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rscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familiensreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 71.

Mittwoch, den 6. September

1893.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin sind in den Rhein- und Reichslanden überall mit großem Enthu­siasmus begrüßt worden. Ein wunderbares Schauspiel wurde den Gästen in der Rheinuferbeleuchtung gebot,n.

Der Kaiser hat mehrere Ansprachen gehalten.

Trier betonte er. das Reich sei auf Traditionen und s wurden im Jahre 1868 verschiedene Anlehen zu einer Tugenden gegründet, namentlich auf den Fleiß und die Staatsrente unifizirt und die Aufforderung, die alten Anhänglichkeit an das Herrscherhaus, welche in Trier j Slaatspapiere gegen neue umzutauschen, wurde jahrelang gepflegt würden. Am Sonntag traf der Kaiser in dem publieirt. Heute nach fünfundzwanzig Jahren sind festlich geschmückten und von Fremden überfüllten Metz noch zwei Millionen jener alten Anlehen nicht um- ein, während die Kaiserin sich zum Besuch der Kaiserin getauscht und wenn auch ein Theil derselben verbrannt Friedrich nach Homburg begehen hat. | oder vernichtet ist, so befindet sich doch wohl der größte

Der Mehrbedarf an Pferden, den die am 1. Theil noch im Besitze von Personen, die die alten

Oktober d. J. in Kraft tretende Neusormatiou des ( Metalliques und sonstigen Papiere in allen Kästen Heeres mit sich bringen wird, soll zwar in erster Linie liegen haben.

durch Bezug unmittelbar von den Züchtern selbst gedeckt I Der Bestand an Cholerakranken in Berlin hat "'" siof»« h»» ßt»s<>«»Mt»»u ", m°t» ;fcr<»i sich abermals um einen vermehrt. Bei einem vier-

werden, um diesen die Gelegenheit zu bieten, ihren

überschüssigen Vorrath zu angemessenen Preisen zu ver­werthen; deshalb wird der Zeitpunkt für den Ankauf volljähriger Mittelpferde noch im Lauf dieses Monats öffentlich bekannt gemacht werden. Da aber namentlich für Artilleriezwecke geeignete Thiere nur sehr vertheilt im Land vorhanden sein dürften, der Ankauf auch spätestens am 14. Oktober beendet sein muß, so werden, wie derKöln. Ztg." aus Berlin geschrieben wird, die Ankaufskommissionen die Heranziehung von Händlern zu diesen Lieferungen kaum ganz umgehen können.

Ueber das Bankdepotgesetz, welches angeblich schon ausgearbeitet ist und dem Reichstage in nächster Session sofort zugehen soll, macht dieKöln. Ztg." nähere Mittheilungen. Danach soll der Bankier ver­pflichtet sein, ihm unverschlossen zur Aufbewahrung oder als Pfand übergebene Werthpapicre unter äußerlich erkennbarer Bezeichnung jedes Hinterlegers oder Ver- psänders gesondert von seinen eigenen Beständen und denen Dritter aufzubewahren. Hat er einen Auftrag zum Einkauf von Werthpapieren ausgeführt, so muß er dein Kunden binnen drei Tagen ein Verzeichniß der genau bezeichneten Stücke übersenden und darf bei hoher Gcsängnißstrafe nicht eigenmächtig darüber verfügen.

Der Kultusminister hat entgegen der Entscheidung eines Provinzial-Schulkollegiums hinsichtlich der Stellung konfessionsloser Kinder verfügt, daß Kinder, deren Eltern in der gesetzlichen Form aus ihren Religionsgemeinden ausgeschieden sind, ohne einem anderen Bekenntnisse bei- zutreten, nicht angehalten werden können, einem Religionsunterrichte an den öffentlichen Schulen bei- zuwohnen, auch wenn die Eltern erklären, daß die Kinder zu Hause keinerlei Religionsunterricht erhalten. Die Thatsache rechtfertigt ferner, wie dieSchl. Morg.- Ztg." erfährt, keinerlei Bedenken gegen die Zulassung solcher Kinder an die höheren staatlichen Lehranstalten.

