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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familieufreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 4. Samstag, den 14. Januar 1893.

Deutsches Reich.

Berlin. S. M. der Kaiser ist am Mittwoch Morgen von Sigmaringen nach Karlsruhe gereist, woselbst die ( Ankunft Mittags, kurz nach 1 Uhr erfolgt ist. Kurz darauf hat sich der Kaiser nach Straßburg begebeu, wo ; er gänzlich unerwartet eingetroffen ist und sofort die ; Garnison alarmieren ließ. Am Donnerstag gedenkt der Kaiser von Straßburg noch Rastatt zu fahren, von wo - bis Ettlingen manövriert werden soll. Bon Ettlingen wird der Monarch gegen Mittag an der Spitze des Leibdragouer-Regilnents in Karlsruhe einreiten. Diese Reiseändcruug scheint in letzter Stunde verfügt worden zu sein, da der gestrige Hosbericht meldet, daß der Kaiser Mittwoch Abends 10 Uhr von Karlsruhe die Rückreise nach Berlin antreten werde. S. M. der Kaiser soll auf der Rückkehr von Sigmnringcn auch in Kassel eintreffen. DieHessische Morgcuzcitnug" schreibt nämlich: Die diesjährigen Hofjagdeu nehmen Donnerstag und Freitag in dieser Woche in den Ge­markungen Eichwald, Hciligenrode und Nieste ihren Anfang. Nach einem sehr bestimmt hier auf- tretenden Gerücht wird die AnlMcnheit des Kaisers zu den Jagden erwartet.

Der Prinz Friedrich zu Solms-Brannfels ist von einem schweren Unfälle betroffen worden. In seiner Eigenschaft als Sekunde Lieutenant bei der vierten Schwadron des zweiten Garde-Ulanen-Regiments hatte er auf dem Exerzierplätze hinter der neuen Kaserne des Königin Äugusia-Regimcnts dienstliche Uebungen ab zuhalten. Auf demselben Gebäude bewegte ein Artillerie- .: Offizier sein Pferd, und der Zufall wollte es, daß | beide Offiziere einander nahe kamen. Plötzlich schlug F das Pferd des Artilleristen hinten aus und traf den Prinzen so unglücklich an das rechte Bein, daß die L-Siiktoeilie und das Schienbein zerschmettert wuroen. | Der schwerverletzte Offizier wurde zunächst nach seiner Wohnung in der Kaserne getragen und von dort auf ärztliche Anordnung mittelst des Kopp'schen Kraukcu- Salonwagens nach der königlichen Klinik in der Ziegel- straße übergeführt. Ob das Bein erhalten werden kann, ist noch nicht zu übersehen; jedenfalls dürfte der Prinz lange Zeit au das Krankenlager gefesselt sein und wohl auch nicht wieder dienstfähig werden.

Auch in . diesem Jahre sollen, wie sicher ver­lautet, bedürftigen Veteranen der Feldzüge 1813/10 am Geburtstag des verewigten Kaisers Wilhelm I. Unterstützungen gewährt werden. Etwa noch lebende Veteranen können sich mit einem diesbezüglichen Gesuch an das nächste Bezirkskommando ihres Aufenthalts­orts wenden.

Straßburg i. E, 11. Januar. Seine Majestät der Kaiser traf heute Mittag gegen 1 Uhr hier ein, begab sich vom Bahnhof zu Pferde auf die Hauptwache, allarmirte die Garnison und ritt nach dem Exereierplatz beim Polygon. Die meisten Häuser und Straßen, welche Seine Majestät der Kaiser passirte, waren be flaggt. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge bewegte sich durch die Straßen und begrüßte Seine Majestät | mit jubelnden Zurufen. Gegen halb fünf kehrte Se. | Majestät der Kaiser an der Spitze des 138. Infanterie

I Regiments vom Polygon in der Stadt zurück.

I Hamburg. 8. Januar. Die Medizinalbehörde hat an die verschiedenen Gesundheits-Kommissioneu ein Schreiben gerichtet, in welchem sie darauf hinweist, daß die neuerdings vorgekommenen Cholernfälle nicht auf Infektion des Abwassers, sondern auf Unreinliche Wobnungsverhälnune und sonstige Uebertragung zurück

I zuführeu sind. Den Kommissionen ist gleichzeitig ein ' psohlen worden, ihr besonderes Augenmerk auf Wohnungen, insbesondere auf Speisehäuser, Herbergen, Kinderspiel- plätze, Wäschereien k. zu richten. Dieses Vorgehen ist gewiß lobenswerth- daß jedoch das Elbwasser durch Hineiüwcrfen zmammengefnhrener Schneemassen, der von den Pferdebahnschienen herrührenden Seesalzjauche und des Straßenkehrrichts nicht besser werden kann, ist

- 1 eine Thatsache, die gewiß Niemand bestreiken wird.

