Grsundhritslehre.
Milch. Der Milch gebührt unter allen Lebensmitteln der erste Platz. Sie allein unter allen enthält sämtliche zur Ernährung des Menschen nothwendigen Bestandtheile und vermag darum Beim Kinde ein so beträchtliches Wachsthum zu erzielen, wie es später nicht wieder vorkommt. Gute Kuhmilch besteht aus 87 Theilen Wasser und 13 Theile fester Stoffe; die letzteren setzen sich zusammen aus ungefähr 4 Theilen Eiweiß, 4 Theilen Fett und 8 Theilen Zucker. Der Erwachsene kann ja in der Regel nicht von Milch allein leben, da er dazu täglich 3—5 Liter brauchen würde. Dennoch ist sie für jedes Lebensalter höchst werthvoll, da der Magensaft sie sehr kräftig verarbeitet und der Darm ihre fetten Stoffe fast vollständig aufsaugt. Besonders für Greise ist sie sehr wichtig. Wer ihren Geschmack nicht mag, kann sie sich leicht durch eine Messerspitze Kochsalz schmackhaft machen, an das man sich sehr rasch gewöhnt.
Fürs Haus.
Das Filzigwerden derWollwäsche zu vermeiden, soll man dieselbe nicht in zu heißem Wasser waschen, keine oder doch^nur möglichst wenig Soda nehmen, dagegen aber reichlich seife verwenden. Als ganz besonders geeignete Seife empfiehlt sich hier die sogenannte Salmiak-Seife, welche man teigig und in festen Stücken aus jeder größeren Seifen- Handlung beziehen kann. Wollsachen dürfen weder gerieben, noch gerungen werden, sie dürfen auch nicht lange in der Lauge stehen und werden am besten in Seifen- oder Salmiakwasser gespült und müssen sofort und möglichst schnell getrocknet werden.
Kindererziehung.
Erziehungsregeln. Vater und Mütter, führet ja bei der Ermahnung einerlei Wort. Es ist ein jämmerlich Ding, wenn der eine gur Linken, der andere zur Rechten will; wenn der eine niederreißt, was der andere aufbauet; wenn das arme Kind so zwischen Thür und Angel stehet. Väter und Mütter, seid fest gegen eure Kinder! Wenn ihr mit gutem Grunde etwas befohlen oder verboten habt, bleibet dabei, laßt euch durch die Widerrede, laßt euch durch die Thränen der Kinder nicht umstimmen. Unter einem festem Willen werden auch feste Herzen gezogen. Diese fehlen eben jetzt so sehr. Es ist aber ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde.
Frugekaste«.
H. R. Wenn Sie Schlosser sind, können Sie in die Kaiserlich-Deutsche Marine eintreten und werden dort zum Marine-Maschinisten ausgebildet, auch wenn Sie das Zeugniß als Einjährig Freiwilliger nicht besitzen.
C. H. in M. Die Höhe der Invalidenrente richtet sich nach dem bisherigen Verdienste und nach der Dauer der Versicherung Lezw. Versicherungspflichtigen Beschäftigung. Sie kann unter Umständen niedriger fein als die Altersrente und deßhalb müssen Altersrenten-Empsänger besonders vorsichtig sein, sie zu beantragen. Neben einander werden Alters- und Invalidenrente nie gezahlt, sondern nur die eine oder die andere. Der Antrag ist beim Bürgermeisteramte zu stellen, da Sie in einer rheinischen Stadt von über 10000 Einwohnern wohnen.
W. H. in Braunschweig. Ein Missionszögling muß der Regel nach zur Zeit der Aufnahme das zwanzigste Lebensjahr zurückgelegt und das vierundzwanzigste, höchstens fünfundzwanzigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Ein Misstonszögling muß wie jeder andere wehrpflichtige Deutsche seiner Wehrpflicht genügen.
F. B. in A. Es kann für nicht in der Gemeinde ein- hetmifche Kinder, welche die Volksschule besuchen, Schulgeld erhoben werden (Gesetz vom 14. Juni 1888). Hierunter wird auch das von Ihnen angenommene Kind fallen, da Sie es höchst wahrscheinlich nicht gerichtlich adoptiert haben.
