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hinauf, um ihn hinaufzuziehen, um später den Anschein zu erwecken, als ob ihr Mann sich gehängt hätte. Der Mann aber dachte, jetzt ist's die höchste Zeit, löste schnell die Schlinge vom seinem Hals und band das Seil um die Schnitzbank, die nun von der Frau auch in die Höhe gezogen wurde. Der Mann hörte sie nach einigen Minuten die Treppe herabspringen und vor das Haus laufen, wo sie aus vollem Hals den vorübergehenden Leuten zuschric:Ach Gott, kommt doch einmal her, mein Mann hat sich gehängt." Einige beherzte Leute kamen und fanden den Mann beim Ofen sitzend und die Schnitzbank aber aufgehängt. Nun klärte sich die Ge­schichte auf. Hoffentlich wird der Mann auf einige Zeit von seiner besseren Ehehälfte befreit.

Fulda, 24. Februar. Der gestrige Viehmarkt war, obgleich er vom Wetter nicht begünstigt war, sehr stark, nämlich mit 912 Stück Rindvieh und 2 Pferden, be­fahren. Der Viehbestand war durchschnittlich gut; auch waren außerordentlich viel Kaufliebhaber, besonders zahlreiche auswärtige Händler, am Platze. Der Handel schwang sich zu einem äußerst lebhaften auf, so daß bald mit der Waare ziemlich ganz aufgeräumt war. Die Hauptnachfrage galt dem Zugvieh, dessen bessere Qualitäten ihren Preis behaupteten, während im All­gemeinen, namentlich für mindcrwerthigcn Auftrieb, jedoch die Preise etwas zurückgegangen sind.

Orb, 24. Februar. Gestern Nachmittag wurde auf dem Wege von Kassel nach Orb auf einen Mann, welcher als Knecht hier eintreten wollte, ein Raubanfall versucht. Mit dem Rufe:Geld oder das Leben" trat hinter einem Baum versteckt ein Strolch dem Knecht gegenüber. Ohne sich aber lange zu besinnen schlug auch der Knecht schon darauf los, worauf der Strolch alsbald das Weite suchte. Da Letzterer eine tüchtige Wunde am Kopfe davon getragen hat, so wird es nicht viel Mühe kosten, den Uebelthäter zu erwischen.

Hana«, 23. Februar. Der Bürgermeister Dr. Gebeschus aus Höchst ist zum Oberbürgermeister von Hanau gewählt worden.

Herdorn, 21. Februar. Laut einer Bekanntmachung des Königlichen Landrathsamtes in Dillenburg sind in einer Gemeinde unseres Kreises in letzter Zeit Fälle von epidemischer Genickstarre vorgekommen. Die Aerzte werden angewiesen, da diese Krankheit zu den ansteckenden und verschleppbaren gehört, jeden Fall dem Kreis- Physikus und der Ortspolizeibehörde anzuzeigen, welch' letztere derartige Anzeigen sofort durch Eilboten an das Landrathsamt weiter zu berichten haben.

Aus dem Ederthale, 13. Februar. Reiche Beute findet Jung und Alt an den Ufern der Eder, wo der hohe Eisgang eine Menge Fische auf das Trockene wirft. Mit Stecheisen, Gabeln rc. ausgerüstet, eilen die Bewohner der anliegenden Dörfer an die Eder, um die Fische, unter denen sich meterlange Hechte und Aale befinden und die doch ohnehin verenden würden zu fangen.

Malsfeld, 22. Februar. Am zweiten Weihnachts­tage v. Js. kam ein Junge aus Beiseförth beim Eis­läufen unter die Eisdecke und blieb spurlos verschwunden. Nach dem Eisgange glaubte man sicher, die Leiche ent­decken zu müssen. Doch erst heute wurde dieselbe an der Melsunger Bürgerbrücke gefunden.

Nentcrshausen, 22. Februar. Am vergangenen Sonntag unternahmen drei junge Leute aus Süß einen Spaziergang in den nahen Wald (Richelsdörfer Schiefer- gebirge). Es ward Abend und wieder Morgen, aber sie kehrten nicht wieder zurück. Darüber natürlich große Aufregung und Angst bei den Angehörigen. Sämmtliche Bergleute machten sich nun aus die Suche und man fand die Vermißten in einem alten Schächte. Die Neugierde hatte sie hierher getrieben. Die Lampe, die sie benutzten, war mit wenig Oel versehen und in­folge dessen erloschen. Sie konnten nun den Rückweg nicht wieder finden. In ihrer Noth zündeten sie ihre Taschentücher an, aber auch das half nichts. So mußten sie ausharren, bis sie, wie geschildert, entdeckt wurden.