Hamburg, 11. Januar. Von der Mannschaft des spanischen /Dampfers MuMno" find weiter drei Leute an der Cholera erkrankt. , DerDampfer ist voll­ständig verseucht und wird gründlich desinfizirt. Die i -jollbehörde hatte den Dampfer so streng beaufsichtigt, I ' daß die Mannschaft unmöglich landen konnte. Ferner / wurde bei einer aus Bargtehaide zugereisten Person pud einem Schiffsarbeiter die Cholera konstalirt. Aus

dem benachbarten Elmshorn wird ebenfalls ein Cholera fall gemeldet) welcher tödtlich verlief.

Aus Schleswig Holstein, 7. Januar. Vor einigen Wochen ging die Meldung durch verschiedene Blätter, daß ein in Kiel für Rechnung der türkischen Regierung erbautes stattliches Tarpedoschiff, das im Dezember mit voller Besatzung vom Kieler Hafen nach PM in See gegangen war, unterwegs in einem schweren Wetter mit Mann und Maus untergegangen sei. Das Schiff hatte, wie sich später herausstellte, in der Gegend des Kattegat und Skagcrak furchtbare Stürme zu bestehen; dank der vorzüglichen Banart konnte das Fahrzeug dein Orkan widerstehen und seine Fahrt fortsetzen, nachdem es einen Nothhafen angelaufen hatte. Wie jetzt eine aus be- theiligtcu Kreisen stammende Notiz mittheilt, ist das Torpedoboot glücklich in Malta eingetroffen. Die Fahrt des neuen Schiffes hat wiederum bewiesen, daß die auf deutschen Schiffswerften erbauten Kriegsfahrzenge von anerkennenswcrthcr Vortrefflichkeit sind. Die hohe Pforte besitzt nunmehr zehn in Deutschland fcrtiggestelltc Torpedo­boote, die sich alle vorzüglich bewähren.

Torlmurd, 10. Januar. 1300 Mark Belohnung werden von dem königlichen Eisenbahn-Betriebsamt resp, dem Staatsanwalt hierielbst demjenigen zugesichert, der den Thäter ermittelt, welcher durch Dynamit am Sonntag Abend den Schnellzug Berlin-Köln auf Bahnhof Rauxel in große Gefahr gebracht hat.

Gclscnkirchen, 9. Januar. Eine Dynamitexplosion hat vor den in der Nähe des Bahnhofs belegenen Hotels Baumeister und Döbbeckr stattgefunden. Dynamit- patronen wurden auf den Fensterbänken des Hotels niedergelegt und und mittelst Zündschnur zur Explosion gebracht. Die Hotelgäste sind, ohne Schaden zu nehmen, ins Freie geflüchtet. Die Fensterscheiben sind theils zertrümmert, die Mauern wurden leicht anfgerisfen. Auf die Ermittelung der Urheber des Dynamitatten tates sind von dem Bürgermeister 3000 Mark als Be lohuung ausgesetzt worden. Vier Führer der Streikenden sind verhaftet worden, darunter Blattern, weil derselbe geäußert hatte, er wünsche, daß Gewalt angewendet werbe. Die hierher Unberufene Bergarbeitersammlung ist verboten und das Versammlungslokal polizeilich ge­schlossen worden.

Essen a. d. Ruhr, 10. Januar. Die Preise für sofort lieferbare Kohlen beginnen zu steigen. Aus der Ruhrorter Hafen-Niederlage wurden an eine Elberfelder Firma 1W Doppelwagen Kesselkohlen zu 12 Mk. und an eine Essener Firma 70 Doppelwagen Flammkohlen zu 14 Mk. verkauft.

Essen a. d. Ruhr, 11. Jan. In Düsseldorf sind Mannschaften vom 11. Husaren- und 5. Ulanenregiment, sowie vom Infanterie-Regiment Nr. 39 zu einem Bataillon combinirt und znm Abrücken in das rheinisch westfälische Kohlenrevier bestimmt.

Trier. Wie dieTrier. Ztg."aus guter Quelle" hört, ist über den Verlauf des Prozesses Stock Bericht von Allerhöchster Stelle eingefordert worden. Es sollen demnächst noch mehrere ähnliche Fälle hier in Trier zur Verhandlung kommen. Das Zeugenverhör und die Verträge des Staatsanwalts und des Vertheidigers wurden Abends um 8'/- Uhr beendet. Der Staats- anwalt beantragte gegen den Pfarrer Stöck neun Monate, gegen die Mutter des entführten Kindes sechs Monate Gefängniß. Das Urtheil wird am Donnerstag ge­sprochen werden.

Karlsruhe, 10. Januar. Von dem Leib Grenndier- Regiment sind neuerdings vier Mann an Genickstarre erkrankt. Man beabsichtigt, wenn der Gesundheitszustand sich nicht bessert, sämmtliche Mannschaften zu beurlauben. In den nächsten Tagen trifft eine Militärkommission von Berlin zur Untersuchung der Kaserne ein.

Würzburg, 11. Januar. In der vergangenen Nacht binD in dem königlichen Schutlehrer-Semiuar, einem ehemaligen Angustinerkloster, Feuer aus. Der Direktor, 81 Seminaristen und der Oekonom des Seminar- retteten nur das nackte Leben. Der größte Theil des Gebäudes ist durch das Feuer und durch das zur Löschung desselben verwandte Wasser zerstört, so daß ein Neubau erforderlich fein wird.

