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Cementkuung der ganzen noch vorn Spritzwasser der Wellen erreichbaren Felspartie, in Vorschlag gebracht worden. Dieses Cementkleid müßte schon in der tiefsten beobachteten Niedrigwasserlinie beginnen und, so weit das Hochwasser reicht, durch Betonierung erfolgen, deren Masse im Meerwasser eine größere Härte annehmen wird, als der Felsen, aus bem die ganze Insel besteht, selbst besitzt. Die übrigen, zum Teil senkrechten Fels­wände müßten alsdann mit einer starken Cementschicht bekleidet werden, deren Zerstörung immer erforderlich wäre, bevor der Vernichtungsprozeß durch Wasser und Frost den Felsen selbst angreift. Es ist nun die Frage, wie hoch sich die Kosten für diesen großartigen Uferschutz belaufen würden.

* — Die Angelegenheit, betreffend die Auslegung von Annoncen-Büchern in den Eisenbahnwagen und den Aushang von Privatbekanntmachungen und Ge­schäftsanzeigen in den Wartesälen und Vorflnrcn der Eisenbahnstationen gegen einen der Staats-Eisenbahn- Verwaltung zu zahlenden Entgelt ist der „Schles. Ztg." zufolge nunmehr entschieden worden. Beide Ein­richtungen werden binnen Kurzem im Interesse der Erhöhung der Staats-Eisenbahn-Einnahmen thatsächlich erfolgen.

In Alt»»a sind 5 Erkrankungen an Cholera vorge- kommen, von denen 3 tödtlich verliefen.

Stettin, 25. Jan. Ueber einen Unglücksfall, bei dem der Premierlieutenant v. Chamier seinen Tod fand, sind folgende Einzelheiten zu berichten. Von dem hiesigen Pionierbataillon Nr. 17 waren Mannschaften unter Führung des Premierlieutenants v. Chamier nach Daber commandirt, um an Schutzgräben für ein in dortiger Gegend in Aussicht stehendes Gefechtschießen der Infanterie Sprengungen vorzunehmen. Gestern Nach­mittag war ein Sprengloch mit etwa 40 Pfund Pulver gefüllt; es ergab sich jedoch, daß die Zündschnur etwas zu kurz war, v. Chamier wollte die Zündschnur ver­längern. Plötzlich entlud sich die Mine. Die Folgen der Explosion waren schrecklich, Herr v. Chamier wurde vollständig zerrissen; Theile seines Körpers waren bis auf 300 Schritt Entfernung geschleudert, so daß man später nur noch einzelne Gliedmaßen und Knochentheile sammeln konnte, v. Chamier gehörte zu den beliebtesten Officieren der Garnison. Als die Nachricht von seinem Tode gestern Abend hier eintraf, war das Offi- ziercorps im Casino zu einer Ballfestlichkeit versammelt. Die Festlichkeit wurde sofort abgebrochen.

Thor», 23. Januar. Interessant ist es, wie sich die gegenseitigen Anwohner der deutsch-russischen Grenze zu helfen wissen, um im Geschäftsverkehr zu bleiben, hauptsächlich um Nahrungsmittel aus Rußland einzu- führen. Der Verkehr von Personen über die Grenze ist nur auf der Eisenbahn gestattet. Die Einfuhr von Nahrungsmitteln ist aber überall frei. Die russischen Händler beladen nun ihre Wagen und bringen sie an die Grenze. Dort lassen sie den Wagen, nachdem die Pferde durch einige Peitschenhiebe aufgemuntert sind, ohne Kutscher weiterlaufen. Einige Schritte jenseits der Grenze tritt ein deutscher Kutscher hinzu und bringt die Waaren auf den Markt. Der Erlös dafür wird in den Wagen gelegt nnd dieser auf dieselbe Weise nach Rußland zurückgeschafft.

Dsrtmnnd, 28. Jan. Vor dem hiesigen Schwur­gericht stand gestern der Bahnmeister Mülders aus Dorstfeld wegen Verbrechens im Amte. Mülders ist ein vermögender Alaun, der eine ganze Reihe von Summen auf Hypotheken ausgeliehen hat. Aus Hab­sucht hat er sich jedoch um Amt und Brot gebracht. Zu wiederholten Teilen unterschlug er ganze Wagen Eisenbahnmaterial und verkaufte es an Althündler, einmal befand sich sogar eine neue Weiche darunter. Das Betriebsamt führte im Interesse der Sicherheit des Betriebes Arbeiten auf Zeche Germania aus, mit der Leitung war Mülders betraut. Die Arbeiter wurden vsm Betriebsamt ausgelohnt; der Angeklagte erhob aber den Lohn auch unmittelbar von der Zeche und steckte einmal 164 Mk., dann 423 Mk. in seine Tasche. Eines Tages sollte er neue Schienen legen. Statt dessen brach er ein Geleise auf, nahm die neuen Schienen weg, legte alte hin und verkaufte die neuen an die Zeche Germania. Das Urtheil lautete auf vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.

