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MüchternerMung

Erscheint Mittwoch n. Samstag Preis mitKreisblatt" n.Jllustrirteiu Fannlienftdund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

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.N 3. Mittwoch, den 11. Jnnnar 1893.

IM^ehtiim^l E dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ------------------- Posmnstaltcn und Laudbrieftrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin 7. Januar. Die Kaiserlichen Majestäten degaben sich heute Nachmittag aus Anlaß des Sterbe tnge§ weiland Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta nach dem Mausoleum zu Charlottenburg und ver­weilten daselbst längerer Zeit in stiller Andacht.

Vor einigen Tagen ist mitgetheilt worden, daß der Kaiser bei der Neujahrs-Parolcausgabe im Berliner Zeughause den Major von Arnim vom 4. Garde- Regiment zu Fuß unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberstlieutenant zu seinem Flügeladjutnntcn ernannt hat. Diese Auszeichnung erscheint deshalb ganz besonders bemerkenswcrth, weil unter der Leitung des genannten Offiziers bei dem 2. Bataillon des 4. Garde-Regimentes der Persisch mit der zweijährigen Dienstzeit gemacht worden ist, welcher als Beweis für die Durchführbarkeit der Reform für die gesummten Fußtruppen gedient hat.

Der König Christian von Dänemark wird am 22. d. M. nach Berlin kommen und dort den Festlich­keiten aus Anlaß derHochzeit der Prinzessin Margarethe von Preußen und des Geburtstages des Kaisers beiwohnen.

Die bevorstehende Ernennung des Erzbischofs Krementz und Fürstbischofs Kopp von Breslau zu Kardinälen befördert die beiden kirchlichen Würdenträger auch in Preußen zu einer der höchsten Rangstufen. Bor ihnen stehen nach dem Hofrang-Reglement vom 19. Januar 1878 in der Rang-Ordnung nur General-' Feldmarschälle, der Ministerpräsident, die fünf obersten Hofchargen und die Ritter vom Schwarzen Adler-Orden. Sie rangiren vor den Häuptern sämmtlicher standcs- herrlichen und sonstigen fürstlichen Ftzmilien, vor den Staatsministern, sämmtlichen Generalen und den Prä­sidenten der beiden Häuser des Landtages.

Der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der

der Stölgebühren für kirchliche Aufgebote, Trauungen auf einen allgemeinen Streif hinzielen. Daß dies Be- und Taufen in dem Regierungsbezirk Kassel ist dem! ginnen bei dem gänzlichen Mangel an Mitteln nncnd-

Äbgeordnetenhause zugegangen. Der Entwurf hat die­

selbe Fassung wie die früheren, auf andere Landestheile bezüglichen Vorlagen. Dem zu bildenden landeskirch- lichen Fonds wird eine jährliche Staatsrente von 36,800 Mk. überwiefen.

