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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" n. „Jllnstrirtem Familienfrennd" Vierteljahrs. 1 Mk. —Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
London, 25. April. Der Lordmayor empfing heute 200 von Lord Londondery vorgestellte Dclcgirte Ulsters. Der Wortführer Sir Ewart erklärte, die Bevölkerung Ulsters sei entschlossen, ein irländisches Parlament in Dublin nicht anzuerkcunen; sie beabsichtige, eine Versammlung von 600 Delcgirtcu zu wählen, die die erforderlichen Maßnahmen beschließen und leiten soll, falls die Homerule Gesetz würde. Falls es zum Bürgerkrieg komme, werde die Verantwortung auf die Häupter Gladstoues und John Morleys kommen. Der Lordmayor ermähnte in seiner Erwiderung, den Widerstand auf den konstitutionellen Weg zn beschränken. Die An Wendung von Waffengewalt sei niemals zulässig.
Lokales uub Provinzielles. Schlüchtern, 28. April.
* — Wie wir in Erfahrung gebracht haben, wird vom 1. Juni cr. ab in unserer Stadt ein Gendarmerie- Oberwachlmeistcr stationirt, dem die Gendarmen der Kreise Schlüchtern und Gersfeld Untergestell! werden.
* — Aus der Hanauer Strafkammer vom 24. April. Infolge der im Oktober v. I. in Hohenzell und Wahlerts «ungebrochenen Maul- und Klauenseuche wurde ein Schäfer von Schlüchtern. der einige Tage vorher mit einer Heerde Schafe, unter denen feuchenverdächtige Thiere sich befanden, von Würzburg kommend, dort durchgctricben war, wegen llebcrtrctung des Vichseuchen- Gesetzcs zur Anzeige gebracht, und ihm zur Last gelegt, daß, obgleich ihm die wirklich konsiatirte Seuche bekannt gewesen sei, er dieselbe nicht aDejueldet und somit in Hohenzell und Wahlerts eingeschleppt habe. Von dem Schöffengericht in Steinau war der Schäfer schuldig erkannt und zu 30 M. Geldbuße verurtheilt worden. Auf seine dagegen eingelegte Berufung erfolgte jedoch Freisprechung, da nicht erwiesen wurde, daß der Schäfer die Krankheit der Thiere erkannt hatte.
* — Ein starker Maikäferflug wird voraussichtlich in biesem Jahre eintreten. Dem hierdurch drohenden Schaden ist durch fleißiges Einsammeln und Tödten ber Küfer energisch zu begegnen.
* — Für die weitesten Kreise dürfte eine gerichtliche Entscheidung über Zeugengebühren von Interesse sein, welche ein Fabrikbesitzer in B. vor einiger Zeit durch- gesetzt hat. Bekanntlich erhalten Zeugen, welche selbst- ständig sind, also Handwerksmeister, etablirte Kaufleute, Aerzte u. s. w. keine Entschädigung und zwar mit der Begründung, daß es bei diesen selbstständtgen Herren keinen Maßstab für Beurtheilung des Schadens gibt, den sie durch die Zeitversäumniß erlitten. Mit dieser Begründung war auch die Liquidation des Fabrikbesitzers, der als Zeuge auf dem Kriminalgerichte volle fünf Stunden hatte versäumen müssen, abgewiesen worden. Derselbe aber beruhigte sich hierbei nicht, sondern verklagte das Gericht, indem er darlegte, daß auch für die Zeugen, die einer Selbstständigkeit sich erfreuen, ein Maßstab vorhanden sei, nämlich die Einko in m c n- Steuer. „Der Staat hat", so führt unser Gewährsmann aus, „laut beiliegender Quittung, mit einem Jahreseinkommen von 5000' Mk. mich eingeschützt. Für den Tag belauft sich mithin nach der Ueberzeugung des Staates mein Einkommen auf 13 Mk. 70 Pfg., pro Stunde — den Tag zu zehnstündiger Arbeitszeit gerechnet — also 1 Mk. 37 Pf.. und da ich 5 Stunden versäumt, so beanspruche ich neben den entsprechenden Reisekosten nach dem Maßstabe, welchen einem hohen Gerichtshof der Staat selbst an die Hand gegeben, 6 Mk. 85 Pfg. Zeugengebühr". Diese» Auseinandersetzungen stimmte der Gerichtshof bei, und der Fiskus wurde zur Zahlung bet Zeugengebühr von 6 Mk. 85 Pfg. verurtheilt.
* — Mancher Jagdlicbhaber und Eigenthümer von Gewehren wird sich nunmehr bewußt geworden sein, daß er sich einer unliebsamen Unterlassung schuldig gemacht hat. Nach dem Reichsgesetz vom 19. Mai 1891, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen, und der Verordnung über die Inkraftsetzung dieses Gesetzes vom 20. Dezember 1892 mußten nämlich bis zum 1. April d. J. nicht der Prüfung unterzogen? Handfeuerwaffen mit dem durch den Bundesrath bestimmten Vorrathszeichen durch eine hierzu beamtete Person versehen werden, widrigenfalls bei Strafe bis zu 1000 Mark ober 6 Monaten Gefängniß diese Schießgewehre nicht feilgehalten oder in den Verkehr gebracht werden dürfen. Diejenigen also,
Deutsches Reich.
