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SchWernerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKDsblatt" u.Jllustrirtem FamilicnsreUnd" viertcljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

. V 14. Samstag, den 19. Februar 1893.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Februar. Nach Trier ist die amtliche Nachricht gelangt, daß der Kaiser am 2. September die Stadt besuchen wird, um über die zu den Hcrbstübungeu zusammengezogenen Truppen die Parade abzunehmeu.

EinBurentrek" nach Deutsch-Südafrika. Der kapländischePatriot" veröffentlicht einen Aufruf, unter­zeichnet von J. Bosman, datirt aus Rietfontein, worin Äuswanderungslustige aufgefordert werden, sich an einem Zuge nach dem Norden, nach Deutsch-Südwest- afrika, zu betheMgen. Die zu »ertheilenden Räubereien sollen in sechstäger Reise mit dem Ochsenwagen ab Upingtouia am Oranjefluß zu erreichen sein. Die Farmen sind in einer Größe von 10,000 Morgen aus- gemeffen und zum Preise von 400 Lstrl. zu haben. Der Aufruf giebt an, daß an Ort und Stelle voll­kommene Sicherheit gegen Angriffe der Eingeborenen herrsche. Der Burentrek in unserem Gebiet scheint also zu beginnen.

Hamburg, 12. Februar. Durch die Cholera-Epidemie des vorigen Jahres sind in unserer Stadt nicht weniger als rund 4800 Kinder verwaist, von denen 500 Ganz- waisen sind. Man ist jetzt seitens der Behörden damit beschäftigt, den Grad der Bedürftigkeit dieser Waisen festzustellen und Beschluß zu fassen über die Art der den einzelnen Waisen zuznwendendcn Unterstützungen. Es betragen die für solche Unterstützungszwecke cinge- gangenen Gaben 124,095 Mark, einschließlich der Gabe des Kaisers in Höhe von 50,000 Mark. In der Hauptsache wird man darauf bedacht sein, den Waisen nach beendeter Schulzeit eine Stütze zu ihrer ferneren Ausbildung zu bieten, indem man ihren Antheil an dem in Frage stehenden Fonds für sie auf der Spar­kasse anlegt. Die Kosten für Unterricht und Unterbau der Waisen während der Schul- und Lehrzeit trägt selbstverständlich die Hamburgische Staatskasse.

Aus Sachse«. Für die Wiedereinführung des gesetz- I lich verbotenen Schlichtens werden im Königreich Sachsen von intcressirter Seite lebhafte Agitationen betrieben. In Folge einer diesbezüglichen Petition hat die Regierung die Angelegenheit durch eine Commission dieser Tage nochmals begutachten lassen, zu welchem Zweck auf dem Schlachthofe zu Dresden im Beisein der Commission Schächt- bezw. Schlachtversuche an 4 Ochsen stattfanden. Es gehörten dieser Commission an: Geh. Regierungsrath von Ciegeru, Medieinalrath Pros. Dr Siedamgrotzky, Prof. Dr. Ellenberger und Prof. Dr. Johne, als Ver­treter des Veterinärwesens, ferner Geh. Medieinalrath Dr., Lchmann und der Stadtrath Hendel. Beim ersten Ochsen, der geschächtet wurde, war die corusa-Reaction (Reaction der Hornhaut des Auges) nach 3 */a Minuten noch vorhanden, der Eintritt des Todtes nach 5 Minuten. Bei dem hierauf geschlichteten Bullen dauerte die Reaction 6'4 Minuten und bei dem folgenden Ochsen 4 Minuten. An vierter Stelle wurde ein Ochse geschlichtet und genickt nach der Schlichtung erhielt das Thier einen Genick­stich Die Reaction dauerte hier 3'5 Minuten. Nun wurde ein Ochse mit Maske geschlachtet, wie es seit dem 1. Oktober v. I. in Sachsen angeordnet ist, und hier war die cornsn-Ncaction sofort verschwunden und auch der Tod sofort eingetreten. Die Procedur des Schlichtens ist für die Zuschauer geradezu haarsträubend gewesen. Durch das Hinwerfen erlitten die Schlachtopfer schwere Verletzungen, brachen sich Hörner ab und anderes mehr. Ferner waren das Herumdrcheu und Strecken des Halswirbels, wobei der Kopf aus die Hörner gestellt wird, so thierquälerisch, daß man sich mit Abscheu ab- wenden mußte. Noch entsetzlicher war der Anblick der furchtbaren Krämpfe, die nady^em Schächten bei den Thieren eintraten. Auf eine ' Wiederzulassung des Schächtens dürfte hiernach in Sachsen nicht zu rechnen sein.

