgendes: Aus dieser Niederlassung lebt ein deutscher Händler Namens Walser in größter Abgeschiedenheit von der Welt allein mit seiner jungen Frau. Auf Walsers Platz kann man recht deutlich sehen, was deutscher Fleiß und deutsche Ausdauer mit der Zeit aus den anfänglich so wenig aussichtsvoll erscheinenden Verhältnissen heraus- gepreßt haben. Walser istBesitzer von etwa 1000 Stück Rindvieh, die er auf seine vier Viehpostcn in der Umgebung von Ukamas vertheilt hat, wo das Vieh Jahr aus Jahr ein reichliches Futter findet. Eine schwierige Sache ist es nur mit dem Trinkwasser für das Vjeh, da in der ganzen Umgebung von Ukamas keine einzige Quelle cxistirt. Walser hat sich aber zu helfen gewußt; er hat in Ukamas selbst drei große Brunnen gegraben, die durchschnittlich 50 bis 60 Fuß tief sind, und verwendet nun als das Wasser emporbefördernde Kraft einmal die bewegte Luft in Form einer Windturbine, dann die Ochsen- und Eselskraft, indem zwei solcher Thiere ein horizontales Rad drehen, das eine sinnreiche Schöpfeinrichtung in Bewegung setzt; aus dem dritten Brunnen müssen die Eingeborenen sich ihr Wasser selbst emporwinden. In der Nähe seines Häuschens hat Walser einen hübschen Gemüsegarten angelegt, bei dessen Besuch sich ein verwöhntes europäisches Auge wundert, was hier Alles unter gehöriger Sorgfalt zu gedeihen vermag."
— Börsenwitz. Die silbernen Hochzeiten sollen, wie an der Berliner Börse behauptet wird, von? jetzt ab schon nach einer Dauer von 12 hs Ehejahren gefeiert werden, da das Silber um die Hälfte entwerthet sei!
— Unsere Kleinen. Der kleine Pepi: „Tante, bist du wirklich ganz von Pappendeckel?" Tante: „Ich?"— Der kleine Pepi: „Ja! denn Papa sagt immer: Kommt heute wieder die Tante, diese alte Schachtel?"
— Heruntergegangen. Herr: „. . . Ich möchte mit Ihnen durchs Leben gehen!" — Dame (lachend): „Ha, ha — weil Sie mich im Besitze einer Million glauben! . . . Wenn ich aber nur die Hälfte hätte?" — Herr: „Auch dann ginge ich mit Ihnen bis aus Ende der Welt!" — Dame: „Ich habe aber gar nichts!" — Herr: „Na, dann machen wir halt eine •— Landpartie!"
Ganz seid, kbruifte Foulards Mk. 1.35 bis 5.85 p. Met. — (ca. 450 verschiedene Disoositi) — sowie schwarze, weiße und farbige Seidenstoffe von 73 Pf. bis Mk. 18.65 per Meter — glatt, gestreift, karrirt, gemustert, Damaste etc. (ca. 240 «ersch. Qual, und 2000 versch. Farben, Dessins etc.) porto- und zollfrei. Muster umgehend.
Seiden-Fabrik G. Henneberg ir. u. k. ho«), Zürich
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 24. (September 1893, ... Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff Wochendicnst: Herr Pfarrer Hattendorff.
®^" Frischer Weißkalk und die altbekannten Falz • Ziegel sind von D i e n st a g, den 26. d. Mts., an wieder zn haben bei
Philipp Euler, Ziegelbrenner, St ein au, Hs.-Nr. 252.
Inprägn. Lampendochte sind gegen die gewöhnlichen billiger, sie halten länger; reinlicher, sie brauchen nur selten geputzt (überstrichen) zu werden; heller, sie geben r25y/o mehr Licht;, vermindern die Explosionsgefahr. Alleinverkauf) bei:
(>. A. Lein bergen, Schlüchtern, «L A. Schröder, N^uengronau.