Chriftiania, 9. Februar. Soweit bis jetzt bekannt, sind 123 Fischer bei dem Sturm in der Nähe der Lofoten verunglückt. Ein Aufruf zur Unterstützung der Hinterbliebenen ist erlassen worden.
Rußland. An den russischen Ostseeprovinzen macht die Russifizirling unausgesetzt weitere Fortschritte. Jetzt werden auch die deutschen Städtenamen umgekremvelt. Dorpat in Livland soll künftig Zuriw, Dünaburg aber Dwinck heißen.
Athen, 10. Februar. Das Erdbeben auf Zante dauert bis jetzt an. 20 Todte und 600 Verwundete sind bisher ermittelt worden. In Folge der Erdspaltungen versanken am Kap Kien fünf Dörfer ins Meer.
DieUeberschwemmnngcn in Australien. Aus Brisbane lauten die jüngsten Depeschen untröstlich. Das Wasser steht 30 Fuß tief, in den Straßen der Vorstadt sogar 60 Fuß tief. Viele Fabriken und mehr als 500 Häuser sind zerstört worden. 100 Familien, völlig heimathlos, mußten zu den Booten ihre Zuflucht nehmen. In den unverletzt gebliebenen Häusern ist die Gas- und Wasserzufuhr durch die Zerstörung der betreffenden Röhren unterbrochen. Das Wasser sinkt jetzt. Der Gouverneur hat jetzt endlich, nach Ueberwindung der größten Schwierigkeiten, die Stadt erreicht, da die zwischen Brisbane und Jpswich liegenden Städte völlig unter Wasser stehen. In Australien weiß man sich einer ähnlichen Fluth nicht zu erinnern.
Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 14. Februar.
* — Unser Städtchen rüstet sich mächtig, um die Jahrzehntelangen Versäumnisse einzuholen. So sind die beiden neuen Straßen vom Graben nach dem Amtsberg heute morgen endgültig abgesteckt worden und kann alsbald mit dem Bau der katholischen Kirche und der Privathäuser, die auf den an den neuen Straßen belegenen Grundstücken projektirt sind, begonnen werden. Der Ausbau des Grabenwegs zu einer Fahrstraße ist dann nur noch eine Frage der Zeit. — Die Wasserleitung geht ebenfalls ihrer Vollendung entgegen. Das Hauptrohr ist bereits von der Quelle bis dicht vor die Stadt gelegt. Die Anmeldungen zum Anschluß der Häuser sind erfreulicherweise zahlreich gewesen. Man erwartet, daß bis Ende April die Wasserleitung in Betrieb kommt und damit die Stadt mit gesunden Trinkwasser versehen ist.
q * — Die landwirthschaftliche Vereins - Versammlung findet morgen, Mittwoch den 15. Februar, statt.
$ — Das Jahr 1892 war für die Vaterländischen Frauenvereine im Rcg.-Bcz. Kassel ein befriedigendes. Der Verband der Vereine zählt jetzt 32 Vereine mit 4338 Mitgliedern. Außer in der Pflege von Armen, Kranken und von bedürftigen Wöchnerinnen waren die Vereine in verschiedenster Weise thätig, Arbeitsgelegenheit Armen zu verschaffen, weibliche Handarbeiten zu verwerthen, die Hausindustrie zu heben, die Pflege von sog. Ziehkindern zu beaufsichtigen, Erstgefallene zu unterstützen, skrophulöse Kinder zur Heilung in Bäder zu schicken, den Schulunterricht, soweit er sich auf das Erlernen von Handarbeiten und Haushaltungs-Kennt- nissen bezieht, zu fördern, Näh- und Flickschulen zu unterhalten rc. Für diese Zwecke haben die 32 Vaterländischen Frauenvereine des Bezirkes im Berichtsjahre verausgabt 103,418 M., wobei die unzähligen Gaben von Lebensmitteln, Essen, Kleidungsstücke rc. nicht mit berechnet sind. Die Vereine beschäftigten 50 berufsmäßige Krankenpflegerinnen, darunter 42 Schwestern vom Rothen Kreuz. In den Näh-, Flick- und Haushaltungsschulen der Vereine wurden 530 Schülerinnen, in den Kinderbewahr-Anstalten rund 400 Kinder unterrichtet. Der Bezirksverband hat weiter einen umfassenden Kriegsbereitschaftsplan aufgestellt und stehen im Kriegsfalle über 70 Pflegekräfte, darunter 53 Schwestern vom rothen Kreuze, welche der Kasseler Verein ausgebildet, zur Verfügung. Der Zweigverein Schmalkalden zählt 272 Mitglieder, der in Obernkirchen 204 Mitglieder, der in Witzenhausen 124, in Schlüchtern 119, in Fulda 118, in Gersfeld 113. Die Berichte zeigen, daß die Vereine überall Unterstützung gefunden haben, für die sie am besten danken durch stets vermehrte Anstrengung, den auf sie eindringenden, schwierigen und umfassenden Aufgaben gerecht zu werden.
