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Mittwoch, den 2. September

Zum Tage von Sedan.

Dreiundzwanzig Jahre sind verflossen, seitdem der glänzende und unvergleichliche Sieg von den vereinigten deutschen Truppen über Frankreich bei Sedan erfochten wurde und Kaiser Napoleon mit etwa 89000 Mann in deutsche Gefangenschaft gerielh! Wer erinnerte sich nicht noch des gewaltigen Eindrucks, den die Kunde von dieser Waffenthat in Deutschland machte! Und blättert man die Analen der Geschichte durch, wo fände sich ein ähnliches großes Kriegsereigniß, welches im Stande wäre, auch noch in der Erinnerung auf die Gemüther eine solche erhebende Wirkung auszuüben, wie sie der Tag von Sedan auch heute noch, trotzdem beinahe ein Vierteljahrhundert dahingegangen, auf uns ausübt!

Deutschland hat mit Recht die Feier der Wieder­errichtung des Reichs mit der Kaiserkrone an diesen Tag geknüpft. Nicht die Schlacht, nicht den Krieg wollten und wollen wir feiern, sondern unsere Freude und Dankbarkeit über die wiedergewonnene Einheit und Unabhängigkeit gerade an dem Tage Ausdruck geben, wo alle deutschen Herzen unter dem Eindruck der Siegesnachricht jauch;ten und jubelten über den glänzenden Erfolg der Waffen, der wie man wußte und vorausahnte endlich das Werk der politischen Einheit und Wiedergeburt krönen würde.

Die Bedeutung dieses Tages, in welchem sich die kriegerischen und politischen Erfolge am besten zusammen­fassen lassen, ist unserem Bewußtsein nicht verloren gegangen. Was wäre das für ein undankbares Volk, welches sich seiner größten Znt nicht dankbar erinnerte! Als durch Parteileidenschaften verwirrt in diesem Früh­jahr die Volksvertretung des Reichs nicht diejenigen Opfer zu bringen gewillt war, welche zur Erhaltung1

und Befestigung der in schweren Kämpfen errungenen i Alfred de Müsset in bubenhaftem Cynismus mit dem Macht, zur Sicherstellung unserer Existenz für die

Gefahren der Zukunft unabweislich nothwendig waren, da erwachte der nationale Sinn im Volke von Neuem, und es wurde, so sehr auch die Parteiungen sich be­strebten. diesen Sinn niederzuhalten und, unter was für Vorwänden auch immer, in andere Bahnen zu lenken, eine Vertretung gewählt, die einsichtsvoll genug war, nicht nur mit patriotischen Worten, sondern auch durch die That zu beweisen, daß das Volk bereit ist, jedes Opfer zu bringen, um die Früchte des Sieges von Sedan uns und unseren Nachkommen zu erhalten.

Aber die Erfahrungen, die wir in diesem Frühjahr mit der Volksvertretung gemacht haben, zeigen auch, wie nothwendig es ist, den Geist patriotischer Erinne­rung an die glänzenden Waffenthaten unseres Heeres zu pflegen und zu fördern. Wie leicht führen Partei- interessen, Trugschlüsse, falsche Vorspiegelungen, ja auch die Sorgen des täglichen Lebens und darauf begründete Erwägungen uns auf Abwege und zur Unterschätzung der nationalen Güter. Einer solchen Entwickelung, deren wir nahezu Zeuge geworden wären, kann nicht besser entgegengetreten werden als durch die eifrige und dauernde Pflege der Erinnerung dessen, was uns Alle in der Vergangenheit begeistert hat und heute noch dieselbe Kraft auszuüben vermag, wenn man zurückdcnkt an die gewaltige That der Erhebung und Einigung Deutschlands, die in dem Tage von Sedan ihrem Mittel­punkt findet.

Dem Tage von Sedan verdanken wir unseren Sieg, aber auch die Erhaltung des Friedens in dem langen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren. Es ist seit jenem Tage fast schon wieder eine neue Generation herangewachsen, die niemals die kaiserlose Zeit mit ihren Leiden und fruchtlosen Bestrebungen kennen gelernt hat und die Deutschland nicht anders als groß, mächtig und einig kennt. Aber auch für diese Gene­ration muß der Tag von Sedan ein Denkmal bleiben, an dessen Fuße sich alle Jahre von Neuem das deutsche Volk um seinen Kaiser sammelt zum Dank gegen Gott und zu dem Gelübte, treu festzuhalten an Kaiser und Reich, im Frieden wie im Kriege, in Noth uud Gefahr, im Glück wie im Unglück. So feiern wir heute «Sedan", so wollen wir es auch fernerhin feiern, Niemanden zum Trotz, sondern zu unserer eigenen Stärkung und Erhebung, auf daß immerdar, was uns auch beschieden sein möge, der alte Ruf in frischer Kraft bleibe:

Mit Gott für Kaiser und Reich!

