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SchlWernerMung

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Samstag, den 9. September

1893.

Die Kaisertnanöver in den Reichslanden.

In diesen Tagen fanden in Lothringen unter den Augen des Kaisers die großen Herdstmanöver statt, zu denen sich eine Anzahl Fürstlichkeiten, unter ihnen der Kronprinz von Italien, um den obersten Kriegsherrn versammelt hatten Auf dem blutgetränkten Boden des Reichslandes. das vor 23 Jahren in hartem Streit für Deutschland zurückgewonnen worden ist, werden das 15. (elsässische) und 16. (lothringische) Armeekorps sich im Kriegsspiel üben. Daran ist weiter nichts Beson­deres und die Manöver würden kaum Stoff zu poli­tischer Betrachtung bieten, wenn in Frankreich nicht eine krankhafte nationale Empfindlichkeit vorhanden wäre. Das gute Recht Deutschlands, auf dem im Frankfurter Frieden von Frankreich abgetretene Gebiet militärische Uebungen vorzunehmen, ist unanfechtbar. Es geschieht dies auch keineswegs zum ersten Mal, und die Franzosen haben bisher daran keinen Anstoß ge nommen. Im Gegentheil, der französische Militär- Attachs in Berlin pflegte den Manövern in den Reichs­landen beizuwohnen, und als Kaiser Wilhelm I. in Aletz weilte, begrüßte ihn Herr v. Goutaud-Biron im Namen der französischen Republik. Heute aber sind auf einmal die Anschauungen in Paris andere geworden. Wochenlang haben die dortigen Zeitungen während der Manöver in Lothringen die heftigsten Artikel geschrieben;' und der französische Militär Attache in Berlin hat seinen Urlaub verlängert, um ihnen diesmal nicht bei­wohnen zu müssen. Plötzlich wird es als eine Belei­digung und Herausforderung der französischen Nation angesehen, daß auf den Stätten deutscher Siege deutsche Manöver abgehalten werden.

Und warum die ganze Aufregung? Weil der italienische Kronprinz ' die Einladung des deutschen Kaisers, den Manövern beizuwohnen, angemmtmen hat. Der französische Groll richtet sich diesmal viel weniger gegen Deutschland, als gegen Italien. Man behauptet in Paris, der italienische Kronprinz hätte die Einladung des deutschen Kaisers zurückweisen müssen, um die Empfindlichkeiten Frankreichs zu schonen. Man vergißt oder will vergessen, daß Italien im engsten Bündniß mibDcutschland steht, und daß es die natürlichste Sache von der Welt ist, wenn der Thronerbe eines verbündeten Staates kriegerischen Schauspielen als Gast znsieht. Man hat gewiß weder in Berlin noch in Rom an eine Kränkung Frankreichs gedacht und wenn die Franzosen dahinter eine für sie verletzende Berechnung vermuthen, so entspringt diese Auffassung ihrem eigenen bösen Gewissen, das ihnen sagt, daß sie es sind, welche den Frieden stören möchten, wenn sie des russischen Bünd­nisses sicher wären.

Die von der gesammten französischen Presse unter­nommenen Versuche, einen Druck auf die italienische Regierung auszuüben und womöglich die Reise des Kronprinzen zu hintertreiben, sind denn auch kläglich gescheitert. Der Prinz von Neapel ist, unbekümmert um die Galle, die er den französischen Nachbarn in's Blut treibt, am Hoflager des deutschen Kaisers ein- getroffen und er wird sogar, den neuesten Nachrichten zufolge, seinen Besuch, der ursprünglich auf 8 Tage bemessen war, bis zum Schluß der Manöver, den 14. September, verlängern.

Deutsches Reich.

Berlin. Bei der Gala-Festtafel in Koblenz brächte der Kaiser nach demReichsanz." folgenden Trinkspruch aus:

Se. Majestät der König von Italien hat in alter Waffenbrüderschaft die Gnade gehabt, seinen Sohn, Se. Königliche Hoheit den Kronprinzen von Italien, zu uns zu senden, damit er einige Zeit unter uns weile. Indem Ich Meine lebhafte Freude hierüber, sowie meinen innigsten Dank ansspreche,. trinke Ich äüf das Wohl Seiner Majestät des Königs von Italien, Seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen von Italien und der uns befreundeten italienischen Armee. Hu>rah! Hurrah! Hm'lwh!

Albald erhob sich Se. königliche Hoheit der Kron­prinz von.Italien zu folgender Erwiderung:

Sire! Ich danke Enre Majestät für das große mir erwiesene Wohlwollen und für die freundlichen Worte, die Sie gesprochen. Sire, ich trinke auf Ihre Gesundheit, auf die Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und die der kaiserlichen und königlichen Fa- wilie. Ich trinke auf die deutsche Armee!