Köln. Durch die Explosion einer Granate wurde am Samstag Abend in der Restauration Bolder an der Sandbahn in Köln ein schweres Unglück angerichtet. Der Metzgergeselle Christian Keupmann, der als Ober- gefreiter bei der Artillerie gedient hatte, war im Besitz einer Sammlung von Artillerie-Geschossen, welche er sich nach und nach zu verschaffen gewußt. Am Samstag Abend bemerkte er bei einem Althändler am Griechenmarkt eine Granate der Feldartillerie im Schaufenster liegen. Er kaufte sich diese Granate, welche noch gut erhalten war; mir der Zünder fehlte. Es war ein sogenannter Blindgänger", eine Granate, welche nicht erepirt war. Gegen 10 Uhr betrat Kcupmann mit einem hiesigen Metzgermeister die Wirthschaft von Bolder, wo der Wirth und etwa 15 Gäste in der Wirthsstube saßen. Kcup­mann zeigte nun seinem Begleiter und dem Wirth die Granate, worauf ihn Letzterer aufmerksam machte, daß die Granate ja noch geladen sei und ihn ersuchte, das Lokal zu verlassen. Keupmann aber behauptete, er als alter Artillerist wisse das besser, sie sei entladen. Um nun den Beweis für letztere Behauptung zu erbringen, warf er ein Zündholz in die Oeffnung, wo früher der Zünder gesessen hatte. Darauf verbat sich der Wirth entschieden jede Hantirung mit dem Geschoß. Kcupmann steckte aber seine brennende Cigarre in das Zündloch hinein. Plötzlich sprang das Geschoß mit einer gewaltigen Detonation auseinander und riß dem Unvorsichtigen die rechte Hand an der Wurzel ab. Splitter der Granate trafen den ihm gegenübersitzenden Metzger, den Wirth, mehrere Gäste und den Kellner. Keupmann waren zwei Splitter der Grannate in die Brust gedrungen, seinem Freunde hatte ein Splitter einen Arm zer­schmettert, ein anderer Splitter verletzte ihm schwer die Schulter. Einem entfernt sitzenden Gast drang ein Splitter in die Seite, ein zweiter in das Knie, dem Wirth ein Stück Granate in den Unterleib; vier andere Gäste wurden durch kleinere Splitter mehr oder minder erheblich verletzt; dem Kellner wurde ein Finger abge­

rissen. Der schwerverletzte Kcupmann lief wie irrsinnig über die Straße nach seiner nahe gelegenen Wohnung. Bier der Schwerverletzten wurden von der schnell herbei- gceiltcu Feuerwehr nach Anlegung von Nothvcrbändcn nach dem Bürgerhospital gebracht. Das Lokal hat durch das explodirende Geschoß schweren Schaden gelitten; alle Scheiben, Tische und Stühle sind zertrümmert.

CrefUd, 3. Januar. Ueber eine schivunghaft be­triebene Butterfälschung berichtet die Crcs. Ztg. Der hiesige Butterhändler Heinrich C. stand bereits ' seit Jahren im Verdacht, Margarine mit billiger Natur- butter zu vermischen und dieses Gemisch dann als echte Naturbutter in den Handel zu bringen. Den eifrigen Bemühungen der Rcvicrpolizei ist es nun gelungen, das ganze Fälschernest auf einmal auszuheben. Als nämlich dienstbaren Geister des C., welche in Gestalt von Bäuerinnen gekleidet waren, zum Ruhrorter Markte zogen, wurde die Gesellschaft beobachtet und überwacht. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel trat jedoch die heilige Hermandad hervor und beschlagnahmte die ganze Fabrikation beim flottesten Handel. Die chemische Untersuchung hat zu Tage gefördert, daß diese Butter meistens aus Margarine bestand. Wie groß der Ilm- sap dieses Fabrikanten gewesen sein mag, kann man beurtheilen, wenn man erführt, daß in einem Monat letzten Jahres über 3000 Pfund Margarine angekommen sind. Neben dem Genannten haben sich als Gehilfen bezw. Gehilfinnen zu verantworten dessen Ehefrau und Sohn Matthias sowie dessen Tochter Christine und die Dicustmagd Franziska Sch.

Aus Westfalen. Der Bergarbeiterausstand des SaarrevierS greift nun auch auf den großen rheinisch- westfälischen Grubenbezirk über. In mehrfachen am Freitag stattgehabten großen Bcrgmannsvcrsammlungen wurde der sofortige Ausstand beschlossen, ein allgemeiner Streik wird erwartet. Die Leute glauben bei der herrschenden Kälte kürzere Arbeitszeit und höheren Lohn durchsetzen zu können. Auch in Belgien und Nord- frankreich und England zeigen sich Bestrebungen, welche

lich viel Elend und großen Schaden für die Industrie hervorrufen müßte, liegt sehr nahe.

Dortmund, 8. Jan. Eine Bergarbeiter-Versammlung beschloß für morgen den Strike.