3 um Sedantage.

Der Gedenktag, welcher dem deutschen Volke heute wiederkehrt, ist unter den Erinnerungsfeiern unserer Siege von einer einzigartigen Bedeutung. Dieselbe besteht nicht in ihrem entscheidenden Werthe für den Verlauf des Krieges in militärischer Hinsicht. Die Uebergabe von Metz und Paris und die Zersprengung der feindlichen Armee bei Gravelotte war eben so wichtig. Auch der plötzliche Umschwung der politischen Lage Frankreichs ist nicht etwas so Unerhörtes gewesen, daß darum dieser Tag ein ewiges Gedächtniß in den Büchern der deutschen Geschichte beanspruchen könnte. Denn hierin ist der Sieg von Belle-Alliance sein leuchtender Vorgänger.

Dem zweiten September verleiht seinen bleibenden Werth für die Erinnerungen unseres Volkes die That­sache, daß hier ein in der Geschichte waltendes Gottes­gericht machtvoll sich knndgab.

Deutschland und Frankreich stehen im Verhältniß einer durch Geschichte und Sage, durch Erfahrung und Dichtung erhärteten Erbfeindschaft. Seit den Raub­kriegen des vierzehnten Ludwig und dem Weheruf um die Deutschland entrissenen Reichslande empfand unser Volk im Schmerz der Ohnmacht eine tiefe, unheil­bare Wunde.

In die wein- und liederfrohe Begeisterung, mit welcher Deutschlands Strom gefeiert wurde und in welcher das Hochgefühl der Vaterlandsliebe seinen echten Ausdruck fand, mischte sich naturgemäß gerechte Ent­rüstung und heiliger Zorn über die erfahrenen Kränkungen durch den welschen Uebermuth, welcher höchstens seine Macht verlor, seine Art noch bis zur Stunde nicht verleugnet hat.

Als auf Beckers Lied:Sie sollen ihn nicht

haben, den freien deutschen Rhein" der Franzose

Schandlied antwortete:

Nour l'avons eu votre Rhin

Allein and, in welchem jene alten, schmählichen Gräuel- thaten verherrlicht wurden, da trat es an dem jubelnden Beifall Frankreichs mit zweifelloser Bestimmtheit hervor, daß derselbe Geist, welcher auf den Brandstätten der Pfalz seine Triumphe feierte, welcher an der Schändung ehrwürdiger Heldengrüfte seine Lust fand, welcher in den Trümmern des Heidelberger Schlosses und den zahlreichen Ruinen des Rheinstromes seine Denkzeichen errichtete, noch immer im Nationalgefühl des Nachbar­volkes vorherrschte als ein Geist modernen Barbareu- thums, d. h. der Gewaltthaten und der Ungerechtigkeit.

Jeder echte deutsche Mann konnte nur mit einem Gefühl der Beschämung den Hergang der Geschichte überschauen. Auf ihm lastete die Schmach erlittenen Unrechts und ungesühnter Demüthigung. So wenig unsere Art für Bergeltungsgelüste empfänglich ist, so schmerzlich brannte im Volksgewissen wie eine Schuld der Makel der Schwachheit und der innere Vorwurf erlittener Schmach. Das Gefühl klang aus den Spielen der Kinder. Das brach sich Bahn in den Ergüssen vaterländischer Sänger. Das sprach aus dem Schmerz echter Volksfreunde.

Schroffe Gegensätze der Nationen begreift das Volk nur unter dem Bilde von Persönlichkeiten. Deutschland und Frankreich standen zu einander wie die Hohenzollern und das Haus Napoleon. Denn Brandenburg-Preußen ist als Vertheidiger von Deutschlands Ehre auf den Schauplatz der Geschichte getreten und hat dafür gestritten und gelitten.

Die kalte Grausamkeit, mit welcher der erste Napoleon den preußischen König Friedrich Wilhelm III. beschimpfte, und die Rohheit, mit welcher er die Königin Luise behandelte, war ein Sinnbild dessen, was er an Deutschland frevelte.

Der Tag von Sedan sah den Sohn jenes wahrhaft Königlichen Paares als Sieger über das schimpflich ge-

stürzte Haus Napoleon, darin eine That der in lichen Gerechtigkeit und Hunderte alten, Gott Uebermuth.

Das deutsche Volk erkannte der Geschichte waltenden, gött- eine Sühne für einen Jahr- und Menschen verachtenden

Darum traten auf der Seite der deutschen Sieger die niederen menschlichen Empfindungen, welche sonst oft genug beim Sturze eines gefürchteten Gegners erwachen, gänzlich zurück. Mit einer heiligen Ehr­erbietung sah unser Volk auf das erschütternde Gottes­gericht. Und der deutsche Heerkönig hat diesem Gefühl!

als ein christlicher Held Ausdruck gegeben. Der große Erinnerungstag ist wie ein Siegel der Allmacht auf den Gotteswillen:Deutschland soll groß sein."