Mit dem Befinden des Fürsten Bismarck soll es gar nicht gut stehen. Er selbst glaubt, er leide nur an seinem alten Venenleiden, es sollen aber auch Zeichen allgemeiner Schwäche sich geltend machen. Die Reise ist noch aufgeschoben. Ger. te, nach welchen der Fürst einen heftizen Wortwechsel mit Dr. Schenninger gehabt haben sollte, werden für falsch erklärt.

Metz, 6. September. In dem Trinkspruch, den der Kaiser bei der den Zivilbehörden gegebenen Festtafel gehalten hat, sprach derselbe von neuem seinen herz­lichen Dank für die warme freundliche Aufnahme aus, die ihm in Lothringen bereitet worden sei. Aus den Kundgebungen der städtischen Bevölkerung in Metz und der Landbevölkerung in den anderen Orten habe er ersehen, daß Lothringen sich beim Reich wohl fühle und daß seine Bevölkerung Verständniß für die Größe des Reiches, sowie für Lothringens Stellung im Reiche gewonnen habe. Ihm habe aus den Kundgebungen entgegengeflungen: wir Lothringer sind loyal und kon­servativ und erstreben den Frieden, um unsere Arbeiten zu fördern, unser Feld zu bebauen und unseren Ver­dienst ungestört genießen zu können. Zum Beweise, daß ihm die Förderung alles dessen am Herzen liege, habe er sich in Lothringen ein Heim gegründet, woraus die Lothringer die Zuversicht entnehmen mögen, daß sie ungestört ihrem Erwerb nachgehen können. Das geeinte Deutsche Reich, so schloß der Kaiser, sichert Ihnen den Frieden. Deutsch sind Sie und deutsch werden Sie bleiben, dazu helfe Gott und unser deutsches Schwert! Ich trinke auf das Wohl der Reichslandc und der treuen Lothringer, sie leben hoch!

Metz, 4. September. Die Parade des 16. Armee- corps ist bei herrlichstem Wetter glänzend verlaufen. In Front standen 36 Bataillone Infanterie, 30 Schwadrvrren Cavallerie, 96 Geschütze und 2 Train- compagnien. Eine große Zuschauermenge wohnte dem glänzenden militärischen Schauspiele bei. Um 9 Uhr traf Se. Majestät der Kaiser, in Cürassier-Uniform, gefolgt von sämmtlichen Fürstlichkeiten und der Generalität, auf dem Paradefelde ein. Nachdem Se. Majestät die Front im Schritt abgeritten hatte, fand ein zweimaliger Vorbeimarsch statt. Der Großherzog von Baden führte sein Ulanen-RegimentGroßherzog Friedrich von Baden Nr. 7" dem Kaiser vor. Die Parade war um 12 Uhr beendet, worauf der Kaiser die auf dem Paradefelde ausgestellten 34 lothringischen Kriegervereine besichtigte. Um 1 Uhr erfolgte der Einzug S. Majestät des Kaisers in Metz an der Spitze der Fahnencompagnie.

Die Garnison von Mainz und Kastell, die bisher etwa 8 500 Soldaten zählte, wird infolge der neuen Heeresorganisation auf 12 000 Mann erhöht werden.

Old.nbarg Ein Landmann in der Gegend von Heinelungen, dem unvermuthet eine bedeutende Erbschaft zugefallen war, feierte, wie von dort berichtet wirb, dieses Ereigniß in folgender origineller Weise: In Begleitung seines mit einer Axt bewaffneten Knechtes begab er sich nach dem nächsten Wirthshause und fragte den Wirth nach dem Preise des Mobliars der Schank- stube. Dieser schien ihm anscheinend nicht zu hoch, denn nachdem sich Beide zu dem bevorstehenden Werke gestärkt hatten, kommandirte er seinem Begleiter:Jan, gäh an de Arbeit," ließ Alles kurz und klein schlagen, zahlte und ging weiter. Im nächsten Wirthshause er­regte der schwarz glassirte Kachelofen sein Interesse und er fragte, auf denselben deutend, den Besitzer: Wat kost de [warte Düwel?"Einen nücn", ant­wortete lakonisch der Wirth.Jan, smiet'n um!" befahl jetzt unser genial veranlagter Landmann, und Jan gehorchte vergnügt grinsend dem Befehl. Nachdem d e Rechnung beglichen war, setzten sie ihr Werk noch in mehreren anderen Wirthschaften in gleicher Weise fort und begaben sich erst spät Abends auf den Heimweg. Beide waren überzeugt, daß der Tag kein verlorener war, sie hatten sich köstlich amüsirt.

Wilhelmshaven, 3. September. Auf dem Torpedo- DivisionsbootD 2" war während der Fahrt zwischen Skagen und Helgoland ein Mann von einer hohen Welle über Bord gespült worden. Man hatte ihn bei dem stürmischen Wetter bereits verloren gegeben,, in dessen dampfte das Boot seitwärts, und nun geschah das Unglaubliche: eine andere Welle, die auf einen Augenblick das Boot unter sich begrub, brächte den anscheinend leblosen Körper zurück und warf ihn auf

Deck, woselbst er am Bordgitter hängen blieb. Der hcrbcigceilte Arzt rief den so wunderbar Erretteten nach kurzer Zeit ins Leben zurück. Das ist kein Schiffer- latein. sondern Thatsache, die aus einer dienstlichen Meldung exzerpirt wurde. Die Erklärung ist einfach. Das Boot drehte, um den Ertrinkenden zu erreichen, seitwärts, und eine seitliche Welle führte den Körper mit sich, der an dem hohen Bordgitter Widerstand fand.