Den Bock zum Gärtner hatte die Polizeiverwaltung in Erfurt mit der Anstellung des nunmehr wieder ent­lassenen Polizeisergeanten Aßmann gemacht. Dieser Sicherheitswächter entpuppte sich nämlich als ein ge­riebener Einbrecher, der wie es sich jetzt herausgestellt hat, etwa 40 schwere Diebstähle auf dem Kerbholz hat. Der Mann wurde vor einigen Tagen sammt seiner Frau verhaftet und ganze Fuhren von Dicbsgnt wurden in der Wohnung des Ehepaars vorgefunden.

1116 Thüringen. Die außergewöhnliche Kälte der vorigen Woche hat seltene Vögel aus nördlichen Himmelsstrichen in unsere Gegend geführt. Bei Gera wurde ein Seeadler beobachtet, und eine Seemöve wurde hier geschossen. In der Nähe von Eisenbcrg wurden zahlreiche Seidenschwänze gesehen, bei Weißenfels wurde eint Reiherente erlegt. Interessant war die Wahr­nehmung, daß sich nächtliche Raubvögel, so die Schleier­eulen, in den Mittagsstunden aus ihrem Versteck wagten und an den für die gefiederten Sänger vorge-

richteten Futterplätzen ihre Nahrung suchten. In Apolda wurden bei solcher Gelegenheit drei dieser ge­fährlichen Raubvögel geschossen.

Ausland.

Pest, 27. Jan. Nach Meldung des Oberphysicats sind in dieser Woche elf Personen an Cholera erkrankt; folglich ist die Cholera im Wachsen. Bei zwei Leuten, die in der Gemeinde Uellö im fester Comitat gestorben sind, ist durch die bakteriologische Untersuchung die Cholera festgestellt. Die Blätter melden aus Takoder daß in das neue Kohlenbergwerk, aus dem seit 80 Jahren brennenden alten Bergwerk, Kohlen gase eingedrungen sind. Es sind 19 Todte aufgefuudcn worden. Bei Verlesung der Namen haben sich von 200 Eingefahrenen nur 60 gemeldet.

Lokales nnd Provinzielles.

Schlächtern, 31. Januar.

* — Wie sich jetzt herausstellt, hat der starke Frost von neulich an den Obst- und Zierbäumen ganz enormen Schaden eingerichtet. Alan findet sehr viele starke Bäume, deren Stamm durch die Wirkung der Kälte vom Erdboden ab bis über 3 Meter Höhe geplatzt ist. Nach dem Urtheil Sachverständiger werden diese Bäume alle eingehen, ist es nicht im nächsten Sommer, so doch übers Jahr. Daß der Obstbau hiesiger Gegend dadurch auf Jahre hinaus starke Einbuße erleidet, ist klar.

—r. ElM, 28. Jan.

„Hei! Dir, tu junger Kaiser, des Reiches Hoffaungsstern, Der Valer Spuren folgen wir mit Dir, unserm Herrn! Mag Krieg sein oder Frieden, wir hallen Deine Fahn, Und folgen Mann an Mann Dir auf aller Ehrenbahn! Wir stehn zu Kaiser Wilhelm in alter, deutscher Pflicht, Dann laßt der alte Herrgott auch feine Deutschen ni^t!

Mit diesen Gefühlen des Dichters wurde auch gestern der Geburtstag unseres Kaisers hier in Schulen, Gesang- und Kriegerverein begonnen. Letzterer Verein begann seine Feier Abends 6 Uhr mit einem Fackelzug —• voran ein gut besetztes Musikkorps — zum Krieger- Denkmal. Hier hielt der Vorsitzende des Vereins in kurzen packenden Worten eine Ansprache über die Be­deutung des Tages und den Ernst der Zeit, mahnend mit der Aufforderung, wie immer treu zu stehen zu Kaiser und Reich, Nach einem begeifterben Hoch auf Se. Majestät und Absingen der Nationalhymne bewegte sich der Zug in musterhafter Ordnung durch die Haupt­straßen des Dorfes nach dem Vereinslokal. Nach kurzer Ansprache begann dann im reichbesetzten Saale der Ball in frühester Stimmung, unterbrochen durch patriotische und komische Ansprachen bis zum frühen Morgen, ohne jegliche Störung, nur von Vielen bedauert, daß das Ende so früh kam, doch in der frohen Hoffnung einer Verlängerung der Freude, eines größeren Kriegerfestes,

welches der Vorstand bei Gelegenheit des Verbandtages, nach dem anderen ab. Der Erfolg war ein furchtbarer; des Hessischen Kriegerbnndes, in Aussicht stellte. Noch' der Knrtätschenhagcl hatte in kurzer Zeit das französische

bemerkt darf werden, daß sich auch der Vereinswirth

Müller die größte Mühe gab, seinen Gästen in jeder Weise gerecht zu werden.