Aber jede Wiederkehr dieses Tages stellt die Frage an uns, ob wir es verdienen, groß zu bleiben, und ob wir den Muth dazu haben, indem wir unsern hohen Beruf erfüllen.

Das deutsche Volk soll dankbar des Tages von Sedan gedenken mit seiner furchtbaren und doch so trostreichen Lehre von der waltenden Gerechtigkeit Gottes, welche den Uebermuth zerschmettert und die echte Größe krönt.

Nicht alle Verheißungen sind zur Wahrheit geworden, neben den Lorbeern sind die Dornen gewachsen. Es haben sich Abgründe aufgethan in unserm Volk, satanische Geister, die keine Autorität, weder im Himmel noch auf Erden anerkennen, sind entfesselt und der Materialis­mus mit seinem unseligen Gefolge von Wollust, Genuß­sucht und Unglaube frißt an dem Lebensmark unseres Volkes. Vieler Siegesfreude und Friedenshoffnung will darum immer weniger werden. Um somehr freuen wir uns, daß ein Tag wiederkehrt, der uns an die unver­lierbare Herrlichkeit jener Thaten Gottes erinnert, der alle Stämme, alle Confessionen zu gemeinsamer Freude vereinigt. Und wenn auch Viele in unseliger Ver­blendung sich nicht mitfreuen, weil sie meinen, nicht mitfeiern zu können, wir wollen sie nicht hassen, nicht verachten, sondern bemitleiden, daß sie die große Freude nicht haben. Mit heiligem Manneszorn aber wenden wir uns gegen die entarteten Söhne unseres Volkes, welche das Andenken jener großen Männer, die unser Heer und Volk zu Sieg und Ehren geführt haben, in den Staub zerren und mit bewußter Fälschung der Geschlchte denselben die Schuld an jenen Kriegen auf- bürden wollen.

Gott helfe weiter!" so schloß das dritte Telegramm, welches Kaiser Wilhelm über die Ereignisse vom 2. September an die Kaiserin sandte. Und der treue Gott half weiter. Noch in demselben Monat wurde auf dem Münster zu Straßburg, derwunderschönen Stadt', die deutsche Fahne aufgepflanzt. Vier Wochen später, am 28. Oktober, hatte sich auch die Festung Metz übergeben und über 300,000 gefangene Feinde waren in Händen der Deutschen. Ein Vierteljahr später zogen unsere siegreichen Heere mit klingendem Spiel durch die Straßen von Paris und ein ehren­voller Friede wurde geschlossen, dessen unser Vaterland sich nun schon seit 23 Jahren erfreuen darf.

Gott helfe weiter," so seufzt heute wohl jeder, der es mit seinem Vaterlande, mit unserm deutschen Volke gut meint, denn wo sind sie, die Helden, hingekommen, die Ernst Moritz Arndt besingt:Deutsche Freiheit, deutscher Gott, deutscher Glaube ohne Spott"!'

Nicht klagen wollen wir heute, aber fürbittend für unser Volk vertrauensvoll aufblicken zu dem,der die Sterne lenkt am Himmelszelt", wir wollen uns darauf besinnen, daß es auch im Frieden des Deutschen Auf­gabe ist,bieder, fromm und stark" zu sein, wie wir's im Kriege gesungen. Jede Wiederkehr dieses Tages mit seiner Erinnerung an das von den Vätern mit so großen Opfern erkämpfte Erbe ist für unser deutsches Volk eine Mahnung, dies Erbe hoch und heilig.zu halten.

Treue Liebe bis zum Grabe Schwör ich Dir mit Herz und Hand, Was ich bin und was ich habe, Dank ich Dir, mein Vaterland!

Nicht in Worten nur und Liedern Ist mein Herz zum Dank bereit; Mit der That will ich's erwidern

Dir in Noth, in Kampf und Streit.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. August. Ueber einen bedeutungsvollen Trinkspruch des Königs Humbert von Italien wird berichtet: Nach der Flottenrevue über die italienische Flotte vor Neapel am 17. ds. Mts. hat an Bord der Savoia" zu Ehden des Prinzen Heinrich ein Galadiner stattgefunden. Der Telegraph hat über diese Festlichkeit nicht berichtet; wie dieNordd. Allg. Ztg." aber ver­nimmt, hat König Humbert bei diesem Diner einen Toast ausgebracht, welcher in den Worten ausklang: Ich trinke daher auf das Wohl meines besten Freundes, des Kaisers Wilhelm."

Eine erfreuliche Nachricht ist aus Deutschost-