Aus Ostpreußen. Die größte -Eisenbahnbrücke in Deutschland. Die zur Zeit im Bau begriffene Fordoner Eisenbahnbrücke über die Weichsel wird die größte Brücke werden, welche Deutschland aufzuweüen hat. Während die Dirschaner Eisenbahnbrücke 783 Meter lang ist, wird

die Fordoner Brücke 1325 Bieter lang werden und damit genau die Länge der StraßeUnter den Linden" in Berlin erhalten. Die Brücke erhält Raunt für zwei Geleise, von denen zunächst erst eins gelegt wird; ferner erhält die Brücke eine Fahrstraße für Fuhrwerk und zwei Wege für Personenverkehr. An der Brücke arbeiten 920 Arbeiter und 23 Techniker. Im Herbst 1893 wird die Brücke voraussichtlich dem Betriebe übergeben werden können. Sie kostet 9 Millionen Mark, und ihr Ban ist hauptsächlich aus strategischen und militärischen Rück­sichten angeorbnet worden.

Padgorz (bei Thorn), 0. Jan. O diese Schwieger­mütter! Ein hiesiger Hausbesitzer, der mit feiner Schwiegermutter in einem Hause zusammen wohnt und von ihr am Sylvesterabend den Hausschlüssel nicht er­halten konnte, hob die eine Hälfte der Hausthür aus und nahm sie mit sich. So kam er bequem wieder ins Haus.

Posen, 8. Januar. Heute ist hier ein Feldwebel der hiesigen Garnison verhaftet worden. Derselbe hat 800 Mark unterschlagen, die an Soldaten adressiert waren, bezw. die an Soldaten gerichteten Packele (hauptsächlich die Weihnachtspackete) geöffnet und die Geldbeträge herausgenommen.

Ausland.

Amsterdam, 11. Januar. Ein aus Utrecht hier zugereister Mann starb hier an der Cholera. Auch aus dem Haag wird ein Fall von asiatischer Cholera gemeldet.

Newyork, 11. Januar. In Folge vorzeitigen Los- gehens eines Sprengschusses in einer Kohlengrube zu King im Staate Colorado sind 27 Bergleute getödtet worden.

Lokalrs und Provinzielles.

Schlüchter», 13. Januar.

* In verflossener Nacht sank das Thermometer auf 15° unter Null. An exponirten Stellen soll es sogar auf 19° gesunken sein. Eine solche grimmige Kälte dürfte hier seit langem nicht beobachtet worden sein.

* Das neueste Amtsblatt für den Regierungsbezirk Cassel enthält die vom 1. April d. Js. ab gültigen Vorschriften für die steuerfreie Verwendung von undenaturirtem Spiritus zu Heil-, wissenschaftlichen und gewerblichen Zwecken.

* Berichtigung. In Bezug auf den Artikel in voriger Nummer dt. Schlehen hausen, ersinnt uns der betr. Verkäufer des fraglichen Gutes um Auf­nahme folgender Richtigstellung:Der Hauptgrund, daß der fragliche Verkauf nicht abgehalten wurde, ist der, daß der provisorische Vertrag nicht definitiv ab­geschlossen und an diesem Tag nicht perfect werden konnte, wie es projectirt war, da der eine Käufer an diesem Tage verhindert war zu kommen. Es ist un­wahr, daß die Käufer den Verkauf beginnen wollten, da solche das Verkaufslokal gar nicht betreten haben."

* Eine ungewöhnlich strenge Kälte herrscht, wie derN. P. Z." mitgetheilt wird, im Hessenlande, in Berg und Thal zu gleicher Zeit. Auf Flüssen und Teichen hat sich infolge dessen (wir hatten bis zu 18 Grad Celsius unter Null) eine außerordentlich starke Eisdecke gebildet. Bei Cassel an der Drahtbrücke hatte das Eis gestern schon eine Dicke von 24 cm. Die ganze Fulda ist in eine einzige Eisbahn verwandelt. Eine besonders heftige Kälte wird aus Oberhessen, vom Vogelsberg n. s. w. gemeldet, wo das Thermometer bis zu 25 Grad Celsius herabging.

* Aus der Strafkammer-sitzung vom 9, Januar. Ein Holzarbeiter ans Oberteil ist des Diebstahls eines Buchenstammes und der Urkundelifälschung bezichtigt. Der Angeklagte hatte auf einer Holzversteigerung in der Oberförstern Oberzell zwei Buchenstämme getauft, beim Abfahren aber seinen Stamm Nr. 368 liegen lassen und dafür einen anderen mit Nr. 268 bezeich­neten mitgenommen. Als nun der Eigenthümer des letzteren Stammes erfuhr, wo derselbe hingekommen war, begab er sich in tue Wohnung des Angeklagten und fand daselbst sein erstandenes Holz auch vor. Auf Vorhalten suchte der Angeklagte feinen Abfuhrscheiu hervor, auf welchem die Zahl 368 in 268 umgcäuderl war. Der Angeklagte beftreitet nun entschieden diese Correctur vorgenommen zu haben, der Zettel sei ihm vielmehr bereits geändert übergeben worden. Aus der