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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

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^2 63. Mittwoch, den 9. August 1893.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. August. Der Kaiser wird, demHamb. Korr." zufolge, am Dienstag Mittag vor Helgoland ankommen.

4. August. Voraussichtlich nächstes Jahr soll die gesammte preußische Armee, nicht nur die Officiere, sondern auch die Mannschaften mit grauen Mänteln ausgerüstet werden.

Eiu Hotelbesitzer in Zanzibar beabsichtigt deutsche Ansiedler nach dem Kilima-Ndjaro zu ziehen. Der Gouverneur von Ostafrika Frhr. v. Schcle hat zwar erklärt, daß er allen auf die wirthschaftliche Entwicke­lung des Schutzgebiets abzielenden Bestrebungen jede Fürsorge widmen werde, sofern die Unternehmungen mit genügenden Mitteln versehen sind und auf ver­ständiger Grundlage beruhen, aber andererseits keinen Zweifel darüber gelassen, daß es zur Zeit noch ver­früht erscheine, mit dem Versuch einer Kolonisation bis zum Kilima-Ndjaro vorzugehen.

Kiel. Die Katastrophe auf dem Kriegsschiffe Baden", welche 9 Personen sofort gelobtet hat, hat nachträglich noch 3 Opfer gefordert. Von den 18 Verwundeten sind noch 3 gestorben. Sonnabend fand in Kiel unter überaus zahlreicher Betheiligung die feierliche Bestattung der verunglückten Mannschaften statt. In dem Zuge befanden sich Prinz Heinrich, die Admirale Schröder, Knorr, Aschenborn und Ober­präsident v. Steimann. Am Grabe sprach der katho­lische Pfarrer Plagge den Segen über den Sarg der katholischen Matrosen, sodann hielt Marincpfarrer Bier die Grabrede. Das gemeinsame Grab wurde mit un­zähligen Kränzen bedeckt.

Soest, 3. August. In dem benachbarten Orte Ardey war auf einem Hofe keine Laterne vorhanden, so daß die Dienstboten mit offenen Lampen in die Ställe gingen. Ein Knecht kaufte schließlich von dem der Dienstherrschaft gehörenden Gelde eine Laterne, die Herrschaft billigte solches jedoch nicht und zog dem Knechte den Betrag vom Lohn ab. Der Knecht nahm die Laterne an sich und betrachtete sie als sein Eigen­thum. Die Dienstherrschaft empfing bald nachher ihren Lohn für ihre Sparsamkeit, eine Magd hing die offene Lampe im Stalle so auf, daß die Flamme einen Strohhalm erfaßte, infolgedessen der ganze Hof abbrannte. Die Magd stand jetzt vor der Strafkammer in Dortmund wegen fahrlässiger Brandstiftung. Das Mädchen wurde jedoch freigesprochen, da nicht dieses, sondern die Dienst­herrschaft fahrlässig gehandelt habe.

Blankenburg a. H., 4. August. Ein schwerer Schlag hat unsere Gegend betroffen. Hunderte von Arbeiter­familien, soweit deren Ernährer ihr Brod bei den Harzer Werken finden, sind davon betroffen. Letztere haben nämlich dem größten Theile ihres Arbeiter- Personals gekündigt, und zwar weil der Betrieb der Werke nicht mehr nutzbringend ist. Die Werke kranken an den Folgen der ungünstigen Verkehrsverhältnisse; die Frachten für Kohlen sind unerschwinglich geworden der Transport der Erzeugnisse der Werke ist viel zu theuer, und den Werken fehlt es an guten und billigen Verbindungen unter einander. Alle diese Umstände haben zu dem oben erwähnten Entschlüsse geführt. Daß dieser auch die Halberstadt-BlankcnburgerEisenbahn, vornehmlich die Zahnradbahnstrecke Don Blankenburg nach Tanne, schwer in Mitleidenschaft ziehen wird, darf als zweifellos gelten.

Bottrop, 1. August. Bei dem Ersatzgeschäfte er­eignete sich der seltene Fall, daß ein Militärpflichtiger seine Geburt nur durch seine Existenz Nachweisen kann. Die Eltern hatten es seiner Zeit unterlassen, den Jungen anzumelden, getauft ist er auch nicht. Die Eltern, die Beide noch leben, sind aus Furcht vor Strafe ins Ausland gegangen.

Bochum, 3. August. Das Flötz Nr. 9 der Zeche Prinz von Preußen", welches mit ZecheCaroline" des Harperner Bergbau-Vereins in Verbindung steht, ist in Brand gerathen. Die Belegschaften beider Zechen sind gerettet worden, bis auf einen Bergmann der Zeche Caroline". Der SchachtPrinz von Preußen" wurde zugemauert. Die Abdämmungsarbeiten werden von ZecheCaroline" aus bewerkstelligt.

