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da liegen, wo sie starken, und gingen in Verwesung über, und nachdem der Befehl ergangen war, sie zu begraben, vergingen noch mehrere Tage bis zu seiner Ausführung, weil es an Todtengräbern fehlte. Jetzt sind wieder 5000 Pilger in El-tor fällig, wohin die ersten Pilgerzüge die Cholera eingeschleppt haben. Im Ganzen werden 50,000 erwartet, da aber in El-tor nur 11,000 zu gleicher Zeit untergebracht werden können, so haben die Behörden die Landung der über diese Zahl hinaus­gehenden Pilger verboten. Diese letzteren müssen daher an Bord bleiben, da sie vor Ablauf der Quarantäne- Zeit weder in Egypten landen, noch den Suezcanal passiven dürfen. Die Regierung, schließt der Bericht, sorge für die Nahrung der ärmsten Pilger und thue alles, um Europa vor der Seuche zu behüten.

New-York, 9. Juli. Ein Cyklon richtete in den Weststaaten furchtbare Verheerungen an. Sechs Städte wurden besonders heimgesucht. In Pommeray wurden drei Hauptstraßen, zwei Kirchen, drei Schulen und die Freimauerloge vollständig zerstört. Im Viktoriahotel allein wurden 52 Fremde beim Einstürze des Hauses getödtet oder schwer verwundet. Bisher wurden 96 Todte und 187 Schwerverwundete in Pommeray konstatirt. In Omaha ist eine große Anzahl Gebäude eingestürzt. In Kansas trieb der Sturm die Gewässer des Kansas- flusses und des Missisippi in die niederen Stadtthcile, die gänzlich überschwemmt wurden. Zahlreiche Häuser drohden mit Einsturz. Die Einwohner mußten flüchten.

Lokales und Provinziealles.

* Schlüchtcrn, 18. Juli.

* — Strichregen heißt es jetzt! Nachdem am Sonn­tag Abend ein Regenschauer eingesetzt, hat es in der folgenden Nacht und am Montag mehreremale, sowie heute Dienstag Morgen ausgiebig mit Regen angefangen! Noch einige Tage kräftige Güsse und die Landwirthe können in etwas aufathmen, da es dann wieder ordentlich Vieh-Futter geben wird. Vor Allem sind es die Kar­toffeln und Ackerpflanzen, wie Dickwurz, Kohlrüben, Kraut und Gemüse, denen der jetzige Regen noch zur rechten Zeit gekommen ist. Auch kommt der Regen den zur Linderung der Futternoth spät gesäeten Futter- sümercien, wie Mais, Erbsen, Wicken u. A. zu Gute. Auch das Grummet sproßt wieder frischer; bleibt der jetzige Umschwung der Witterung bestehen, so giebt es noch reichlich Grummet.

* (Eings.) Zu dem Artikel „Futterrecepte" möchte Folgendes bemerken: Unter Punkt 3) Laub und Reisig ist zu lesen, daß dieses 3—4 Tage in der Sonne getrocknet werden soll. Im Interesse derjenigen, die sich ihre Laubhölzer zu Nutze machen wollen, möchte ich Sie bitten, dies zu benötigen. Das Laubreisig darf nur etwas in der Sonne abwelken und muß dann im Schatten der Bäume oder besser gleich auf dem Boden­raum getrocknet werden, der bestimmt ist, dasselbe für den Winter aufzubewahren. Selbstverständlich muß der Bodenraum luftig sein. Man stellt die Bunde mit dem Reisigende nach unten, die Spitzen nach oben und mit den Spitzen zusammengeneigt, unten etwa '/- Meter entfernt auf, sodaß die Lust durchstreichen kann, auch kann man die innere Seite einmal nach außen wenden.

* — Schwurgerichts - Verhandlung vom 12. Juli. Die bei verschlossenen Thüren geführte Verhandlung richtete sich gegen die 20jährige Dienstmagd Schneider von Fischborn, die wegen Tödtung ihres neugeborenen Kindes, das im Keller in Röcke gewickelt aufgefunden wurde, angeklagt ist. Der Vater des Kindes, ein schon bejahrter und verheiratheter Lehrer von dort, bei dem die Angeklagte im Dienst gestanden hatte, war Anfangs ebenfalls wegen Beihülfe in Anklagezustand versetzt und in Haft genommen worden, wurde aber wieder außer Velyolgung gesetzt, da keine genügend verdächtigen Gründe erbracht wurden. Die Angeklagte leugnet in der heutigen Verhandlung, daß sie das Kind getödtet, noch daß der Lehrer sich irgendwie dabei bethciligt hat. Die Ge­schworenen bejahten die Schuldfrage und wurde die Angeklagte zu einer 2jährigen Gefängnißstrafe verurtheilt. Damit wurde die 9 Tage dauernde Schwurgerichts- Periode geschlossen. An Strafen wurden im Ganzen erkannt: 4 Jahre 9 Monate Zuchthaus und 12 Jahre 14 Wochen Gefängniß, außerdem erfolgte in zwei Fällen Freisprechung.

* — Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 13. Juli. • Von einer Tanzmusik am Abend des 16. Februar heimkehrend, erhielt ein Bursche aus Schwarzenfels zwei Stiche in die linke Kopfseite, ohne daß er vorher mit Jemand Streit gehabt hatte. Als der Thai verdächtig war ein Steinrichter von Weichers- bach angeklagt, der auch, nachdem er Anfangs geleugnet, schließlich ein reuiges Gcständniß ablegte. Das Gericht erkannte unter Annahme mildernder Umstände auf eine dreimonatliche Gefängnißstrafe.

* — Die Hess. Blätter in New-Dork berichten: Einer der Pioniere des Deutschihnms ist am 30. Juni in Allegheny, Pa., in Herrn Michael Faust, gebürtig aus Herolz, Kreis Schlüchtcrn, im Alter von 59 Jahren verschieden. Der Verstorbene landete im Jahre 1853 in Baltimore, von wo er seinen Wohnsitz 1865 nach Allegheny verlegte. 1854 verheiratete er sich mit seiner ihm vor 4 Jahren in den Tod vorangegangencn

Gattin, Maria geb. Gärtner, aus Weiperz, Kreis Schlüchtcrn, aus welcher Ehe drei Kinder vorhanden sind

Fulda, 17. Juli. Der vom V.-C. Fulda arrangirte Dauermarsch Fulda—Frankfurt a. M. hat die erwarteten Resultate leider nicht gebracht. Gemeldet hatten sich 4 Theilnehmer; 2 davon waren am Start nicht erschienen und die beiden andern begannen am Samstag den 15. er. Abends 9 Uhr die Tour. Der erste blieb nach einem Marsche von ca. 30 km. in Schlüchtcrn zurück, der zweite kam gegen 1 Uhr Nm. nach Hanau, wurde aber in der Nähe dieser Stadt vom Schlafe überwältigt, verlor hierdurch an Zeit und mußte den Weitermarsch, für welchen bekanntlich nur 20 Stunden festgesetzt waren, als erfolglos sistiren.

SvVcn bei Salmünster. Am 13. Juli d. I., Nach­mittags, wurde in feierlicher Weise der Grundstein zu unserer neuen Kirche gelegt, nachdem man den alten Bau, als nicht mehr den Verhältnissen entsprechend, abgetragen hatte. Das hieran sich schließende Fest für Alle, welche bisher am Neubau thätig mitgewirkt, bildete wegen seiner Kürze und in Folge eines alten Brauches zum derzeitigen Notstand keinen irgend unangenehmen Gegensatz. Der Eifer, mit welchem alle unsere Bewohner thätig mit Hand anlegen, um nach Möglichkeit beim Aufbau des neuen Gotteshauses Kosten ersparen zu helfen, ist um so höher zu veranschlagen, als das Her­beitragen des schweren Baumaterials auf die steile Höhe mühevoll ist. — Möchte die neue Kirche, welche wohl noch einige Zeit sich von unseren ärmlichen Bürger­wohnungen abheben wird, eine Stätte werden, in der das Wort der Nächstenliebe auch wahre Vaterlandsliebe großzieht: die Liebe zum deutschen Boden, der uns ernährt, und zum deutschen Reiche, welches uns schützt gegen Feinde von Außen wie von Innen und jeder Küche die freieste Bewegung zu geben bestrebt ist.

Aus der Rhön, 13. Juli. Auf dem Rhöntorfwerk „Rothes Moor" wird jetzt mit wahrem Bienenfleiß ge­arbeitet. Trotzdem die Arbeiten wegen der trockenen Witterung sehr rasch von Stätten gehen und eine hübsche Anzahl Arbeiter aus den umliegenden Ortschaften regel­mäßig beschäftigt ist, kann der Besitzer, Herr Lohrey in Schonungen, die eingehenden Bestellungen lange nicht alle erledigen. Es werden noch fortwährend Arbeiter bei lohnendem Verdienst angenommen.

Tann a. d. RH., 15. Juli. In der letzten Zeit würbe, bedeutend viel Vieh, besonders Stiere und Ochsen, in unserer Gegend angekauft; so mußte vorgestern ein Extra-Güterzug von hier abgelassen werden, um das aufgekaufle Vieh, welches größtentheils nach Holland kommt, befördern zu können. Die Preise für 1— 2jährige Stiere sind sehr gering, für schwere Ochsen mittelmäßig. Die Kühe haben einen Spottpreis.