Die Tuberkulose des Rindes.

(Schluß.)

Allerdings ist dieses leichter gesagt, als gethan. Es ist nämlich nicht so leicht die Tuberkulose an lebenden Thieren zu constatiren. Thiere, welche sich in einem normalen Körperzustande befinden und anscheinend voll­kommen gesund sind, erweisen sich zuweilen beim Schlachten als tuberkulös. Wenn es nun schon für den erfahrenen Thierarzt schwierig ist, das Vorhandensein der Tuberkulose am lebenden Thiere mit Bestimmtheit festzustellen, wie sollte dieses dann dem praktischen Land­wirthe möglich sein? Gerade diese Schwierigkeit ist denn auch die Ursache, daß die bezeichneten, vorbeugenden Mittel nur einen mangelhaften Erfolg haben können. Wie kann man tuberkulöse Thiere von der Nachzucht ausschließen oder von den gesunden entfernen, wenn die Feststellung der Krankheit in vielen Fällen gar nicht möglich ist. Dicserhalb wird auch die vielerseits empfohlene, zeitweilige Untersuchung des gcsammtcu RindviehbestandeS durch einen Thierarzt immerhin nur einen beschränkten Erfolg haben.

Anders würde sich die Sache gestalten, wenn sich die schöne und bedeutungsvolle Entdeckung Professors

Koch für die Thierheilkunde verwerthen ließe. Es würde schon ein großer Vortheil sein, wenn mittelst der

Koch'schen Lymphe das Vorhandensein der Tuberkulose mit Bestimmtheit nachgewiesen werden könnte. Es würde dann die Möglichkeit gegeben, die an der Tuberkulose erkrankten Thiere von der Nachzucht auszuschließen und von den Gesunden abzusondern und damit schon einen erfolgreichen Kampf gegen die Vererbung und die direkte Uebertragung der Krankheit zu führen. Größer noch würde allerdings der Vortheil sein, wenn sich auf dem Wege des Koch'schen Heilverfahrens die Tuberkulose direkt bekämpfen ließe. Ausgeschlossen ist dieses ja nicht, insofern die Perlsucht des Rindes und die Tuberkulose beim Menschen durch denselben Bacillus hervorgerufen werden, und gewiß muß es mit Freuden begrüßt werden, daß von Seiten der Wissenschaft schon Versuche in Vorbereitung sind, um fcstzustellen, in wie weit das Koch'sche Heilverfahren der Thierheilkunde dienstbar gemacht werden könne.

Es wurde schon einleitend bemerkt, daß die Tuber­kulose von dem Thiere auch auf den Menschen über­tragen werden könnte. Als Ursache dieser Ansteckung wird der Genuß von Fleisch und der Genuß ungefaßter Milch von tuberkulösen Thieren bezeichnet. In nicht wenigen Fällen konnte von gewissenhaften Beobachtern der Nachweis erbracht werden, daß der Genuß ringe« kochter Milch, welche von tuberkulösen Kühen herrührte, bei Kindern Tuberkulose erzeugte. Es müssen demnach mit der Milch die Tuberkulose-Bacillen auf den Menschen übertragen werden. Dabei ist es für die praktische Verwerthung dieser Thatsache von geringer Bedeutung, ob die Milch schon bei ihrer Entstehung die Bacillen aufnimmt, oder aber ob dieselben aus der Stallluft in die Milch gelangen.

Zur Verhütung der Uebertragung der Tuberkulose von dem Rinde auf den Menschen ist abgesehen von den gesundheitspolizeilichen Maßnahmen der Selbstschutz das beste Mittel. Um das Fleisch für den Genuß unschädlich zu machen, ist ein kräftiges Aus- kochen oder Durchbraten derselben zu empfehlen. Zwar gehen die Ansichten bezüglich der Wirkung des Fleisches, welches von tuberkulösen Thieren herrührt, auseinander. Jedoch ist große Vorsicht in dieser Beziehung gewiß nicht überflüssig.

Die größte Gefahr der Ansteckung bietet sich jedoch dein zarten Kindesalter in dem Genusse der Milch von tuberkulösen Thieren. Diese Gefahr darf um so weniger unterschätzt werden, als gerade in ausgedehnten Milch­wirthschaften die Tuberkulose des Rindes am Häufigsten auftreten soll, und neben dieser Krankheit auch noch andere nicht minder gefährliche durch die Milch über­tragen werden können.