Aus der Oberpfalz, 2. August. Die Brandstifter, welche in der Stadt Weiden und in deren Umgebung ihr Unwesen treiben, scheinen doch noch nicht gefaßt zu Hn; denn noch täglich langen Briefe an, welche weitere

Brandstiftungen ankündigen. Auch der Druckerei des Oberpfälz. Kuriers" ging ein Drohbrief zu, die Druckerei solle in Brand gesetzt werden. In Weiden herrscht, wie leicht erklärlich, eine furchtbare Panik, die noch gesteigert wird, weil das baierische Kriegsministerium abgelehnt hat, zum Schutze der Stadt und zur Be­ruhigung der Einwohner die vom Stadtmagistrat Weiden erbetene Kompagnie Soldaten zu schicken. Alles, was das Ministerium gethan hat, ist die provisorische Ver­stärkung der Gendarmerie-Station Weiden um 3 Mann. Der Raubmörder Karl Guttenberger, welcher wegen des Raubmordes im Schulhause zu Dietkirchen zum Tode verurtheilt worden ist, wird Donnerstag Morgen hingerichtet.

Ausland.

Lemberg, 3. August. Aus Russisch-Podolien treffen beunruhigende Nachrichten über das rapide Umsich­greifen der Cholera ein. Die Seuche soll einen bös­artigen Charakter annehmen und in den meisten Fällen tödtlich verlaufen. Die Rcgierungsmaßregcln erweisen sich als vollständig ungenügend. ;

Ungarn. In Zsombolya (Banal) feierten, wie der Pester Lloyd" berichtet, der uralte Johann Szathmarh und seine Gattin dieser Tage bei Dotier. Gesundheit das seltene Fest der hundertsten Jahreswende ihres Hochzeitstages. Die jetzige Generation kennt die Alten seit jeher als solche, wie sie heute sind, seit einem Menschenalter zählt man sie zu den Greifen und doch haben sich die Beiden das Wenige, was sie zum Leben brauchten, noch bis in die allerletzte Zeit duM ihrer HändeArbeit erworben. Jetzt sind sie aber vollkommen erwerbsunfähig, und da auch von ihrer ganzen Ver­wandtschaft keine Seele mehr am Leben ist, so hdt der Zsombolyaer Gemeinderath in seiner letzten Sitzung beschlossen, dem hochbetagten Ehepaar ein ausreichendes Gnadengehalt anzuweisen.

Bukarest, ö. August. Wie dasAmtsblatt" mittheilt, kamen vom 9. bis 23. Juli in Braila 12 sporadische Cholerinefälle vor, von denen 7 tödtlich verliefen.

London, 4. August. Augenblicklich beträgt einschließlich der Frauen und Kinder die Zahl der Ausständigen über 400,000. Diese Zahl vermehrt sich in nächster Woche noch um 30,000 Mann, die ordnungsmäßig gekündigt haben. In den großen Werken von Manchester, Bradford, Nottingham stellt sich bereits Kohlenmangel ein. Man befürchtet, daß der jetzige Strike so allgemein werde, wie die Welt ihn noch nie gesehen.

Rom. 4. August. Aus Neapel flüchtet Alles, was kann. Ueber hunderttausend Menschen haben die Stadt verlassen. Der officielle Bericht meldet 13 Erkran­kungen und 9 Todesfälle. In Wirklichkeit sind aber bereits 60 Todesfälle constatirt worden.

Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 8. August.

* Auf dem heutigen Viehmarkt waren angetrieben ca. 100 Ochsen und 200 Schafe. Ochsen kosteten 2530 Mark pro Zentner Lebendgewicht, Schafe 22/s Mark per Stück. Es wurden 14 Ochsen und 150 Schafe von der Intendantur-Commission gekauft. Für die Landwirthe in unserer Gegend hat das Erscheinen der Intendantur-Commission, obwohl sie nur wenig kaufte, doch etwas Gutes gehabt, indem sie zu einer beträchtlichen Hausse im Viehgeschäft den Anstoß gab. Die Ursache der geringen Ankäufe liegt darin, daß mit Rücksicht auf die durch den Transport rc. entstehenden Unkosten als Durchschnittspreis beim Ankauf für den Centner Lebendgewicht bei Ochsen und Kühen 26 Mark 50 Psg., bei Hämmeln nur 21 Mark 50 Pfg., gezahlt werden kann. Da an der Beschaffenheit der anzukau- fenden Viehstücke außerdem noch in jedem Falle be­stimmte Bedingungen geknüpft sind, wird sich voraus­sichtlich das ganze Ankaufsgeschäft in mäßigen Grenzen bewegen.

* Am Sonntag Nachmittag erhielten nach­genannte Ortsbürger aus der Weitzel'schen Stiftung Preise und zwar: Für die beste Zuchtkuh: 1. Jean Lcipold, 2. Philipp Schlingloff, 3. Friedrich Weitzel. Für das beste Rind: 1. Kaspar Eckhardt, 2. Philipp Hildebrand, 3. Karl Hadermann. Für den besten Roggen: 1. Bäcker Adam Freund, 2. Stadtförster

Schmidt. Für den besten Weizen: 1. Ludwig Hilden­brand, 2. Zimmermann Johs. Orth. Für die beste Gerste: 1. Ludwig Boländer, 2. Kaspar Denhardt. Für den besten Hafer: 1. Ludwig Urbach, 2. Matthäus Schade. Für die besten Erbsen: 1. Bahnarbeiter Adam Walther, 2. Ackermann Adam Urbach.