N. X. in Th. 1. Ein Pachtvertrag, bei dem über die Dauer der Pacht nichts verabredet ist, gilt im Gebiete des Preußischen Landrechts als auf ein Jahr geschlossen. Die Kündigung muß, soweit nichts anderes Bestimmt ist, sechs Monate zuvor erfolgen. 2. Die Beiträge eines Arbeiters zur Invaliden- und Altersversicherung werden, wenn er später zu einer anderen Beschäftigung übergeht, nicht zurückerstattet.
Räthsel.
Einsilbig.
Frühe verkünd' ich den Lenz In des Baumes Wipfel; doch hast du Mich im Gesichte, du läßt Grau mich stechen. Was ist's?
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: Zeitschrift.
Die Batterie der Tote«.
Die feierliche Enthüllung des dem Hauptmann der Artillerie von der Gräben und dessen „Batterie der Toten" errichteten Denkmals auf dem Königgrätzer Schlachtfelde fand am 3. Oktober statt. Hauptmann August von der Gräben hat am 3. Juli 1866 eine der schönsten Waffen- thaten der unglücklichen österreichischen Armee vollbracht. Seine Batterie hatte sich an dem Artilleriekampfe gegen die vordringenden Kolonnen der preußischen 8. Infanterie- Division erfolgreich betheiligt. Als in den ersten Nachmittagsstunden das Erscheinen der Armee des Kronprinzen von Preußen die entscheidende Wendung herbeiführte, war von der Gräben, der die Gefechtslage augenblicklich erfaßte, ausschließlich darauf bedacht, das Abfahren der in den nächsten Geschützdeckungen aufgestellten Batterien der Korps-Geschützreserve zu ermöglichen, für die Infanterie Zeit zur Sammkung, zur Front- und Flügelveränderung zu gewinnen, und es war ihm klar, da er zu diesem Zwecke seine Batterie und sich selbst opfern mußte. Rasch entschlossen fuhr er im Galopp bis auf zweihundert Schritte an den Westrand von Chlum an und ließ die preußischen Abtheilungen mit Kartätschen beschießen. Das furchtbare Schnellfeuer der Preußen machte jedoch die Batterie, kaum daß sie zu schießen begonnen, wieder verstummen; beim zehnten Schuß lag fast die ganze Batterie Mann und Pferd,, gefallen da, auch Hauptmann von der Gräben. So hatte sich von der Gräben mit seiner Batterie Helden- müthig geopfert, aber auch sein nächster Zweck war erreicht. Die verderblichen Wirkungen der Armee des preußischen Kronprinzen wurden im ersten Augenblick abgewehrt und derart verringert, daß das dritte österreichische Korps außer sieben Geschützen der Gröbenschen Batterie nur noch zwei überdies bereits demontirte Geschütze verlor und bis zum Beginne des allgemeinen Rückzuges seine Ordnung bewahren konnte. Dem heldenmüthigen Artilleriehauptmann wurde in der Folge das Ritterkreuz des Maria-Theresia-Ordens als Gefallenem zuerkannt, und nun wurde seine und seiner „Batterie der Toten" Heldenthat durch ein würdiges Denkmal in Form einer Säule verewigt. Die Ausschriften sind zu beiden Seiten eines an der Frontseite der Säule befindlichen Kreuzes in deutscher und tschechischer Sprache angebracht und zwar: „Den Helden der Batterie der Toten." Der Säulenfuß trägt gleichfalls in deutscher und tschechischer Sprache die Inschrift: „Auf dieser Stätte fanden nach beharrlichem Kampfe den Heldentat in der Schlacht vom 3. Juli 1866 August von der Gröben, k. k. Hauptmann, Ritter des Maria-Theresia-Ordens, Kommandant der Kavallerie-Batterie Nr. 7.-VIII. Friedrich Wolf, k. k. Ober- Lieutenant, und 52 Mann treu bis in den Tod." Das ganze Denkmal ist aus Sandstein ausgeführt, die Verzierungen und Geschütze sind aus Bronze.
Die deutsche Flotte.
Der italienische Admiral Bettolo, der jüngst den deutschen Seemanövern anwohnte, hat ein geradezu begeistertes" Urtheil abgegeben über die deutsche Flotte, deren Leistungen alle Erwartungen überträfen. Namentlich die Torpedoboote seien für den Angriff die vortrefflichsten Fahrzeuge der Welt. Gleiches Lob zollt der italienische Admiral den Mannschaften wie dem Offizierkorps.