b. Fuldw 20. März. Das am 17. d. Mts. unter dem Vorsitze des Herrn Du eltors Dr. Bergmann an der hiesigen Realschule stattgehabte Abgangsexamen hatte das günstige Ergebniß, daß sämmtliche 10 Abiturienten bestanden und 6 derselben von der mündlichen Prüfung befreit wurden.
Weisungen, 16. März. Den arbeitslosen Arbeitern der im Concurs befindlichen Tuchfabrik Adelshansen wäre eine arge Enttäuschung geworden. Der zweite Hypothekgläubiger wollte im Interesse der Arbeiter zur Inbetriebsetzung der Fabrik die nöthigen Gelder hergeben, da noch für ca. 35,000 Mark Militärtuche vertragsmäßig gemacht werden können, welche Maßnahme für sämmtliche Gläubiger von Interesse und Vortheil sein dürfte; jedoch sollte die Ausführung dieser für die Arbeiter so wichtigen Absicht an der versagten Zustimmung des ersten Hypothekgläubigers, der Melsunger Sparkasse, scheitern. Zu verstehen ist die Ablehnung eines diesbezüglichen Antrages Seitens der Verwaltung der Melsunger Sparkasse nicht leicht. Aber Dank dem energischen Eingreifen des Concursverwalters wird trotz des Seitens des Vertretens der . Sparkasse, Herr Bürgermeister Lvtz, erhobenen Protestes doch in aller Kürze die Fabrik wieder in vollen Betrieb gesetzt, indem einfach der Herr Concursverwalter die Fabrik bis zur Beendigung des Concursverfahrens an einen kapitalkräftigen Herrn verpachtet hat. Der Vertrag ist bereits abgeschlossen. Ein Bravo dem tapferen Vorgehen des Concursverwalters.
Hunau, 19. März. Der Landgraf von Hessen hat mit großem Gefolge seine Reise nach Aegypten angetreten und wird mehrere Jahre im Auslande weilen. Die Leitung der ausgedehnten Geschäfte des landgrüf- lichen Hofes ruht in den Händen des Hofmarschalls Major a. D. von Strahl. Das junge Prinz Friedrich Karl'schc Ehepaar residirt auf Schloß Philippsruhe und wird noch in diesem Sommer nach dem prächtig gelegenen Schlüsse Rumpenheim, welches vollständig reno- virt wird, übersiedeln.
Frankfurt. Die älteste Zeitung Deutschlands, das schon über 200 Jahre bestehende einst hoch angesehene und weitverbreitete „Frankfurter Journal" wird mit dem 1. April zu erscheinen aufhören. Der Grund ist chronischer Abonnentenschwund, dem auch ein mehrmaliger Besitzer- und Redakteurwechsel nicht abzuhelfen vermochte.
* — Die Eiscnbahndirektion in Frankfurt a. M. hat der Regierung in Kassel mitgetheilt, daß in letzter Zeit schulpflichtige Kinder wiederholt Steine sowohl auf die Eisenbahnschienen gelegt, als auch mit Steinen nach den Eisenbahnzügen geworfen haben. Die Regierung weist deshalb die Kreis- und Stadtschulinspektoren an, durch die ihnen unterstellten Lehrer die Kinder über das Verbrecherische einer derartigen Handlungsweise belehren und auf die Gefahren und Unglücksfälle, die dadurch herbeigeführt werden können, Hinweisen zu lassen.
Frankfurt a. M, 20. März. Das Glasdach des Hauplbahnhofs, 18,000 Quadratmeter Fläche, wird gegenwärtig gereinigt. Nach Angabe eines Lokalblattes erfordert die Reinigung sechs Wochen hindurch zwanzig Arbeiter.
Susann e.
Novelle »on M W.
(Fortsetzung.)
