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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" n.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

Mittwoch, den 22. Februar

Wie viel tostet uns Deutsche

die Vertheidigung unseres Vaterlandes?

Von den Gegnern der Militärvorlage wird kein , daran, welche Prozentsätze von allen Ausgaben in Grund mehr in die Welt hinauspvsaunt als der, daß Deutschland (Preußen) nicht durch Steuern aufgebracht der Druck der Militärlast in Deutschland, nahezu uner-

I Diese Zahlen setzen für sich genommen Deutschland I (Preußen) an die dritte Stelle. Denkt man aber wieder

traglich geworden sei, und daß das deutsche Volk die geforderte Mehrbelastung von 57 /a Millionen nicht mehr tragen könne. Dem gegenüber ist eine zahlen­mäßige Vergleichung des Drucks der Militärlast bei den sechs europäischen Großmächten auf Grund der Voranschläge für das Rechnungsjahr 1892 beziehungs­weise 1892/93 am Platze. Dur ch eine solche wird der Beweis e r b r a ch t, daß jene Behaupt u n g durchaus haltlos i st.

Stach sorgfältigen Berechnungen betragen die K o st e n d e r Landesvertheidigung 1892 93

in in in in in in

England . .

Rußland. . Frankreich . Italien . .

. 36,9 pCt. der Staatsausgaben

. 28,7

. 27,1

. 22,4

werden, und wieviel in den anderen Ländern durch Steuern, so kommen ganz andere Zahlen heraus; dann zeigt sich, daß

f ü r Landesvertheidigung pro Kopf der Be­völkerung 1892,93 der einzelne Ein­wohner an Steuern a it f bringen m u ß Frankreich . .

in in in in in An '

i England......

: Italien.......

: Oesterreich-Ungarn . . .

i Deutschland (Preußen) . .

Steuern hat also für die

15,7

14,4

4,9

4,0

M.

L a n d e s v c r

Deutschland (Preußen) 19,3

Oesterreich . . . 17,6 Diese Ziffern zeigen aber

k»

kk

t h e i d i g u n g zu zahlen der einzelne Densche kaum ein Viertel so viel wie der Franzose, nicht ein Drittel so viel wie der Engländer, etwa halb so viel wie der Italiener und immerhin um ein Fünftel weniger als der Oesterreicher.

noch

nicht

den Druck,

mit dem die Laudesvertheidignngsausgaben auf dem einzelnen Staatsbürger lasten, da in dem einen Land die Einnahmen wesentlich aus Steuern, in dem anderen Land aus dem großen Besitz des Staates selbst erfließen. In dem letzteren Falle hat der Einzelne selbstredend um so weniger zu den Staatslasten bcizn- tragen, je mehr der Staat an seinem eigenen Besitz ver­dient. Aber in dieser Beziehung ist Preußen und sind

Im Ganzen a ti f z n b r i n g e n w v h n e r

in Frankreich in England in Italien .

wiederum h at an Steuern 1892,93 der einzelne E i n-

in Oesterreich-Ungarn . . . in Deutschland (Preußen) . .

58,1 39,0 32,3 28,2

M.

_ ..... 20,6

Wir in Deutschland zahlen also nur ein Drittel

die anderen deutschen Staaten glücklich gestellt.

erhellt am besten aus den nachstehenden Zahlen: D urch Steuer» werden von den

s a m m t a n s g a b e n 1892,93 aufge b r n ch t

Das

Ge-

, . so

viel Steuern wie die Franzosen, nur einhalb von dem, was die Engländer, und nur zwei Drittel von dem, was die Italiener und Oesterreicher zahlen.

Man komme aber nicht mit dem Einwand, daß die

in in in in in

England. . . . Italien . . . . Frankreich . . . Oesterreich-Ungarn Rußland . . .

in Deutschland (Preußen)

82,8 pCt.

. 80,0 . 74.6 . 64,8 . 58,6 . 28,8

ff

Engländer und Franzosen reicher sind als wir, denn so viel reicher sind sie doch nicht, daß dieser Unterschied ausgeglichen würde, und die Deutschen und Preußen sind doch ihrerseits zweifellos reicher als die Oesterreicher und Italiener und zahlen pro Kopf der Bevölkerung doch nur zwei Drittel von deren Steuern!

Bei uns wird also von den Ausgaben des Staates nicht viel mehr als ein Drittel wie in England, Italien oder Frankreich durch Steuern aufgebracht, noch nicht halb so viel wie in Oesterreich-Ungarn oder Rußland!

