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Erscheint Wkittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" Vierteljahr!. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 42. Samstag, dca 27. Mai 1893.
Deutsches Reich.
Berlin. S. Mk. der Kaiser wird, wie verlautet, am 29. Juni einen Sommeransflug auf der Jacht „Hohen- zollcrn" antreten. Der Kaiser hat sich aber, je nach dem Ausfall der Wahlen, noch die Bestimmung Vorbehalten, ob die Fahrt sich bis zum Nordkap erstrecken oder ob er in der Ostsee bleiben wird. Für später ist eine Reise nach Schottland geplant.
— Der Kaiser hat für den Bereich der preußischen Militärverwaltung befohlen, daß diejenigen Uebungen des Beurlaubtenstandes, welche in die Wahlzeit gefallen sein würden, nicht verschoben werden, sondern mit Rücksicht auf die bald darauf beginnende Erntezeit ganz ausfallen. Nicht nur in den unmittelbar interessirten, sondern in allen Kreisen der Bevölkerung wird dieser Befehl des Kaisers mit Genugthuung begrüßt werden. Den bereits einberufen gewesenen Reservisten, die vom 24. d. M. bis 18. Juli hätten dienen müssen, ist am 20. Mai mit der letzten und am Pfingstmontag mit der ersten Post die Mittheilung von dem Ausfall der Uebungen zugegangen; gleichzeitig sind sie aufgefordert worden, die Einberufungsbefehle umgehend zurückzusenden.
Potsdam, 10. Mai. Die Taufe des am 6. April geborenen Sohnes des Prinzen und der Frau Prinzessin Friedrich Leopold wurde heute Mittag 12 Uhr im Königlichen Stadtschlosscdurch den Generalsuperintendenten D. Dryander aus Berlin unter Assistenz des Hof- predigers D. Rogge vollzogen. Als Pathen waren zugegen: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Carl und der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg; abwesend waren: Der König und die Königin von Italien und der König und die Königin von Württemberg. Der Taufrede lag das Schriftwort Röm. Cap. 8 Bers 31, „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein," zu Grunde. Dasselbe war von der erlauchten Mutter selbst gewählt. Der neugeborene Prinz, welchen Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Carl über die Taufe hielt, empfing die Namen Thassilo, Wilhelm, Humbert, Leopold, Friedrich, Carl. Nach der heiligen Handlung fand eine Defilircour vor der hohen Tauf- mutter und demnächst die Festtafel im Marmorsäule statt.
Magdeburg, 24. Mai. Der Müdchenmörder Erbe und seine Gehülfin, die Buntrock, sind heute Morgen im hiesigen Gefängnis hingerichtet worden.
Coburg, 23. Mai. In Banz ist der Wassermangel bereits so groß, daß der Bürgermeister täglich je eine Butte Wasser an die Haushaltungen vertheilt, damit der Brunnen nicht allzusehr erschöpft wird.
In Bamberg ist die Bankfirma Herrmann Heßlein insolvent. Ein Theilhaber hat laut „F. Z." in Wien einen Selbstmord begangen, ein anderer fehlt. Die Passiven sind noch unbekannt, betragen aber jedenfalls über eine Million Mark. Die Firma hat starke Ver- lustc durch industrielle Engagements erlitten. Bamberg und die Umgebung ist stark betheiligt. Die Katastrophe erregt allenthalben größtes Aufsehen und kam gänzlich unerwartet. Die Firma galt zu den angesehensten der baierischen Firmen. Betheiligt sind Börsenfirmen und auch viele Private.
In der Kaiserstraßc in Nürnberg erregte dieser Tage ein anscheinend vor Erschöpfung zusammengebrochener Mann daS größte Mitleid. Er gab an, ausgehungert und völlig mittellos vom Krankenhaus in Forchheim zu kommen, wo er wegen eines gebrochenen Fußes gelegen habe, um in Nürnberg Arbeit zu suchen. Dabei klagte er über starke Schmerzen im Fuß, der noch einen Gypsverband trug. Alles beeilte sich, dem Unglücklichen hilfreich beizustehen, besonders war es ein Fräulein, das tief gerührt wurde und sogleich eine Kollekte veran- staltcte. Der Mann schien sich bei dem Anblick des gesammelten Geldes schnell zu erholen, aber schon war die Polizei mit dem Ungiückskorb bei der Hand, um ihn in das Krankenhaus zu bringen. Dort wurde ihm der Gypsverband vom Arzt abgenommen. Tableau! Von einem gebrochenen Fuß keine Spur. Der „Unglückliche" entpuppte sich als ein ungarischer Erzgauner, der nicht arbeiten mag und sich von solchen Manövern ernährt. Er wird sich demnächst wegen Betrugs zu verantworten haben.
Aus Reffen. Eine Millionen-Erbschaft. Vor einiger Zeit starb in England ein gewisser Friedrich Georg Köhler mit Hinterlassung eines Vermögens von 200 Millionen Gulden. Direcle Erben waren nicht
Ausland.