Berlin. Wie die „Karlsruher Zeitung" meldet, treffen der Kaiser und die Kaiserin auf der Rückkehr von der italienischen Reise am 2. Mai in Karlsruhe ein und gedenken zwei Tage dort zu verweilen. Kurz nach Pfingsten wird das Kaiserpaar sich nach Kiel begehen und dort am 3. Juni die Reise nach Norwegen, England und der „Franks. Ztg." zufolge nach Spanien alltreten.
— 26. April. Der Bankier Hugo Loewy wurde wegen Unterschlagung in 7 Fällen zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängniß verurtheilt. 9 'Dienerte wurden auf erlittene Untersuchungshaft eingerechnet. Bezüglich des Falles wegen betrügerischen BankcrottS erklärte sich die Strafkammer für unzuständig und beschloß, die Sache an das Schwurgericht zu verweisen.
Pu-cnburg, 25. April. Dem gestern in den herzoglich Arenbergschen Forsten entstandenen Waldbraud fielen ca. 800 Morgen Tannenbestand und über 150 Morgen Roggensaat zum Opfer. Ebenso wurde ein großes Wohnhaus nebst Nebengebäuden und Meierei ciugcäschert. Sämmtlicher Lichbestaud bis aus ein Pfcid ging zu Grunde. Der angerichtete Schaden belauft sich aus ca. 300,000 M. Das Feuer soll durch die Funken einer Lokomotive verursacht worden sein.
Krruznach, 25. April. In der Nähe von Rhaunen stehen seit 43 Stunden die Waldungen des Herrn Haniel in Flammen. Bis jetzt sind ca. 1400 Morgen Wald ein Raub der Flammen geworben. Zur Stunde brennt es noch rapide weiter. Auch im Birkenfeld'schen bei Jdar haben größere Waldbrände stattgefuudcu. Die Anlagen am Rötgesberg sind vernichtet.
Würzburg, 24. April. Ein aus dem Irrenhause entlassener Geisteskranker verwunbete seine Frau mit neun Beilhieben. Die Frau liegt hoffnungslos darnieder. Der Mörder wurde ins Irrenhaus zurückgebracht.
Zittau, 24. April. Als Mörder des Reviersörsters Placht, der in verflossener Woche in der Gcschkcuwaldung erschossen, wie durch Kolbenschläge und Fußtritte verstümmelt aufgefunden wurde, ist nunmehr der Gemeindevorsteher Bittner in Drasendors ermittelt worden. Die Verhaftung desselben hat ganz gewaltiges Aufsehen erregt, zumal da Bittner ein sehr geachteter und allgemein beliebter wie auch vermögender Mann war und auch mit dein erschossenen Jäger stets freundschaftlich verkehrt hatte. Das Haus des Gemeindevorstehers war am Sonnabend von einer zahlreichen Menschenmenge aus der ganzen Umgegend umlagert. Bittner hatte schon sofort nach der That bei Erwähnung derselben eine auffallende Unruhe und Verstörtheit gezeigt und sich, statt an den Erhebungen zur Entdeckung des Mörders thcilzunehmen, stets entfernt, wenn solche gepflogen wurden. Man war aber weit entfernt, gegen den allgemein geachteten Mann irgend welchen Verdacht zu fassen, sondern schob vielmehr seine Unruhe dem freundschaftlichen Verkehr zu, in dem er mit dem erschossenen Jäger gestanden hatte. Verdacht erregender aber erschien eine Beobachtung des Gendarms, der dem Gemeindcvorftnnd ein Schriftstück zur Unterschrist vor- legte und hierbei bemerkte, daß Bittner den einen Arm nicht bewegen konnte. Die angestellten Erörterungen hatten nämlich ergeben, daß . der erschossene Förster Placht seiner Zeit aus den Wilddieb einen Schrotschuß obgefeuert haben mußte, der denselben auch verwundet hatte. Bittner hat nun auch thatsächlicher Schußwunde im Arm bet dem Kampfe mit dem Jäger davongetragen. Dieselbe hatte sich inzwischen derart stark entzündet, daß er sich gezwungen sah, einen Arzt aufzusuchen. Der Arzt erstattete sofort Anzeige als er die Verwundung als Schußwunde erkannte, und so erfolgte denn die Verhaftung Bittners.
Aaslaud.
. Auch in Frankreich ist seit 50 Tagen kein Siegen gefallen und die Berichte über den Stand der Saaten und Reben lauten infolgedessen sehr traurig. Der Direktor des meteorologischen Zcntralbureaus in Paris, Mascart, ist jedoch der Meinung, daß die gegenwärtige Trockenheit halb aufhören werde. Möchte er Recht behalten!
In Nantes, nicht weit von Paris, ist ein zweiter Cholera-Herd entdeckt worden. Es erkrankten von Montag zu Dienstag 7 Personen, von denen 4 starben. Trotz der versuchten Ableugnungen handelt es sich ganz bestimmt um asiatische Cholera.