Ein Hauptreffer nach zwanzig Jahren. Bei der Loosabtheilung der Staatsschuldenkasse wurde am Freitag Vormittag wirklich ein 1864er Loos präsentirt, mit der Anfrage, ob vielleicht auf dasselbe ein Treffer gefallen sei. Nachdem das Loos in der Kontrolle ge­prüft und die Ziehungslisten durchgesehen worden waren, entdeckte der Beamte, daß das bezeichnete Loos schon vor zwanzig Jahren mit dem Haupttreffer von 160,000 Gulden gezogen wurde, ohne daß dieser Gewinn bis heute behoben worden wäre. Der Präsentant des Looses erklärte darauf, nicht er selbst, sondern ein Anderer sei der Besitzer des Looses und er werde den Eigenthümer sofort von dem Glücksfalle verständigen. Hiermit ent­fernte er sich, natürlich unter Mitnahme des Haupt- lresferloses und die Gewinnstsumme wurde also gestern noch nicht ausbezahlt. Der Vorfall ist sehr bezeichnend. Es liegt auf der Hand, daß der Eigenthümer oder die Eigenthümer des Looses all' die zwanzig Jahre her die Ziehungs- nnd Restantenliste niemals durchgesehen haben. Und das rächt sich schwer genug, denn wenn der Besitzer jetzt auch den vor zwanzig Jahren fälligen Haupttreffer per 160,000 fl. behebt, so hat er doch mindestens eine gleich hohe Summe an Zinsenverlust eingebüßt denn bekanntlich verdoppelt sich ein Kapital mit Zinsen und Zinseszinsen in etwa vierzehn Jahren. Aber wie dem nun immer sein mag, 160,000 fl. sind eine so hübsche Summe, daß der Gewinner doch noch zu beglückwünschen ist, und es läßt sich voraussehen, daß er nicht geneigt sein wird, sich durch nutzlose Rekriminationen bezüglich des Zinsenverlustes die Freude am Haupttreffer verbittern zu lassen. Man ist

ja in solchen Fällen immer rasch mit dem Trost bei der Hand: Wer weiß, ob ich das Geld noch hätte, wenn ich es schon vor zwanzig Jahren behoben hätte . . . Beiläufig bemerkt, ist es aber doch schier

. unglaublich, wie wenig Werth Geld oder Geldeswerth In' für manche Leute zu haben scheint. Beispielsweise

jährigen Knaben wurden Kommabacillen gefunden. Der Knabe war am 24. August am Nordhafen ins Wasser gefallen und im bewußtlosen Zustande herausgebracht worden. Auch die Zahl derjenigen Personen, welche wegen Choleraverdachis in die Krankenhäuser zur Be­obachtung ausgenommen sind, hat sich vermehrt.

