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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familimfreund" Vierteljahr!. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg
n ............." Mittwoch, den 29?März" .......- 1893.
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K^M^ „ScfiiücMerncr Zeitung"
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Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat, wie aus Hofkreisen verlautet, Veranlassung genommen, sich über die jüngsten parlamentarischen Vorgänge zu äußern und seiner Befriedigung Ausdruck gegeben über die prompte Justiz des Reichstags. Nach einer Nachricht des „Abd." soll der Monarch geäußert haben, es handle sich weniger um eine Frage der Politik, als der Sittlichkeit, über welche es Gottlob im deutschen Reiche keine Meinungsverschiedenheit gebe.
— Der Reichstagsabgeordnete Ahlwardt hat in voriger Woche im Reichstage einen Skandal provocirt, der noch nicht dagewesen ist. Ahlwardt behauptete, er könne Beweise vorlegen, welche Mitglieder des Reichstages, hohe Staatsbeamte, die bereits außer Dienst und solche, welche noch im Dienst, schwer kompromittirten. Auf solche Anschuldigungen hin beschloß der Reichstag einstimmig, die Sitzung zu vertagen und dem Abg. Ahlwardt aufzugcbcn, die Beweise zu schaffen. In der Sitzung vom 22. d. erstattete nun die Vertrauenskommission den Bericht und erklärte, daß die vorgelegten - Beweisstücke durchaus nichts enthalten, was die Behauptungen Ahlwardts unterstütze oder was frühere oder gegenwärtige Mitglieder des Reichstages, der Reichsregierungs oder der deutschen Landesregierungen zum mindesten belaste. Ahlwardt wurde mit Zischen empfangen. Daß über diesen Zwischenfall eine allgemeine Aufregung herrscht, läßt sich leicht begreifen, denn solche Beschuldigungen ohne Beweise sind im Reichstage noch nicht ausgesprochen worden.
— Der kommandirende General der Berliner Garden, General von Meerscheidt-Hüllessem, will im Hinblick auf sein hohes Alter ans dem aktiven Dienst scheiden. Als sein Amtsnachfolger wird der heutige Kommandeur des dritten Armeekorps, Generallieutennnt von Versen genannt.
— Der preußische Kultusminister hat die bisherige reversalische Verpflichtung der Volksschulamtskandidaten, eine Stelle in dem Bezirk, in welchem sie ansgebildet sind, drei Jahre hindurch zu übernehmen, auf 5 Jahre erhöht. Einen Schritt weiter geht nunmehr die schleswiger Regierung. Sie verfügt, daß innerhalb dieser Zeit auch jeder Stellenwechsel innerhalb des Bezirks dem betreffenden Lehrer nur nach vorheriger Zustimmung der Regierung gestattet sein soll.
C-l», 24. März. Die neu gefundene Kohle in der | Eifel ist vom Oberbergrath Dr. Dicsterweg als devonische Anthracitkohle erkannt, welche auch Schwefelkies führt. Derartige Kohle ist bisher in England abgebaut, aber in Deutschland noch nicht gefunden worden.
Darmstadt, 19. März. Die zweite Kammer billigte den Jnitiativgcsetzentwnrf wegen facultativer Feuerbestattung, wenn urkundliche Bestimmung des Verlebten vorliegt, mit allen gegen vier Stimmen,
Aus dem KreiS Offenbach, 23. März. In dem diesseitigen Kreis werden demnächst 4 Kreiskrankenhäuser in s Leben treten, und zwar wird eins, wie schon früher gemeldet, nach Seligenstadt, die übrigen nach Langen, Groß-Steinheim und Ncu-Jsenburg zu stehen kommen. Das hierzu forderliche Gelände ist bereits größtentheils angekauft, so daß mit den Bauarbeiten in aller Kürze wird begonnen werden können. Außerdem ist die Errichtung einer Krcissiechenanstalt und einer Kreiserzichungsanstalt in Aussicht genommen.
