Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familiensreund" vierteljührl. 1 Mk. Anzeigen kosten bie kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Samstag, den 1. April

IfoftdhttiflMi auf btc »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ------------------------- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Ostern.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche", und die Osterglocken klingen durchs Land. Es wird nicht Viele geben, denen bei dem festlichen Ton an dem fest­lichen Tage nicht ein höheres Gefühl die Brust schwellt. Leben überall! Goethe Hatts meisterlich beschrieben in seinem Faust, das fröhliche Gewimmel vor den Thoren der Stadt nach der langen Winternacht in den dumpfen Straßen und zwischen den Häusern. Und wie ist es doch anders geworden, seit Doktor Faust so einherschritt und sich als ein Mensch unter Menschen fühlte, und auch seit des Altmeisters Goethe eigenen Tagen! Wieviel städtischer ist die Menschheit doch geworden, und wie seufzen wir oft, daß uns die Giebel schier erdrücken wollen. Und doch ist die Stadt für die meisten ein Magnet, und die großen Mittelpunkte des modernen Verkehrs ziehen immer neue Tausende in den Zauber­bannkreis ihrer Mauern. Aber am Ostertag fällts doch vielen aufs Herz, daß unseres Gottes Hausrath viel reicher ist als Ziegel und Schornsteine das ahnen lassen, und daß wir verarmen können mitten in der reichen Stadt. Darum treibts uns hinaus in das Sonnenlicht und in den sprossenden Frühling.

So tief liegt es in des Menschen Natur, dabei dankbar und bittend nach oben zu blicken, daß es ein Osterfest gab, lange ehe der christliche Osterklang durchs Land zog. Von dem Feste zu Ehren der Frühlingsgöttin Ostara stammen noch heute die fröhlichen Bräuche der Osterfeuer und Ostereier und manche andere in unseren deutschen Gauen. An dem allen wollen wir uns auch heute noch freuen. Aber die christlichen Osterglocken haben doch einen höheren Ton angestimmt. Was hilft uns die ganze blühende Welt, wenn sie morgen wieder in Staub zerfällt? Den Doktor Faust verfolgte vom Osterspaziergang her der Pudel ins Haus, und in dem Pudel verborgen der böse Geist der Verneinung und des Zweifels, Mephisto, der noch am Abend des heiligen TageS zu ihm sprach:Ich bin der Geist, der stets verneint, und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist werth, daß es zu Grunde geht." Aber es ist etwas in uns, das gegen diesen Hohn protestirt und nach dem was ewig ist, sehnend die Hände ausstreckt.

Gott sei Dank, daß die Osterglocken durch das Land läuten: Christ ist erstanden! Das Leben dessen, der uns gezeigt hat, was Liebe ist, hat nicht am Kreuze und im Grabe geendet, sondern hat den Tod überwunden und eine verklärte Welt uns geöffnet. Er lebt, und wir sollen mit ihm leben und zum ewigen Frieden kommen. Möchte unser Volk froh werden solcher Oster- hosfnung und nicht zweifeln, daß auch dnrch Dunkel hindurch der Weg zum Siege geht, wenn wir nur Treue halten und an die treue Hand unseres Heilandes uns klammern.

Das ist der rechte Frühlingstag, Der dieser Welt verliehen.

Die in des Todes Banden lag, Bringt Christ zum ew'gen Blühen.

Deß jauchzet Erd' uud Himmelszelt,

Die ganze blüthenreiche Welt:

Der Winter ist vergangen!

Der Herr ist auserstanden!" das ist der Gruß, mit dem man in der Griechischen Kirche einander am Ostermorgen begrüßt, und der Gegengruß lautet:Er ist wahrhaftig aufcrstandcn!" Damit erhält der Tag und das Tagesleben seine festliche Weihe.

Diesen Ostergruß kennt unsere Volkssitte nicht. Alles aber, was uns von Osterbräuchen geblieben ist, weist hin auf das aus dem Tode erstehende Leben, auf Lebenserneuerung, und wird zum Sinnbilde eines aus dem Grabe des Winters sich emporringenden neuen Frühlings. Auferstehung! Das ist die große, wunderherrliche Osterpredigt.Christ ist erstanden. von der Marter alle, deß sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein" das war der Gesang, mit dem unsere Voreltern einst am Ostermorgen zur Früh­wette über die Friedhöfe zogen, ein Trostgesang für die Trauernden, ein Hoffnungsruf für die dem Sterben kntgegenwandelnden Lebenden. Ist die kurze, von

j Schmerzen erfüllte Spanne des Diesseits ver ganze Inhalt des Lebens, und der Staub und Moder des Grabes sein Abschluß, dann sind wir bettelarm, und wenn wir steinreich wären. Wohl uns, daß Christus, der vom Tode Auferstandene, uns der Bürge einer Gottesliebe ist, die uns die Erde mit ihren Kämpfen und Dornen zu einem Vorhofe des Himmelreiches und den Tod zur Pforte der Herrlichkeit und der Vollendung macht. Jeder Klang der Osterglocken will uns ein ernster und froher Mahnruf sein. Ein in Waldesnncht verirrtes Kind wurde wie eine sinnige Geschichte erzäht durch den heimathlichen Glockenton den Weg nach Hause geführt. So wollen die Osterglocken uns von unserer wahren Heimath trostvolle Kunde bringen. Osterglocken singenLieder ohne Worte." Wer sie deuten will, hat für ihren Text nur die Worte: Leben, Trost, Hoffnung! Sei uns Allen ein frohes Ostern bereitet!