Leipzig, 13. Februar. In der Augnstastraße der Vorstadt Gohlis unternahm der 25jährige Sohn eines hochgeachteten Mitbürgers, des Fabrikbesitzers Friedrich, einen Mordversuch gegen seinen Vater. Der Herr Sohn, Reserveoffizier, welcher in der chemischen Fabrik des Vaters beschäftigt war, kam mit dem ihm monatlich gewährten Taschengelde von 200 Mark nicht aus, wie er auch sein Einjährigenjahr, das er in Wiesbaden abdiente, gut genoß, denn er verbrauchte während desselben nicht weniger als 17,000 Mark. Wie ge­wöhnlich kam der junge Herr auch am Sonntag bezw. Montag früh erst gegen drei Uhr nach Hause und wurde vom Vater gerade nicht freundlich empfangen.

Darüber ergrimmt nahm er, wie die Saale Ztg. be­richtet, die Gelegenheit wähl, seinem Vater Vorwürfe über daszu geringe Taschengeld" zn machen, und als er entschiedener Ablehnung wegen Erhöhung desselben begegnete, zog er einen Revolver. Durch eine schnelle Wendung des Vaters ging ein auf denselben abge­gebener Schuß dem Bedrohten in ein Bein. Der unnatürliche Sohn wurde auf Veranlassung des Vaters noch in der Nacht verhaftet.

Bon der Saale, 13. Februar. In Pl. erhielt ein Jüngling einen Abschiedsbrief von derGeliebten" wo­rauf er derselbe mittheilte, ergehe nun in's Wasser." Das mitleidige Mädchen übersandte ihm darauf um-- gchend eine Schwimmhose und 2 Schweinsblasen.

Johannisburg, 2. Februar. Drei Loosleute aus Jeroschen hatten, nach der Wasovia, auf gemiethetem Fuhrwerk Kartoffeln nach Johannisburg zum Verkauf gebracht. Nachdem sie ihre Geschäfte abgemacht und sich an Branntwein gehörig gelabt hatten, traten sie des Abends in erhöhter Stimmung bei schneller Fahrt die Heimreise an. Der Loosmann G. war durch den über­mäßigen Genuß von Alkohol so schwach geworden, daß er nicht mehr aufrecht sitzen konnte und auf dem Schlitten liegend die Reise machen mußte, daher kam es, daß er wiederholt vom Schlitten fiel, was seine Freunde verdroß. Diese wußten sich ober zu helfen, legten ihrem Freunde einen Strick mit einer Schlinge um den Hals, banden diesen an den Schlitten fest und verhinderten dadurch das Herunterfallen. Die Reise ging jetzt vortrefflich. Nach etwa dreistündiger Fahrt zu Hanse angelangt, wären dieselben hoch erfreut darüber, daß das theure Haupt nicht verloren gegangen, sie hoben ihren Reise­gefährten auf und wollten ihn in seine Wohnung tragen, doch o Schrecken er war todt. Dieser Fall ist ein sehr bedauerlicher, da der Verstorbene eine Frau und vier kleine Kinder in den ärmlichsten Verhältnissen hinterlassen hat. Das Strafverfahren ist gegen die beiden Loosleute bereits eingeleitet.

