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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familicnfrennd" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Mittwoch, ben 8. März

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hatte in den letzten Tagen den Großherzog von Toscana als Gast bei Hofe. Der Großherzog legte an den Särgen der Kaiser Wilhelm und Friedrich Kränze nieder.

Der Kaiser und die Kaiserin werden sich zur Feier der silbernen Hochzeit des italienischen Königs­paares, welche am 22. April d. Js. stattfindet, nach Italien begeben.

Unter dem Titel: ,.Puissance mililaira des etats de lEurope hat der Hauptmann im französischen Generalstabe I. Molard ein Werk herausgegeben, das nicht verfehlen wird, berechtigtes Aufsehen zu erregen. Es wird dort für Frankreich rundweg dieRheingrenze" verlangt aus geschichtlichen, geographischen und politischen Gründen. Folgende Stellen mögen als Proben dienen: Der Rhein ist kein deutscher Fluß, wie die deutschen Geschichtschreiber sagen, sondern er ist ein Grenzfluß. Er theilt Westeuropa in der That in zwei große Gebiete: das französische Gebiet vom Atlantischen Ocean bis zum Rhein, die deutsche Region vom Rhein bis zur Elbe. Auf beiden Seiten dieser Grenze wohnen Gallier und Germanen, seit zweitausend Jahren Gegner, wie es heute noch Franzosen und Deutsche sind. Wir waren, wir sind es und wir werden es bleiben bis zu dem Tage der endgültigen Abrechnung: Erbfeinde! Das ist nicht eine Redensart, sondern die einfache Feststellung einer geschichtlichen Wahrheit." Das Buch schließt mit den Worten:Wir wollen unsern Enthusiasmus und die Triumphbogen nicht für diejenigen aufheben, die uns Kraftstücke vorführen, sondern für diejenigen, die eines Tages von Neuem die dreifarbige Fahne an dem Ziele aufpflanzen, das unser Ziel schon früher war, es heute noch ist und stets sein wird: am Rhein!"

- Das im Gang befindliche Musterungsgeschäft, an welches sich demnächst die Aushebung anschließt, findet nach einer Mittheilung derPost" bereits in der Weise statt, daß nach Annahme der Militärvorlage die Rekruten-Einstellung am 1. Oktober d. J. nach den neuen Prinzipien erfolgen kann. Wie bekannt, werfen die Gegner der Militär-Vorlage ein, es würde nach den bisherigen Erfahrungen nicht möglich sein, das Mehr von 60 000 wirklich brauchbaren Rekruten alljährlich aufzubringen. Demgegenüber wird der Ausfall der Musterung bald Gelegenheit wenigstens zu einem unge­fähren Ueberblick bieten.

Abzug der Schuldzinsen bei der Einkommen­steuerveranlagung. Das Obervcrwaltungsgencht hat auf Grund des § 9 I Nr. 2 des Einkommensteuerge­setzes entschieden, daß die Schuldzinscn ohne Rücksicht auf den Entstchungsgrund und auf die wirthschaftliche Bedeutung der Schuld abzugsfähig sind. Es ist damit diejenige Bestimmung der Ausführungsanweisung des Finanzministers hinfällig geworden, wonach der Besitzer eines z. Z. ertragslosen Grundstücks wie beispielsweise eines Bauplatzes die Zinsen aus rückständigen Kauf- geldern oder die Zinsen aus aufgenommenen Bau­kapitalien nicht in Abzug bringen durfte.

Der Antrag des Zentrums betr. die Aufhebung des Jesuitcngcsetzcs wird, wie die ultramontaneGer­mania" meldet, voraussichtlich am Mittwoch, den 15. März, im Reichstag zur Verhandlung kommen.

Folgende dringende Bitte geht von Hamburg aus durch die Zeitungen an alle Pflegeeltern. In der Nacht vom 28.29. August v. I. wurde durch die Sanitätskoloune mein Fritz nach dem Allgemeinen Krankenhause gebracht. Als wir uns am 2. September nach dem Kleinen erkundigten, wurde uns der Bescheid, daß das Kind lebe, wir könnten sein Zeug bringen, denn es würde bald gesund sein. Wir warteten ^bis zum 17. September, und wir besamen keinen Bescheid, das Kind abzuholen. Als dann meine Frau hinkam, war das Kind nicht mehr aufzufinden. Wir haben alle Krankenhäuser und Anstalten, wo Kinder untergebracht sind, durchsucht. Da ich aber zu hören bekommen, daß viele Kinder nach auswärts und sehr viele für eigen angenommen sind, ist es leicht möglich, daß mein Kind darunter ist. Darum bitte ich sämmtliche Familien und Nachbarn, welche über ein ähnliches Kind Etwas wissen, mich zu benachrichtigen. Der Kleine hat im Hause ge­hört auf den NamenFitje". Er ist schlank gewachsen, bat blondes Haar, blaugraue Angen, ein zartes, ovales Gesicht, unter dem linken Auge einen länglichen Sommer­fleck. Die oberen Vorderzähne find angegangen. Er

ist bereits 4 Jahre alt. F. H. Widekind, Spitaler- straße 90, 2. Etage. Sämmtliche Zeitungen werden um Abdruck ersucht.