So reihten sich die Monate aneinander. Inzwischen hatte Leo seine Bande zerrissen, sich aber durch die Entbehrungen auf der Flucht eine schwere Krankheit zugezogen. In der Hütte eines holländischen Feldhüters pflegte man ihn mit der Barmherzigkeit armer Leute. Als er einigermaßen genesen, arbeitete er längere Zeit als Homnacber. Dann ging er mit seinen geringen Er
sparnissen in der ärmlichen Gewandung eines Arbeiters vorerst nach der Heimath zurück. Er wollte den Vater noch einmal sehen — und sah ihn auch. Daß der Schmerz über die furchtbare Notylage des Sohnes den gefühlvollen alten Mann auf das Sterbebett geworfen, erfuhr Leo erst viel später. Mit der kleinen Geldsumme, die der arme Dorfschulmeister dem Bedauerswerthen augenblicklich zugesteckt, wandte sich Leo jetzt nach der Residenz, ohne Ahnung, daß auch ich mein Domizil daselbst genommen. Er dachte mit Recht, in der Großstadt leicht Arbeit zn finden, da es ihm gleichgültig war, welcher Art dieselbe sei. Aber als er nun längere Zeit hindurch als Handlanger auf einem Neubau fungirt hatte verließen ihn seine geringen Kräfte. Die heftigsten Schmerzen in den Gliedern stellten sich ein und bannten den Unglücklichen erneuert auf das Krankenlager!"
Hier atmete die Sterbende tief auf: „Was nun folgt, Herr Kommissar, lassen Sie sich von meiner Gesellschafterin erzählen," hauchte sie kaum vernehmbar. „Sprechen Sie, Elisabeth, ich — ich kann nicht mehr!"
Mariquita hatte ihre lange Aussage in vielen Absätzen gemacht. Oft mußte ihr der Doktor das Weinglas reichen, damit sie in dem kräftigenden Trunk neues Leben fand. Jetzt aber lehnte sie sich vollständig erschöpft in die Kissen zurück und senkte die Augenlider.
Minutenlang glaubten nun alle, der Tod lege bereits seine knöcherne Hand auf ihre Stirn. Als Mariquita aber unvermutet wieder die Augen öffnete und mit lauterer Stimme sagte:
„Aber Elisabeth, so sprechen Sie doch," athmete der kleine Kreis beruhigt auf, und das junge Mädchen berichtete, was sie zu berichten hatte. Auch sie sprach lange korrekt und ausführlich, während sich jeder Blick in das erregte Gesichtchen der kleinen Dame senkte. Als sie geendet, erhob sich der Beamte und sagte:
„Im Interesse der holländischen Gerichtsbarkeit wäre es jetzt meine Pflicht, Donna Mariquita dy Juarez zu verhaften. Bei dem Zustand der Verbrecherin aber nehme ich im Moment Abstand und werde nur Sorgen tragen, daß —"
Er sah jetzt erst wieder zu der Dulderin hinüber. Die Blicke der übrigen Anwesenden folgten dem seinen. Der Doktor aber neigte sich betroffen über das marmor- blasse, starre Gesicht der Creolin. Dann legte er sein Ohr auf Mariquitas Brust:
„Donna Mariquita dy Juarez ist dem irdischen Richter entgangen," sagte er dann leise mit vor Schmerz bebender Stimme, „und ich hoffe, daß die Gerechtigkeit über den Sternen milde urtheilen wird über eine That, die in Wahrheit nimmer den Namen eines Verbrechens verdient hat."
* *
*
Nach wenigen Formalitäten, denen sich der Geflüchtete unterziehen mußte, sah sich Leo wieder im Besitze der Freiheit und der ihm genommenen Ehrenrechte.
Auf Wunsch der Heimgegangenen hatte Doktor Horst die ganze sensationelle Geschichte des unschuldig Ver- urtheilten den Zeitungen übergeben. Ueberall las man sie jetzt, in allen Schichten der Gesellschaft sprach man von der edlen That des deutschen Gelehrten. Aber es war auch niemand, der einen Stein auf die arme Mariquita geworfen hätte. Das Leichenbegängniß der Creolin legte davon Zeugniß ab. Schier unabsehbar war die Menschenmenge, welche dem blumengeschmückten Sarge folgte.