Aus dem Steinstaube, 10. Februar. Die Mühlen- besitzer Lauth in Niedermodern hat in ungewöhnlicher Weise einen bedeutenden Geldverlust erlitten. Wie die Hagenaner Ztg." berichtet, hatte Lauth 11,700 Mk. in Papier zu zwei Werthpacketen verpackt, um sie mit der Post wegzuschicken. Als er die Packete versiegeln wollte, erschien der Pfarrer des Ortes, um seinen schwer erkrankten Vater das Abendmahl zu reichen. Nachdem der Müller den Geistlichen in die Krankenstube begleitet, kehrte er wieder zurück und fand seine Geldpackete zu Asche verbrannt. Wahrscheinlich hatten sich die Wcrth- stücke an der auf dem Tische stehenden Kerze entzündet und waren rasch verbrannt.

Gießen, 9. Februar. Hier wurden 8 Metzger zu je 50 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurtheilt, weil sie Stärkemehl in die Fleischwurst verarbeitet hatten, ohne durch Anschlag in ihren Verkaufslokalen das Publi­kum auf den Stärkemehlzusatz aufmerksam gemacht zu haben. Das infolge Berufung von feiten der Staats­anwaltschaft aufgehobene schöffengerichtliche Urtheil hatte auf je 30 Mk. Geldstrafe gelautet.

Ausland.

Paris, 15. Februar. Amtlich wurde festgestellt, daß seit Neujahr in Folge des Panamaskandals 52 Millionen den Sparkassen entzogen wurden. Dem Soleil" zufolge dauert der Schrecken der Einleger fort, die täglich über zwei Millionen zurückziehen.

* Die Franzosen sind nicht zimperlich in Auf­erlegung neuer Steuern. Alle möglichen Steuerformen existiren in Frankreich friedlich nebeneinander und es gibt wenige Dinge, die nicht besteuert sind. Die neueste Blüthe am französsischcn Steuerbaum ist eine Velociped- steuer. Dieselbe beträgt 10 Francs pro Fahrrad und ist am Sonnabend mit 300 gegen 176 Stimmen von der Kammer angenommen worden. Eine Klaviersteuer ist bereits in Aussicht genommen.

Rußland. Während der letzten Schneeverwehungen ist das im russischen Gonvernement Orlow, am Ufer des Flusses Aleschna belegcne, aus 12 Bauerhöfen be­stehende Dorf Priljesty sechs Tage lang buchstäblich vom Schnee verschüttet gewesen. Der angewchte Schnee bedeckte die Dächer vollständig und die Bewohner konnten nur durch Deffnungen, welche sie in die Dächer j und in die über denselben liegenden ungeheuren Schnee- ' Massen machten, ins Freie gelangen. Die Scheunen >

waren derart eingeschneit, daß kein Futter für das hungernde Vieh zu beschaffen war. Die Lage von Menschen und Thieren wurde immer unerträglicher, der Hungertod schien unausbleiblich, bis die Rettung schließ- lufjen durch Zufall erfolgte. Ein Polizeibeamter hatte sich dienstlich nach dem Dorfe Priljesty begeben, fand aber nur Schneepyramiden und Hügel vor, aus denen ihm das Gebrüll der hungernden Thiere entgegen tönte. Nun wurden die Bauern der umliegenden Dörfer mit Pferden, Schlitten und Schaufeln aufgeboten und nach zweitägiger angestrengter Arbeit gelang es, den Zugang zum Dorfe freizulegen und die Verschneiten aus ihrer verzweifelten Lage zu befreien.

Lokales rmd Provinzielles.

Steinü». Am Sonntag und Montag verunstaltet Herr C. Kleuser in der Gastwirthschaft des Herrn Rüffer in Stein au zwei Zauber-Vorstellungen. Von Vilbel wird folgendes geschrieben: Die am Sonntag imPfau" stattgehabte erste Zauber-Vorstellung des Herrn C. Kleuser zeigt die oft geradezu verblüffende Kunstfertigkeit des Künstlers im hellsten Lichte. Die einzelnen Piecen überraschten das sehr zahlreich erschienene Publikum durch ihre Neuheit sowohl, wie durch die Sicherheit, Eleganz und Unergründlichkeit der Ausführung.