Die Persönlichkeiten der beiden in Kiel verhafteten französischen Spione haben immer noch nicht festgestelll werden können. Sie führen nach derK. Z." gar keine Ausweispapiere bei sich, doch zweifelt man nicht daran, daß man es mit französischen Offizieren zu thun hat, da die Aufnahmen, die sie vorgenommen haben, ein so technisches Verständniß zeigen, wie es bei Laien nicht angetroffen wird. Unbegreiflich ist es übrigens, daß sie die Unvorsichtigkeit begehen konnten, ihr gesammtes Material an Bord des Schisses zu behalten, während es ihnen doch ein Leichtes sein mußte, sich dessen zu entledigen und es aus unverfänglicher Weise nach Frank­reich zu schicken. Die beiden Herren sollen um die Erlaubniß nachgesucht haben, die französische Botschaft in Berlin um Schutz augehen ^u dürfen. Da es sich aber um eine interne krimminelle Angelegenheit handelt, so sei die Bitte abschlägig beschieden worden. Die Nachricht klingt nicht sehr wahrscheinlich. Ucbrigens hat die Verhaftung der beiden Franzosen einen Theil der Pariser Presse in große Aufregung versetzt. So greift derRadical' die deutsche Regierung an und behauptet, wenn die Franzosen im Jahre 1871 und noch später au Spionenriecherei gelitten haben, so sei dies durch das nationale Unglück erklärbar und deshalb ent­schuldbar; man habe sich in einem nervös gereizten Zustande befunden; das gleiche gelte aber nicht von Deutschland, welches siegreich aus dem Kriege hervor- gegangen sei und stets behaupte, ein großes Vertrauen in die nationale Wehrkraft zu setzen. Diese Auffassung ist wirklich erstaunlich naiv. Also Deutschland soll es sich aus Zuversicht auf seine Siege von 1870,71 und seine Wehrkraft ruhig gefallen lassen, daß man seine Festungswerke ausspionirt und sich dadurch Kenntnisse erwirbt, welche im Kriegsfalle Tausenden unserer Brüder das Leben und dem Vaterlande seine stärksten See­festungen kosten kann! Wenn derRadieal" meint, es bringe keinen Schaden, wenn zweiVergnügungsreisende" einige photographische Aufnahmen machen, so mag er sich, wie der H. C. mit Recht bemerkt, gefälligst an der eigenen Nase ziehen. Die Franzosen haben in hundert Fällen deutsche Reisende als Spione verhaftet, die unendlich viel harmloser aufgetreten waren als die beiden Franzosen, deren Benehmen eine sorgfältige Untersuchung zur einfachen Pflicht der deutschen Be­hörden macht.

Coblenz, 1. September. Das Kaiserpaar ist heute Vormittag 10 Uhr hier eingetroffen und am Bahnhof von dem Prinzen Albrecht, dem Reichskanzler Grafen Caprivi und der Generalität empfangen worden. Der Oberbürgermeister Schüller bot den Willkommengruß dar, worauf der Kaiser in seiner Erwiderung des Aufenthalts der verewigten Kaiserin Angusta und der frohen Stunden gedachte, die er selbst in Coblenz ver­bracht habe. Der Kaiser erinnerte ferner daran, daß er Coblenz zum Zeichen seines Wohlwollens als Stätte für das Provinztal-Denkmal Kaiser Wilhelms 1. be­stimmt habe und hoffe, daß die Stadt dasselbe in treuer

Havel führenden Kanalöffnungen, durch welche die Ab­wässer in den Fluß geleitet werden, demnächst zumauern zu lassen. Was dann werden soll, weiß man nicht. Schon seit Jahren beschäftigt sich der Magistrat mit ^v,«. »>» «-v-p .......... ... dem Projekt einer Schwemmkanalisation; die Stadt-

Empfang seitens der Provinzialbehörden und hierauf verordneten-Versammlnng will aber die hierzu ersor- das Frühstück statt. beritten Millionen, die durch eine Anleihe beschafft

Im Schloß fand dann der

Obhut halten werde.

Halle, 28. August. Im Juli 1888 war der Buch­bindergehilfe Adolf Weitenhagen aus Stargard in Pommern vom Schwurgericht Halberstadt wegen Er­mordung der Buchbindermcister Balzuweitschen Eheleute in Quedlinburg zum Tode verurtheilt worden, auf Grund schwerwiegender Verdachtsgründe. Da er hart­näckig leugnete, glaubten viele Leute, er sei unschuldig; er wurde auch zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Jetzt hat der Verbrecher die ihm zur Last gelegten Ver­brechen in vollem Umfange eingestanden.

