Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familien freund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Mlttlvoch, den 17. Mai

Um was handelt es sich bei den Reichstags- Wahlen?

Die deutschen Regierungen hatten eine Militär- Borlage eingebracht, weil sie überzeugt waren, daß unser Heer auf die Dauer nicht mehr stark genug ist, um das Land unter allen Umständen gegen die Gefahren eines Krieges zu schützen.

Ein Kncg mit unglücklichem Ausgang bedeutet aber den Ruin Deutschlands, Jammer und Elend für Bürger und Bauer. Das Meiste von dem, was wir im Kriege 1870 71 mit schweren und blutigen Opfern erkämpft haben, würde der Haß und die Rachsucht der Sieger uns wieder abnehmen. Der Schaden jedoch, den wir an unserer nationalen Ehre und an unserer Stellung in der Welt erleiden müßten, der ist gar nicht auszudenken.

Kein Mensch aber, und stände er noch so hoch, kann nie Garantie übernehmen, daß der Friede für immer gewahrt bleibe. Gewiß sind wir Deutschen ein friedfertig Volk, aber die Franzosen können es nicht vergessen, daß wir sie 1870/71 geschlagen und alt­deutsches Land zurückgenommen haben. Auch die Russen sind unserer Freunde nicht, sie hassen alles Deutsche, und Niemand weiß, ob es dem Russischen Kaiser, der gewiß ein friedliebender Herr ist, auf die Dauer gelingen wird, sein Volk auf dem Friedenswege zu erhalten. Es war schon einmal nahe daran, daß Russen und Fran­zosen sich zum Kriege gegen Deutschland verbünden wollten. Damals schloß Deutschland einen Bund mit Oesterreich-Ungarn, dem später auch Italien bcitrat, trotzdem sind jetzt Rußland und Frankreich militärisch stärker als der Dreibund zusammengenommen.

Der Friede ist aber 22 Jahre lang erhalten geblieben, weil alle Welt wußte, daß Deutschland sowohl der Zahl der Soldaten als der Kriegsrüstuug nach die erste Stelle einnehme unter den Großmächten Europas. In­zwischen haben aber Franzosen wie Russen so gewaltige Anstrengungen gemacht, daß wir bald nur noch die dritte Stelle einnehmen werden.

Damit aber Jedermann Bescheid weiß, wie stark die einzelnen Heere sind, so sollen richtige Angaben hierüber folgen. Dann mag aber auch jeder gute Deutsche sich selbst sagen, ob es nicht Pflicht war für unsere Minister und Generale, von dem deutschen Volke Opfer zu ver­langen für eine Stärkung unseres Heerwesens.

Alle Staatsweisheit hat ein Ende, wenn nicht ein gefürchtetes Heer dahinter steht. Gefürchtet ist aber nur der Stärkere und nicht der Schwächere. Wir können aber nicht verlangen, daß Andere uns für den Stärkeren halten, wenn z. B. in einigen Jahren Frank­reich viele Hunderttausend Mann ausgebildeter Soldaten mehr hat als Deutschland, trotzdem Frankreich 11 Mil­lionen Einwohner weniger zählt als Deutschland.

Die Franzosen haben sich die Lehren des Krieges 1870/71 zu Nutze gemacht. Während die Deutschen im Jahre 1870 an Feldtruppen 104 Bataillone, 400 Geschütze und 130 Schwadronen stärker waren als die Franzosen, ist es heutzutage umgekehrt. Die deutsche Armee zählt jetzt 70 Bataillone, 276 Geschütze weniger als die französische Armee, während die Zahl der Schwadronen ziemlich gleich ist.

Die Franzosen unterhalten ein Friedensheer von 27 000 Offizieren, 520 000 Mann mit 132 000 Pferden, während das deutsche Reichsheer nur 20 000 Offiziere, 495 000 Mann, 94 000 Pferde stark ist. Die Franzosen stellen jährlich 220 000 Rekruten ein, Deutschland mit den Einjährig - Freiwilligen nur 186000 Mann.

Im Kriege 1870,71 war namentlich unsere Artillerie viel zahlreicher und besser als die französische Artillerie. Das hat man sich in Frankreich gemertt. Die Feld­artillerie ist dort seit 1870 um 200 Prozent vermehrt worden, sie hat ein ebenso gutes Geschütz wie wir, außerdem sind dort schon im Frieden 1038 bespannte Munitionswagen vorhanden, bei uns nur 91 bespannte Munitionswagen. Die französische Artillerie braucht also diese 1038 Doppelgespanne nur vor die Geschütze zu schirren, so verfügt sie im Mobilmachungsfalle über lauter bespannte Geschütze mit eingefallenen Pferden. Dazu stehen dort im Frieden bereits 8000 ansgebildete Feldarüllcristrn mehr in Reih und Glied als in Deutschland.

