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SchWernerZckung

Erscheint Mittwoch u. SamstagPreis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" Vierteljahr. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

.M 28. Semstasi, den 8. April 1893.

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^fhlhmil^i a;tf bie "Schlüchterner Zeitung" UUHyr werden noch fortwährend von allen = Postanstalten und Landbrjefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin- Die Gesamnukvsten des öffentlichen Unterrichts im Königreich Preußen werden in derStatistischenKorre­spondenz" für das Jahr 1891 aus 232,560,000 Mark berechnet, sind aber thatsächlich wohl noch um 3 bis 5 Millionen höher. Hierbei sind die Kosten für die Unterrichtsanstalten der Armee noch fortgelassen. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen 7,76 Mark für Unterrichtszwecke.

31. März. Mit dem Doweschen kugelfesten Stoff werden, wie dieKöln. Bolksztg." meldet, setzt erst hier Schießversuche mit dem Lebet Gewehr, dessen Wirkung auf die Panzer noch nicht erprobt war, angestellt. Das Blatt veröffentlicht zugleich eine Zuschrift der Berliner Kommandit-Gesellschaft Joh. Friedr. Wallmann u. Co. in Berlin, wonach Dowe diese Erfindung weder dem Herrn Reichskanzler noch der königlich preußischen oder irgend einer anderen Regierung bisher angeboten hat. Es geht hieraus hervor, wie vorsichtig alle derartigen Mittheilungen aufzunehmen sind. Es scheint jetzt ein ordentlichesWetc-Erfinden' in kng cksicheren Stoffen ausgebrochen zu sein, da von allen Seiten Nachrichten über solche Stoffe" eintreffen.

* Die Cholera scheint schon wieder auf der Wanderschaft zu sein. In der im äußersten Osten von Galizien belegenen Ortschaft Zaluese sind neulich drei Eholeratodtesfälle konstatirt worden. Die Cholera wurde aus Russisch-Wdolien dorthin eingeschleppt. In Preußen trifft man bereits Vorkehrungen im Hinblick auf Me Gefahr. einer Einschleppung. Wie man aus Marien werder schreibt, hat der dortige Regierungspräsident ungeordnet, daß jeder Arbeitgeber, in dessen Diensten russisch-polnische Arbeiter stehen, verpflichtet ist, jeden irgendwie cholcraverdächtigen Erkrankung-fall und jeden auch scheinbar unverdächtigen Todesfall unter dem ge= lammten von ihm beschäftigten Personal mit Einschluß der einheimischen Arbeiter binnen längstens zwölf Stunden bei der Ortspolizeibehörde anzuzeigen. Bei Todesfällen unter einer Arbeiterschaft, welche ganz oder zum Theil aus russisch-polnischem Personal besteht, darf die Be­erdigung vor der amtsärztlichen Feststellung der TodeS- " Ursache nicht stattfinden.

, 4. April (Die gestohlenen Osterglocken.) Daß : den Berliner Spitzbuben nichts heilig ist, beweist wieder -einmal ein Diebstahl, welcher in der Nacht zum ersten Ostenage in der katholischen St. Paulskirche zu Moabit mit ganz unglaublicher Dreistigkeit ausgeführt ist. Gegen 6 Uhr Morgens am ersten Feiertage wollten dte Brüder der Dominikanermönche das Osterfest einläuten; aber L das Geläut, welches aus zwei mehrere Zentner wiegenden Glocken besteht, war verschwunden. So unglaublich ein Diebstahl im ersten Augenblicke erschien, so ließen untrügliche Spuren doch bald keinen Zweifel mehr be­stehen. Wir müssen vorausschicken, daß die alte St. Paulskirche abgebrochen ist und daß die Glocken noch nicht im Thurme des neu erbauten Gotteshauses ihren Platz gefunden haben; sie hingen einstweilen an einem aus Balken und Eisenwerk erbauten Glockenstuhle, so daß sie wenige Zoll über dem Erdboden schwangen. Dieses Balkengerüst war auf dem von einem Bauzaun umgebenen Kirchplatze errichtet. Bon hier aus erschollen ihre Stimmen, um die Andächtigen zu dem Besuche einer provisorisch errichteten Kapelle einzuladen. Die Diebe haben mit Leichtigkeit den Bauzaun überstiegen. Wie es aber möglich gewesen ist, die Glocken ohne auf­fallendes Geräusch aus ihrem Lager zu heben, ist vor­läufig noch nicht aufgeklärt. Ungefähr zwanzig Schritte vom Orte der That befindet sich das Dominikanerkloster und keiner der Bewohner desselben hat in der betreffenden Nacht irgend welche verdächtige Thätigkeit auf dem Bauplatze bemerkt. Von der Straße aus konnte von dem Diebstahl nichts gesehen werden, denn die Diebe sind von der Rückseite von freiem Felde aus ein gedrungen. Die gestohlenen Glocken müssen zuerst, so ergaben die Spuren, auf Karren fortgeschafft und dann auf einen bereitgehaltenen Wagen verladen worden sein. Dabei ist ein breiter Thorweg benutzt worden. Von den Dieben und ihrer Beute fehlt bis jetzt jede Spur.