Hanau, 28. Jan. Nach längerer Unterbrechung wird das hübsche Schloß Rumpenheim, das in früheren Zeiten für viele gekrönte Häupter ein Lieblingsaufent­halt war, wieder dauernd bewohnt werden. Viele Hände sind gegenwärtig mit der Rcnovirung des Schlosses beschäftigt, um dasselbe für den Prinzen Friedrich Carl von Hessen, Bruder des Landgrafen von Hessen und jetzigen Schwager unseres Kaisers, würdig herzustellen. Nachdem die Vermählungsfeierlichkeiten am 25. d. in Berlin stattgefnnden haben, wird das hohe Ehepaar kurze Zeit auf Schloß Philippsruhe Wohnung nehmen, worüber die Einwohnerschaft sehr erfreut ist. — Seine Excellenz der Herr Oberpräsident Magdeburg wird sich am 1. Februar nach Philippsruhe begehen, um als Vertreter der Provinz beim Einzug Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich von Hessen und Prinzessin Margarethe von Preußen das neuvermählte Paar zu begrüßen.

Hanau, 26. Jan. Nach Fertigstellung der Schluß­rechnung der Gemeinde-Verwaltung in Mittelbuchen hat sich herausgestellt, daß das Deficit in der Gemeindekasse bedeutend höher ist, als Anfangs erwartet wurde. Aber neben diesem Mamo bestehen auch in den Gemeinde- büchern bedeutende Posten, welche schon seit Jahren in der Rechnung mitgeschleppt wurden, ohne daß solche überhaupt beizutreiben sind, indem die Schuldner keinerlei Vermögen besitzen. Dicserhalb war der ganze hiesige Gemeindevorstand am letzten Montag auf Königliches Landrathsamt geladen, woselbst ihm das Ultimatum gestellt wurde, innerhalb 5 Tagen zu erklären, ob sie geneigt seien, diese Beträge aus ihrer Tasche zu bezahlen. Im verneinenden Falle dürfte es einen schönen Prozeß geben, denn Jemand, der erst 3 Jahre im Amte ist, wird nicht bezahlen wollen, was längst vor dieser Zeit gesündigt worden ist.

Kassel, 26. Jan. Ein schlichter Held aus Hessen. Einige Jahre nach dem zweiten Feldzuge gegen die Franzosen im Jahre 1815 kam aus London nach Hessen ein Packet, das eine ziemlich ansehnliche Geldsumme enthielt. Dasselbe war adressirt: „An den Kanonier Schmeck, ehemaligen Freiwilligen bei der englischen Fremdenlegion. " Dieses Packet wanderte, da der Adressat

wurde eine zweite Versteigerung auf gestern anberaumt, nicht zu ermitteln war, von einem Postamte zum andern1 dies durch Annoncen veröffentlicht und hatten sich

