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Erscheint Alittwoch u. Samstag Preis mitKreisblätt" u.Jllustrirtcm Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

X 29. Mittwoch, den 12. April 1893.

Stift Huts gen

auf dieSchlüchteiner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

- ---- Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen gerommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, die Schwester der Kaiserin, ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag ans Schloß Glienicke von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Der Berliner Bevölkerung wurde die Geburt des Prinzen durch 73 Salutschüsse kuudgegeben, die am Freitag Bormittag von einer Batterie der Garde-Artillerie im Lustgarten abgegeben wurden und deren Lösung auch der Kaiser mit seiner Umgebung beiwohnte. Das kaiserliche Schloß hatte zur Feier des Tages die Kaiserstandarte aufgezogen. Die kaiserlichen und die prinzlichen Palais und die öffentlichen Gebäude hatten gleichfalls Flaggenschmuck angelegt. Die Wachen und Posten zogen mit Haarbusch aus. Prinz Friedrich Leopold war am Freitag früh nach Berlin gekommen, um dem Kaiser und der Prinzessin Friedrich Karl das freudige Ereigniß mitzutheileu.

Die festlichen Veranstaltungen, die bei der An­wesenheit des Kaisers in den Reichslanden ausgeführt werden sollen, wurden bei der jüngsten Anwesenheit des Statthalters der Reichslande in Berlin in ihren Grund- zügen festgestellt. Danach soll bei den diesjährigen Kaisermanövern ein besonderer Glanz entfaltet werden, und die Einladungen an die europäischen Fürsten sind in sehr umfangreicher Weise erfolgt. Außer dem Kaiser werden die meisten Bundesfürsten erscheinen, das Gefolge soll sehr zahlreich werden, es werden je ein besonderen Vertreter des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Jtalicu erwartet. Die Kaiserparade über das 8. Armeekorps findet bei Euren (Trier) statt. Die große Parade über das 16. Korps und die kombinierten Brigaden wird in der Nähe von Metz abgehalten werden. An der Parade soll auch die 10. bayrische Infanterie-Brigade theilnehmen, die für die Zeit der großen Manöver die Besatzung von Metz bilden wird. Neben den großen militärischen Festlichkeiten sind glänzende Veranstaltungen der Städte geplant, die der Kaiser besuchen wird. Der Kommandeur des 8. Armee­korps, Freiherr von Soe, befindet sich seit seiner Rück­kehr von Rom stets auf Besichtigungsreisen

* Zum Fall Kurtz ist in derNordd. Allg. Ztg." eine offiziöse Kundgebung erschienen: Vor Kurzem ist ein Deutscher, Gustav Kurtz, Roß- arzt der Reserve, in Rouen unter dem angeblichen Verdacht der Spionage verhaftet und, nachdem dieser Verdacht sich als völlig unbegründet erwiesen hatte, aus- gewiesen worden. Unmittelbar nach seiner Verhaftung hatte Herr Kurtz der französischen Behörde einen Brief an den deutschen Botschafter in Paris zur Beförderung übergeben. Dieser Brief ist erst, nachdem Herr Kurtz nach mehrtägiger Haft wieder freigelassen und demnächst ausgewieseu worden war, an seine Bestimmung gelangt. Gegen die Ausweisung an sich, obwohl sie unter den obwaltenden Umstünden als ein willkürlicher Akt erscheinen mußte, ist seitens der deutschen Vertretung bestehenden Grundsätzen gemäß Einspruch nicht erhoben worden. Dagegen wurde sofort nach Bekanntwerden des vorstehenden Falles der kaiserliche Botschafter be­auftragt, ernstliche Beschwerde darüber zu führen, daß dem p. Kurtz nach seiner Verhaftung durch Zurückhaltung jener Briefe die Möglichkeit entzogen worden war, die Hilfe seiner vaterländischen Vertretung zum Zwecke des Nachweises seiner Unschuld anzurufen. Der fran- zösische Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat nunmehr dem Grafen Münster mitgetheilt, die ein geleitete Untersuchung habe ergeben, daß sich die be- lheiligten Behörden einen sehr bedauerlichen Mißgriff haben zu Schulden kommen lassen. Der Verdacht der Spionage habe auf kleinlichen Angaben beruht. Nachdem sich dieser Verdacht als unbegründet erwiesen, sei die Ausweisung des Herrn Kurtz nicht gerechtfertigt, auch das Aushalten der Briefe durchaus ungehörig gewesen. Der Minister hat dem kaiserlichen Botschafter zugesagt, daß der Wiederkehr solcher Vorgänge werde vorgebeugt werden, und überdies den Grafen Münster ermächtigt, den Herrn Kurtz wissen zu lassen, daß es ihm freistehe, Ungehindert nach Frankreich zurückzukehren. Wie wir hören, ist Herr Kurtz von Seiten des Auswärtigen Nmtes hiervon verständigt worden. So ist nun die

Affaire Kurtz ebenso wie der Fall Brandes in einer das französische Nationalgefühl tief beschämenden Weise abgeschlossen worden. Die Energie, mit welcher die Reichsregierung die Interessen der Deutschen wahr- genommen hat, verdient uneingeschränkte Anerkennung.