Dortmund, 9. Januar. Hier ist alles ruhig an der Arbeit. DerRheinisch-Westfälischen Zeitung zufolge würde es sich erst nach der morgen stattfiudcuden Lohnabschlagszahlung entscheiden, ob der Bochumer Auf­forderung zum Streik Folge geleistet werde. Die Agitation unter Tage für den Ausstand wird lebhaft betrieben.

Bochum, 8. Jan. Die soeben hier im Schützenhof, denn größten Saale Westfalens, abgehaltene Bergarbeiter- Persammlnng hat für Rheinland nnb Westfalen den allgemeinen Strike proklamirt.

Gelsenkirchen, 6. Januar. DieGelsenkirchener Zeitung" meldet: Eine zahlreich besuchte Bergarbeitcr Vcrsammkung beschloß sofort in Strike einzutreten. Es wird befürchtet, daß ein allgemeiner Strike zum Aus­bruche kommt.

» der Mosel. Derl 892er ist doch ein Teufelskerls so schreibt man von der Mosel. Den Gasthofsbesitzern bringt er so feste Kunden in's Haus, daß es besonderer Vorkehrungen bedarf, um sie wieder aus dem Hause zu schaffen. Allnächtlich muß ein gastlicher Wirth in Z. seine Kutscher aus Den Betten holen, um die Mühselig- beladenen nach ihren Behausungen befördern zu lassen. Unb so ist es nicht nur an einem Ort und nicht nur in einem Gasthof. Ein unanfechtbares Zeugniß für die männerübcrwindeude Kraft des 1892erS aber gibt die nachstehende wortgetreu wicdergcgcbcne amtliche Be­kanntmachung:Um dem voraussichtlich zu erwartenden nächtlichen Unfug in Folge der Wirkung des 92er p. p. mit aller Entschiedenheit entgcgcnzutrctcn, wird hiermit die gesetzlich festgesetzte Feierabendstundc 11 Uhr in Erinnerung gebracht. Merl an der Mosel. Der Gemeinde-Vorsteher."

Trier, 6. Januar. Ein vor die Expedition der NennkirchenerSaar- und Vlicszcitnng gestellter Krug mit Sprengpulver explodirte und demoliric die Festster.

Darmstadt, 3. Januar. Gestern Abend ereignete sich in unserer Nähe folgender Unglücksfall. Bei einem von Aschaffcnbnrg kommenden Güterzug der hessischen

Ludwigsbahn trennte sich infolge Bruchs des Kuppelungs- nagels der vordere Theil der Lokomotive von dem Tender, und stürzte der Lokomotivführer Stcitz rücklings auf die Schienen, wo er von den Rädern des nach- rolMden Zuges völlig zermalmt wurde, der Verunglückte hinterläßt außer seiner Wittwe neun unmündige Kinder. Auch der auf der Lokomotive befindliche Heizer Schäfer stürzte hinab, doch gelang es ihm, beim Fallen sich an der Lokomotive festzuklammern und mit großer Anstrengung wieder hinnufzuarbcitcn, worauf er die Maschine nnd dann auch den Zug zum Stillstand brächte. Der Mann, welcher in der äußersten Todesgefahr seine Kaltblütigkeit nicht verlor, hat hierdurch nicht nur fein Leben gerettet, sondern auch die hessische Ludwigsbahn vermuthlich vor einem beträchtlichen Schaden bewahrt.

KarlSruhe, 6. Jan. Die Genickstarre ist im hiesigen Leib-Grcnndierrcgiment in beunruhigender Weise anf- getreten. In den letzten 14 Tagen sind 12 Soldaten Daran erkrankt und vier gestorben. Eine Genesung ist bis jetzt bei keinem der Befallenen eingetreten. Das zweite Bataillon, bei dem die ersten Erkrankungen ein- traten, war bereits vor Weihnachten auf die umliegenden Dörfer verlegt worden. Morgen wird das erste nnd dritte Bataillon nach Rastatt dislokirt werden und damit die Kaserne geräumt sein.