Radoldshausen, 12. Juli. Von einem schweren Schlage wurde gestern der Müller R. in dem nahe gelegenen Aua betroffen, indem ihm seine drei Pferde plötzlich verendeten. Wie man hört, soll R. die Thiere mit frischem Roggen gefüttert haben und soll dadurch deren Tod hcrbeigesührt worden sein. In der jetzigen Zeit der Noth ist der Schlag für den betroffenen Mann um so härter, er zeigt aber auch, wie vorsichtig man mit dem Futtern sein muß.

Rotenburg, 13. Juli. In gemeinschaftlicher Sitzung nahm gestern Stadtralh und großer Bürgerausschuß unserer Stadt Stellung zu der Frage, ob es nicht möglich sei, für Rotenburg angesichts der bevorstehenden Heeresverstärkung Garnison wiederzugewinnen. In unserer Stadt sind von früher her die Vorbedingungen zur Garnisonirung eines Truppentheils noch vorhanden und dürfte daher einige Hoffnung auf günstige Be­urtheilung der an das Kriegsministerium beschlossenen Petition gehegt werden können.

Frank nbcrg, 13. Juli. Der hiesige Kgl. Landrath erläßt folgende Bekanntmachung: Von ehemaligen Soldaten, die mit angeblich aus dem Kriege 1870/71 herstammenden Leiden behaftet sind, gehen in letzter Zeit mehrfach Gesuche um Bewilligung von dauernden Unterstützungen bei mir ein. Bei der Schwierigkeit des Nachweises der Entstehung der Leiden ist es auf dem gewöhnlichen Instanzenwege äußerst schwer, einen Erfolg zu erzielen. Durch mündliche Verhandlung mit dem betreffenden Decernenten des Königlichen Kriegs­ministeriums ist es mir während eines Zeitraumes von vier Jahren mit Mühe gelungen, nur bei vier der­artigen Gesuchen ein günstiges Resultat zu erzielen. Ich bin zwar erbötig, auch ferner derartige Anträge entgegenzunehmen, die betreffenden Gesuchstcller müssen jedoch abwarten, bis mir eine mündliche Befürwortung möglich sein wird.

Waldkappel, 12. Juli. Am gestrigen Tage ver­starb hierselbst eine Frau, welche an der Gicht leidend volle 27 Jahre im Bette gelegen hat; ohne fremde Hülfe war es derselben nie möglich, ihr Lager zu verlassen.

Zur Abhilfe der Fuilernoth und Wirthschafsnoth.

Mittheilung der Ackerhau-Abtheilung der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft durch Geheimen Regierungs - Rath Professor Dr. OrtH.

(Schlu ß.)

Unter den Gemengesaaten kann auch zu früher Früh­

jahrsnutzung die nicht zu späte Herbst-Aussaat von 1 i/a bis 2 Hektoliter Staudenroggen mit 6—8 Kilo Winterraps oder Winterrübsen in kräftiger Düngung in Frage kommen.

Von Blattfrüchten würde auf freiem Lande bei schwerem Boden die gewöhnliche Wicke, auf leichtem Boden Serradella gegenwärtig noch mit Erfolg aus- gesäet werden können. Der Preis der Wicke ist nicht erhöht und genug Samen davon vorhanden. Weniger ist dies bei Serradella der Fall. Keimfähige Saat kostet zur Zeit per 100 Kilo 36 Mk., ergibt bei nur 40 Kilo Aussaat per Hektar 14,4 Mk. Ebenso sind auf geringen unbestellten Sandböden Lupinen be= achteuswerth, welche als Gründünger zur Erhaltung der Düngerwirthschaft bedeutsam sind. 200 Kilo Aus­saat per Hektar ä 100 Kilo 14 Mk. ergibt 28 Mark an Unkosten. Reife Lupinensamen können entbittert dazu benutzt werden, den Eiweißgehalt des Futters zu erhöhen, auch für solche Thiere, an welche Lupinen in der Regel nicht verfüttert werden.

Von besonderer Wichtigkeit ist überall, wo Stoppel­saaten gesäct werden sollen, schon bei der Getreideernte die Vorbereitungen zu treffen, daß die Stoppel möglichst rasch umgebrochen werden kann. Dies wird durch die mehrscharigen Pflüge wesentlich erleichtert, namentlich auch dadurch, daß die Garbenhaufen möglichst in Reihen so ausgestellt werden, daß das Umpflügen bereits zwischen denselben stattfinden und nach dem Umsetzen der Garben auf das gepflügte Land rasch beendet und so schleunig als möglich mit der Einsaat begonnen werden kann.