Aus dem Kreise Höxter, 2. September. Schon im Frühjahr wurde auf das vermehrte Vorkommen der Kreuzotter aller Orten hingewiesen und zwar ist in Folge der langen warmen und trocknen Zeit die Ver­mehrung dieses Gezüchts eingetreten. Von der Gefähr­lichkeit des Reptils zeigt ein Vorgang, der sich vor wenigen Tagen in Lütter, Kreis Höxter, zutrug. Förster S. in Lutler ging mit seiner wertvollen Setterhündin durch sein Revier, als letztere plötzlich erschreckt und bellend einen Seitensprung machte. Der Förster bemerkte alsbald an ihrem Kopse hängend eine Kreuzotter, die der Hund wahrscheinlich achtlos getreten und die ihm dann an den Kopf gesprungen war und sich dort verbissen hatte. Schnell lödtete der Förster S. das Reptil, reinigte die Wunde des Hundes so gut es ging, brannte sie mit der Cigarre aus, eilte schnell nach Haus, gab dem Hunde reichliche Dosen Cognac und brannte die Wunde von neuem aus. Alles vergeblich, die Hündin starb nach acht Tagen in Folge des Schlangengiftes.

Aus Thüringen, Am vergangenen Montag war in aller Frühe ein Arnstädter Fleischer zum Wiegemeister der Centcsimalwage in Stadtilm mit dem Ersuchen ge­fahren, seinen leeren Schlächterwagen zu wiegen. Dies geschah und der Fleischer fuhr zum Haus einer Frau BJ um daselbst 3 Schweine abzuholen, nachdem er sich aus dem Weg dahin eines 169 Psd. schweren Steines, den er in der Schoßkclle seines Wagens verborgen ge­halten, entledigt hatte. Dieses Manöver war aber von einem Bäckermeister gesehen worden, der das nochmalige Wiegen des Wagens veranlaßte und einen Gewichts­verlust von 169 Pfd. feststellte. Die Sache ist der Staatsanwaltschaft angezeigt, der Hundcrtncunundfechzig- pfünder aber ist, mit passender AUrschrift versehen, am Schloßgasthof daselbstzum ewigen Andenken" und als Mahnung zur Vorsicht im Schweinehunde! aufgestellt worden. In der Nähe von Auma hat kürzlich ein Knecht beim Frühstück zu seinem Brot V Pfund Preßhefe gegessen, die er für Limburger Käse hielt. Dazu trank er fast 1 Liter Einfachbier. Trotzdem ist dem Mann das Frühstück gut bekommen. Es geht doch nichts über einen guten Magen!

LeiSnig, 8. Sept. Der Bremser Weißig wurde vergangene Nacht auf einem Wagen des letzten Dresdener Abendzugcs mit einer großen Stirnwunde todt aufgefunden. Es liegt augenscheinlich kein Unglücks­fall, sondern eine Mordthat vor, da am Halse noch eine Stichwunde gefunden wurde. Die Sache erregt großes Aufsehen.

Bolkenhain, 29. August. Eine recht eigenthümliche Todesart wählte ein alleinstehendes und nicht unbe­mitteltes älteres Fräulein hierselbst, indem es am vorigen Freitag eine größere Menge Cognac wie es heißt 8 4 Liter in der Absicht zu sich nahm, sich dadurch zu tobten. Ihren Zweck hat sie auch erreicht, denn in der Nacht zum Sonntage ist sie, ohne wieder zum Bewußtsein zurückzukehren, gestorben.

Ausland.

Paris. 4. September. Eine offizielle Mittheilung besagt, daß das russische Geschwader am 13. d. M. unter dem Befehl des Admirals Uvelane in Toulon den Besuch von Kronstadt erwiedern werde. Carnot. wird sich zum Empfang des russischen Geschwaders nach Toulon begeben, während die russischen Offiziere in Paris gefeiert werden sollen. DasJournal des Debats" weist darauf hin daß die amtliche Mittheilung des russischen Besuches am Tage des Einzuges des deutschen Kaisers und des Prinzen von Neapel in Metz bei der französischen Regierung eintraf. In Prades herrscht die Cholera, seit einem Monat sind dort 71 Menschen gestorben, darunter manche unmittelbar nach der Erkrankung; die Bevölkerung ist zum großen Theil ausgewandert. Die medizinische Fakultät von Mont­pellier unterhält einen permanenten Dienst in der Mairie; der Minister des Innern sandte ein Mitglied