und wurde endlich erbrochen, wobei sich dann ergab, daß außer dem Gelde auch noch eine große goldene Medaille in dem Packet enthalten war. Nachdem dieses werthvolle Packet bereits längere Zeit amtlich aufbewahrt worden war, aber alle Bemühungen, den Adressaten aufzufinden, sich erfolglos erwiesen hatten, führte die Spur endlich im Jahre 1863 auf einen Wegearbeiter Schmeck in Halsdorf, und es ergab sich denn auch wirklich, daß derselbe f. Zt. in den Reihen der englischen Fremden­legion gestanden hatte. Er wurde also vor das Amt zu Rauscheuberg beschieden und nach feinen Erlebnissen in jenem Feldzuge befragt. Er erzählte auch Manches; endlich wurde ihm augedentet, er müsse eine ganz be­sonders hervorragende That ansgeführt haben, sonst würde er doch nicht die goldene Verdienstmedaille und außerdem eine so namhafte Summe erhalten haben, welch' letztere als der Betrag einer Pension an den Inhaber jener Medaille ausgezahlt werden solle, wobei zugleich die Nachzahlungen für die schon verflossenen Jahre berechnet waren. Der gute Mann konnte jedoch auf keine besonders glänzende That, die er ausgeführt, sich besinnen. Zuletzt fällt ihm ein, es könne am Ende die „Geschichte mit dcne Kanone" sein nnd aufgefordert, sich darüber zu äußern, erzählte er folgende Episode aus seinem Leben: „Als der Herzog von Wellington in der Schlacht bei Waterloo vor der Ankunft der Preußen den Andrang des ganzen französischen Heeres auszuhalten hatte, war es unserem Kanonier Schmeck bei seiner Batterie in Folge allzu starken Kanonendonners etwas unbehaglich geworden. So kam ihm die Idee, sich ein bischen „Kurasch" aus seiner Feldflasche zu trinken. Bei diesem Geschäfte war es ihm aber begegnet, daß er sich etwas mehr, als die beabsichtigte „Knrasch" an­getrunken hatte, und in Folge dessen war ihm des Weiteren begegnet, daß er trotz des furchtbaren Kanonen­donners, welcher ihn umtobte, bei seiner Kanone, die er schließlich noch allein bediente, zusammengesunken und eingeschlummert war. Plötzlich schreckt er jedoch wieder aus seinem Schlummer auf, noch nicht ganz nüchtern von feinem „Kuraschetrinken" und nicht wissend, wie lange er geschlummert hatte. Allein der Anblick, der sich ihm jetzt barbot, war ganz dazu geeignet, ihn völlig zu ernüchtern. Die sämmtliche Mannschaft der Batterie, bei welcher er stand, war gefallen und zwar so rasch — vermuthlich von französischen Scharfschützen niedergestreckt —, daß keins der geladenen Geschütze hatte losgebrannt werden können. Außerdem brauste soeben ein französisches Reiterregiment heran, um die Geschütze zu nehmen: dasselbe befand sich gerade in der rechten Schußweite den Geschützen gegenüber. Da galt es allerdings nicht lange besinnen. Er springt auf, ergreift die Lunte, brennt das nächste Geschütz los, läuft dann von Geschütze,

zu Geschütz der ganzen Batterie und brennt schnell eins

Regiment zur Umkehr gezwungen. „Und" — setzte der ehemalige Kanonier seiner Erzählung hinzu — „weiter

war's nix!"

Witzenhausen, 25. Januar. Der etwa 3 Jahre alte Sohn des Bäckers Faber jun. dahier steckte heute in Abwesenheit der Eltern eine weiße Bohne in den Mund. Dieselbe gcrieth in die Luftröhre und hatte den Tod des Kindes zur Folge, da ärztliche Hilfe nicht sofort zur Stelle war.

Mardorf, 25. Jan. Daß auch ein gescheiter Mann einmal einen recht dummen Streich machen kann, hat dieser Tage ein hiesiger Ortsbürger erfahren müssen. Bei der jüngst herrschenden großen Kälte war unsere Wasserleitung zugefroren und infolge dessen Wassermangel eingetreten. Der 30 Fuß tiefe Brunnen des erwähnten Mannes war jedoch von dem Froste verschont geblieben und dieser kam nun auf die Idee, wenn er den Brunnen­schacht ganz mit Schnee an füllte, so würde sich letzterer unter dem Einfluß der gelinderen Brunnen-Temperatur in Wasser verwandeln. Gedacht, gethan, — der Brunnen wurde bis an den Rand voll Schnee geschippt. Als man am anderen Morgen in den: Glauben, nunmehr Wasser in Hülle und Fülle zu finden, nachsah, war der Schnee Schnee geblieben und mit recht langen Gesichtern ging man daran, denselben wieder herauszuschippen.

Frankfurt a. M, 25. Januar. Eine von über 500 Personen besuchte Versammlung des jüngst ge­gründeten „Patriotischen Vereins Frankfurt" beschloß einstimmig folgende an den Reichstag zu sendende Resolution: „Zur Sicherheit des Deutschem Reiches und zur Sicherstellung des Friedens halten wir die Durch­führung der allgemeinen Wehrpflicht auf Grund der gesetzlichen zweijährigen Dienstzeit für dir Fußtruppen und die fahrende Artillerie für unbedingt erforderlich. Wir geben keinem Abgeordneten unsere Stimme wieder, der durch Ablehnung der Militärvorlage das Vaterland Gefahren aussetzt. Die Sicherheit des Vaterlandes steht uns höher, als das Interesse irgend einer Partei."

Usingen, 21. Jan. Werth des Jnserirens! Vor einigen Tagen wurden circa 100 Pappelbäume an der Merzhauser Chaussee einer Versteigerung ausgesetzt und dies blos in hiesiger Stadt durch die Schelle bekannt gemacht. Es wurden im Ganzen nur 30 Mark gelöst und deshalb die Genehmigung nicht ertheilt. Später