Haus, Heizer Päsler wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu 1 Woche Gefängniß, die Heizer Guttroß und Steffens wegen militärischen Aufruhrs gegen Vor- gesetzte u. s. w. zur Entfernung aus der Marine und zu 7 bezw. 5 Jahren Zuchthaus.
Ausland.
Frankreich. Ein Ausstand gegen die Socialisten tft das Neueste und Merkwürdigste auf der Straße der socialen Bewegung. In Marseille giebt es einen socialistischen Bürgermeister und dieser hat Vorschriften wegen Einführung eines amtlich festzustellenden Brod- preiscs erlassen, welche die Bäcker in den Ausstand getrieben haben. Demnach kann ein Sozialist, selbst wenn er einmal etwas Gescheites cinführeu will, nicht durchdringen. Marseille hätte kein Brod gehabt, wenn nicht die Regierung die Militär- und Marincbäckereien mobil gemacht hätte. Um die aufgeregten Marseiller zu beschwichtigen, haben die Behörden etwa hundert Backöfen mit Beschlag belegt und Bäckergehülfen, Civilisten und Soldaten, unter polizeilicher Aufsicht an die Arbeit gestellt. Selbstverständlich lief dies nicht ohne heftigen Einspruch der Bäckermeister ab. Die Bevölkerung, die nicht zur gewohnten Stunde ihr Brod hatte, war unruhig und drohte mit Aufruhr, zu dem es am Donnerstag Nachmittag kam. Die zu Hülfe gerufene Tryppen-Abtheilung mußte Feuer geben. Die amtliche Brodtaxe wurde schließlich aufrecht erhalten und 4 die Bäcker mußten nachgeben.
Griechenland. Aus Zante kommt die Meldung von einem neuen Erdbeben, welches begleitet von einem heftigen Sturme am Freitag dort statigefunden und arge Verheerungen angerichtet hat. 10,000 Personen sind zur Zeit auf der Insel obdachlos, 30,000 kampircn im Freien. Viele Menschen sind umgekommen und ungefähr 800 Häuser cingcstürzt. Das englische Kriegsschiff „Camperdown" und drei griechische Kriegsschiffe sind in den Hafen von Zante eingelaufen, um Hilfe zu bringen. Der König wird am Sonntag nach der schwer heimgesuchten Insel abreisen.
381, Hofgeismar 6200, Homberg 969, Hünfeld 269, Kirchhain 6047, Marburg 5080, Melsungen 92 7, Rinteln 2126, Rotenburg 444, Schlüchtern 3730, Schmalkalden 94 8, Witzenhausen 4417, Wolfhagen 5297, Ziegenhain 2372.
Kassel, 2. Febr. Heute früh ’kO Uhr wurde die ständige Feuerwehr nach der Kruggasse geholt, woselbst das Haus Nr. 8 eingestürzt war. Dem vorsichtigen, aber doch energischen Eingreifen der Wehr gelang es, aus den Trümmern unversehrt noch 4 Menschenleben zu retten.
Der neunte hessische Feuerwertag wird am 8. und 9. Juli d. Js. in Witzenhausen tagen.
Bon der Werra, 31. Jan. Eine anerkennenswcrthe Maßregel zur Hebung des Obstbaues ist von dem Königl. Landrathsamte zu Eschwege getroffen worden. Auf dessen Veranlassung war, wie s. Z. berichtet, der Schreincrmeistcr Beck dortselbst, der sich seit vielen Jahren theoretisch und praktisch dem Obstbau gewidmet hat, vom Communalverband beauftragt worden, alle Orte des Kreises zu besuchen und öffentlich Vorträge zu halten über die ärgsten Feinde der Obstkültur. Neuerdings nun ist in den Gemeinden empfohlen worden, die Vorträge des genannten Herrn auch in den Schulen hören zu lassen. Der Anfang ist bereits auch darin gemacht. Herr B. begibt sich mit einer Sammlung der schlimmsten Obstbaumfeinde in die einzelnen Classen und hält da seine sehr anregenden Vorträge über die Beschaffenheit dieser gefräßigen Jnsccten, ihre Um- wandlung, Lebensweise und wie ihre Vernichtung ge- handhabt werden muß. Dahin gehören vor Allem der Apfelwickler, der Weidenbohrer, die Blatt-, Grau- und Blutlaus. Man soll auch beabsichtigen, die Schulen einer Sammlung dieser Obstfeinde anlegen zu lassen, um sie beim naturgeschichtlichen Unterricht sorgfältig zu verwerthen, auch sollen den Knaben Fnngnctzc für die in Betracht kommenden Schmetterlinge verabfolgt werden.
