SchlWernerMmg
E,-scheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustririem Familieufreund" vierteljährl. 1 Mk. -— Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mngflm.
Willkommen, o Pfingsten, im Blüthengewand, Gegrüßt uns im lenzlichen Wehen — Wie leuchtet dein Schimmer weit über das Land, Bom Strand bis hinauf zu den Höhen! Ein Blühen, ein Duften auf Sergen, im Thal, Allüberall machtvolles Regen — Wie bringt doch so sichtlich der pfingstliche Strahl Allüberall köstlichen Segen!
O Pfingsten, dein Rauschen durchbebt heut die Welt —
Wie flammst du so tief in den Herzen, Verbannend aus jenen, die Leid noch gequält, Mit segnendem Hauch alle Schmerzen — O, strahle drum wieder in jeglicher Brust Beglückend als Tag du der Maien, Erfülle die Seele mit lenzlicher Lust, Daß freudig sich alle dir weihen!
Gegrüßt drum o Pfingsten in all' deiner Pracht, Willkommen, du goldener Morgen — Wenn hell deine Sonne entgegen uns lacht — Wer mag da noch sitzen und sorgen? Weit auf drum die Herzen, pfingstfröhlich der Sinn — So wollen das Fest wir nun feiern lind uns an demselben im heiteren Grün Den Geist und den Körper erneuern.
Friede auf Erden!
Wie verschieden auch die Leser sein mögen, denen diese Zeilen vor Augen kommen, darin werben sie sicherlich gleich sein, daß sie unserm Volke als die köstlichste Gabe den inneren Frieden wünschen. Es ist in der That tief beschämend und trübselig, daß alle Bildung und Kultur, auf deren Wachsthum man stolz ist, den Unfrieden im Innern unseres Volkes nicht gedämpft, sondern nur vergrößert hat. Im gewerblicheil, im gesellschaftlichen, im politischen Leben ist Alles in Parteien, die in heißen Kämpfen sich leidenschaftlich befehden, zerklüftet; jede ihrer Meinung nach im alleinigen Besitze des Rechtes und der Wahrheit, jede voll Klagen und Anklagen gegen die andern Parteien und daran arbeitend, sie kalt zu stellen oder zu vernichten. Es ist so weit gekommen, daß man einander nicht mehr versteht: die edle, hochbegnadigte deutsche Nation, so will es oft scheinen, nicht mehr eine Nation, sondern ein Bündel von Parteien, deren Interessen, deren Ziele, deren Sprachen verschieden sind. Und die Kirche, die einigend und versöhnend allen Zwiespalt überwinden und die getrennten feindlichen Brüder durch ein geistiges Band einen sollte, selber in Parteien zerissen, die sich einander nicht mehr verstehen, nicht mehr verstehen wollen.
Wie wird das enden? Wird es wieder einer scharfen Zuchtruthe bedürfen, um die entfremdeten Geister, die verfeindeten Glieder unserer Volksfamilie zu einigen ? — Am ersten Pfingsttage war es, als der heilige Geist, mit Wunderkraft die Gemüther ergreifend, eine Christengemeinde schuf, die, von der Liebe Gottes überwunden, zu einer Gemeinde von Brüdern, einer wahren Brüdergemeinde, sich zusammenschloß. Die Kraft des gekreuzigten, auferstaudenen, zur Herrlichkeit erhobenen Gottessohnes und die Predigt der Buße war es, welche sie einte. Jetzt, da die Pfingstglocken wieder läuten und mit ihren Wunderklängen in die Gemeinden, in Häuser und Herzen mahnend hineintönen, wollen sie uns zu dem Herrn und Heilande rufen, ohne den kein Frieden zu finden ist, und der allein als der Versöhner unser zerrissenes Volk aus Unfrieden und Haß zur Versöhnung führen kann. Er will es. Möchte der Ruf der Pfingstglocken von uns Allen als sein Mahnruf verstanden werden!
Pfingsten und Frühling sind Geschwister. Wenn Feld und Wald grünt und die Lerchen jubiliren, dann stimmt die christliche Gemeinde unter Orgelschall und Posaunenklaug den Pfingfichoral an: „O heiliger Geist, kehr bei uns ein!" Der 118. Psalm ruft zu: »Schmücket das Fest mit Maien bis au die Hörner des Altars!" Da schmücken sich Kirchen und Altäre, Haus und Werkstätte mit frischem Grün, und wer sonst unter der Last des Daseins seufzt, am Pfingsttage kann er das lustige Birkeurcis nicht missen. Neuer Frühling, neues Leben!