Fulda, 15. Febr. Ein Unterrichtskursus für ge­bildete Landwirthe soll in der Genossenschaftsmolkerei Fulda-Lauterbach vom 10. bis 23. April stattfinden. Derselbe ist zwar speziell für Studirende der Landwirth­schaft bestimmt, doch können sich daran auch Molkerei- techniker, Landwirthschaftslehrer nud andere Interessenten bett)eiligen. Die erwähnte Anstalt erscheint für ein der­artiges Unternehmen besonders geeignet, da sie be- dendm^e Quantitäten Milch (täglich 12 bis 15,000 Liter) verarbeitet, auch in großem Maßstabe die Be­reitung von Süß- und Sauerrahmbutter und von französischen Weichkäsen, sowie verschiedenen anderen Käsearten betreibt.

In DransselS hat vor einiger Zeit ein angeblicher Kolporteur Müller ein Werk über den Feldzug 1870/71 zum Abonnement angeboten und sich von den Abonnenten je 4 Mark als Anzahlung geben lassen. Jetzt stellt sich die Sache als Betrug heraus, da bislang nichts von dem Werke geliefert ist; auch hat sich auf Nach­forschungen ergeben, daß der von dem Kolperteur ver­treteneDeutsch-Patriotische Verlag" in Berlin gar nicht epftirt. Es mag dies für ähnliche Fülle zur Warnung dienen.

Gelnhausen, 16. Februar. Der Kreistag hat in seiner Sitzung vom 10. Dezember v. I. zur Hebung der Rindviehzucht die Summe von 20,000 Mark aus Mitteln des Kreises bewilligt. Aus dieser Summe sollen Beihülfen in Höhe von 250350 Mark gewährt werden an diejenigen Gemeinden des Kreises, welche sich entschließen wollen, Zuchtstiere reiner Rasse anzuschaffen und solche nach bestimmten Vorschriften zu halten. Die Vorschriften, welche für die Anschaffung und Haltung der Zuchtsticre, wenn eine Beihülfe beansprucht wird, gegeben sind, werden nunmehr veröffentlicht. Ein Zwang, wie bereits bemerkt, zur Anschaffung von Zuchtstieren reiner Rasse bleibt ausgeschlossen, es steht vielmehr im freien Belieben der Gemeinden, ob sie die Beihülfe des Kreises nehmen und dafür einen Zuchtstier reiner Rasse anschaffen und vorsichtig halten wollen. Es wird aber von den Gemeinden erwartet, daß sie einsehen, welch großer Nutzen namentlich bei der heutigen Lage der Landwirthschaft von einer verbesserten Rindviehzucht zu erwarten ist und daß sie deßhalb gerne Gebrauch machen werden von den bedeutenden Zuwendungen, durch welche der Kreis seinen Gemeinden den Uebergang zu einer besseren Rindviehzucht erleichtern will.

Frankfurt a. M., 11. Februar. In der Berger- straße besitzt ein Bauunternehmer ein Haus, das bis auf eine Mansardenkammer, in der ein Bett steht, ver- miethet ist. Zu Beginn dieser Woche kam die Tochter des Hausherrn in die Kammer und machte die Ent­deckung, daß das Bett benutzt worden war. Erkundigungen in der Nachbarschaft ergaben, daß man schon seit Wochen in der Kammer habe Nachts Licht brennen sehen. Nun wurde auf den ungebetenen Gast aufgepaßt: vorgestern Nacht wurde er, nachdem man die Thüre aufgesprengt hatte, im Bett erwischt und der Polizei übergeben. Er gab ohne Weiteres zu, schon 6 bis 8 Wochen da gc- Ichlafen zu haben. Ein hiesiger Metzger war von