Ram. Im Alter von 70 Jahren ist in Rom Jakob Moleschott gestorben, einer der ersten Naturforscher unserer Zeit. — Der Leichnam ist am 22. Mai früh verbrannt worden. Laut einem letzten Wunsch des Todten soll die Asche dem Winde übergeben werden.
Durch Erdrutsch sind am Sonntag bei Bardalen (Norwegen) 40 an einem Kanal gelegene Gehöfte verwüstet worden, zirka 100 Menschen sollen ihr Leben eingebüßt haben. Der angerichtete Schaden wird auf ein Millionen Kronen geschätzt.
Newyork, 24. Mai. Wie der „Newyork Herold" aus Panama meldet, fand am Sonnabend in Nicaragua zwischen den Truppen der Regierung und den Aufständischen eine Schlacht statt, welche zwölf Stunden währte. Die Regierungstruppen wurden geschlagen und verloren fast die Hälfte an Todten, Verwundeten und Deserteuren. Der Rest ist demoralisirt.
Brisbane (Queensland), 5. April. Ein merkwürdiges Ergebniß wird aus Singleton berichtet. Etwa 12 km von dieser Stadt befand sich ein nicht unbedeutender Höhenzug. Er ist durch vulkanische Gewalt plötzlich
da und bald erhoben verschiedene verwandte Linien und zwar hauptsächlich aus Oesterreich-Ungarn und Hessen Anspruch auf das colossale Vermögen. Lange Zeit schwebten die behördlichen Untersuchungen. Jetzt endlich wird auf Grund der vom ungarischen Ministerium des Acußern in England beschafften Daten mitgetheilt, daß die Erbschaft den aus dem Großhcr;ogthum Hessen mit ihren Ecbansprüchen hervorgetretenen Personenzugesprochen wurde, nachdem als erwiesen angenommen werden mußte, daß der Erblasser aus Hessen-Darmstadt stammte.
St. Jngbert, 24. Mai. Gestern Abend 6 Uhr fand eine Explosion in der Pulverfabrik statt. Sieben Personen wurden getödtet, viele andere wurden schwer verletzt.
St. Johann, 19. Mai. Wie schon gemeldet, ist das große Loos der preußischen Lotterie in die Saar- brücker Collecte gefallen. Den Löwenantheil davon erhielt der Bahnhofsrestaurateur Müller, der eine Hälfte des Looses spielte. Herr Müller hat den Betrieb der Bahnhofswirthschaft sofort gekündigt, so daß diese am 1. Juli in andere Hände übergeht. Die andere Hälfte spielten 12 (nicht 17) Wirthe und Geschäftsleute aus Saarbrücken, St. Johann und Umgegend.
Dortmund. Eine Rede für 1000 Mark. Dem Wahlfonds der freisinnigen Partei fließen von Dortmund 1000 Mark zu, die auf höchst eigenartige Weise zusammengekommen sind. In einer Restauration saßen eine Anzahl Herren beisammen, die sich über dies und das und auch darüber unterhielten, wie lange man wohl ohne Unterbrechung reden, namentlich Wahlreden halten könne. Ein Herr, der sich der freisinnigen Partei angeschlossen hat, erklärte, länger als fünf Stunden reden zu können. Die Folge war, daß eine Wette von 1000 Mark gemacht wurde, die jener Herr glänzend gewonnen hat, denn er sprach, ohne etwas Anderes als Wasser zu sich zu nehmen, ö'/a Stunden. Der Betrag der Wette war von fernherein für den erwähnten Parteifonds bestimmt. Die Herren, die das Geld hergeben müssen, gehören verschiedenen Parteien an, sie haben es aber dazu sich solche Scherze zu leisten. Die Saale-Ztg., der wir diese Mittheilung entnehmen, bemerkt hierzu: Es wäre erwünscht, zu vernehmen, wie viel Zuhörer diese Marter geduldig haben über sich ergehen lassen, und ob sie auch nichts „Anderes als Wasser" dabei zu sich genommen haben!
Münster i. W, 24. Mai. Hier wurde eine von etwa 350 Vertrauensmännern besuchte Versammlung der westfälischen Centrumspartei abgehaltcn, in der es zu einem offenen Zerwürfniß kam. Zu dem Wahlaufruf wurde ein besonderer Zusatzaufruf beschlossen. Ein Antrag des Justizraths Schultz (Hamm), mit Bezug auf die Militärvorlage den Abgeordneten das Recht der freien Entschließung zu gewähren, erhielt nur 60 Stimmen, unter welchen sich auch Herr v. Schor- lemer-Alst befand. Ueber den Antrag des Herrn von Schorlemcr, zu erklären, es sei nothwendig, von den westfälischen Centrumskreisen vier an Berufslandwirthe zu übertragen, wurde zur Tagesordnung übergegangen. Darauf verließ Herr v. Schorlemer mit zahlreichen Landwirthen den Saal.
versunken und an der Stelle hat sich ein sehr tiefer, 3 km langer See gebildet, der nicht nur die ganze Gegend völlig veränderte, sondern auch den Einwohnern wesentlich andere Existenzbedingungen gibt.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 26. Mai.