Vom Bund der Landwirthe.

Der Vorstand des Bundes versendet noch einmal eineKlarstellung der Tendenz des Bundes", in der er Folgendes sagt:

Immer aufs Neue werden von den Gegnern des Bundes Zweifel darüber angeregt, ob Parteipolitik dem Bunde fern gehalten werde. Da nach Aeußerungen unserer Freunde Gefahr vorhanden ist, daß diese bos­haften Einflüsternngcn der uns feindseligen Presse auch in Kreisen von Landwirtheu, welche noch keine aus­reichende Kenntniß von unseren Bestrebungen besitzen, Glauben finden könnten, sehen wir uns veranlaßt, zu wiederholen, daß derBund der Landwirthe" eine Ver­einigung zur Wahrung der allen Laudwirthen Deutsch­lands gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen ist. Der Bund ist demnach nur wirthschaftspolitisch, nicht aber parteipolitisch. Ja es ist dieses gerade das Neue, daß der Bund die Mitglieder aller Parteien der Parlamente zusamenschließen will, welche entschlossen sind, die Lebens­interessen der Landwirthschaft zu schützen. Der Bund der Landwirthe wird sich daher weder von der konservativen, noch von der antisemitischen, noch von der freisinnigen oder einer anderen Partei ins Schlepptau nehmen lassen, sondern sich auf seine eignen Füße stellen. Er muß sich von Fall zu Fall vorbehalten, für welchen Wahlkandi­daten er stimmen will. Es wird das sich entscheiden nach der Stellung, welche der betr. Kandidat zu den Fragen cinnimmt, die für die Landwirthschaft von all­gemeiner ausschlaggebender Bedeutung finb.

Auf Ansuchen des landwirthschaftlichen Kreisvereins bringen wir das Referat des Herrn Gutsbesitzer M a y zu Sannerz über seine Theilnahme als Delegirter bei der Versammlung der deutschen Landwirthe am 18. Februar in Berlin nachstehend wörtlich zum Abdruck:

Die Neugründung des Bundes der Landwirthe er­folgte am 18. Februar 1893 in der großen Tivoli- Versammlung zu Berlin. Es ist diese Gründung zu­nächst einem Aufrufe eines gewissen Herrn Rupprecht aus Schlesien, veranlaßt durch die Gesammt-Nothlage der Landwirthschaft Deutschlands, zu verdanken. Eine große Menge deutscher Landwirthe leistete diesem General-Apell Folge, wohl in Stärke von über reichlich 10,000 Mann. Um nun allen Theilnehmern der Ver­sammlung dir Ziele des Bundes deutscher Landwirthe, sowie auch dessen Programm an Händen zu erhalten, Mußten mehrere Sitzungen abgehalten werden. Die erschienenen Delegirten und Landwirthe aus allen Theilen Deutschlands wurden von dem Vorstands-Comitee resp, dem Vorsitzenden des deutschen Bauernvereins Herrn von Plötz auf's herzlichste begrüßt und willkommen ge­heißen. Nachdem ein solennes Hoch auf Kaiser Wilhelm II. und demnächst ein Begrüßungstelegramm an Se. Majestät abgesandt wurde, schritt man zur Tagesordnung über.

Herr von Plötz referirte alsdann in sehr ausführ­licher Weise über die innere und äußere Nothlage der Gesammtlandwirthschaft Deutschlands, und hob, um sich möglichst kurz zu fassen besonders hervor, daß unsere heutige Gesetzgebung die Interessen der Landwirthschaft nebst deren Nebengewerbe nicht in gleicher Weise wie die von Industrie und Handelsstand vertritt. Um dieses zu erreichen, sei es nöthig, keine Parteipolitik, sondern vereinigte Wirthschaftspolitik zu treiben. Diese letztere soll aber nicht dazu dienen, Handel und Industrie, wie.

es von gegnerischer Seite aufgestellt zu werden pflegt, zu zerstören oder wie man sagt, in ihren berechtigten Ansprüchen zu kurz zu bringen, nein im Gegentheil Beide zu fördern zugleich mit den Interessen der Land- wtrthschaft. Und wie macht man das, meine Herren?