— In cinem Dorfe im Werrathal soll sich vor einiger Zeit folgendes nette Gaunerstückchen zugetragen haben. Eine Zigeunerin kommt auf ein Büreau, um den betr. Beamten zu bitten, ihr 20 einzelne Markstücke mit einer und derselben Jahreszahl für ein goldenes 20-Markstück zu geben. Als es einige Zeit währt und der Beamte Mühe hat, die nöthige Anzahl Markstücke zusammen zu bringen, hilft ihm die edle Zigeunerin die Ge.dstücke suchen. Ais schließlich die nöthige Anzahl beisammen ist, entfernt sie sich bestens dankend. Wie erstaunt aber der Beamte, als er am Abend Kasse macht, daß mehr als 20 Mk. fehlen, welche er nun aus seiner Tasche ersetzen muß. Da dieses Gaunerstückchen auch anderwärts versucht werden kann, sei es zu nll- gemeinem Nutz und Frommen hier veröffentlicht.
Fraukenberg, 1. Februar. Gestern wurde in hiesiger Stadt die Leiche eines 19jährigen Menschen zu Grabe getragen, dessen Todesursache an das Sprichwort: „Kleine Ursachen, große Wirkungen" erinnert, und welcher Fall zur ernsten Mahnung hier mitgetheilt sein mag. Schon seit etwa zwei Jahren fühlte der recht brave junge Mann zuweilen innere Schmerzen, welche inbeffenja zunahmen, daß sie ihn vor etwa 7 Wochen veranlaßten, in Marburg die Klinik aufzusuchen. Dort wurde. er vor einigen Tagen opcrirt und erst einer, zweiten Operation gelang es, in einem starken Leber- Äbsceß einen fußlangen Pilzwurm zu entdecken. Die' Kräfte des jungen Mannes waren indeß nicht mehr im Stande, die vollkommen gelungene Operation zu überwunden, er starb am folgenden Morgen. Vielleicht noch als sehr kleines Kind Hat der Verstorbene in größter Unschuld und Zärtlichkeit sich von einem Hündchen belecken lassen und so. das Würmchcn in feinen Körper gebracht, das für ihn zur Todesursache geworden ist. Darum ihr Eltern, laßt niemals eure Kinder von Hunden belecken und auch kein Erwachsener sollte jemals eine solche Liebkosung eines Hundes dulden.
■■«IWW^WMH._■■>——«'Wnifmi UHUMIIWH.W» WW mj wyMBCTj Susanne.
Novelle von M W.
(Fortsetzung.)
„Thränen in den Äugen, m’amie!“ flüsterte sie in ihrem weichsten, kindlichsten Ton. „O, nicht doch, Liebchen." Leise, ganz leise aber setzte sie noch hinzu: „Die Tante ist freilich ganz abscheulich zu Dir, aber, Susanne, es währt ja nur noch kurze Zeit, dann dürfen Dich ihre Scheltreden nicht mehr erschrecken. Als die Gattin meines Schwagers —"
Der eintretende Diener, der auf großer silberner Platte den Samowar in das Gemach brächte, unterbrach die Wort der schönen Frau. Von diesem Augenblick an sah sich das junge Mädchen fast nur von dem Verlobten unterhalten. Der Bankier war noch geistreicher, noch liebenswürdiger als sonst. Er erzählte ihr das Interessanteste von den Erlebnissen eines Freundes in Südamerika, sprach dann auch von einer weiten Reise, die er gleich nach der Hochzeit mit ihr unternehmen wollte.
„Gott fei Dank," sagte er bei dieser Gelegenheit und streichelte zärtlich die Hand der Verlobten. „Gott sei Dank, daß ich jetzt wieder in der Lage bin, Dir ohne irgend welche Einschränkungen die Schönheiten des Erdballs zu zeigen. Du bist erst so wenig gereist, Geliebte; nun aber sollst Du das Versäumte reichlich nachholen.
Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 7. Febru ar.