Der Regierungspräsident Rothe in K a s s e l, welcher eine Zeit lang provisorisch das Amt eines Unterstaatssekretürs im Landwintzschaftsmiuistcrium ge= führt hat, wird dasselbe definitiv übernehmen und zu diesem Zwecke nunmehr mit seiner Familie gänzlich nach Berlin übersiedeln. Ihm zu Ehren fand bereits ein Abschiedsessen statt.

Braunschwejg, 29. März. Durch die Handhabung des Gesetzes über die Sonntagsruhe droht Braunschweigs Spargelzüchtern, Exporteuren und Konservenfabrikanten ein enormer Schaden, der von sachverständiger Seite auf 500,000 Mark geschätzt wird und geradezu eine Vernichtung der heimischen hochentwickelten Spargel- Industrie bedeutet. Wegen Beseitigung der eintretenden Härten ist nun vor Kurzem eine Abordnung des Vereins für Gemüsebau beim herzoglichen Staalsministerium vorstellig geworden. Dasselbe hat für die bevorstehende Spargelcampaguc für den Fall besonderer Dringlichkeit noch zehnstündige Arbeitszeit für den Sonntag gestattet, gleichzeitig aber erklärt, daß vom nächsten Jahre ab, falls inzwi chen keine Aenderung der gesetzlichen Be­stimmungen eintrete, die Sonntagsarbeil ausnahmslos nur fünf Stunden währen dürfe. In der heutigen Sitzung des Vereins für Gemüsebau ist nun eine Ein­gabe an den Reichstag beschlossen worden, in der es heißt, der hohe Reichstag wolle dahin wirken, daß die Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf den Bau, den Versand und die Konservirung von frischem Spargel während der Monate Mai und Juni nicht ausgedehnt werden, es dagegen gestattet wird, zwecks Gewinnung, Versandt und Konservirung von Spargel Arbeiterinnen ausnahmsweise auch zwölf Stunden und an Sonn- und Festtagen, mit Ausschluß der Gottesdienstzeit während 10 Stunden Arbeiter und Arbeiterinnen zu beschäftigen.

Zu einer blutigen Schlägerei kam es im Dorfe Kiodiiitz bei Ratibor zwischen Soldaten und Dorfbe­wohnern. Erstere gebrauchten ihre Seitengewehre, Letztere Wagenrungen, Stangen und Latten. 8 bis 10 Soldaten, darunter mehrere tödtlich, und 9 Civilisten wurden verwundet. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

AuS Latein Zu der Blutthat in Dietkirchen bei Neumarkt (Oberpfalz) werden noch folgende Einzelheiten über das Verhalten des Lehrers Brunner, des Gatten und Vater der Opfer, bekannt. B. war unter dem Verdachte der Thäterschaft verhaftet, aber nachher wieder entlassen worden. B. hat sich aber die Verhaftung selber zugezogen. Er gibt jetzt auch im Widersprüche mit seinen früheren Angaben zu, daß er den Vorfall mitangehört, sich jedoch aber nicht getraut habe, in die unteren Räume seiner Wohnung hinabzugehen. Anstatt das Fenster zu öffnen und um Hilfe zu rufen, hat er sich in seinem Schlafzimmer versteckt gehalten und erst etwa eine Stunde, nachdem der Verbrecher durch das Küchenfenster entflohen war, lief er aus dem Hause, um Hilfe zu holen. Seine blutbefleckten Pantoffeln, die mittlerweile aufgefunden wurden, versteckte er an­geblich deshalb, um den Verdacht, daß er der Thäter sei, von sich abzulenken. Wenn sich das Alles so ver­hält, kann B. jedenfalls von Glück sagen, daß ihn seine Unklugheit und Feigheit nicht in die Gefahr einer Ver- urtheilung wegen Mordes bringt. Daß ein Mann zuhört, wie seine Frau und Kinder ermordet werden, und nicht einmal um Hilfe ruft, dürfte sich wirklich selten ereignen.

Hof Der Herr Untersuchungsrichter. Am Sonn­tag kam ein besser gekleideter Mann zu dem Oeconomen Stattncr in Woya und sagte ihm, er müsse Nachsuche nach falschem Goldgeld halten. Der Bauer hatte kein Arg und zeigte ihm sein Geld, dem der HerrUnter­suchungsrichter" zwei Zwanzigmarkstücke und ein Zehn­markstück entnahm mit der Angabe, die wären offenbar falsch, die müßten untersucht werden. Er ging nun mit dem Bauern nach Oberkotzau, um, wie er sagte, von da nach Hof zu fahren. Er ließ den Bauern ein- steigen, schlug die Coupäthür hinter ihm zu und weg war er und mit ihm die 50 Mk. echten Goldgeldes, die er nun wohl noch genauer untersuchen wird.