Bon der Rhön, 10. Februar. Vom Vorstände des landwirthschaftlichen Bezirkskomitees Kissingen, Herrn kgl. Oekonomierath Streit, wird ein reger Eifer entwickelt zur Gründung von Raiffeisenvereinen. Am 11. Januar wurde in Nüdlingen, am 25. in Strahlungen und am 8. Februar in Weichtungen unter Mitwirkung des Herrn Pfarrers Müller in Frickenhausen ein Dahrlehnskassenverein gegründet. Trefflichst wurde diese Thätigkeit unterstützt durch den kgl. Bezirksamtmann Herrn Regierungsrath Baron von Bechtolsheim in Kissingen.
Langenselbold, 8. Febr. Heute Nachmittag wurde von dem Königl. Landrathe dem Bürgermeister von Brauchitsch hierselbst die Einleitung des Disziplinarver- fahrcns wider ihn verkündigt und zugleich die einstweilige Suspension vom Amte verfügt. Bis auf Weiteres ist dem Kreisansschußassistenten Bielefeld in Hanau die Führung der Bürgermeistereigeschäfte über
tragen worden, während die standesamtlichen Handlungen von dem Lehrer Stoppel vollzogen werden. (H. A.)
Marburg, 8. Febr. In einer hiesigen Wirthschaft sollte vor einigen Tagen ein frisches Faß Bier in Zapf genommen werden. Alle dazu gehörigen Vorbereitungen waren getroffen, das Faß aufgestellt, die Leitung angeschraubt, aber das edle Naß blieb aus. Der Bierbursche im Keller that seine Schuldigkeit, er pumpte Luft, daß ihm der Schweiß von der Stirne rinnt, aber vergeblich warten die Gäste auf den neuen Schoppen. Endlich, als alle angewendeten Mittel, dem Fasse einen Tropfen Bier zu entlocken, erfolglos blieben, schickte der Wirth znm Installateur um Hilfe und dieser entdeckte denn auch richtig, daß man ein — leeres Faß aufgestellt hatte. Was einem Alles passiren kann!— (O. Z.)
Walburg, 8. Februar. Es wird vielfach angenommen, bei Viehhandel sei ein „kleiner Geschäftskniff" wohl erlaubt und unter diesem Deckmantel werden mitunter geradezu betrügerische Vorspiegelungen und Manipulationen vorgenommen, wie auch hier derartige Fälle schon zu verzeichnen gewesen sind. Den Viehhändlern wird daher folgende Gerichtsverhandlung von Interesse sein, welche kürzlich in der Stadt M. anstand. — Der Fleischermeister Will). E., Görmarstr., war angeklagt, dem Gärtnereibesitzer M. daselbst eine Kuh verkauft zu haben, welche hinterher nicht die angegebene gute Eigenschaft der reichlichen Milchabgabe gehabt haben soll. E. hatte bei dem Kaufgeschäft 40 Thaler verdient. Der Angeklagte wurde durch die Zeugenaussagen des Betrugs für überführt erachtet und zu 14 Tagen Gefängniß, sowie 50 Mark Geldstrafe verur- theilt. Mildernde Umstände wurden nach der Lage des Falles nicht angenommen. Es müsse darauf gesehen werden, hieß es im Urtheil, daß im Handel und Wandel Ehrlichkeit Platz greife.
Von der Werra. Ein junger Mann in S. a. d. W. wollte seinen großen Pudel, den er nicht länger versteuern wollte, ertränken. Er band ihm einen Stein an den Hals, bestieg mit ihm einen Kahn und ruderte bis in die Mitte des Stromes. Da warf er das treue Thier in den Strom, und es verschwand sofort. Der Strick, woran der Stein befestigt war, zerriß aber, so daß der Hund wieder auftauchte und verzweifelte Anstrengungen machte, um den Kahn zu erreichen. So oft er aber herankam, stieß ihn sein Herr mit der Ruderstange zurück. Nach einer Viertelstunde wurde der junge Mann des Kampfes müde, er packte die Ruderstange mit beiden Händen und führte einen wüthenden Streich nach dem Kopfe des Hundes, verlor hierbei aber das Gleichgewicht, stürzte in den Strom und verschwand. Alsbald änderte sich die Szene. Der arme Hund taufte unter das Wasser, packte seinen Herrn und schleppte ihn keuchend,' nachdem er vielmals vom Strom beinahe fortgerissen worden war, nach dem Ufer. Er hatte ihm und sich das Leben gerettet.