Sorgen wir in Zukunft besser dafür, daß bei den Wahlen nur Männer in die Parlamente geschickt werden, welche offen Farbe bekennen und sich bereit erklären, ohne Rücksicht auf ihre sonstige politische Richtung für eine Vereinigung wirthschastlicher Interessen einzutreten. Denn nur der vereinten geschlossenen Macht von landwirthschaftlichen Fach- und Berufsgenossen dürfte es gelingen, den der Landwirthschaft zu kommenden und berechtigten Einfluß im Staatswesen respective Gesetz­gebung auszuüben. Ferner wurde von Herrn Rupprecht erläutert, von welch' großer Bedeutung es sei, eine einheitliche Presse zu beschaffen. Denn, meine Herren, welche Macht heute die Presse ausübt, in welcher be­stimmenden Weise sie auf die politischen und socialen Anschauungen der Menschen und Völker einwirkt, ist hinlänglich und sattsam bekannt. Deßhalb auf keine Zei­tungen in Zukunft mehr abonnirt, die uns deutschen Land­wirthen feindlich gegenüberstehen. Denn meine Herren, wir deutsche Landwirthe und Bauern tragen selbst viel Schuld daran, daß es so ist, vermöge unserer Lässigkeit, Gleichgültigkeit, Latschheit. Die Folge war, daß es öfter und häufig vorkam, daß der deutsche Bauer, wie auch der Abgeordnete Bauernvertreter Herr Lutz aus Baiern mittheilte, es hat fehlen lassen an Arbeit und treuem geschlossenem Zusammenhalt auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens und Politik und viele Bauern bewußt oder unbewußt ihre Stimmen bei den Wahlen zu Gunsten des Freihandels abgaben, mithin ihren eigenen Metzger selber wählten. Ferner wurde referirt über die heutige Schutzzollpolitik und Anträge beschlossen, ' an den Bundesrath sowie auch an den Reichstag, so lange unter allen Umständen von einem etwaigen deutsch- russischen Handelsverträge wie auch mit Rumänien ab- zuschen, bis es den erwähnten Staaten gelungen sei, erst ihre Valuta auf eine feste Basis zu stellen, auch den Differenzialzoll Rußland gegenüber in Höhe von 15 Mark pro 1000 Kilo aufrecht zu erhalten. Mit einem Fallen dieses Zolles würde die Katastrophe ein­treten, unser Vaterland mit unterwerthigem schlechten russischen Roggen zu überfluthen und nicht allein die Produzenten wie auch die Consumenten schwer zu schä­digen. Dann sei noch besonders hervorzuheben, daß endlich der maßlosen Speculation gerade in russischem Roggen in Combination mit der Speculation mit rus- sichen Rubelnoten an der Berliner Börse nicht Thür und Thor geöffnet werde, was sehr wahrscheinlich, wenn besagter Differenzialzoll wegfallen würde. Eine noch größere Calamitüt dürfte aber über Deutschland demnächst hereinbrechen, durch die in Bälde eintretende Concurrenz der russischen Vieherzeugung und deren Ausfuhr. Was bereits die russische Vieh-Einfuhr gerade über Deutschland bereits schon für Schäden abgeladen, geht nach Millionen. Dasselbe sehen wir bei dem Vertrage mit Oesterreich- Ungarn, Italien zc., wo auf mangelhafte Art und Weise das Viehseuchengesetz zur Zeit noch besteht und sich Krankheiten eingeschlichen haben, die so zu sagen, stationär geworden sind unter dem Rindviehbestande Deutschlands. Selbst die Industrie dürfte bei einem etwaigen deutsch-russischen Handelsverträge wenig zu ihren Gunsten erreichen, da Rußland in den letzten Jahren sich auf industriellem Gebiete ganz enorm empor­geschwungen hat. Ferner wurde referirt über die Spiritus-Industrie. Was das Brennereigewerbe an­belangt, so 'ist dasselbe so zu sagen, bis zur äußersten Grenze der Besteuerung angelangt. Hierbei dürfte es vorkommen, daß der Großbrenner, Großkapitalist, noch einige Vortheile aufzuweisen habe, während der rein landwirthschaftliche kleinere Brenner öfters mit Verlust seine Rohproducte verarbeite und infolge Mn- stellens seiner Brennerei seinen jeweiligen Viehstapel schwer schädige. Baierns Regierung hat an der Hand von statistischem Material infolge von Subhastionen die Steuer bei einem rein landwirthschaftlichen Betriebe bereits um 15 Mark pro Hcctoliter herabgesetzt und wurde der Wunsch laut, den Antrag zu stellen, daß es in Preußen und den verbündeten Staaten die gleiche Vergünstigung zu Theil werde. Dann begrüßte Herr Stöcker die Versammlung und stellte dieselbe in Parallele mit der deutschen Eiche, deren Stamm tief in der Erde