Auf dem Freiherr!. v. Grunellus'schen Hofgut Roth- Hof bei Oberlanringen, das als Musterzuchtstation der

rothgelben Frankenviehrasse anerkannt worden ist, ist dieser Tage ein Kalb geboren worden, welches das riesige Gewicht von 329 Pfund gehabt hat.

Ausland.

Pest 7. April. DerNemzet" meldet aus Rom: 41 Schüler von zwei fester Gymnasien waren unter Leitung mehrerer Professoren beim Papst. Unter den Schülern befanden sich sieben Juden. Der Papst, er­staunt über den hebräischen Typus des einen, fragte den begleitenden Priester:est confessionis mosaicae? und sprach mit den jüdischen Gymnasiasten äußerst huldvoll. Er fragte sie über ihren Aufenthalt, die Ergebnisse ihrer Studienreise und segnete dann alle, indem er betonte, daß der Segen auch den jüdischen Schülern nebst ihren zu Hause weilenden Eltern gelte. Alle Studenten waren tief ergriffen von der Güte des Papstes.

Brisbane in Australien, 11. Februar. Das ent­setzliche Unglück, das unsere schöne Stadt und ihre Um- gebiing betroffen, läßt sich jetzt in seiner ganzen Größe übersetzen. Noch niemals, so lange Australien der Cultur erschlossen ist, hat eine auch nur annähernd so furchtbare Ueberschwemmung hier stattgefunden. Am Sonnabend den 3. Morgens begannen die Einwohner der am Flusse gelegenen Stadtthcile ihre Wohnungen zu räumen, noch konnten Wagen und Karren als Transportmittel benutzt werden. Bald aber kam das Wasser mit unheimlicher Stetigkeit die Straße herab, die untersten Villen, Sägemühlen, die alten Eiswerke vci schwanden. Am Abend fuhren bereits Kähne, mit jammernden Flüchtlingen beladen, durch die Straßen. Dann kam die entsetzliche Nacht zum Sonntag. Von überall her ertönten Hülferufe und Geschrei durch die Finsterniß. Die Gasanstalt hatte ihre Thätigkeit bereits eingestellt. Am Morgen war unser schöner Brisbane- fluß bereits auf das Vierfache seiner gewöhnlichen Breite angewachsen. Die mit furchtbarer Gewalt dahin- schwßenden Wasser brachten Heuschober, todtes Vieh, Geräthe aller Art, bald trieb auch das erste Haus heran und zerschellte an der eisernen Victoriabrücke, die Nord- und Süd-Brisbane verbindet. Die Riesenketten, mit denen das große Schwimmbad befestigt war, brachen wie Hölzer; bald kamen die Häuser zu Dutzenden am Sonntag allein zählten wir 73 den Fluß herab. Daß unsere prächtige Brücke, die sich in der Ueocr- schweinmuug von 1890 sg gut bewährt hatte, auf die Dauer nicht standhalten würde, war vorauszusehen; am Montag Morgen gab sie dem ungeheuren Drucke nach und trieb in großen Trümmern dem Ocean zu. Und noch immer stieg das Wasser; dann und wann segelten ganze Inseln mit hochgewachsenen Bäumen und lebendem Vieh, das kläglich brüllte, dahin. Süd-Brisbane, bis heute wegen des reißenden Stromes mit Fahrzeug noch nicht zu erreichen, ist völlig verwüstet. Die Kunstschule, der Botanische Garten, unser Stolz, sind verschwunden. Soweit das Auge reicht ein ungeheurer See, die Eisenbahndämme durchgerissen, überall Jammer und Elend. Viele Schiffe sind auf das Ufer getrieben worden und sitzen jetzt noch hoch oben auf dem Trockenen, so in der Nähe des Luggage Point, die Dampfer Derwent und Adoris, bei der Fisherman-Jnsel das Kanonenboot Advauce, beim Pulver-Magazin Dolphin, Antone und ein großes Baggerschiff. Von der Außen- welt sind wir noch so ziemlich abgeschnitten, denn die Eisenbahn- und Telegraphenlinien sind überallhin auf weite Strecken zerstört. Die Berichte aus der Um­gegend sind noch dürftig, lauten aber trostlos, und grade die Niederlassungen unserer deutschen Landsleute sind besonders schwer betroffen. Viele Brücken, darunter be­sonders die 1874 bis 1876 erbaute eiserne Jndooroophylly- Eisenbahnbrücke, sind weggeriffen worden. Zahlreiche Menschenleben sind verloren gegangen, der Werth des zerstörten Eigenthums beziffert sich auf viele Millionen

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 11. April.

* Mit der Vertretung des zu einer militärischen Dienstleistung einberufenen Amtsrichters Herrn Zimmer­mann in Schlüchtern ist der Gerichtsassessor Herr Dr. Schemaun aus Schmalkalden beauftragt worden.

* Herr Actuar Werner aus Brotterode ist in Steinau eingetroffen, um bis auf Weiteres die Geschäfte eines Büreaugehilfen bei dem Amtsgericht daselbst zu verwalten.