Neben den Landesvcrtheidignngsausgaben zehren keine anderen Ausgaben so stark am Mark der Nationen wie die Summen, die zur Verzinsung der Staats­schulden aufgebracht werden müssen.

F ü r Staatsschulden aber w c r d e n v o n d e n G e s a m m t a u s g a b e n 1892,93 verwendet

Von d e n Schuldenzinsen fallen auf Kopf der Bevölkerung 1892/93

d e n

in in in in in

Italien.....

Oesterreich-Ungarn .

Frankreich . . . .

England . . . .

Rußland . . . .

in Deutschland (Preußen)

. 43,8 pCt.

. 29,3 . 28,4 . 27,9 . 25,7

. 14,0

M

Aber selbst die wenigen 14 pEt., die Deutschland (Preußen) von den Gesammtausgaben für Schulden- verzinsung ausgibt, werden nicht durch Steuern auf­gebracht. Fast sämmtliche preußischen Staatsschulden sind Schulden, die der Staat ausgenommen hat, um die S t a a t s e i s c n b a h n e n zu kaufen; diese aber verzinsen nicht nur die in sie gesteckten Beträge, sondern geben noch darüber hinaus Einnahmen, die der Slaats- kasse zu Gute kommen Sieben Achtel von jenen 14 pEt. fallen aber auf die preußischen Staatsschulden, die den Preußen also nichts kosten und nur für "'s von den 14 pCt., d. i. 1,75 pCt. (die Summe der Reichs- schulden), hat er Steuern zu zahlen.

Die günstige Stellung Deutschlands (Preußens) bei allen solchen Vergleichen wird noch deutlicher, wenn man ausrechnet, wieviel auf den einzelnen Preußen bezw. Deut s ch e n von der Militärlast füllt, und wieviel auf die Bürger der anderen Staaten. Da aber finden wir, daß

die Kosten der Landesvertheidigung be-

tragen 1892 93 auf den Kopf der Bevölkerung in Frankreich......21,1 M.

in iu in in

Frankreich

England......

Deutschland (Preußen) . .

Italien.......

Oesterreich-Ungarn . . .

21,1 M.

17,4

13,9

9,0

7,6

ff

in Frankreich ....

in Italien..... in England .... in Oesterreich-Ungarn . in Deutschland (Preußen) Wir Deutsche aber, die wir pro Kopf der Bevölkerung an obiger Aufstellung tragen sollen, zahlen thatsächlich nur 28,8 pCt. davon in Steuern, d. i. 2,9 M. gegen 16,4 M. in Frankreich, 14,2 M. in Italien, 10,9 M. in England, 8,3 M. in Oesterreich.

. 22,1

. 17,7

. 13*2

. 12,7

. 10,1 anscheinend

M.

10,1

M.

Schuldenzinsen nach

An Schuldkapital fällt a uf den Kopf Bevölkerung 1892,93 .

in in in in in Von

Frankreich England Italien .

620,9

349,4

309,5

M.

ff

d e r

Oesterreich-Ungarn . , . 272,2

Deutschland (Preußen) . . 232,7 diesen 232,7 M. sind rund 200 M.

ff

abermals

preußische Schulden, und die sind gedeckt durch die Eisenbahnen, und nur rund 32 M. sind Reichsschulden, die uns drücken; denn die obigen 200 M. drücken uns nicht nur nicht, sondern die Anlagen, wegen der sie ge­macht wurden, bringen uns noch Geld!

Fassen wir nochmals zusammen, so werden für Landesvertheidigung und Schulden zusammen 1892/93 von den Gesammtausgaben verwendet in Italien . .

in in in in in

England . . . Frankreich . . . Rußland . . . Oesterreich-Ungarn

66,2

64,8

pCt.

ff

54,4

46,9

33,3

ff

Deutschland (Preußen) . .

Von den S t e u e r b e t r ü g e n werden f ü r Landesvertheidigung und Schuldenzinsen z u s a in m e n 1892,93 bezahlt pro Kopf der Bevölkerung

Frankreich . .

m in in in in Aus

England . . Italien . . . Oesterreich-Ungarn

Deutschland (Preußen)

32,1

25,3

21,4

M.