, Mannheim, 21. März. Hiesige und auswärtige Blätter beschäftigen sich seit einiger Zeit mit der „epochemachenden Erfindung" des Schneidermeisters Dowe, die bezweckt, ihren Träger gegen Gewehrkugeln zu sichern. Es handelt sich um eine Art Schutzpanzer, der etwa 6 Pfund schwer ist und den Leib des Soldaten deckt, indem er über den Uniformrock geknöpft wird. Der Panzer besteht aus Stoff, die Füllung ist Ge-
heimniß des Erfinders. Die Versuche, die bei der 10. Kompagnie des hiesigen Grenadier-Regiments vorgenommen wurden, sollen gute Resultate ergeben haben. Sie wurden nach der , N. B. Laudesztg." auf 400 Meter Distanz vorgenommen. Geschossen wurde von Unter- offizierni. Es war aus Holz eine vollständige Figur eines L-oldaten konstruirt, auf welcher der Schutzpanzer befestigt war. Unter den abgegebenen Schüssen waren verschiedene Treffer, aber keines der Geschosse konnte durch den Stoff dringen. Trotzdem die neuen Geschosse bekanntlich mit einem Stahlmantel umgeben sind, blieben sie platt gedrückt in der Masse fitzen. Der Soldat würde also durch die Kugel vielleicht umgeworfen, aber nicht verwundet, vorausgesetzt, daß dieKugel den Schutz- panzer und nicht ungeschützte Körpertheile trifft. Ob die Erfindung thatsächlich von praktischem Werth ist, haben wohl erst weitere Versuche zu ergeben; aber auch dann würde die Massenfabrikation Mittel finben, die Schutzwirkung dieses „Panzers" aufzuheben.
Karlsruhe, 22. März Der 23jährige Schlosser Friedrich Weyell, der im verflossenen Juli bert Holz- Händler Schneider von Freijolzheim ermordet hat, wurde heute Morgen 7 Uhr durch den Scharfrichter Müller I von Ladenburg mittels Fallbeil enthauptet. Der Mörder zeigte sich bis bis zum letzten Angenblick roh und cynisch.
Aus Thüringen, 23. März. S. M. der Kaiser hat jetzt (wie bereits im Herbst 1890 dem Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode) den beiden regierenden Grafen Alfred zu Stolberg-Stolberg und Botho zn Stolberg- Roßla auf deren Ansuchen die Genehmigung zur Führung des Fürstentitels und des Prädikats „Durchlaucht" erteilt. Kaiser Karl VIL hatte schon am 18. Februar 1742 den Grafen Friedrich Karl zu Stolberg- Gederu (das Haupt der wettcrau'schen Nebenlinie des Stolberg-Wernigeröder Grafenhauses) und sein Haus, welches 1804 ausgestorben ist, in den Reichsfürstenstand erhoben.
In einer jüngst vor dem Schwurgericht in Meiningen stattgchabtcn Verhandlung hat ein älterer erfahrener und wissenschaftlich hochstehender Arzt in dem von ihm gelegentlich einer Körperverletzung mit nachgefolgtem Tod abgegebenen Gutachten bemerkt, daß durch die Einwirkung von Schlägen auf die Brust, die Brnstseiten und den Rücken leicht Rippenfell- und Lungenentzündung eintreten, die den Tod zur Folge haben können. Das sei besonders häufig bei Kindern der Fall, wenn diese mit Stöcken oder sonst durch Schläge auf die genannten Körpertheile zu scharf gezüchtigt würden. Diese Thatsache ist auch der Grund, warum die Lehrer fast allenthalben angewiesen sind, die Züchtigung nur mit dünnen Ruthen zu vollziehen und nur gegen einen gewissen Körpertheil des Kindes zu richten. Wenn man oft auf den Straßen sieht, in welch' barbarischer Weise Kinder von ihren Eltern mit Stöcken und durch Schläge auf alle Theile des Körpers gezüchtigt werden, so braucht man sich nicht zu wundern, daß so viele Kinder an Rippenfell- und Lungenentzündung sterben. Da im Publikum die Folgen saldier Züchtigungen nur wenig bekannt sein dürften, erscheint es dem Einsender geboten, hier darauf hinzuwciscu.
Grimma 23. März. Vier Kinder aus Trebsen
AuLland
Paris, 21. März. Bei dem Brand eines Spiritnslagers in San Sebastian sind 2ö Personen umgekommen.
Christiania, 20. März. In dem Verhör der Matrosen von der „Thekia behaupteten diese übereinstirumend, daß der getödtete und verzehrte Holländer ihnen gestattet habe, ihn zu schlachten, nachdem er zwei Mal durch das Loos als Opfer bezeichnet worden war. Zwei Aerzte wurden mit der Untersuchung des Geisteszustandes der Matrosen beauftragt. Das Gericht sprach nach längerer Verhandlung die beiden Malrosen frei und entließ sie sofort aus der Haft.