Aber damit sind die Franzosen noch nicht zufrieden. Jetzt schon befinden sich bei jeder Schwadron und jeder Batterie zwei Rittmeister oder Hanptleute, so daß es in

klerikaldemokratische Dr. Lieber, einstweilen noch zu verstecken für gut findet. Graf Ballestrem und Herr v. Huene sollen übrigens die feste Absicht haben, kein Mandat wieder anzunehmen.

In Deutschland wurden im Jahre 1880 einge­führt 59 722 Pferde mit einem Werthe von 59 722 000 Mark. Die Anzahl der eingeführten Pferde ist nach und nach bis über 90 000 im Jahre 1891 gestiegen. Dir Pferde-Ausfuhr dagegen ist fast stetig in diesem Zeitraum zurückgegangen und zwar von 17900 Pferden im Werthe von über 25 Millionen Mark im Jahre 1880 auf 7869 Pferde im Werthe von 9 Milionen im Jahre 1891.

Durch die vom Reichstag genehmigte Novelle zum Milltär-Pensions Gesetz macht es sich schon jetzt nöthig, mit Aufstellung der betreffenden Listen von Invaliden, die bei Erhöhung der Pension rc. in Frage kommen, zu beginnen. Es haben daher alle Invaliden, welche den Feldzng 1870/71 oder einen früheren mit- gewacht haben und für immer anerkannt sind, als auch solche Invaliden, welche, für immer anerkannt, wegen zu später Anspruchsanmeldung aber einer Pensions­beschränkung unterliegen, schleunigst ihre Militär- Papiere rc. an das Bezirkskommando einzusenden.

Gerüchte vom Wiederauftauchen der Cholera kommen aus Hamburg. Ein abschließendes Urtheil über die letzten Erkrankungsfälle an choleraartigen Krankheiten ist noch nicht gesprochen, doch würden einige wenige Neuerkrankungen, die durchaus im Bereich der Möglich­keit stehen, bei genügender allseitiger Aufmerksamkeit noch keinen Anlaß zu besonderen Besorgnissen geben.

Der Regierungspräsident von Schleswig hat aus Anlaß der in den letzten Jahren vorgekommenen Unter­schlagungen städtischer Kassenbeamten eine einschneidende Reform der Knssenrevisionen angeordnet, n. A. sollen darnach die von den städtischen Kollegien bestimmten Revisoren wie die Bürgermeister für jedes Defizit, welches dadurch entstanden ist, daß sie ihren Obliegen­heiten nicht in ausreichender Weise nachgetommen, mit ihrem gestimmten Vermögen persönlich haften. Die Stadträthe und Stadtverordneten, die bisher als Revisoren eine solche Verantwortung nicht kannten, sind von der Neuerung wenig erbaut. In Schleswig haben sämmtliche Mitglieder der städtischen Kollegien die Erklärung ab­gegeben, daß sie unter den vom Regierungspräsidenten gestellten Bedingungen künftig keine Revision der Stadt­kasse vornehmen würden.

Königsberg i. Pr, 12. Mai. Gestern Abend fand in einem Tanzlokal in Sprechau eine Schlägerei zwischen Artilleristen und Infanteristen statt. Ein Infanterist wnrde lebensgefährlich verletzt, ein anderer blieb todt auf dem Platze.

Recht exemplarisch hat das Schöffengericht in Erfurt den 19 Jahre alten Handarbeiter Richard Weiß aus Erfurt bestraft, welcher kürzlich abends am Hans seines Vaters eine Fensterscheibe eingeworfen und dann den alten Mann mit einem Stein auf den Kopf geschlagen hatte. Das Schöffengericht erkannte, zumal der Vater Strafantrag gestellt hatte, auf 1 Jahr 1 Monat Ge­fängnis. Der Verurth eilte wurde sofort abgeführt.

Ein raffinierter Schwindler hat dieser Tage vor der Greizer Strafkammer gestanden und ist wegen mehr­facher Betrügereien und Betrugsversuche zu zwei Jahren Zuchthaus, 300 Mark Geldbuße und drei­jährigem Ehrverlust verurtheilt worden. Derselbe heißt Meyer und stammt aus Altona. Er war ursprünglich Dienstknecht und später in England Kolporteur, wo er sich im Verkehr mit Geistlichen eine gewisse Rede­gewandtheit erwarb. In Deutschland gab er sich auf Grund eines gefälschten Zeugnisses als Missionsprediger aus, der lange Jahre in Südafrika für das Christen­thum gewirkt habe, und düpierte in Zeitz die Sekte der Vereinigten Brüder in Christo" mit solchem Geschick, daß er bei dieser mit festem Gehalt angestellt wurde. Meyer hielt alsdann in allen möglichen deutschen Städten in christlichen Vereinen Vorträge (d. h. immer denselben) und erschwindelte sich durch Sammlungen und Bettelbriefe für Errichtung eines Missionshauses in Zeitz oder Krankenhauses in Ostafrika von reichen Persönlichkeiten in Frankfurt a. M., Kassel, Zeitz u. f. w. ansehnliche Geldsummen. Aus den Akten er­gab sich, daß Meyer bereits neunzehn Mal, darunter zweimal mit Zuchthaus, vorbestraft ist.