Ein seltsamer Fund von Werthscheinen ist dieser Tage in Köln gemacht worden. Ein dortiger Papier­händler ließ altes Papier, Lumpen aus seinen Geschäfts­räumen entfernen. Beim Abladen der Säcke wurden die Papierlumpen sortilt, und den Arbeiterinnen fiel da­bei ein blauer Schein in die Hände, den eine derselben richtig als einen Hundertmarkschein erkannte. Um aber zu sehen, ob derselbe echt sei, wurde beschlossen, in einer Destillation denselben zu wechseln. Dem Destillateur kam es verdächtig vor, daß arme Arbeiter einen Hundert-

markschein wechseln ließen. Er überzeugte sich erst durch 23. Januar stand vor dem Gerichtshof zu Boston Umfrage, ob derselbe echt wäre, was bejaht wurde, be-s wieder ein Termin in dem Prozeß an, den die Edison'sche nachrichtigte aber die Polizei von dem Vorfälle. Diesej Gesellschaft gegen eine andere wegen Verletzung ihres ' ' , f~; Glühlampen-Patentes angestrengt hatte, und hier brächte

untersuchte die Lumpen und fand in denselben, in kleine

Stücke zerrissen, ganze Packele von grünen und gelben Scheinen, also Tausend- und Fünfhundert-MarkscheiNe. Diese sind aber in seinem Zustande, daß sie nie mehr wieder herzu stellen sein werden. Die Kölner Polizei sucht die Herkunft des Geldes resp, der Lumpen zu erforschen, da man annimmt daß dasselbe von einem großen Dieb­stahl herrührt und, um eine Entdeckung zu verhüten, auf diese Art und Weise bei Seite geschafft worden ist.

Stroßburg i. E., 28. Februar. Eines beispiellos kräftigen Magens scheint sich der Gemeinderath eines Ortes hiesiger Gegend zu erfreuen. In der betreffenden Gemeinde besteht nämlich ein Ortsviehversicherungs­verein. Der von diesem angestellte Thierarzt wohnt auswärts. Er hat nun bei einem Gemeinderath einen Vorrath von Arzneimitteln, mit Branntwein gemischt, zur ersten Hilfe bei Blähungen des Viehes u. s. w. hinterlegt. Nun trug es sich zu, daß der Herr Ge­meinderath neulich Abends seine Kollegen mit nach Hause nahm, um mit ihnen in gemüthlichem Zu­sammensein das neue Kirschenwasser zu kosten. Leider geriet!) er an die vorräthigen Mixturen und regalirte damit seine Kollegen. Der Kirsch kam ihnen zwar etwas stark" vor, aber geschadet hat er ihnen nichts.

In Kitzingen war vor einiger Zeit ein Reserve- lieutenant von seinem Bezirkskommanheur veranlaßt worden, die Vorstandschaft des Vereins niederzulegen, weil der freundschaftliche Umgang mit den Vereins­mitgliedern nicht mit seiner Offizierstelliing zu vereinigen sei. Auf die daraufhin von den Vorständen der deutschen wie der bayerischen Turnerschaft an den bayerischen Kriegsminister gerichteten Eingaben ist nunmehr von Letzterem der Bescheid erfolgt, daß er die dienstliche Einwirkung des Bezirkskommandeurs als berechtigt nicht anerkannt und hiernach entsprechende Verfügung getroffen habe.

Wasungen, 2. März. Im Zillbacher Wildpark beginnt jetzt die Suche nach Hirschgeweihen, denn Ende Februar und Anfangs März werden diese von den Hirschen abgeworfen. Die gefundenen Geweihe müssen zwar an die großherzogliche Oberförsterei abgeliefert werden, doch erhalten die glücklichen Finder einen ganz anständigen Finderlohn. Die Geweihe werden gewogen und für je ein Pfund 1,50 Mk. ausbezahlt, was bei starken Stangen einen hübschen Verdienst ausmacht Eine arme Leseholzsammlerin aus Wahns hat in diesen Tagen die eine Stange eines Zwölfenders gefunden, wofür ihr 4,50 Mark ausbezahlt worden sind. Die Frau würde sich glücklich schätzen, wenn sie jeden Tag Hirschgeweihe an den großherzoglichen Oberförster ab­liefern könnte.

Buskand

Lemberg. 28. Februar. DerPrzeglond" meldet: Die Namen der in den baltischen Provinzen gelegenen deutschen Städte Reval und Narva werden demnächst in Kolywan und Jwangorod umgeändert werden.