In Mad iü hat endlich am 18. d. Mts. die in Folge der Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber den Agitationen des katholischen Klerus wiederholt aufge« schvbcne Einweihung der neuen evangelischen Kirche stattgefunden. Die Regierung hatte eiugcsclpn, daß sie jedenfalls vor der Eröffnung der Cortes die Einwilligung geben mußte, wenn sie sich nicht heftigen Angriffen wegen Verletzung der Verfassung aussetzen wollte. Die Feier verlief in größter Ruhe und Ordnung, obwohl ein ultramontanes Blatt gegen die Protestanten hetzende Flugblätter unter der Menge in der Straße »ertheilt hatte. Bekanntlich hatte auch der britische Botschafter in der Angelegenheit intervenirt.
Niwyark, 24. März. Ein Telegramm des „New- Aork Herold" aus Panama berichtet von einem außergewöhnlichem Naturereigniß in Columdien. Darnach wäre der in der Nähe der Stadt Popayan gelegene Berg Cruiz Loma plötzlich verschwunden. Nachdem schon seit mehreren Tagen beunruhigende unterirdijche Geräusche gehört worden wären, hätte sich der Berg plötzlich gespalten und sei zusammenuLskürzt, während ungeheure Massen von Erde in die Luft geschleudert worden seien, welche sich dann über die benachbarte Landschaft aus- gebreitet und dadurch mehrere Flüsse im Laufe gehemmt hätten. Etwa 10 bis 12 Menschen wären dabei um's Leben gekommen, auch seien einige Hundert Stück Vieh verloren gegangen.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern 28. März.
* — Gegenwärtig durchziehen Händler mit Obst- bäumen die Provinz, sie verkaufen das Stück von 50 bis 70 Pfg. Daß diese Bäume nicht veredelt sind, ist handgreiflich, denn wer schon in einer ordentlichen Baumschule war, der weiß, daß für solche Preise kein veredelter Baum zu züchten ist. Die Leute aber gehen nur darauf „aus, billig kaufen zu können, später haben sie aber doch den Schaden davon, wie dies die Erfahrung schon oft gelehrt hat. Es wird deshalb vor dem Ankauf solcher Bäume gewarnt, weil sie oft wochenlang umhergetragen werden, wodurch die Snugwurzeln vertrocknen und deshalb die Bäumchen sehr schwer Angehen. Man kaufe nur starke Bäume aus einer guten Baumschule, welche dann auch frühzeitig tragen und wo man weiß, daß sie veredelt sind und welche Sorten man hat.
* — Mit dem christlichen Osterfeste fällt in diesem Jahre das israelitische Passah- (Öfter-) Fest zusammen. Die Haupttage des letzteren fallen auf den 1. und 8. April, während das christliche Osterfest am 2. April gefeiert wird.
* — Zur Vorsicht mahnt folgender Fall, der einem kräftigen Manne das Leben kostete. Viele Leute haben die Gewohnheit, auf offene Wunden ein Pechpflaster zu kleben; namentlich geschieht das in der ländlichen Bevölkerung. Ein Arbeitsmann in Zehlendorf bei Berlin hatte ebenfalls eine anfangs unbedeutende Wunde mit Pech zugeklebt; bald stellte sich Entzündung ein, und als der Arzt endlich zugczogcn wurde, ordnete derselbe wegen hochgradiger Blutvergiftung sofortige Ueberführung nach einem Berliner Krankenhause an. Dort ist ist der Acrmstc unter qualvollen Leiden
genossen die Wurzeln des Wasserschierlings, die sie für |..... ~V1 Calmus oder Sellerie hielten. Ein neunjähriger5 gestorben. Knabe starb kurz darauf, die andern drei Kinder hofft!
man zu letten. om. v» uer «lange
^kipzig, ich Mulz. Ueber da. Vermögen bed. ist es nöthig, die Küsten auch in der richtigen Sbölie Weinhündleis Kietschmar, bei das gräßliche Brand- anznbriugcn, wenn die Vögel dieselben benutzen sollen. Unglück auf dem Neumarkt, über das seiner Zeit aus- Die Küsten der nützlichen Meisen befestigt man an fuhrlich berichtet wurde, verschuldet Hai, ist Contürs Picht zu großen Bäumen, 3 bis 5 Meter hoch wenn erklärt worden. Gegen, Kretschmar schweben zahlreiche möglich im Gebüsche. Die Küsten für Staare, Bach- von vci schiedcnen Familien eingeleitete Civilklagen wegen stelzen, Wendehälse werden an großen Bäumen, 7—8 Betäubung des Ei näht erS. j Meter hoch, angebracht, die Kästchen für Rothschwünzchen
* — Die Nistkästen für unsere Vogelwelt anzu- bringen, ist jetzt die geeignetste Zeit. Bei der Anlage