* — Ernannt: der Pfarrer und Metropolitan Wittekindt in Sterbfritz zum Pfarrer in Wachenbuchen, und der Pfarrverweser Kohlenbusch in Oberkalbach zum Pfarrer daselbst.
* — Wie wir soeben vernehmen, wird von den der Militärvorlage freundlich gesinnten Wählern des Wahlkreises Fulda-Gersfeld-Schlüchtern der Amtsrath Thaler in Weihershof bei Hofbieber als Reichstagskandidat aufgestellt.
* — Für den für die Kreise Schlüchtern und Geln- hausen neu gebildeten Gendarmerie-Oberwachtmeister- Bezirk ist, wie wir erfahren haben, der frühere berittene Gendarm Ott aus Montabaur zum interm. Oberwachtmeister ernannt worden.
* — Der diesjährige Honig wird von Sachverständigen als ein sehr edles Produkt bezeichnet. Viele Bienenzüchter haben bereits bei dem blüthenreichen Lenz größere Mengen Honig geschleudert, und durchweg ist derselbe sehr zähflüssig, hat wenig Wassergehalt, eine nie dagewesene Süßigkeit, hochfeines Aroma und kandiert sehr leicht schon nach wenigen Tagen. Die vorzügliche Qualität der Honigs ist wohl gerade eine Folge der Trockenheit.
* — Die Versicherung der Lieferzeit auf den Eisenbahnen wird von den Interessenten häufig so aufgefaßt, als ob mit der Declaration aus dem Frachtbriefe auch Der Werth der Sendung oder das Interesse der Einhaltung der rechtzeitigen Lieferzeit versichert werde. Um den aus solchen Mißverständnissen hervorgehenden Weiterungen vorzubeugen, sind die Güter-Abfertigungs- stellen angewiesen worden, in geeigneten Fällen die Versender, insbesondere solche, die nur seltener Güter zur Beförderung aufgeben, bei Uebergabe von Frachtbriefen, in denen das Interesse an der Lieferung declnrirt ist, auf die Bedeutung dieses Vordrucks und auf den für diese Declaration zu zahlenden Frachtzuschlag aufmerksam zu machen. Es ist nur derjenige Betrag zu deelariren, welcher im Falle des Verlustes oder der Beschädigung über den wirklichen Werth hinaus geltend gemacht werden soll.
* — Die anhaltende Trockenheit, welche sich nicht nur in Deutschland, sondern auch im größten Theile Europas erneut bemerkbar macht, abgesehen von lokalen Ausnahmen, erweckt in landwirthschaftlichen Kreisen ernste Bedenken. Die aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands wie des Auslands vorliegenden Berichte über den Saatenstand sprechen zum Theil direkt die Befürchtung einer zu gewärtigenden Mißernte aus, falls nicht reichlicher Regen fällt. Unter diesen Verhältnissen begreift es sich, wenn auf dem deutschen Getreidemarkte die sich seit einigen Wochen markirende Hausseströmung fortdauert. An der Berliner Produktenbörse notirten: Weizen per 1000 Kilogramm von 153—166 Mk., Roggen von 142—150 Mk., Hafer von 151 151—166 Mk., Gerste von 120 — 175 Mk.
Mernes, 19. Mai. Gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr zog ein Gewitter von Westen kommend über unsere Gemarkung. Man ahnte Anfangs nichts Schlimmes; allein nach drei- bis viermaligen Donnern erfolgte ein greller Blitz, dem alsbald ein krachender Donner folgte, — es hatte in ein Bauernhaus eingeschlagen. Der Blitz war am Giebel des Hauses herab, durch den Stall in die Erde gefahren. In demselben befanden sich der erwachsene Sohn, die Mutter, die mit Melken beschäftigt war und ein Knabe von 11 Jahren. Die 3 Personen kamen nur mit dem Schrecken davon. Über ihnen stand alsbald der ganze Dachstuhl in Flammen. Den sofort herbeigeeilten Bewohnern von Mernes gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Es war ein gefiedertes Dach, weshalb bei der jetzigen Dürre das Feuer so rasch um sich griff. Der Dachstuhl, größtentheils verbrannt und angebrannt, mußte entfernt werden. Während die Leute noch mit Löschen beschäftigt waren, wurden die zwei besten Kühe, die durch den Schlag und Schwefeldunst betäubt waren, alsbald geschlachtet. Auf dem Speicher war ein Haufen Korn aufgeschichtet, welcher theils durch das Feuer,