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des Flaschenbiers wären jährlich 10 Millionen Mark zu gewinnen. Weiter wird gebeten, die Vereinswirth- schaften im Staatsinlcresse unter die für alle Wirth­schaften gütigen ' Gesetze zu stellen, ferner um Bc- steuerung und Beaufsichtigung der Privatküstgebereien, Schaffung eines Aichgesetzes mit alljährlicher Nachaiche, Ertheilung der vollen Konzession, d. h. auch zum Aus- schank von Liqueur und Branntwein, wo überhaupt eine Wirthschaft nothwendig ist. Minister Miguel äußerte sich diesen Wünschen gegenüber sympathisch und bemerkte insbesondere hinsichtlich des Flaschenbierhandels, daß er nach einheitlichem Vorgehen der deutschen Einzel­staaten beim Bundesrath für die Konzessionspflicht der Flaschcnbiergeschüfte eintreten werde. In ähnlicher Weise äußerte sich zu der Deputation Frhr. v. Maltzahn, der die Uebereichung der Denkschrift an sämmtliche Minister der Bundesstaaten den Wirthen warm empfahl.

* Den unteren Eisenbahnbeamten und ständigen Arbeitern der Bahn war seither die Vergünstigung ge­währt, daß sie, sobald sie entfernt von der Arbeitsstätte wohnten, also etwa der billigeren Miethe halber in einem der Station benachbarten Dorf, mit der Bahn unentgeltlich hin- und zurückbefördert wurden. Diese Wohlthat ist ihnen nach und nach entzogen worden. Die Beamten und Arbeiter müssen sich jetzt, wie das andere Publikum, Fahrkarten lösen.

* Mehrfach ist es schon vorgekommen, daß Arbeiter, welche im Geschäft mit einem Nebenarbeiter eine Prügelei angefangen, sofort entlassen wurden. In einem solchen in Stuttgart vorgckommeuen Fall wurde das Gewerbegericht zur Entscheidung angerufen und wurde der Fabrikant zur Zahlung einer Entschädigung verurtheilt, da die Gewerbeordnung derartige Thätlich­keiten nicht als Entlassungsgrund betrachtet und auch die Geschäftsordnung des Beklagten nicht den Fall be­sonders aufgeführt hatte.

Klesberg, 28. August. Ein hiesiger Einwohner erntete von 1 KilogrammColumbus Hafcr"-Aussaat 12 Kilogramm. Die Anschaffung desselben kann des­halb nur empfohlen werden.

Aus der Rhän, 24. August. Die Buchen tragen eine so große Menge Bucheckern, wie dies lange Jahre nicht der Fall war. Aus dem Buchenkern wird be­kanntlich ein vorzügliches Speise- und Brennöl gewonnen und, kann durch massenhaftes Einsammeln, das besouders in unserer Rhön, die sehr viele und ausgedehnte Buchen­wälder besitzt, recht leicht sein wird, ein hübscher Gewinn erzielt werden. Gering bemittelten Leute, die in diesem Sommer infolge der geringeren und dadurch schnell beendeten Futter- und Getreide-Erndte weniger Verdienst hatten, wäre durch das Sammeln und Verkaufen von Bucheckern Gelegenheit geboten, sich theilweise zu entschädigen. Die Waldbesitzer werden sicher die Erlaubniß zum Sammeln ertheilt. Ein! Schaden entsteht dadurch dem Wald nicht, da trotz des Sammelns immer noch Bucheckern zum Samen in hinreichender Menge liegen bleiben.

Fulda, 25. August. Der Nestor der Geistlichkeit der Diözese Fulda, der Herr Dompfarrer Joseph Anton Schmitt, Jubilarpriester, ist gestorben. Der Verblichene hat seit beinahe 42 Jahre als Seelsorger der Dom­pfarrei und Lokalschulinspektor, von Jedermann hochge­schätzt, mit reichstem Segen in der hiesigen Stadt gewirkt und würde im nächsten Jahre sein 70jähriges Priester-Jubiläum zu feiern das Glück gehabt haben.