Schlitz, 5. April. Nach glaubhaften Mittheilungen wird im hiesigen Schlosse auch dieses Jahr wieder der Kaiser zu zweitägigem Besuche der gräflich Görtz'schen Familie mit Bestimmtheit erwartet. Die Ankunft Sr. Majestät ist zwar nach Tag und Stunde noch nicht festgesetzt; jedenfalls wird sie aber, früherer Gepflogen heit gemäß, in die Zeit der AUerhahnbalz, also in die erste Hälfte des Monats Mai fallen.

Libau, 18. März. Gestern Abend traf hier eine aus etwa 100 Köpfen bestehende Schaar deutscher Kolonisten aus dem Ssaratow'schen Gouvernement ein, die sich nach dem Aufgehen des Eises nach Amerika be- geben will. Eine Anzahl ganz kleiner Kinder macht die beschwerliche Reise mit. Die Leute machen einen ernsten und anständigen Eindruck. Die Tracht der j Männer ist mehr deutsch, die der Frauen und Mädchen mit ihren das Gesicht fast verhüllenden Kopftüchern mehr russisch, die sehr sauber gekleideten Kinderchen mit den anseinandergescheitelten und glatt gebürsteten Haaren nehmen sich wieder unverfälscht deutsch aus. Der Dialeet ist schwäbisch. Die Leute erzählen, daß besonders nach dem Nothstandsjahr das Elend in den Walgacolonien sehr groß geworben sei. Es würde vielleicht die Hälfte aller Kolonisten auswanderu, wenn die Meisten nicht außer Stande wären, die Reisekosten aufzubringeu. Die kleine Schaar begibt sich größtentheils nach Kansas, einzelne nach anderen Gegenden, wo sie voransgewauderte Verwandte und Freunde vorfinden.

Hagen, 29. März. Eine der Verwüstungen welche die Hochfluten der Ruhr Ende November 1890 am richteten, war die Vernichtung der Westhofener Eisenbahn- brücke zwischen Schwerte und Hagen, unterhalb der Hohensyburg. In Folge dieser Katastrophe wurden die "Gegenden ausgedehnten Wiesenländereien, die als Weiden beuntzt werden, furchtbar verwüstet. In dem wegen Schadenersatz angestrengten Processe ist der Eisenbahnfisens vom hiesigen Landgericht nach der Ver­nehmung von sieben Gutachtern und eines Obmannes, hierzu verurtheilt worden. Das Gericht hat angenommen, daß dieser Schaden durch verschiedene beim Brückenbau gemachte Baufehler verursacht und der FiSeus deshalb dafür verantwortlich sei; bei Herstellung dieser Brücke hätte man dem Umstände nicht genügend Rechnung ge­tragen, daß Ruhr und Leune, die dicht oberhalb der Brücke sich vereinigen, häufig Hochwasser hätten. Der Einwand, die diesmalige Hochfluth habe die früheren überstiegen, hat die Verurtheilung nicht abwenden können.

Gießen, 3. April. Ein richtiges Gaunerstückcheu verübte ein Men'ch von etwa 30 Jahren. Er stellte sich als armer, arbeitsloser Dachdecker vor und bat, da er auf dem Dach einige Schäden entdeckt haben wollte, um Auftrag zur Reparatur. Dieser Auftrag wurde auch ertheilt, aber anstatt aufs Dach zu steigen, besah er sich die innere Einrichtung des Hauses und, da ihm gerade eine goldene Damenuhr zu Gesicht kam, so machte er sich nichts daraus, diese mitgeben zu heißen. Und für die prompte Ausführung dieser That ließ er sich auch noch fürReparaturkvsten" 85 Pfg, zahlen. Bis jetzt ist der Spitzbube «och nicht ergriffen.

Stuttgart, 31. März. Folgendes Geschichtchen vom Jnfluenzabazillus im Seifenwasser wird aus Nagold von dem Hiesigen Beobachter berichtet:Hurrah, der Sieg ist unser," schrieb ein Nagolder Seminarist auf einer Postkarte an einen Zögling des Eßlinger Seminars. Da aber dieses Seminar, wie auch das Nagolder, wegen heftigen Auftretens der Influenza geschlossen worden war, fiel die Karte in des Rektors Hände. Nichts Gutes ahnend, schickte er sie seinem Kollegen nach Nagold und jetzt kam die ganze Geschichte heraus. ... Der Oberstabsarzt von Nagold hatte viel zu schaffen im Seminar, ein Zögling nach dem anderen wurde krank, schwer krank. Das Erbrechen mehrte sich angsterregend. Herr Doktor, der Schwindel wird immer größer," klagt einer der Patienten, und der würdige Anstaltsarzt wiegt bedenklich sein fachmännisches Haupt.Ja, er wird immer ärger; man muß die Anstalt schließen." Und so geschah's; die Jungen hatten ihre Ferien mitten im angestrengten Semester und waren kaum in die heimathliche Luft versetzt so gesund wie die Fische im Wasser; denn sie tranken, daheim kein Seifen- Wasser mehr. Was kein Verstand der Verständigen sah, war den Nagolder Seminaristen gelungen: sie hatten den Krankheitserreger der Influenza im Seifenwasser