Frankreich 1407 Kavallerieoffiziere und 705 Artillerie­offiziere mehr gibt als in Deutschland. Künftig wird aber auch jede französische Jufautcriekompagnic zwei ; Hauptleute zählen. Man will nämlich in Frankreich die Feldarmee im Kriege verdoppeln und dabei sollen sämmtliche Regimenter, Bataillone, Schwadronen, Bat­terien der Reservetruppen von Linienoffizieren geführt werden. In Frankreich braucht man also im Kriege der Linienarmee keine Majore und Hauptleute für die Reservetruppen zu entziehen wie bei uns, weil dort alle diese Chargen doppelt vorhanden sind, in Deutschland aber nur einfach.

Aber auch auf allen anderen militärischen Gebieten sind die Franzosen eifrig bemüht, es uns mindestens gleichzuthun womöglich aber uns zu übertreffen. Trotzdem sie schon Tausende von Millionen an Geld mehr ausgegeben haben für ihre Armee als wir, werden im französchen Parlament alle militärischen Forderungen ohne Murren bewilligt, so daß die Militärverwaltung aus dein Vollen schöpfen kann.

Wenn aber die Franzosen jedes Jahr mehr Sol­daten ausbilden als wir, wenn sie schon im Frieden mehr Soldaten unterhalten als wir, wenn dort wirklich auch jeder militürtaugliche Mann eingestellt wird, während bei uns ungefähr 100 000 Militürtaugliche überzählig bleiben, die nicht Soldat zu werden brauchen, wenn endlich die Franzosen keine Kosten scheuen, ihre Armee immer noch mehr zu verbessern: so kann man es ihnen weiter nicht verdenken, daß sie behaupten, nicht die Deutschen, sondern die Franzosen seiendas Volk in Waffen."

Man kann eS ihnen aber auch weiter nicht ver­denken, daß sie von ihrer Armee in einem Kriege große Dinge erwarten. Denn wer beispielsweise in sein Ge­schäft oder in seine Wirthschaft mehr Geld und mehr Arbeitskräfte steckt als der Konkurrent, der darf am Ende darauf hoffen, den Konkurrenten unterzukriegen. Frankreich und Deutschland sind aber scharfe Konkur­renten in Allem, was militärische Dinge angeht.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat, wie dieKreuzzeitung" be­hauptet,mit Rücksicht auf die innerpolitische Lage" beschlossen, von der bisher geplanten Nordlandreise vor­läufig Abstand zu nehmen. Der Kaiser, so heißt es in der M. Z. lege Werth darauf, den Reichstag persönlich zu eröffnen. In Hofkreisen wenigstens will man wissen, daß endgiltige Bestimmungen über die Reise überhaupt noch nicht getroffen seien. Dagegen wäre bezüglich der Abhaltung der Kaisermanöver und der längst geplanten Reise des Kaisers nach Elsaß-Lothringen mit Aufenthalt im Schloß Urville keinerlei Veränderung zu erwarten.

Der General v. Meerscheidt-Hüllessem hat sich von dein Gardekorps, das er seit dem 19. September 1888 geführt hat, mit einem Korpsbefehl verabschiedet, in welchem auch die Kabinettsordre wiedergegeben ist, durch die der Kaiser das Abschiedsgesuch des verdienten Generals genehmigt hat. Dieselbe lautet:Mit auf­richtigem Schmerz sehe ich Sie von der Spitze meiner Garde scheiden, welche Sie zu einem so hohen Maß von Kriegstüchtigkeit gebracht haben. Ein treuer Diener meiner Vorgänger, der persönliche Freund meinerseits, werden Sie stets meines Dankes gewiß sein. Um Sie in näherer Verbindung mit meinem Gardekorps zu be­halten, stelle ich Sie ä la suite des von Ihnen rühm­lichst kommandierten Königin Elisabeth Gardc-Grenadier- Regiment Nr. 3. gez. Wilhelm R."

Graf Bernhard v. Bismarck, der älteste Bruder des Fürsten Bismarck, ist im Alter von 83 Jahren ge­storben. Der Verstorbene hatte 1847 dem vereinigten Landtage, dann 18511852 und später von XL bis XVI. Legislaturperiode dem Abgeordnetenhause als Mitglied der konservativen Partei für den Wahlkreis Naugard-Regenwalde angehört. Seit 1888 hatte er sich vom parlamentarischen Leben zurückgezogen.

DieGermania", das führende Organ der Zentrumspartei, macht die Welt jetzt mit dem neuen Vorsitzenden der Fraktion, dem Grafen Hompesch bekannt, von dem sie freilich nicht mehr zu sagen weiß, als daß er in weiteren Kreisen wenig bekannt ist, weil er fast niemals im Reichstag das Wort ergriffen hat. Vielleicht wird Graf Hompesch nur die aristokratische Wand sein, hinter der sich der wirkliche Führer des Zentrums, der