Deutschland (Preußen) . . 6,9

unseren Berechnungen ergibt sich,

ff

rf

daß,.

wie

man den Steuerdruck auch berechnen mag, er in Deutschland am geringste n ist. Wir sind das Land, das den verhältnißmäßig geringsten Theil seiner Staatsausgaben durch Steuern zu decken hat; wir sind das Land, das pro Kopf der Bevölkerung den geringsten, und zwar den weitaus geringsten, Steuersatz aufzubringen hat. Unsere M i l i t ä r a u s g a b e n drücken uns am wenigste n. Unser Schulden- verhältniß ist das günstigste in Europa, man mag es berechnen, wie man will, und ist auch darum das günstigste, weil fast alle unsere Schulden für Anlagen ausgenommen sind, die ihrerseits wiederum der Staats­kasse Reineinnahmen bringen.

Vorstehende Ergebnisse werden durch Hinzunahme der Gemeindesteuern innerhalb der verglichenen Staaten zu den Staatsausgaben kaum verändert.

Auch unter Hinzurechnung der G e- m eindestcuern und Aufbringungen i st Deutschland das Land, in welchem pro Kopf der Bevölkerung bei Weitem am wenigsten Steuern gezahlt werden, also die M i l i t ä r a u s g a b e n am wenigsten den Bürger drücken.

Unter diesen Umständen ist die Behauptung falsch, daß wir an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit an­gelangt seien. Mag man gegen die Militärvorlage Gründe geltend machen, welche man immer wolle: dieser Grund ist hinfällig.

Denn auch selbst nach Annahme der V o r- l a g e zahlt der Deutsche doch immer an Steuern nur 21,8 M., gegen 58,1 M., die der Franzose, 39 M., die der Engländer, 32,3 M., die der Italiener, 28,2 M., die der Oesterreicher zahlt.

Für Landesvertheidigung und Schulden­zinsen zusammen aber zahlt der einzelne Deutsche n a ch Annahme der Vorlagen in Steuern nur 8,1 M., gegen 32,1 M., die an Steuern für diese Zwecke den Franzosen h e u t e schon belasten, gegen 25,3 M., die der Engländer, 21,4 M. die der Italiener, 13,2 M., die der Oesterreicher an Steuern, für Sicherung seines Vaterlandes nach außen und für Verzinsung der Schulden seines Landes, aufbringen muß.

Wen aber solche Zahlen nicht belehren, der ist über­haupt nicht zu belehren, das heißt, der will nicht belehrt sein!

Deutsches Reich.

Berlin, S. M. der Kaiser hat sich am Sonnabend Vormittag von Wilhelmshafen nach Oldenburg begeben, um der großherzoglichen Familie daselbst einen Besuch abzustatten. Nachdem der Monarch im großherzoglichen Schloß das Frühstück eingenommen hatte, ließ er die Garnison alarmieren und trat sodann nachmittags/»3 Uhr die Rückreise _ nach Berlin an. Nach einer Meldung aus Neustrelitz wird das Kaiserpaar am Donnerstag, den 23. d. M., zu einem kurzen Besuch daselbst erwartet.

- Dem Reichstag ist jetzt die schon seit Jahren angekundigte Novelle zum Militürpensionsgesetz zu- gegangen. Die Novelle umfaßt eine große Anzahl von Abänderungen zu dem geltenden Militürpensionsgesetz, und zwar sowohl für die Ober- wie für die Unterklassen. Für die Kommunen von einschneidender Bedeutung ist die Bestimmung, wonach die bisher den Reichs- und Staatsbehörden obliegende Verpflichtung zur Anstellung der Invaliden auch auf die Kommunalbehörden aus­gedehnt und nicht nur für die Fnvaliden, sondern all-

,?'e Juhaber des CivilversorgungsscheineS (Militäranwärter) ausgesprochen wird.

An die zwölftauseud Landwirthe haben sich am Sonnabend. in Berlin eingefunden, um den Bund deutscher Landwirthe zu begründen. Es sprachen die Grasen Limburg und Mirbach, v. Frcge und zahlreiche andere bekannte Agrarier, wiederholten jedoch im Ganzen nur, was die letzte Woche hindurch im Reichstag und Landtage gesagt worden war. Das Programm des Bundes, dessen Hanptgrnndsätze verlesen wurden, ver­langt genügenden Zollschntz für die Landwirthschaft, Doppelwährung, Landwirthschaftskammern, Aenderung der Gesetze über den Unterstsitznngswohnsitz, die Frei­zügigkeit, den Kontraktbruch und den Arbeiterschutz usw.

Eine jetzt von 214 Rabbinern im Deutschen '"eich veröffentlichte Erklärung gipfelt in dem Satz, daß die Sittenlehre des Judenthums keinen Ausspruch und