Um die Gefahr der Ansteckung möglichst abzu- schwächen, sollte man es ja nicht unterlassen, die Milch vor dem Gebrauche tüchtig zu kochen und nicht etwa blos anzuwärmen. Hierdurch wird wenigstens der größte Theil der Pilzkeime gelobtet. Vielfältig wird auch zu dem gedachten Zwecke die Sterilisirung der Milch empfohlen. Es werden zwar zur Zeit verschiedene Sterilisirungs- methoden angegeben, doch dürfte es vor der Hand das Beste und Sicherste sein, wenn die Milch in der eigenen Haushaltung sterilisirt wird. Hierbei eignet sich recht gut der von Professor Soxhlet construirte Hans- sterilisirnngsapparat. Derselbe wird in verschiedenen Größen hergestellt und ist derselbe auch schon vielfältig im Gebrauch. (A. d. Anz. f. F. W.) ,

Susan n e.

Novelle von M. W.

(Fortsetzung.)

Hier hier thut es so weh!" hauchte sie und deutete auf die schmale, eingesunkene Brust.Hier brennt es und nagt es! Else, ob das schon der Todes­wurm ist? O, ich werde wohl bald bald von Euch gehen! Aber es ist ein Glück für Leo für meinen armen engelsguten Leo."

Regen Sie sich nicht anst Donna," flüsterte Elisabeth, der Zofe einen Wink gebend. Dann hoben die beiden jungen Mädchen die Leidende in die Höhe und trugen sie mehr als sie sie führten, nach dem Nebengemach, das der unglücklichen Herrin dieses Hauses zum Schlaf­zimmer diente.

Während Elfe die Donna entkleidete, mußte die Zofe den Doktor herbeiholen.

Der erfahrene Arzt fand den Zustand der Patientin höchst bedenklich. Und als sie ihn dringend bat, ihr zu sagen, wie es mit ihr stehe, gestand er ihr auch, daß sie wohl kaum die nächsten acht Tage überleben würde.

Den Heiligen sei Dank!" hauchte Mariquita da. O, Doktor, und ich kann mich doch auf Sie verlassen, daß Sie nach meinem Tode jede Ihrer Versprechungen erfüllen werden? Nicht wahr, sobald sich diese armen Augen geschlossen haben, treten Sie sofort die Reise nach Antwerpen an unb überreichen persönlich dem Gericht das bedeutungsvolle Schriftstück, welches ich Ihrer Hand anvertraut habe?"

Zweifeln Sie nicht daran, Mariquita," erwiderte der Arzt und streichelte mit väterlicher Zärtlichkeit die durchsichtig zarten Hände der Creolin. Dann sagte er: Ich muß Sie jetzt leider verlassen, theures Kind, denn andere Pflichten rufen mich. Aber wenn es Ihnen so genehm ist, will ich meine Frau an Ihr Lager setzen.

Die kleine Elfe kaun sich ohnedies nicht zertheilen."

Wie gut Sie sind!" erwiderte die Kranke. ,.Aber" fuhr sie dann fort,haben Sie nicht gesagt, Leo dürfe morgen schon das Bett verlassen? Dann könnten wir ja einen Lehnstuhl hier aufstellen. Elfe würde so zu gleicher Zeit nach uns beiden sehen. Während der Nacht braucht unser Patient drüben ja überhaupt keine Wartung mehr, da könnte das liebe Mädchen ohnedies hier bleiben."

Wie Sie wolle», Mariquita. Vermag Müller aber auch unbemerkt die Ueberfiebelmig nach hier zu bewerkstelligen?"

Gewiß! die Gemächer stehen in direkter Verbindung. Und meine Elfe wird schon dafür sorgen, daß niemand zu uns eindringt, während Leo hier ist!"

O, die Arme hatte noch keine Ahnung davon, daß ihr Geheimniß bereits verrathen. Auch Elisabeth wußte nicht, n>ie die kleine Zofe trotz des Geldgeschenks nicht Eiligeres zu thun gehabt hatte, als dem Bedienten die wunderliche Neuigkeit zu erzählen: Wie hinter dem schwarzen Schleier, dem langen Mantel der Duenna ein Mann gesteckt habe, der jetzt in dem Fremdenzimmer gehegt und gepflegt würde.

Der Diener aber verrieth die abenteuerliche Geschichte dem Kutscher und dieser seiner lieben Ehehälfte, bis es keine Seele mehr in dem ganzen Hause gab, die nicht das ängstlich gehütete Geheimniß ihrer Herrin kannte.