Fulda, 24. August. Auf dem letzten Viehmarkt hier wäre bald ein Dicbstahl geglückt, wie er noch nicht oft versucht sein dürfte. Der Viehhändler Joseph Münz aus Altengronau kaufte ein Paar Ochsen für 480 Mk. Er band sie abseits an und ging wieder auf den Hauptmarkt zurück. Indessen band ein Unbekannter die Ochsen wieder ab und verkaufte sie wieder an einen Viehhändler aus Westfaleu für 250 Mk. Dieser hätte einen beträchtlichen Schaden erlitten, wenn die Aus­zahlung nicht zufällig etwas aufgehalten worden wäre. Münz kam nun gerade noch recht, um die Sache auf- zuklären; der Ochsendieb ergriff schleunigst die Flucht, er wurde aber von einem Schutzmann ergriffen und in ihm der schon wiederholt vorbestrafte Schreiner W. Golbach von hier ermittelt.

Der 7*2 Jahre alte Sohn Damian des Hüttners Nüchter zu Dictershansen hütete am Mittwoch eine Kuh auf der Weide; er führte dieselbe wie üblich an einem Strick. Abends gegen 5 Uhr ging das von Fliegen geplagte Thier plötzlich durch und schleifte den zu Fall gekommenen, aber den Strick festhaltenden Knaben mehrere Hundert Meter weit über Stock und Stein. Dadurch erlitt der unglückliche Hüter so schwere Verletzungen am Kopfe, daß er nach einigen Minuten, als der Bauer Breitung die wildgewordene Kuh zum Stehen gebracht hatte, auf der Straße zwischen Hah- ncrshof und Dietershausen verschied. Die Hilfe kam zu spät.

Niederhone, 24. August. Kürzlich schaukelte sich tu einer Scheuer ein kleines Mädchen im Alter von 10 Jahren auf einem Lukenseil, plötzlich löste sich, dabei die Rolle und fiel dem Mädchen-so auf den Kopf, daß dasselbe betäubt, aus einer klaffenden Schädelwunde blutend, niedersank. Das Kind ist nach dem Eschweger Landkrankenhaus gebracht worden, wo man hofft, es am Leben erhalten zu können.

Aralsen, 21. August. Ein peinlicher Vorfall er­eignete sich heute bei einem Leichenbegängnis; auf dein hiesigen Friedhofe. Beim Hinabsenken des Sarges rissen gleichzeitig beide Stricke, wodurch der Sarg nach der Seite und mit dem Sargdeckel heftig an den Rand des Grabes schlug, so daß der Deckel aufsprang und die Leiche herausgeschleudert und in das Grab ge­worfen wurde. Letzteres mußte während des eigent­lichen Begräbnißaktes mit Brettern bedeckt werden, und erst später wurde mit großer Anstrengung die j Leiche wieder in den Sarg zurückgebracht.

Marburg, 2l. Aug. Gestern Nachmittag wurde der Sohn einer hiesigen Familie von einem schweren Unglück betroffen. Derselbe machte mit mehreren anderen Rad­fahrern auf dem Stahlroß eine Fahrt nach Lansphe. An einer sehr steilen Strecke der Chaussee bei Wallau kam er mit seinem Dreirad zu Fall und zwar so un­glücklich, daß der Schädel gebrochen und auch ein Auge verletzt wurde. Es wird vermuthet, daß die Brems­vorrichtung des Dreirades nicht richtig funktionirt hat. Der Zustand des Verunglückten soll nicht ohne Lebens­gefahr sein.

Wiesbaden, 28. August. DemRheinischen Kurier" wird an§ Rüdesheim gemeldet, daß auf dem Schiff Flora" ein Cholcrafall vorgekommen sei.

Weilburg, 27. August. Ein außergewöhnliches Exemplar von einem Ochsen mürbe kürzlich dahier photographirt. Derselbe, welcher von Herrn W. Metzler hier groß gezogen wurde, hat das seltene Gewicht von 20 Zentnern und ist erst 4 Jahre alt. Wie wir hören, wurden dem Besitzer des Thieres von einer Kölner Firma für den Zentner 70 Mark geboten.

Cornelie.

Norwegische Novelle von Karl Caffau.

(Schluß.)

So vergingen zwei Jahre; in Tyndals Hans war Alles beim Alten, bis eines Tages wieder der Brief­bote kam und zwei Briefe brächte, einen von Erik und einen von Hans. Ein freudiger Schrecken durchbebte Cornelie. Der alte Herr lag krank am Asthma zu Bette.