Fast zwei Jahrtausende sind seit dem ersten Pfingst- lage vergangen, und wie viel Dunkles auch in ihnen sich
birgt, das Beste und Edelste, was seitdem in den Völkern, auch in unserem deutschen Volke, von Gottesleben sich entfaltet hat, ist eine goldene Frucht jenes ersten Pfingsttages. Wenn wir ihn heute aus's Neue feiern, so mahnt er zur Prüfung, ob wir nicht mit daran verschuldet sind, daß dieser Pfingstgeist unter uns erkaltet, und von ihm oft nichts Anderes geblieben ist, als eine aus ferner Vergangenheit zu uns herüberklingende, kaum mehr verstandene Sage. Das wäre ein Pfingsten für unsere evangelische Kirche, wenn sie in neuem Glauben sich sammelte um der Apostel Lehre, wenn das Gebet wieder würde ihr Athemholen, wenn die Macht- der Brudei liebe wieder die Getrennten vereinte, wenn sie ihren Glauben und ihr Bekenntniß durch Opfer für die Armen und Nothleidenden wieder als Wahrheit bewährten! Jeder sollte heute damit neu beginnen. Das wäre eine Gott wohlgefällige Psingstfeier.
Um was handelt es sich bei den Reichstagswahlen? (Fortsetzung).
Ebenso ist aber auch, Rußland ein Konkurrent, und da dort kein Parlament gefragt zu werden braucht wegen militärischer Ausgaben und das große Reich ungefähr 40 Millionen Einwohner mehr zählt, als Deutschland, so sind die Russen im Stande, ein gewaltiges Heer zu unterhalten. Dasselbe zählt im Frieden 30 000 Offiziere, 983 000 Mann, 152 000 Pferde und 435 Batterien, welche aber zum größten Theile aus 8 Geschützen bestehen, während zu einer deutschen Batterie nur ß Geschütze gehören. Rekruten hat Rußland im vorigen Jahre 287 000 eingestellt. Sein Friedensheer ist im Ganzen um 532 Infanterie- Bataillone, 185 Schwadronen, 700 Geschütze stärker als unser Heer.
Wenn aber von Frankreich und Rußland gesprochen wird, da muß man auch von unseren Bundesgenossen reden, von Oesterreich-Ungarn und Italien.
Oesterreich-Ungarn hat ein Friedensheer von 17200 Offizieren, 296 000 Mann, 65 000 Pferden, wozu noch 3 555 Offiziere und 25 718 Mann der Landwehr treten, die dort schon im Frieden zum stehenden Heere rechnet. An Batterien sind 241 vorhanden, "meistens zu 8 Geschützen.
Au Rekruten werden eingestellt per Jahr 103000 Mann, außerdem 20000 Landwehr Rekruten, die jedoch größtentheils nur ganz kurz dienen.
Italien unterhält ein Friedensheer von 15000 Offizieren, 232 000 Mann, 40 000 Pferden und 207 Batterien zu 6 Geschützen; an Rekruten werden eingestellt im Jahr 82 000 Mann.
Aus diesen Zahlen geht klar und deutlich hervor, daß Rußland und Frankreich schon im Frieden viel mehr Soldaten besitzen als Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien zusammengenommen. Weiter geht daraus hervor, daß die Russen und Franzosen auch im Kriege viel mehr brauchbare Soldaten ius Feld führen können als der Dreibund, weil sie im Frieden mehr Rekruten ciustellcn.
Um aber ehrliche Rechnung zu machen, darf nicht verschwiegen werden, daß in Deutschland jährlich 17 000, in Oesterreich-Ungarn 35 000, in Italien 24 000 Ersatzreservisten mehrere Wochen lang üben. Aber diese Ersatzreservisten kann man wegen der kurzen Ausbildungszeit nicht als volle Soldaten rechnen. In Frankreich dient aber überhaupt kein Soldat unter einem Jahr, in Rußland ein ganz kleiner Theil neun Monate. Sonst beträgt die längste Dienstzeit unter der Fahne in Frankreich drei, in Rußland fünf Jahre.
Ferner muß daran gedacht werden, daß im Kriegsfalle die Russen Soldaten in Asien, die Franzosen in Afrika nnd Asien zurücklassen, da aber Beide sehr wohl wissen, daß, wenn einmal um Leben oder Sterben gefochten wird, das in Europa geschieht, so haben sie sich auch darauf eingerichtet, nur die allcrnothweudigsten Truppen in Asien und in Afrika zu belassen.
Offiziere, die das verstehen, haben ausgerechnet, daß Frankreich nicht allein seine Turkos und Zuaven — wie im Jahre 1870 — auf einem europäischen Kriegsschauplatze erscheinen lassen wird, sondern auch einen großen Theil seiner Marine-Infanterie (es sind davon 178 Kompagnien vorhanden), die ebenfalls schon 1870 tapfer mitgefochten hat.