Beverungen, 5, Februar. Dem Fuhrknecht S., an der Sägemühle des Herrn Kohlberg dahier beschäftigt, passirte gestern Nachmittag ein Unglück; derselbe wollte Holz aus dem Walde holen, hatte jedoch seine Last, daß seine Pferde auf ben' glatten Waldwegen nicht stürzten. Unterdessen kam der Knecht zu Fall und in demselben Augenblick tritt ein scharf beschlagenes Pferd auf die rechte Hand, derart, daß sämmtliche Knochen der Mittelhand durch waren und die innere Hand ganz aufplatzte.
Aus dem Werragrande wird gemeldet, daß infolge der strengen Kälte der letzten Wochen die Feldmäuse sehr decimirt worden sind. Zu Tausenden findet man sie bei dem jetzigen Thauwetter todt auf den Aeckern. Also hat der Frost doch auch sein Gutes gehabt.
Schmalkalden, 7. Febr. In Floh ist der Typhus so gut wie erloschen. In den Nachbarorten sind nur noch wenige leichtere Fülle von Typhus in Behandlung. Der Ausbruch der Typhus-Epidemie in Floh soll durch den niedrigen Stand des Grundwassers hervorgerufen worden sein, der in Folge der langanhaltenden Dürre des vorigen Jahres begründet ist. — Um, soweit es nach menschlichem Ermessen möglich ist, eine Wiederholung der Seuche zu verhüten, soll eine Wasserleitungsanlage hergestellt werden, und zwar, damit das beste Project zur Ausführung gelangt, wird ein Landes- meliorationsbeamter im Laufe des Sommers zu diesem Zwecke hier eintreffen und das Erforderliche anorbnen.
Ans Hessen-Nassau, 7. Februar. Zum Zweck der Hebung der Ziegenzucht im Reg.-Bezirk Wiesbaden hat das Direktorium des Vereins nassauischer Land- und Forstwirthe 1000 Mk. bewilligt zur Einführung von Ziegen der rühmlichst bekannten Schweizer Rasse. Es kamen etwa 60 Ziegen und 6 bis 8 Böcke dieser Rasse direkt nach Limburg, von wo aus sie in die vom Vereins-Direktorium errichteten Zuchtstationen abgegangen sind. Vorläufig sind drei solcher Stationen mit Unterstützung des Vereins errichtet, und zwar je eine tn den Kreisen Wiesbaden, Westerburg und Oberwesterwald. Von da aus können dann später garantiert ächte Schweizer-Ziegen abgegeben werden, da es zur Bedingung gemacht ist, daß die Lämmer nicht geschlachtet werden dürfen. Der Verein hat das Verkaufsrecht für die abzusetzenden Thiere. Auf diese Weise verspricht man sich viel zur Förderung der so lange stiefmütterlich be-
handelteu „Kuh des armen Mannes", für die in Hessen- Darmstadt schon Jahre lang manches geschehen^ ist. Dort bestehen sogar besondere Ziegenzucht-Vereine, die ebenfalls Schweizer-Ziegen eingeführt haben.
Konstituierender Unterverbandstag der Raiffeisen'schen Darlehnskassen-Vereine des Kreises Schlüchtern.
(Schluß.)
Nachdem der Vortragende unter brausendem allseitigem Beifall geendet, ergriff Herr Geheimer RegierungsRath Roth das Wort, um für die Einladung und insbesondere den trefflichen Vortrag des Vorsitzenden zu danken, sowie den anwesenden Vereinen seine wärmste Theilnahme für ihre Bestrebungen zu versichern. Er sei nicht, wie ausfälliger Weise oft von ihm gesagt worden sei, ein Gegner sondern ein Freund der Darlehns- Kassrnvereine, wie auch der Bauernvereine und wolle dies hiermit gegenüber jenen völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen und gegenüber den neulichen Angriffen auf die Vereine öffentlich und ausdrücklich erklären. Er handle nur im Sinne und Auftrage der Königlichen Regierung, wenn er den Vereinen, so lange , sie so segensreich wirkten wie bisher, seine und der Stants-Behörde Unterstützung zusage und auch solche von Seiten der Kreisvertretung in Aussicht stelle. , Möchten, so schloß der Herr Regierungsrath unter stürmischem Beifall der Versammelten, den bestehenden Vereinen sich bald noch recht viel neue Vereine in unserem Kreise anschließen und die Sache der Raiffeisenschen Darlchns-Kassenvcrcine auch weiterhin wachsen, blühen und gedeihen!