Auch unsere E—. Bekannten waren zum Begräbniß der _ Creolin gekommen. Noch im Sterbehause erfuhr Susanne, daß Mariquita sie wirklich zur Universalcrbin eingesetzt, mit der Bedingung jedoch, daß die Bevorzugte i mit dein ältesten ihrer Geschwister zu theilen und an , Elisabeth Felden sowie an Doktor Horst je ein Kapital ’ von zwanzigtausend Thalern auszuzahlen hatte.
Am Grabe Mariquita (welches merkwürdigerweise in derselben Stunde aufgeworfen wurde, in der sich in Antwerpen die Augen der alten Dolores schlössen, welche ebenfalls ein vollständiges Geständniß abgelegt hatte) fanden auch die ersten verwandtschaftlichen Begrüßungen von Seite der Doktorin statt. Elisabeths liebenswürdige Art übernahm das Bermittleramt, welches ihr um so leichter wurde, als Susanne freiwillig auf die Wohlthaten der Tante Martha verzichtet hatte.
Ueberdies sollte ja auch in nicht zu ferner Zeit ein neues, noch festeres Band die Verwandten verknüpfen. Die Hand der Sterbenden hatte ja selbst den Heißgeliebten mit Elfe verlobt. Mariquitas Augen war es nicht entgangen, wie theuer sich die beiden jungen Menschen in ihrem Hause geworden. Ach, und sie wünschte ja von ganzem Herzen, dem Edelsten, dem Besten', welchen sie je gekannt, jenes Glück auf Erden, dem sie selbst ja für immer entzogen wurde.
(Schluß folgt.)
* — Höchst Willkommenes für die Frauenwelt bringt der rührige Verlag der beliebten Zeitschrift „Mode und Haus" (technischer Leiter John Schwerin) zum neuen Quartal, nämlich ein monatlich in großem Format erscheinendes, elegant ausgestattetes Handarbeitenblatt für die Familie. „Fraucn-Fleiß" ist der bezeichnende Titel für diese concnrrenzfrcie nützliche illustrirte Zeitschrift. Jede Nummer enthält ca. 70, sage siebzig, hochinteressante Handarbeit-Original-Vorlagen. Eine farbenprächtige Handarbeiten-Lithographie erhöht die Vielseitigkeit des zeitgemäßen, warm zu empfehlenden Familienblattes, das bei allen Buchhandlungen und Poflanstalten für nur 75 Pf. vierteljährlich zu beziehen ist. Sämmtliche Buchhandlungen und die Expedition von „Franen-Fleiß", letztere Berlin W., Magdebnrgcrplatz 5, verabfolgen kostenfreie Probenummern. Mögen die Damen zu ihrem eigenen Vortheil von dieser Vergünstigung recht umfangreichen Gebrauch machen und sich durch Einfordern von Gratis-Nummern von dem Werth des neuen, sympathischen Unternehmen selbst überzeugen.
Erwiderung.
In Nr. 20 dieser Zeitung befindet sich ein „Eingesandt", das unsere Gemeinde-Verhältnisse in einer abfälligen Weise bespricht. Dieses „Artikelchen" verräth eine Logik, die festgenagelt zu werden verdient. So spricht Einsender im zweiten Satze von einem Uebelstand, der nach der dort angewandten Ausdrucksweise nichts weniger ist, als — der Fischwerth. Scharf gedacht! Auch der Schlußsatz ist ob der famosen Gedankenfolge- rung ergötzlich und verräth, wessen Geisteskind der Einsender ist. Nun zur Sache: Wiederholt habe ich auf das Ausfischen des Fischteiches aufmerksam gemacht, begegnete aber eben so vielen verschiedenen Meinungen, als Interessenten ich hörte; ein definitiver Beschluß kam deshalb nicht zu Stande. Wen trifft nun die Schuld? Die Schätzung der verloren gegangenen Fische ist zur Hälfte übertrieben. Im übrigen möchte ich den Einsender bitten, lieber mit Verbesserungsvorschlägen heranzutreten und selbst verbessernd thätig zu sein, als sich auf das Schreiben von agiatorischen „Artikelchen" zu verlegen, deren Inhalt er kaum kennen dürfte.