* — Zu der am 20, Februar beginnenden Schwur- gerichts-Periode wurden in Hanau laut der „Hau. Ztg." folgende Herren ausgeloost: Konrad Schweinsberger, Gastwirth, Langenselbold; Philipp Müller, Holzhändler Hanau; Sein berget, Kaufmann Schlüchtern; Knoth, Oekonom Rimmels; Stein 2r, Landwirth Eichen; Kertel, Gerbcreibcsitzer Orb; Klug, Bauer Ulmbach; Hefter- mann, Kaufmann Hanau; Vogel, Gastwirth Margrethcn- Haun; Emil Reuter, Kaufmann Hanau; Fischbach, Fabrikant Hanau; Justus Stroh, Kaufmann; Medling, Leinwandhändler Poppenhausen; Schusfert, Landwirth Roßdorf; Klais, Kaufmann Hanau; Hch-ZA), Fabrikant Hanau; Joh. Jac, Landwirth Breitenvach; Lang, Bauer Hohenzcll; Hartmann, Restaurateur Fulda; Hartmann, Fabrikant Fulda; Falke, Fabrikant Fulda; Wild, Bauunternehmer Kcssclstadt; Dingeldein, Privatier Hanau; Wohlfahrt, Landesbau-Jnspektor Gelnhausen; Wcß, Bürgermeister Buchenroth; Schütz, Juwelier Hanau; Hain, Weinhändler Großauheim; Christiani, Polizeikommissar a. D. Hanau; Gg. Bode, Droguist Hanau; Karl Hafner, Oekonom Schlüchtern. Zur Verhandlung gelangt nur eine Anklagesache gegen mehrere Bewohner von Roth bei Gelnhausen wegen Meineid bezw. Verleitung dazu, und wird die ganze Periode nur einen Tag in Anspruch nehmen. Der Vorsitz ist Herrn Landrichter Dr. Brandt übertragen.
— Die Freunde des Obstbaumes werden darauf aufmerksam gemacht, daß es jetzt Zeit ist die Pfropfreiser zu schneiden. Stecklinge von Stachelbeeren, Johannisbeeren, sowie Ziersträuchern soll man ebenfalls jetzt schneiden.
m. Sterbfritz, 4. Febr. Der hiesige Consumverein gibt schon seit ca. 14 Tagen den Centner Roggenmehl für 10 Mark an seine Mitglieder ab. Alle anderen Waaren sind ebenfalls im Verhältniß billiger. Der Umsatz ist deshalb auch ein guter zu nennen.
8. Weichertzbkch, 5, Febr. Mit welchem Leichtsinn die Leute bei Gründung von Raiffeisen'schen Darlehns- kasscn Vorgehen, geht daraus hervor, daß am Tage nach dem Erscheinen des Artikels in Nr. 9 der „Schl. Ztg." der in so rührender Weise zur Vorsicht mahnt, in Weichersbach, natürlich wieder auf Anregung des Pfarrers und der Lehrer, eine Raiffeisen'sche Darlehnskasse gegründet wurde.
r. In Gundhclm ist auch eine Raiffeisenkasse gegründet worden.
Neuhof. Herr Oberförster Dr Jentsch zu Neuhof bet Fulda ist als Nachfolger des vom 1. April als Regierungs- und Forstrath nach Minden versetzten Herrn Uth in die Oberfösterei Kattenbühl und zugleich als Docent an der Forstakademie nach Hann. Münden versetzt worden.
Cassel, 5. Februar. Die den Gemeindekassen im Regierungsbezirk Cassel im Jahre 1892 durch Verkauf von Obst zugeflossenen Einnahmen betragen 68,384 M. 6 Pfg. Auf die einzelnen Kreise vertheilt sich der Bc- lrag wie . folgt: Kreis Cassel 4904, Eschwege 2298, Fraukenberg 1923, Fritzlar 3336, Fulda 503, Gclu- hausen 12,338, Gersfeld 223, Hanau 3641, Hersfeld
Zuvörderst führe ich Dich nach Italien. Wir bringet in Rom die ersten Wintermonate zu und kehren erst zu dem lieben Weihnachtsfeste in die Heimath zurück. Inzwischen wird Bruder und Schwägerin uns ein trauliches Nestchen bereiten. Wie aber das erste laue Wehen über Wald und Fluren geht, Susanne, führe ich Dich wieder hinaus! Aber freust Du Dich denn nicht, Kind?" unterbrach er sich, als seine Schilderungen auch nicht eine Miene in dem blassen Gesichtchen veränderten. „Susanne, Susanne, gibt es denn nichts, was Dich beglücken kann?"
Da hob sich der kleine blonde Mädchenkopf und ihre Lippen öffneten sich:
„O, ja, ja!" wollte sie sagen, „gieb mich frei, erlöse mich von dem Zusammensein mit der Tante! " Aber die Worte rangen sich doch nicht über die Zunge des unglücklichen Kindes. Sie dachte des verpfändeten Brautschmucks und daß sie nicht eher reden könne, als bis sie wieder mit Elisabeth gesprochen und diese ihr Gewißheit darüber gegeben habe, daß die Creolin für ihren armen Bruder sorgen wollte.
„Susanne, ich habe heute wirklich noch kein Wort von Dir gehört," sagte Alfred jetzt doch ein wenig ungeduldig. —
Sie raffte sich mit Gewalt auf.