Aus Thüringen, 1. September. Ein Fleischermeister in dem meiningenschen Dorfe Moseu schlachtete vor einigen Tagen eine Kuh. Es stellte sich heraus, daß die Kuh den Milzbrand hatte. Einige Stunden nach dem Schlachten schwoll der Arm des Meisters in bedenklicher Weise an und eine vorgenommene ärztliche Untersuchung ergab, daß sich am Arm des Fleischers eine kleine Schnittwunde befand, welche unbeachtet geblieben war

und beim Schlachten des Gift aufgenommen hatte, unter entsetzlichen Qualen Thieres wurde vernichtet.

Eisenach, 29. August.

milzbrandigen Thieres das Am Freitag ist der Aermste gestorben. Das Fleisch des

Bor etlichen Wochen hatte

hier das plötzliche Verschwinden des Gericktsvollzichers Sippel einiges Aufsehen erregt. Da S. in seinem Amt ein durchaus gewissenhafter Mann war, auch ein hübsches Vermögen besaß, so konnte man für sein Verschwinden nicht die geringste Erklärung finden. Die Vermuthung, daß Selbstmord vorliege, glaubte man auch fallen lassen zu müssen, da S. sein ganzes Geld mitgenommen hatte. Heute nun hat sich das Räthsel gelöst. Zwei holzsuchende Kinder fanden in einem entlegenen Waldthälchen südlich der Wartburg einen Erhängten und riefen sofort ihre in der Nähe befindliche Mutter herbei. Diese erstattete Arzifige auf der Polizei, und an der Uniform erkannte man den vermißten Gerichtsvollzieher. Man fand bei ihm eine große Summe Geld, die Taschenuhr und in seiner Mappe eine Anzahl Werthpapiere. Da der Leichnam selbst nicht mehr transportfähig war, wurde er an Ort und Stelle der Erde übergeben. Ein hier als Dienstmann lebender Bruder ist der einzige Erbe.

Zwicka«, 29. August. Es kann in der gegen­wärtigen Pilzreichen Zeit nicht genug gerathen werden, nur solche Pilze zu genießen, von deren Ungefährlichkeit man ganz zuverlässig überzeugt ist. In Sachsen hört man jetzt fast täglich von ernsten Pilzvergiftungen. Vielfach ist die Bevölkerung ;mit den Giftpflanzen gänzlich unbekannt und glaubt, die Folgen des Genusses giftiger Pilze seien weniger furchtbar, als sie es that­sächlich meistens sind. Das traurige Schicksal zweier Familien in dem benachbarten Städtchen Lichtenstein- Callenberg lehrt wieder einmal in sehr eindringlicher Weise die entsetzlichen Wirkungen des Pilzgiftes kennen. Dort hatte die Weberfamilie Bambel giftige Pilze ge­gessen, furchtbare Krämpfe stellten sich bei sämmtlichen Theilnehmern dieses verhängnißvollen Mahles ein, und jetzt hat man Vater, Mutter und drei Kinder zu Grabe getragen. Die ganze Familie ist an Pilzvergiftung ge­storben. Das gleiche Schicksal scheint auch der Familie des Fuhrwerksbesitzers Zickmann im selben Ort zu drohen. Auch diese Familie ist an Pilzvergiftung schwer erkrankt. Zwei Kinder derselben sind am Sonnabend bereits gestorben, und auch die Eltern, wie ein am Mahl bctheiligter erwachsener Bruder des Zickmann sollen von den Aerzten aufgegeben sein. Auch aus dem Voigtland, aus der Lausitz, dem Erzgebirge und der Meißener Gegend kommen Nachrichten von schweren Vergiftungen durch Pilze.

Der Magistrat der Stadt Spandau hat ein Jmme- diatgesuch an den Kaiser gerichtet und darin gebeten, der Kaiser möge den Reichskanzler veranlassen, ein Gesetz einzubringen, betreffend die Besteuerung des Reichsfiskus. Gleichzeitig hat der Magistrat um eine Audienz nachgesucht, um die jetzigen unerträglichen Nothstände der Kommune schildern zu können. Wie weit es hiermit gekommen ist, geht daraus hervor, daß die Regierung in Potsdam gedroht hat, die in die