* Der Regierungspräsident Graf Clairon d'Haussonville wurde in gleicher Eigenschaft von Koblenz nach Cassel versetzt.

* (Landwirthschastliche Berufs-Genossenschaft.) Nach §. 30 des Statuts für die Hessen - Nassauische landwirthschaftliche Berufs-Genossenschaft ist jeder Wechsel in der Person desjenigen, für dessen Rechnung der Betrieb erfolgt, von dem neuen Unternehmer oder seinem gesetzlichen Vertreter binnen einer Frist von zwei Wochen dem Sectionsvorstand, d. i. dem Kreisausschuß schriftlich anzuzeigen bei Vermeidung einer im §. 123 des Rcichsgcsctzes vom 5. Mai 1886 vorgesehenen Ordnungsstrafe bis zu 500 Mark, was wir hierdurch den Landwirthen in Erinnerung bringen.

* Im Gegensatz zu fast allen anderen Gewächsen zeigen die Obstbäumc in diesem Jahre einen Reich­thum wie seit Jahren nicht. Die reiche Ktrschenerute ist bis auf die letzten Sauerkirschen so ziemlich einge­bracht und es beginnt jetzt die Zeit der Frühäpfel, Frühbirnen, Pflaumen u. s. w. Das massenhafte Ab- süllen der Früchte infolge der übergroßen Trockenheit hat bereits aufgehört und das Fallobst ist fast ohne Ausnahme wurmstichig, eine Folge des Sommers, der das Ungeziefer sich ins Unendliche vermehren ließ. Da ist es Pflicht eines jeden aufmerksamen Baumbesitzers, das Fallobst so rasch wie möglich zu vernichten, soweit es noch nicht, und sei es auch nur zur Essigbereitung, verwerthet werden kann. Die Waden verlassen nämlich alsbald nach dem Abfallen der Frucht dieselbe, um ihre Entwickelung im Erdboden zu vollenden und alsdann für Nachkommenschaft im nächsten Jahre zu sorgen. Eine weitere dringende Arbeit ist die Abstützung der wegen der täglich dicker werdenden Früchte immer mehr sich senkenden schwerbeladenen Zweige. Man kann jetzt schon in zahlreichen Gärten abgebrochene Aeste bemerken, eine Mahnung für den unaufmerksamen und undank­baren Besitzer, der die kleine Arbeit scheut und lieber Baum und Früchte daraufgchen läßt. Aber auch wenn die Aeste das Gewicht ertragen, so verliert der nicht gestützte Baum völlig die gefällige Form, welche er auch in späteren Jahren nicht wieder erhält. Dabei ist die Arbeit des Abstützens der Bäume eine nicht be­sonders umständliche, einige Bohnenstangen mit Quer­hölzern unter die äußeren Zweige und eine kräftige Stange am Stamm hinauf, um die inneren und die Kronenzweige daran zu -binden, wird in den meisten Fällen genügen. Es ist aber die allerhöchste Zeit, diese Arbeit vorzunehmen.

* Wer Geld nach Rußland zu schicken hat, der beachte folgende Warnung aus Warschau: Seit einiger Zeit werden die eingeschriebenen Briefe im Warschauer Postamte in Gegenwart des Adressaten geöffnet. Im Falle, daß in einem Briefe sich Geld vorfindet, wird die ganze Summe kvnfiszirt. Bei ausländischen Sen­dungen dieser Art werden 75pCt. desJnhalts konsiszirt.

* ~ Das Reichsgericht hat ein Erkenntniß gefällt, nach welchen wegen groben Unfugs Derjenige bestraft werden kann, der einem ihm bekannten Berichterstatter einer Zeitung eine nachweislich falsche Nachricht unter­breitet, von welcher er voraussetzen kann, daß sie zur Kenntniß der Leser gebracht wird. Ist mit solcher Veröffentlichung noch ein Schaden einer oder mehrerer Personen verbunden, so kann der Ausstrcuer der Nachricht außerdem noch für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. Für sog.Spaßmacher" dürfte diese Mittheilung von Wichtigkeit sein.

* Als Pfarrer der neu errichteten Pfarrei Romsthal wurde Herr Kaplan Atzert zu Romsthal bestellt. Zugleich wurde ihm die Localschulinspection für die katholischen Schulen zu Romsthal, Eckardroth und Katholisch-Willenroth übertragen.

Oberzell. Die Strafkammer in Würzburg hat den katholischen Kaplan Sevriu zu einer Geldstrafe von 30 Mk., eventuell fünf Tagen Haft verurtheilt, weil er in Kothen einen Knaben dermaßen mit einer Art Hundspeitsche, die er sich eigens als Züchligungs-Jn- strument hatte anfertigen lassen, geschlagen hat, daß der Körper des Kindes mit zahlreichen blauen angeschwol-