„O, ich bitte — mir zu verzeihen — aber — aber —" Sie brach plötzlich in leidenschaftliches Schluchzen aus.
„Die Trauer um den Vater absorbiert Dein ganzes Fühlen und Denken," sagte der Verlobte jetzt, während er die zusammeuschaucrnde Gestalt heuchlerisch an sich zog und durch ein paar leise Worte die übrige Gesellschaft vermochte, ihm allein eS zu überlassen, Susanne zu beruhigen.
„Du bist eine treffliche Tochter und ich freue mich dessen, wenn mich auch Dein Schmerz tief bewegt: wer so an den Eltern hängt, mit dankbarer Liebe, der —"
„Bitte :— sprechen Sie nicht weiter — ich — ich ertrage das nicht!" stammelte Susanne und versuchte, sich den Armen ihres Verlobten zu entziehen. Die aber hielten sie wie- mit eisernen Zwingen.
„Nein, nein, Geliebte, ich lasse Dich nicht!" flüsterte er zärtlich, während dcr verhaltene Zorn doch in seinen Augen glühte. „Wenn Du weinen willst um den Todten, so thue es an der Brust des Mannes, dessen höchste Lebensaufgabe — wie ich Dir schon wiederholt gesagt — darin bestehen soll, Dir für alle Zeit Vater und Mutter zu ersetzen.
„Ich finde aber," schrillte jetzt die Stimme Fräulein Marthas dazwischen, „daß Du jetzt genügend Komödie gespielt hast, Susanne. Man muß sich wahrhaftig Deiner schämen — überall guckt das undatierte Schulmeisterkind aus den seidenen Gewändern hervor. Na, Herr Alfred, Sie dürfen mich solcher Ungezogenheiten halber nicht zur Verantwortung ziehen. Hätte ich die Susanne erzogen, sie wäre anders geworden. Aber jmcin Brüder ist zu allen. Zeiten ein sentimentaler Schwärmer gewesen und hat seine Kinder . aufwachsen lassen wie Prinzen und Prinzessinen, die von einer Züchtigung nichts erfahren dürfen. — Da haben Sie nun das Resultat solcher Milde!" Sie deutete verächtlich auf die noch immer schluchzende Susanne. Und während das. Wilden'sche Ehepaar verstohlene Blicke des Spottes mit Alfred wechselten, schüttelte Martha ihre breite Hand und rief außer sich:
„Still jetzt, Mädchen — trink Deinen Thee und sei endlich vernünftig!"
Mit Aufgebot ihrer ganzen Kraft richtete sich jetzt die Gescholtene auf. Sie trocknete die ■ Augen und nippte wirklich an dem kleinen Täßchen von Meißener Porzellan. . Ja, sie antwortete auch auf die Fragen, die man an sie richtete, und ließ geduldig die Zärtlichkeit ihres eleganten Verlobten über sich ergehen. Im Stillen aber hegte sie nur den einen Wunsch, daß dieser Abend erst überstanden sein möchte und sie wieder allein daheim in ihrem Stübchen säße.
Aber auch das Schwerste im Leben geht ja vorüber und Susanne sah ihren Wunsch endlich erfüllt: sie hatte die Abschiedsküsse des Verlobten, die zärtlich heuchlerischen Redensarten des Wilden'schen Ehepaars überstanden, auch die polternden Reden der Tante, mit denen sie sie überreich auf dem Heimweg traktierte, und saß jetzt endlich hinter der verschlossenen Thür ihres SchlafzimmerchenS.
(Fortsetzung, folgt.)
Bermischtes.
— In zehn Stunden eine Lokomotive zu bauen, dieses Hexenstück moderner Maschinentechnik hat vor einigen Tagen die englische Great Eastern Railway in Stradford zum ersten Male ausgeführt. Es galt damit ähnliche Kraftleistungen anderer Eisenbahnbauwerkstätten auszustechen, zunächst den „Record" der „London und Northwestern Railway", die den Bau einer Locomotive vor einigen Jahren in 25 ’/g Arbeitsstunden bewerkstelligte und insbesondere den Triumph der Pensylvania Railroad in Altona (Nord-Amerika), die dieselbe Arbeit am 31. August 1888 in nur 16 Stunden 50 Minuten hatte ausführen lassen. Die Aufgabe bestand nun darin, aus den fertig vorliegenden Einzeltheilen die Lokomotive (36 000 Kilo) und den zugehörigen Tender (31000 Kilo) in möglichst kurzer Zeit zusammenzusetzen und gebrauchsfertig zu machen. Um 9 Uhr 8 Minuten morgen»