Lies mir zuerst Eriks Brief, Kind!" bat er. Cornelie öffnete zitternd und las:

Verakruz, 3. Juli 1883.

Lieber Papa!

Habe mich fast zwei Jahre zur See herumge­schlagen! Mag nicht mehr die Klinge führen um eine so faule Sache, denn es handelt sich doch nur um die Guanofelsen, welche sowohl die goldgierigen Chilenen, als auch die habsüchtigen Peruaner haben möchten. Um den elenden Vogelmist brechen sich die Menschen die Hülse! In Folge des Fiebers habe ich einen ehrenvollen Abschied erhalten und komme mit dem nächsten Dampfer zu Dir.

Inzwischen begrüßt Dich tausendmal

Dein Erik."

Der gute Junge!" meinte der Alte.Wie wird er sich wundern. Und nun zu Hans!"

Dieser schrieb:

Waleshausen, 7. Juli 1883.

Lieber Vater! Mein erster Brief soll mich gleich in das beste Licht stellen. Ich bin ein Anderer ge­worden durch meine Frau!"

El, sieh doch!" unterbrach der Alte die Leserin, Diese fuhr fort:

Ich habe nämlich die Tochter des Plantagenbe- sitzcrs Mr. Wcawer geheirathet und bin Farmer, geworden. Im nächsten Jahre besuche ich mit meiner Gattin die Heimath. Inzwischen grüßt in kindlicher Liebe.

Hans Tyndal."

Ist das Alles?"

Alles!"

Der Sausewind, ganz der Alte!"

Und nun erwartete man täglich den lieben Gast. Cornelie schrieb gleich an Tante Clarissa und diese antwortete:

Götaklar, 8. August 1883.

Mein liebes Kind! Gratulire im Voraus, die Zeit der Prüfung ist ihm gut gewesen uud er wird nun den besten Mann abgeben. Versäumt nicht, als Verlobte mir den ersten Besuch zu machen.

Deine Tante Clarissa Wynkuffer."

Papa Tyndal war wohlauf und hatte im Garten den Brief als Fidibus gebraucht. Cornelie war gerade zu Pfarrers gegangen, als Erik heimkehrte und vor dem alten Vater kniete.Erik, Erik, mein Sohn!" schrie der Alte auf und lächelte dann glückselig. Es begann nun in Betreff Corneliens eine kleine Komödie, denn Papa Tyndal schwieg von ihr. Dafür ging Erik in den Garten und suchte überall. In der Laube fand er einen halb verbrannten Zettel und las mechanisch: für Dich, den besten Mann von der Welt-- Verlobte mir den ersten Besuch Also doch, sie war nun wohl verheirathet, hatte gar schon Kinder, auf die er seine Liebe übertragen konnte.

Cornelie, Cornelie!" schrie er dann auf, denn da stand sie nichisnhncnd vor ihm. Sie schlug die Auge nieder.Cornelie," begann er wieder und seine Brust k uchte schwer,ich grüße Dich! Ich segne Dich, Deinen Mann, Deine Kinder!" 1

Du edler Erik!"

Er schüttelte den Kopf:

Wenn ich heute besser bin, so ist's Dein Werk! Zuerst kannte ich Deinen Werth nicht; der flüchtiae Hans muß mir erst den Edelstein zeigen! Dann war es zu spät! Aber fort mit der Erinnerung! Wo hast Du Dein Kind?"

Jetzt bewegte sie den Kopf verneinend.

Wie, Du hast kein Kind?"

Jetzt wagte er es, sie anzusehen; ach, sie war noch ganz die Alle.

Hast Du mein Schiffchen noch?" fragte er dann.

Sie nickte verschämt:

Willst Du es sehen, so komme auf mein Stäbchen - dort sollst Du auch das Bild meines zukünftigen Gatten sehen!"

So seid Ihr es flammte sichtlich in ihm auf noch nicht verheirathet?"

Sie schüttelte den Kopf wieder:

§Er war so lange zur See!"

Das ist unrecht; ich hätte ihn für ehrenhafter gehalten!'

Man irrt sich oft, Erik!"

Ja, leider!"