entdeckt und gläser- und literwcis dasselbe getrunken, auch in brüderlicher Liebe das unfehlbare Rezept an die Gefangenen" zu Eßlingen versandt. Als sie aber wieder eingesogen waren in die Seminarhallen, kamen die Strafen hageldicht über die jugendlichen Sünder, welche dem Physikus und den Anstaltsvätern dergestalt eine Nase gedreht hatten. Einige wurden ausgestoßen, wieder andern wurden je 20 Mark von ihren Staatsstipendien entzogen, womit allerdings die unschuldigen Väter ge­straft wurden, was aber der rektoratlichen Pädagogik nicht auffiel. Im ganzen wurden 6 bis 700 Stunden Karzer verhängt und der Oberamtsarzt in Nagold züchtet nun, wie Spötter sagen, den Jnfluenza-Bacillus im Seifenwasser.

Ausland.

Londsn, 6. April. Das Ministerium des Innern Hat die Sanitätsbehörden der englischen Häfen davon benachrichtigt, daß nach einem Bericht des englischen Konsuls in Brest seit dem 22. März in Lorient 51 Todesfälle an Cholera festgestellt seien.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 7. April.

* Bestätigt wurde die Wahl des Büreaugchilfen Philipp Fink in Steinau zum Bürgermeister der Stadt Steinau auf die Dauer von 8 Jahren.

* H Herr Aktuar Schaefer von Hanau ist zum Assistenten bei dem Kgl. Amtsgericht zu Schwarzenfels bestellt worden.

Reichsgerichtsentscheidungen. Eine unter falschem Namen schriftlich erstattete Strafanzeige gegen einen Anderen wegen einer strafbaren Handlung an den StaatSa r alt ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, als Urkundenfälschung zu bestrafen, selbst' wenn der Inhalt der Anzeige auf Wahrheit beruht. Drängt Jemand in Ausübung seines Hansrechts einen Eindring­ling hinaus nach der Treppe, und fällt demzufolge dieser, allerdings gegen die Absicht des Hinausdrängenden, die Treppe hinunter und verunglückt, so ist der Thäter, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, wegen fahrlässiger Tödtung beziehungsweise Körperverletzung zu bestrafen.

* Eine Erschwerung der Wohlthätigkeit ist eine Entscheidung des Kammergerichts zu nennen, die laut demReichsböten" von den Königlichen Regierungen den unteren Behörden zur Kenntniß gebracht wird. Danachfällt jede Einsammlung freiwilliger Gaben und Beisteuern zu einem bestimmten Zwecke, gleichviel wie und zu welchem Zweck sie erfolgt, unter den Begriff Kollekte". Die Veranstaltung freiwilliger Teller- Sammlungen aller Art und Form, also auch die Er­hebung eines freiwilligen Eintrittsgeldes oder eines solchen von beliebiger Höhe bei öffentlichen Versamm­lungen ist daher als Veranstaltung einer öffentlichen, der Genehmigung des Oberprüsidcnteu bedürfenden Kol­lekte anzusehen, ebenso eine in öffentlichen Blättern er­folgende Aufforderung, zu einem bestimmten Zweck (z. B. für eine Wahl-Agitation) freiwillige Spenden von be­liebiger Höhe beiznsteuern. Gegen die Veranstalter solcher Sammlungen ist, wenn sie den Nachweis der Genehmigung nicht zu erbringen vermögen, strafend vorzugehen." Es ist kaum zu glauben, daß diese Nach­richt richtig sei; denn bann würde nicht nur die politische Agitation, sondern vor Allem die Wohlthätigkeit derart erschwert, daß alle guten Zwecke den empfindlichsten Schaden leiden müßten.

* Der diesjährige Verbandstag der hessischen Feuerwehren wird in Witzenhausen tagen und ist die Zeit hierfür vorläufig auf den 8. und 9. Juli festgesetzt.

In Wächtersbach war im Hause des Kaufmanns Reifschneider Feuer ausgebrocheN, welches durch starken Wind begünstigt, so schnell um sich griff, daß im Nu der ganze Dachstuhl in Flammen stand und auch total abbrannte. Die Entstehungsursache ist bis jetzt noch nicht genau bekannt, doch wird dieselbe mit dem kurz vorher erfolgten Äusbrennen des Schornsteins in Zu­sammenhang gebracht. Ob sich diese Vermuthung be­stätigt, wird chic eingeleitete Untersuchung ergeben.

Birsteiu, 30. März. Dem Hofmarsch all Seiner Durchlaucht des Fürsten, Kaiser!, und Königl. Oester­reich. Kammerherrn Freiherrn Friedrich von Oer dahier, wurde aus Anlaß seines Löjährigen Dienstjubiläums von Seiner Heiligkeit dem Papste das Großkreuz des Gregor-