Will man einen Ersatz für eingegangenen Rothklee haben, so kann bis Anfang August Jncarnartklee auf milden Bodenarten eingesäet werden, derselbe liefert im andern Jahre frühzeitig Grünfutter, sodaß noch eine Nachfrncht ^Kartoffeln, Kohlrüben u. a.) hinterher ge­baut werden kann. Aussaat per Hektar 30 Kilo ä 100 Kilo 81 Mark, ergibt 24,3 Mark Unkosten für die Saat.

Eine beliebte Stoppelsaat ist weißer Senf, rein oder im Gemenge mit silbergrauem Buchweizen. Man hat auch wohl etwas Spörgcl zugesetzt. Senf, Buchweizen und Spörgel zeichnen sich durch ihre Rasch- wüchsigkeit aus, so daß bei nicht zu geringem Boden noch auf einen erheblichen Grünfntterschnitt gerechnet werden kann. Ich sah denselben in vorzüglicher Be­schaffenheit im Herbst 1862 auf dem Büdesheimer Hof bei Vilbel, so daß ein guter Theil des Herbstfutters dadurch gedeckt wurde. Reinsaat bei Senf per Hektar 20 Kilo ä 100 Kilo 70 Mark, macht gegenwärtig 14,0 Mark Unkosten. Der Vorrath an Senf ist nicht groß, doch kann neue Ernte schon im Frage kommen. Die Reinsaat Buchweizen 80 Kilo per Hektar ä 100 Kilo 21 Mark, macht 16,1 Mark per Hektar.

Spörgel in Reinsaat 24 Kilo per Hektar ä 100 Kilo 20 Mk., bedarf nur 4,8 Mark Unkosten und auf ge­ringen sandigen Bodenarten ist er deshalb mehrfach auch für Stoppelsaat in Verwendung. Wenn auch die Qualität des Futters eine vorzügliche ist, so liefert der Spörgel doch viel zu wenig Masse, daß barauf viel gerechnet werden kann. Auch hat er auf die Nachfrucht in der Regel einen wenig günstigen Einfluß. Mit der so leistungsfähigen Lupine, mit Serradella und andern Blattfrüchten ist er deshalb im Erfolge keineswegs zu vergleichen.

Eine andere im Gemenge mit Senf und Buch­weizen mehrfach ausgesäete Stoppelsaat ist der Oel- rettig, derselbe kostet zur Zeit 36 Mk. per 100 Kilo, ist auch hinreichend vorhanden. Bei Reinsaat von 28 Kilo per Hektar kostet die Saatmenge 10,08 Mk. Auch der Oclrettig wird von den Landwirthen, welche ihn kennen, wegen seiner Raschwüchsigkeit als Grün­futter vielfach geschätzt. Auch die Lupine (gelbe, blaue und ostpreußische weiße) wird in diesem Jahre als Nach­frucht bei der sehr frühen Getreideernte, event, auch nach Frühkartoffeln, vielfach als Stoppelsaat noch am gefäct werden können.

Ein großer Uebelstand für das kommende Jahr ist, daß die Kleepflanzen in so großem Umfange vertrocknet sind. Luzerne und Esparette leiden unter der großen Dürre weniger und bewähren auch unter so ungünstigen Verhältnissen bis zu gewissem Grade ihre große Aus- nutzungsfähigkett der Bodengrundlagen, sie sind deshalb in gutem Bestände ein Schatz für jede Wirthschaft im Interesse ihrer Futtergewinnung. Die Aussaat dieser kleeartigen Pflanzen mit der Drillmaschine, bei Luzerne und Esparette auch ohne Ueberfrucht in uukrautfreiem kräftigen Land, ist noch immer möglich und auch der Samen nicht übermäßig hoch im Preise. In diesem Frühjahre besäete lückenhafte Kleeschläge können in ihrem Bestände durch Nachsaaten noch jetzt ergänzt werden.

Diese Stickstoff sammelnden Futter- und Grün­düngungspflanzen mit ihrer reichen Bewurzelung zur Ausnutznng zum Theil tieferer Bodengrundlagen haben überall für den Wirthschaftsbetrieb eine besondere Be­deutung. Der vermehrte Anbau von Gründüngungs­pflanzen, welche in einzelnen Jahren ausgezeichnete, in andern auch sehr ungenügende Masfenerträge liefern, hat noch den großen Vortheil, daß sie bei günstiger Entwicklung, wie es die ökonomischen Verhältnisse mit