Aber wie das immer in solchen Fällen geht, so ver­breitete sich auch jetzt die Kunde von dem verkleideten Mann in dein düstern Hause der Creolin schon in den nächsten Tagen gleich einem Lauffeuer in der Nachbar­schaft. Nun aber war vor einigen Wochen, genau um die Zeit, als der Fremde unter so verdächtigen Umständen vom Ler Bahnhof nbgeholt werden mußte, in der Millionenstadt ein Kapitalverbrechen verübt worden. Man kannte den Thäter, welcher leider auch den höheren Ständen angehörte und ein Ausländer war. Bisher war es aber nicht möglich gewesen, seinen jeweiligen Aufenthaltsort zu ermitteln. Unter diesen Umständen hielt es die liebe Nachbarschaft der Creolin für durchaus nothwendig, der Polizei Anzeige von dein seltsamen Versteckenspiel zu machen, welches Mariquita dy Junrez in ihrem Hause mit einem fremden Manne trieb.

Vier Tage waren vergangen, seitdem die Creolin sich niedergelegt hatte, um gewiß nie wieder aufzustehen, als eine einfache Droschke vor der Thür des alten Patrizierhauses am Martinsplatz hielt. Ein höherer Polizeibeamte stieg heraus, mehrere seiner Untergebenen folgten und verlangten kategorisch Einlaß in das düstere, stille Gebäude.

Der wurde ihnen auch bereitwilligst gewährt. Leise führte dann die verrätheiische Zofe die Herren nach den Zimmern Mariquitas und ebenso leise öffnete sie eine kleine Tapetenthür, welche Elisabeth unverschlossen ge­lassen, weil sie ihre Existenz nicht kannte und die Creolin vergessen hatte, sie auf diesen geheimen Ausgang ihres Schlafgemachs aufmerksam zu machen.

Als der dazu erwählte Diener der heiligen Hermandad, Polizeirath Walter, über die Schwelle des großen düsteren Raumes trat, in dem Mariquita lag, bot sich ihm ein ergreifendes Bild.

Hinter den dunkelbraunen, weit zurückgeschlagenen Sammetvorhängen des Bettes wurde der Kopf der Creolin sichtbar. Das Kolorit des Todes lag bereits auf den wunderbar schönen Zügen. Ihre großen Augen waren weit geöffnet. Mit dein Ausdruck heißer, unendlicher Liebe hafteten sie an dem Gesicht eines blassen Mannes, dessen Hand die Sterbende eben mit der Rechten des jungen Mädchens vereinte, welches schluchzend an dem Lager kniete. Doktor Horst, den der Pvlizeirnth persönlich kannte, stand an der anderen Seite des Bettes. Dicht neben dem tiefernsten Manne saß seine weinende Gattin. (Fortsetzung folgt.)

Noch einmal:Eine rührende Geschichte."

Den Lesern derSchlüchterner Zeitung" ist sie aus der Nummer 14 l. J. bekannt. Die Betrachtungen, welche Herr T. B. an sie geknüpft hat, sind von kulturhistorischem Werthe, liegt es doch im Geiste unserer Zeit, die private Mildthätigkeit angesichtsder bestehenden" öffentlichen Fürsorge für die Nothleidenden, namentlich derVerpflegungsstationen", zu »ertheilen. Aber man redet dem Stromer- und Vagabundenwesen nicht das Wort, man verkennt den Werth dieser Verpflegungs- einrichtungen gewiß nicht, wenn man der Ansicht ist, daß die Barmherzigkeit, der Opfersinn des Einzelnen dennoch nicht unbedingt zu verwerfen ist. Ihre weise Bethätigung liegt im Sinne der christlichen Religion und adelt den Menschen und noch sind wir nicht so weit, daß sie gesetzlich verboten ist. Die Praxis der Verweisung der Handwerksburschen an die Suppen- ftationen, so gerechtfertigt sie im Interesse der Unter­drückung der gewissenlosen und gewerbsmäßigen Bettelei auch sein mag, sie läßt eine Reihe von Ausnahmen zu, die ihre Begründung sowohl in der Unzulänglichkeit eben jeneröffentlichen Fürsorge" wie auch in der momentanen Hülfsbedürftigkeit und Noth des einzelnen Menschen findet.

In seinem Kommentar zu derrührenden Geschichte" aber stellt sich Herr T. B. auf einen extremen Stand­punkt und seine realistische Anschauung verschleiert ihm