So stiegen sie die Treppe hinauf. Papa Tyndal schaute ihnen lächelnd nach, rieb sich die Hand und murmelte:Da vollzieht sich etwas!"

Jetzt waren sie oben.Sieh'," sagte Cornelie, dort steht das Schiff; es ist etwas verändert, denn ich habe ihm einen Warnen gegeben; er steht in der Flagge!"

Er las und erblaßte!

Wie, Erik?" rief er dann bewegt.

Ja!" entgegnete sie.Der Name ist mir theuer! Und nun warte; schließe die Augen, bis ich hin­unter bin! Der Mann, des Bild unter dem Spiegel hängt, den ich schon seit meinem 16. Jahre liebe, der soll mein Gatte werden!"

Sie lächelte selig und war schon die Treppe hinab.

Da stand er nun und schlug die Singen auf:

Seit ihrem 16. Jahre? Ärmer Erik, da wärst Du auch vor 2 Jahren schon zu spät gekommen! Gut, daß Du resignisiert hast! Aber laß sehen, wer der Glückliche ist."

Er mache zwei Schritte vorwärts; er stand vor dem Spiegel und stieß einen jubelnden Schrei aus:

Mein Gott, wär's möglich? Ich?" Er stand vor seinem eigenen Bild. In drei Sätzen war er die Treppe hinab. Cornelie saß zu des Vaters Füßen.

Wird es ihn nicht tödten?" fragte der Alte.

O Papa," lächelte sie,die Freude tödtet nicht so leicht!"

Da stürmte er herein, warf sich neben ihr vor dem Vater nieder und rief:

Segne uns, theurer Vater!"

Mit Gottes schönstem Segen, meine Kinder. Amen!"

Bald darauf war in Tyndals Haus lustige Hochzeit. (E n d e.)

Vermischtes.

* Ueber eine Saujagd in Pommern weiß die Neue Deutsche Jagdzeitung" folgende schöne Historie (kein Latein) zu erzählten: Zwei Knechte eines Bauern aus Treptow a. T. fuhren nach Klee ins Feld. Da sehen sie in einem Wickenstück ein großes Wildschwein stehen, das seine grauschwarze Schwarte nur leise schüttelte, während es emsig zu brecheu schien. Im Galopp ging es nun zurück ins Dorf, wo bald ein Jägerhaufen von acht Bäuerlein zusammengetrommelt war, die nun, mächtig bewaffnet, sogar mit Musketen ins Feld rückten. Die Hälfte dieser Armee war hoch zu Roß, doch verschweigt die Chronik, ob dies aus Eifer geschah. Als man etwa auf 200 Schritt an den immer noch fast unbeweglich brechendengroßen Eber" heraugekommen war, wurde das Musketenfeuer eröffnet, und zwar so glücklich, daß der große Eber sofort zusammenstürzte und windab einige Schritte kullerte, bis ihn die Wickenrangen festhielten. Einen Festschmaus gab es dennoch nicht, denn man hatte nur zwei Löcher mehr in einen eingerammten aufgespannten Regen­schirm geschossen.

In dem Städtchen Eppingen passirte folgendes lustige Manöverstücklein. Ist da ein Tambour des Grenadierregiments bei zwei nicht mehr der Jugend angehörigen Wittwen einquartiert. Wie es nun die Manöver-Ordnung vorschreidt, ist das Quartier eines Spielmanns durch einen Strohkranz kenntlich zu machen, und der junge Vaterlandsvertheidiger unterließ es nicht, dieser Vorschrift pünktlich nachzukommen. Die beiden Wittwen glaubten nun, der Soldat treibe einen Scherz mit ihnen, und hatten nichts eiligeres zu thun, als das Symbol zu entfernen, indem sie unserem Vaterlands­vertheidiger bedeuteten, sie brauchten keinen Jungfern- kranz vor ihrem Hause, denn sie würden doch nicht mehr heirathen und von Soldaten ließen sie sich noch lange nicht uzen.

Aus Erfurt wird berichtet: Ein in Wirklichkeit niedliches" Ergebniß hat die gegenwärtig hier ver- anstaltete Industrie-Ausstellung gezeitigt. Ein hiesiger Schuhmachermeister hatte ein Paar 20 '8 Centimeler