Klesberg im März 1893. ,
Klug, Vicebürgermeister.
Kirchlicher Anzchcr für Schlächtern.
Sonntag, den 26. März 1 893.
Morgens: Konfirmation u. Abcndmahlsfeier.
Nachmittags: —
Wochendienst: Herr Superintendent Heck.
Der uüchÄe Vieh markt zu Schlächtern findet Dienstag, den 4. Aprils 3. statt.___
Zur Beachtung!
Unterzeichnete erlaubt sich fürSchlüchtern und llmgegtnb die Mittheilung zu machen, daß sämmtliche Neuheiten in der Putz- und Modebranche eingetroffen sind.
Ferner eine
Modellausstellung von ca. 90 fertigen Hüten, die nach Pariser Modellen genau kopirt sind.
Sowie eine große Auswahl von
Handschuhe», Korsetten, Schürzen Handarbeiten und KinderauSstattung bringe ich in empfehlende Erinnerung.
____Johanna Linz,
Billigste Bezugsquelle für hülsenfreies
R^isfuttermehl,
G. & 0. Lütlars, Hamburg«
Rahmen und Geschenksgegenstände äum «•w“*1* Schriftennicdcrlage
.......... (M. Mandel).
■»AAaAa»
«Tapeten!
Hiermit die ergebene Anzeige, dass die neuen
Vom landwirthichaftlichen Verein Schlüchtern importirte Saat-Kartoffelsorten sind auf Gutsverwaltung Elisabethenhof ju Citranten greifen zu beziehen. _____________________ Die Verwaltung.
Neu eingetroffen I
Empfehle das Neueste in g ffl] WÄ1 -_ II Hiermit die er- A
- UNS < L ü gebene Anzeige, £
Dr 6------------- dass die neuen |
Ae^nschirm ^ Tapeten- und Borden-1
IN größter Auswahl billigst . 1 , . , _ o
Abraham Sichel. Musterkarten | —-----------------—------ aus der Fabrik von p
PhotQMMM®. C H^suttw« Sühne in p^matadt | w । bei mir aufgelegt sind, und em-1
Theile meinen werthen Kunden hier- i pfehle ich dieses sehr sodde Fabri- a durch mit, dass mein phetographisches । Kat ™ dicker Auswahl und pracht- & Geschäft von Morgens bis Abends, vollen Mustern zu billigen Preisen. £ auch Sonntags geöffnet ist. Lieferung geschieht sofort! P
Johs. Freund, „. A.ÄJS^ '
Photograph. 1« w W WWW • WWW WWW#
Tapeten- und Borden-
S^F Musterkarten -KG
aus der Fabrik von
C Hochstätter & Söhne in Darmstadt bei mir aufgelegt sind, und empfehle ich dieses sehr solide Fabri- aat in reicher Auswahl und prachtvollen Mustern zu billigen Preisen. Lieferung geschieht sofort!
Hochachtungsvoll
G. A. Leinberger, Schlüchtern.
Den verehelichen Einwohnern von Lterbfritz und Umgebung die höfl. Anzeige, daß die bis jetzt von mir für Herrn E in a n u e l S ch u st e r betriebene
Weberei
von mir übernommen wurde und halte ich mich für Lohawcberei bestens empfohlen. Selbstgefertigte Waaren werden von mir billigst verkauft.
Sterbfritz, den 1. März 1893.
Heinrich Brähler.
Die Mrstensatirik
Emil Kranz Sein, Erlangen ist Käufer für zugerichtete weiße Karsten in kleineren und größeren Quantitäten gegen Baarzahlung.______
Zu den Feiertagen empfehle: Weis- n. Rathkraut,
Wirsing,
Blumenkohl und 8» »t, Meerrettig u. Steckzwiebeln.
Emma Rothschild.