Leipzig. (Gesuchte Persönlichkeiten.) Nach einer vorgenommenen Zählung werden gegenwärtig 25,381 Personen von dem hiesigen Polizeiamt und anderen Behörden steckbrieflich verfolgt. Unter den Gesuchten befinden sich 1 Marquis, 3 Freiherr», 4 Grafen, 10 Professoren, 18 Rechtsanwälte, 16 Acrzte, 5 Pastoren, 5 Dr. phil., 3 Gemeindevorstände, 130 Lehrer, 84 Studenten, 25 Redacteure, 45 Schriftsteller beziehungs­weise Journalisten, 26 Architekten, 68 Ingenieure, 22 Postassistenten, 28Bankbeamten, 53 Cassirer, 23 Bankiers, 110 Buchhalter, 108 Fabrikbesitzer, ü Rittergutsbesitzer, 52 Jnspcctoren, 67 Bauunternehmer, 173 Agenten, 103 Schauspieler, 260 Musiker, 844 dem Militärstande Angehörende (darnnter 1 Major, 2 Capitäne, 3 Premier- u nd 10 Secondelieutenants, sowie 1 Roßarzt, ferner 1260 Kauf- und Handelsleute, 6600 Handwerker, 5000 Fabrik- und Bergarbeiter, 3460 landwirthschaftliche Arbeiter, 630 Kellner, 182 Zuhälter, 140 Zigeuner, 440 Dienstmädchen, 310 Kellnerinnen nnd 162 Kinder. Wittenberg. Einen komischen Mißerfolg hatte eine dieser Tage auf dem Külsoer Revier abgehaltene Jagd. Zu derselben war das etwa 2500 Morgen große Revier in der Nacht zuvor waidgerecht eingelappt worden, und es haben dann 15 Schützen, die von 25 Treibern unterstützt wurden, in sechs Treiben nicht einen Hasen, nicht ein Huhn gesehen und nicht einen Schuß abgegeben. Die Herren haben aber doch die Genugthuung, behaupten zu können, daß keiner von ihnen auf dieser Jagd einen Hasen gefehlt hat.

Mittweida. Nach amtlich bestätiget Mittheilung der Direktion des Technikum zu Mittweida beruht die kürzlich in verschiedenen Zeitungen aufgenonnnene Notiz über Ausschreitungen dortiger Studirender auf voll kommencr Unwahrheit. Die Direktion war genöthigt, einige Vereine, welche sich von ihrem ursprünglichen Ziele, die Wissenschaft zu pflegen, abwendeten, aufzulösen, und ausAerger hierüber hat eines der betroffenen Mit­glieder mittelst einer Postkarte, welche mit einem fingirten Namen unterzeichnet war, den bekannten Artikel an die Dresdener Nachrichten, Dresden (Königreich Sachsen), eingcsandl. Die Redaktion brächte anstandslos diese Unwahrheiten zum Abdruck und veranlaßte dadurch andere Zeitungen zur Weitervcrbrcitnng.

Ein Wurstfabrikant in Licgnitz beabsichtigte auf der Weltausstellung in Chicago eine Wurstkabrik, die mit den besten Maschinen der Jetztzeit ausgerüstet sein sollte, und einen Verkauf vonwarmen Wienern" zu errichten. Für den hierzu nöthigen Ausstellungsraum verlangten die Leiter der Chicagoer Ausstellung eine Platzmiethe von 200 000 Mk. Die Folge dieser amerikanischen Un vcrfrorcnheit war natürlich, daß dem Fabrikanten die Lust zu dem Geschäft vergangen ist.

Crone a. ä. Brahe, 5. Januar. Zu Nutz und Frommen aller Nimrode sei hier das folgende seltene Jagdabentener miebergegeben. Die Geschichte hat vor anderen Jngdgcschichten das Eine voraus, daß sie wirk lieh wahr ist. Der Betreffende ober richtiger der Be­troffene, ein Bürger unserer Stadt, lag dieser Tage dem edlen Waidwerk ob und erlegt dabei eine Riese,