Von einem schrecklichen Vorkommniß wird anS ^räntung be§ langen Borgsystems 3. Anbahnung Prestburg berichtet. Der Gastwirth Nagy, der ber i gemeinf^aftliäjer Einkäufe und Bezüge der einzelnen dortigen Irrenanstalt übergeben worden war, sollte em:Branchen bei den Haupt-Consumartikeln. 4. Gemein- warmes Bad erhalten. Die Wärter warfen aber den J^es Vorgehen bei den Wahlen der Steuereinschätzungs- den Unglücklichen in heißes Wasser, in welchem sie den-; commmissionen und sonstigen Vertretungen und Körper- selben trotz seines fürchterlichen Schreiens so lange fest j schaften- in welchen es nöthig und zweckmäßig erscheint, hielten, bis er gänzlich verbrüht war und kurze Zeitmaß auch die Interessen des Handels- und Gewerbe- darauf seinen Geist aufgab. Die Staatsanwaltschaft' standes vertreten sind. Nachdem Herr Renner dann hat die Untersuchung eingeleitet und zwei Wärter ver-'noch die vorläufigen Statuten verlesen hatte, bat der- haften lassen. | selbe die Anwesenden, sich recht zahlreich zn betheiligen

Am Grab der Mutter erfroren wurde auf dem. Wenn auch heute noch Mancher glaube, ein derartiger

Kirchhof in Weißkirchlitz (Böhmen) ein 10jähriges Schulmädchen aufgefunden. Die Mutter war vor kurzem gestorben und das arme Kind hatte täglich das Grab besucht.

In Amerika herrscht bekanntlich seit mehreren Jahren ein heftiger Streit über das Recht, clectrische Glüh­lampen anzufertigen. Die Gesellschaft, welche Edisons Patente besitzt, hatte von den Gerichten bereits eine Reihe von Urtheilen zn ihren Gunsten erlangt, sodaß ihr Monopol zum Schaden der Allgemeinheit beinahe gesichert erschien. Nun hat die Sache, wie der Franks. Ztg." aus New-Aork geschrieben wird, plötz­lich eine überraschende Wendung genommen. Am

die Beklagte eine Reihe von eidlichen Aussagen vor, aus welchen nichts Geringeres hervorgeht, als daß eleetrische Glühlampen schon vor nahezu 40 Jahren angefertigt und öffentlich gebraucht wurden. Seit 1855 hat nach diesen Aussagen ein noch lebender Deutscher, Heinrich Säbel, geboren 1818 zn Springe in Hannover, Glühlampen gewerbsmäßig hergestellt, bestehend aus dem in einer luftleer gemachten Glasbirne befestigten dünnen Kohlenfaden, dem der Strom einer galvanischen Batterie durch eingeschmolzene Platindrähte zugeführt wurde, also genau in derselben Weise, wie Edison und alle späteren Nachfolger verfahren. Göbel selbst erklärt, daß er damit nur die Idee seines Lehrers und Freundes, des Professors Mönighausen in Hannover ausgeführt habe. Eine große Zahl weiterer Aussagen bestätigt, daß solche Lampen in New-Aork in den fünfziger und sechziger Jahren von Göbel öffentlich gezeigt wurden. Die Uebeeraschung der Gegner kann man sich vorstellen, als man ihnen die Göbel'schen Originallampen von damals vorlegte; ist doch die Giltigkeit des Edison'schen Patentes, das eine große Bedeutung hat, damit über­haupt bedenklich zweifelhaft geworden. Der Anwalt der Edison-Gesellschaft bemühte sich natürlich sehr eifrig, es als unglaubwürdig hinzustellen, daß eine solche Er­findung so lange habe verborgen bleiben können; allein der Gerichtshof sah jene Mittheilungen für wichtig genug an, um ausführliche Vernehmungen nöthig zu finden, so daß die Sitzung vertagt werden mußte. Auf den Ausgang ist alle Welt gespannt.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 7. März.

* Der heute Morgen stattgehabte alljährliche große Viehmarkt war ungewöhnlich stark betrieben, wohl in Folge des Herrschenden Futtermangels. Es wurden gezahlt für Ochsen 450750 Mark, Kühe 250300 Mark, Kalbinnen 200300 Mark, Kälber 75 Mark. Angetrieben waren circa 1700 Stück Rindvieh, wovon etwa die Hälfte verkauft wurde.

* Die am Sonntag im Saale des Gasthauses Zum Deutschen Kaiser" hier abgehaltene Versammlung der Kaufleute und Gewerbetreibenden des Kreises war sehr zahlreich besucht. Aus allen größeren Orten des

Kreises waren Vertreter erschienen, besonders zahlreich aus Steinau. Nachdem Herr Brauereibesitzer Thaler die Gäste begrüßt und Herr Kaufmann Hafner eine kurze Ansprache gehalten, wurden von Herrn Kaufmann Fenn er die anzustrebende Ziele kurz klargelegt. Nach dessen Ausführungen bezweckt der Verein daher: l. Das Ansehen des Handels- und Gewerbestandes da­durch zu heben, daß wir einerseits Niemand aufuchmen und im Verein dulden, welcher sich anstößige Geschäfts­führung oder sonstige ehrlose Vergehen zu Schulden kommen läßt, anderseits aber auch für das Recht unserer einzelnen Mitglieder und unseres Standes gemeinsam I eintreten. 2. Regelung der Creditverhültnisse und Ein­