Aber selbst bei recht reichlichen Abstrichen können
Rußland und Frankreich immer noch mehr Soldaten aufmarschiren lassen als Deutschland und seine Verbündeten. Schon im Frieden macht das ungefähr 280000 Mann und 8ö000 Pferde mehr aus, im Kriege aber kommen über eine Million Soldaten und 170u bis 1800 Geschütze mehr heraus!
Gegen eine solche große Uebermacht hilft im Kriege auf die Dauer selbst eine bessere Führung und Ausbildung nichts. Das Kriegsglück ist veränderlich u.id kein Mensch kann wissen, auf wessen Seite es sich wendet. Außerdem haben Russen und Franzosen viele unserer militärischen Einrichtungen nachgeahmt. Sie haben auch ebenso gute Waffen wie wir. Unsere großen Generale aus dem Kriege 1870,71 sind ins Grab gesunken, und ob wir wieder das Glück haben, so große Feldherren an unserer Spitze zu sehen, das weiß Niemand im voraus.
Unter diesen Verhältnissen konnten aber die deutschen Regierungen nicht die Hände in den Schoß legen und ruhig zusehen, wie unsere Nachbarn im Osten und Westen immer eifriger ihre Heere verstärken. Daß trotzdem von allen Seiten große Frndferügkeit versichert wird, kann daran nichts ändern. Im Frühjahr 1870 versicherte die französische Regierung alle Welt ihrer Friedensliebe und im Sommer hatten wir den Krieg. Die Kriege brechen oft so schnell wie ein Gewitter aus und da ist der beste Blitzableiter ein großes starkes Heer. Das muß aber schon im Frieden vorbereitet werden und deshalb haben auch die deutschen Regierungen durch die Militär-Vorlage rechtzeitig dafür sorgen wollen, daß wir einem Kriegsgewitter ohne Bangen entgegensehen können. Wie ein guter Hansvater bei Zeiten an Noth und Gefahr denkt und wie eine umsichtige Gemeinde, die am Wasser liegt, bei Zeiten dafür sorgt, daß die Dämme fest und hoch genug sind, damit die Fluth sie nicht wegreißeu kann, ebenso muß Deutschland im Frieden schon seine Rüstung, also sein Heer, so stark machen, daß wir mit gutem Gewissen sagen können: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein!"
Nach Ansicht derjenigen Männer, die nicht allein für Deutschlands Gegenwart, sondern auch für dessen Zukunft zu sorgen haben, ist aber unsere Rüstung nicht mehr stark genug und die Militär-Vorlage soll sie so stark machen, daß wir jeden Friedensstörer so gründlich niederschlagen können, wie amo 1870. Wir sind aber jetzt nicht mehr stark genug, um das garantiren zu können, und was der Krieg im eigenen Lande bedeutet, das wissen diejenigen von uns am besten, welche den französischen Krieg mitgemacht haben. Daß aber die Sieger nicht so glimpflich mit uns umspringen würden, wie wir 1870 mit den Franzosen, dafür möge eine Aeußerung zeugen, welche vor zwei Jahren in einer großen französischen Militär-Zeitung |tanb. Dieselbe lautete: Wenn die französischen Schwadronen sich eines Tages über die Landschaften jenseits des Rheines ergießen, so werden sie die Regeln der Mannszucht, der Mäßigkeit und der selbst dem Feinde schuldlichen Menschlichkeit vergessen und nur Ruinen hinter sich lassen. Das ist gewiß eine deutliche Sprache und die „Ruinen" am Rhein und in der Pfalz, die Drangsal vor 100 Jahren in Süd- und Mitteldeutschland, de furchtbare Kriegsdruck in Preußen von 18u6 bis 1813 können davon erzählen, daß die Franzosen diese Worte auch zur That machen würden! Damals gab es sogar noch nicht einmal Turkos und Zuaven! (Forts, folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin. Daß der Kaiser seine Nordlandsreise aufgeschoben hat, ist bereits gemeldet worden; während aber zuerst als Grund für den Aufschub die Rücksicht auf die ernste politische Lage angegeben worden ist, wird jetzt darauf hingewiesen, daß der zweite Sohn des Kaisers am 7. Juli sein zehntes Lebensjahr vollende, womit, dem Herkommen des kgl. Hauses entsprechend, dessen Eintritt in die Armee verbunden sei, und daß der Kaiser seine Reise erst nach der damit verknüpften Feierlichkeit antreten wolle. Wahrscheinlich ist, daß beide Gründe zusammengewirkt haben, um die Entschließung des Kaisers herbeizuführen. Bei dem hohen Pflichtgefühl des Kaisers und seinem regen Interesse für die in Aussicht stehenden Reichstngsocrhandlungen ist auch anzunehmen, daß er, ebenso wie er aus gleichem Grund die Rückkehr von der Rom-Reise beschleunigt hat, auch erst das Schicksal der neuen Militärvorlage