Der Vorsitzende dankte im Namen der Vereine mit bewegten Worten für die von hoher Seite den Vereinen gewordene werthvolle Anerkennung und versprochene Förderung. Die Versammlung schritt nun zur Con- stituierung des Unterverbands. Es wurde zunächst das Wichtigste über die Einrichtung und den Zweck des Unterverbands mitgetheilt und der Inhalt des Unter- vcrbandsstatuts bekannt gegeben, und dann das Unterverbandsstatut von allen 9 Vereinen angenommen und unterschrieben unter Vorbehalt der nachträglichen Genehmigung durch die Vereine.
Bei der darauf folgenden Wahl, zunächst eines Unterverbandsdirektors, wurde durch Zuruf von allen Seiten Herr Pfarrer Meyenschein-Hohenzell, bekannt als ein warmer Freund und tüchtiger Kenner unseres Bauernstandes, einstimmig gewühlt, zu seinem Stellvertreter i Herr Landwirth May von Sannerz. Dann wurden , drei Commissionen gewählt: I. eine Commission zur ' Vermittelung der gemeinschaftlichen Bezüge, bestehend aus den Herren: Adam Jfft-Niederzell, Johannes Berthold -Hintersteinau, Konrad Müller- Obexkglbach;
2. eine Commission zur Besorgung des gemeinschaftlichen' j Verkaufs, bestehend aus den Herren: Oekonom Weichet- ' Ramholz, Johs. Jahn-Gundhelm, Wilhelm Schlott- Wcichcrsbach, Lehrer Blum-Marjoß, Carl Heil-Sannerz;
3. eine Commission für Verbreitung der ländlichen Genossenschaften, bestehend aus den Herren: Pfarrer Bode- Marjoß, Schmied Bender-Vollmerz, Johs. Gärtner-Elm. Nachdem die Gewählten die Wahl angenommen, wurde das Nothwendigste über die Einrichtung des Unter- verbands besprochen, die regelmäßige Tagung des Unterverbandstags aus Mitte Januar jeden Jahres festgesetzt, im übrigen aber, so oft es nothwendig und ersprießlich sei, Unterverbandsversammlung zu halten, beschlossen. Dem anwesenden Unterverbandsdirektor des Kreises Gelnhausen, der die Sache der Rsisfeisenvereine erst in unseren Kreis verpflanzt und die meisten unserer Vereine gegründet, wurde hierauf ein stürmisches Hoch gebracht.
Den Schluß bildete der Vortrag des Herrn Pfarrer Bode-Marjoß über den Verbandstag vom 27. Dezember v. Js. und die Thätigkeit der zur Untersuchung der neulichen Vorgänge in Neuwied eingesetzten Commission, der Pfarrer Bode als Vertreter unseres Kreises ange- X hörte. Pfarrer Bode, der das Wichtigste aus der geflogenen Untersuchung mittheilte, zeigte, wie die Vereine nach dem Ergebniß der Commissionsverhandlungen nach wie vor mit vollstem Vertrauen zu Neuwied stehen können. >
Darauf schloß der neugewählte Unterverbands- f direktor den 1. Unterverbandstag mit der Aufforderung, in den einzelnen Vereinen für die Förderung der gemeinsamen Sache eifrig thätig zu sein. b,
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Novelle von M W. (Fortsetzung.)
Nie — nie mehr einen Abend wie heute!" stieß die Unglückliche hervor, nachdem sie sich in das Sofaecke gedrückt. „Mag sich morgen auch alles anders gestalten, als ich erwarte, ich verlasse dieses Haus und — sprenge doch diese fürchterlichen Bande! — Irgendwie muß ich Mittel und Wege finden, für meinen armen Bruder zu sorgen — und den Schmuck wieder auszulösen!
„Bedürfte ich nur nicht so großer Summen!" hauchte das Mädchen, und schaute wie in Todesangst vor sich nieder. Dann aber schlug sie mit der Hand vor die Stirn:
„Wenn ich mich nun, falls Donna Mariquita nicht meinen Hoffnungen entspricht, zu der Mutter flüchte und ihr die volle Wahrheit sage? Wie ich sie kenne, wird sie