Mittwoch, den 29. April
und es scheinen Viele zu sein, welche dieser Vorschrift bezüglich des Vorrathszeichcns nicht nachgekommen sind, können ihre Gewehre nunmehr auch nicht verkaufen, ohne befürchten zu müssen, mit dem Strafrichter in unerwünschte Berührung zu kommen. Da die vor- bezeichnete Frist in der That etwas kurz und die Tragweite dieser reichsgesetzlichen Bestimmungen nicht allgemein bekannt war, so wäre sehr zu wünschen, daß eine weitere Erstrecküng der Frist und Bekauntgcbung derselben in den Lokalblättern stattfände.
* — Bei dem jetzigen trockenen Wetter benutze man beim Verpflanzen von Gewächsen jeglicher Art die frühen Morgen- ober späten Abendstunden, lasse die Wurzeln nicht trocken werden und wenn es irgend geht, lasse man an den Wurzeln den dieselben umgebenden Ballen Erde beim Verpflanzen haften; ist eS so trocken, daß man fürchtet, daß keine Erde beim Herausnehmen der Pflanze an den Wurzeln haften bleibt, dann begieße man am Tage vor dem Ausheben die betr. Pflanze tüchtig.
* — Ein Riesenschwein, welches von einem Wallers- dorfer Landwirth gemästet wurde, schlachtete Paul Hoff- mann in S ch l i tz. Dasselbe war erst ein Jahr alt unD wog 400 Pfund.
Bom Laube, 24. April. Die Befürchtungen der Landleute, daß die anhaltende Dürre, zumal bei Eintreten von Reif und Nachtfrösten, nicht ohne Nachtheil auf die Entwickelung der Obstbäume und Saaten bleiben würde, scheinen sich leider, wie aus einzelnen Bezirken in hiesiger Umgegend gemeldet wird, bestätigen zu wollen. Ist der durch Nachtfröste angerichtete Schaden bisher noch nicht groß, so ist doch Gefahr für erhebliche Schädigungen vorhanden, wenn nicht bald Niederschläge mit wärmerer Nachttemperatur im Gefolge dem fußtiH, ausgetrockneten Boden die dringend nothwendige Feuchtigkeit bringen. Die Staubbildung auf den Land- . straffen und den Feldern ist eine unbeschreiblich großen der geringste Luftzug führt unzählige Staubwolken in. die Lüfte: ein Fenster darf man kaum noch öffnend denn im Nu ist Alles mit Staub überzogen. Die nichstU mit Wassergräben versehenen Wiesen bergen gewaltige™ Stanbmengen in sich, die den Graswuchs verkümmern machen, wogegen die mit Wassergräben versehenen Wiesen durch ihr frisches saftiges Grün auffallen. In dieser Hinsicht könnte von den Landwirten noch Vieles geschehen. Die geringe Mühe, welche das Ziehen der Gräben verursacht, würde sich zehnfach durch den reicheren Ertrag an Grummet und Heu lohnen. Auch dürfte es sich empfehlen, die Wiesen noch mehr wie bisher mit Obstbäumen zu bepflanzen.
Marborn. 25. April. Heute fiel auf dem Bienenstände des Herrn Lehrers E. Mohr der erste diesjährige Schwärm.
* — Sicherem Vernehmen nach ist Herr Pfarr- kuratus Atzert als nächster Nachbar der Pfarrei Ulmbach zum Lokalschulinspektor dieser Pfarrei ernannt worden.
Sterbfritz Herr Metropolitan Wittekindt, welcher lange Jahre hier als Pfarrer amtirte, hat die Pfarr- stelle zu Wachenbuchen bei Hanau übernommen und ist bereits dahin übergesiedelt.
Oberzell, 26. April. Herr Förster Schreiber auf der Ziegelhütte bei Oberzell erhielt heute den ersten Bienenschwarm in diesem Jahre.
(Helnhauscn Dem Sonntag Abend um 9 Uhr 10 Min. hier abgehenden Zug, in welchem sich auch zahlreiche, von hier nach Hanau, Offenbart) und Frankfurt zurückkehrende Ausflügler befanden, widerfuhr in Langenselbold ein Unfall, indem die Axe eines Personenwagens 3. Klasse glühend wurde und den Wagen in Brand setzte. Die Insassen mußten umsteigen und der Wagen ausrangirt werden.
Hersfeld, 26. April. Int Staatsforst bei Asbach brach heute Nachmittag ein Feuer aus, das enorm schnell um sich griff. Die Bcivohncr der umliegenden Dörfer eilten rasch zur Hilfe herbei und gelang es nach sechsstündiger Arbeit den Brand zu löschen, doch ist ein großer Theil des Waldes abgebrannt, auch das bereits geschlagene und aufgesetzte Brennholz für die umliegenden Gemeinden.
Das große Hofgut NieSerholzhausen wurde am 20. d. M. au Herrn Baron von sauber verkauft, der Abschluß geschah durch Vermittlung der Immobil- Agentur L. Göbel, Frankfurt a. M.
Heimarsh -uscn, 24. April. In Gottsbüren ergriff