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Die Lebens-Utzr.

Nach der Sonne sollst du richten Deine kleine Lebens-Uhr.

All' Lein Denken, Thun und Dichten Folge deines Gottes Spur.

Stets dem Ganzen dich zu toctsin Soll dir höchste Wonne sein.

Darum gab dir Gott die Liebe, Gab die Hoffnung dir ins Herz;

Schenkte rege Schaffenstriebe, Gab das Glück dir und den Schmerz; Nicht wie du willst, wie er will Führt er näher dich dem Ziel. L. H.

Aas Wrot.

Die Zeit der Roggenernte ist vorüber. Dank dem heißen Erntewetter ist die wichtigste Halmfrucht leicht und schnell eingesammelt worden. Schon hat der Erdrusch begonnen, und das Brotkorn lohnt in befriedigender Weise. Sowohl zum Saatgut, als zum täglichen Bedarf ist bereits ein gut Angebot auf den Markt gebracht worden. Deo Ertrag des Roggens ist im Durchschnitt besser als man es bei der großen Hitze des Frühlings vermuthen konnte. Auch dies Jahr wird es der deutschen Landwirth­schaft gelingen, den Hauptbedarf des Landes an Brot­mehl zu decken.

Es ist eine besondere Wohlthat, die dem Land­mann mit dem günstigen Ausfall der Roggenernte beschert ist. Denn wo genügendes Brotkorn vor­handen ist, da ist das unentbehrlichste Lebensmittel für jedermann im Lande ohne besondere Mühe zu haben, und die Arbeit des Landmannes findet durch die Menge des Körnerertrages den ihr gebührenden Lohn. Es ist dieser verhältnißmäßig günstige Aus­fall des Brotkornes dem Landmann um so mehr zu gönnen, als die Futterkräuter für's Vieh diesmal vielfach ausgeblieben sind und der Mangel an Heu und Rauhfutter durch Futterniehl und Kleie gedeckt werden muß.

Das Brot ist etwas so Alltägliches, daß man es gemeiniglich nicht zum Gegenstand besonderen Nachdenkens und Rühmens macht. Immerhin gilt vom Brot, was von vielen Dingen des täglichen Lebens gilt: es ist großer Bewunderung werth. Wir achten es gleich als einen werthvollen Hausfreund. Oder sprechen wir nicht gern vomlieben Brot?" Wir loben es als diejenige Gabe Gottes, die uns un­entbehrlich ist; wir preisen es als die Speise aller Speisen, welche den Körper des Müden durchdringt und ihn stärkt, welche den Hungernden erquickt und kräftigt. Vorzüglich der Landmann ist von Jugend auf gewöhnt, mit dem Brote fein säuberlich umzu- gehen. Denn er weiß es: Das Brot ist Gottes­gabe, obgleich es erst in mannigfacher Gestalt durch unsere Hände gehen muß, ehe wir es bei unseren Mahlzeiten genießen können.

Ja, wieviel Tage saurer Arbeit gehören dazu, das Brot zu vollenden! Wenn irgendwo, so erfährt man in der Landwirthschaft die buchstäbliche Er­füllung des uralten Wortes:Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen." Noch ist die heiße Sommerszeit vorhanden, da bereitet der Landmann bereits den Acker zur Aussaat für das Brotkorn. Um Michaelis erfolgt die Aussaat. Herbst und Winter ist die Wartezeit für den Landmann. Im

Frühjahr wird sein Herz beim Anblick des Wachs­thums hoffnungsfreudig gestimmt. Es kommen die Tage des Juni und Juli mit ihrer Hitze, mit Ge­witterschwüle und Hagelschlägen, und der fromme Sinn des Landmannes steht im Stillen für sein liebes Korn um ein gnädiges Wetter. Die Ernte vollendet den Kreislauf der Entwickelung des Brot- korns auf dem Felde. Fleißige Hände mähen und binden die Garben und fahren sie ein. Kräftige Arme dreschen alsdann die Körner auf der Tenne aus. Der Müller mahlt das Korn. Die Hausfrau oder der Bäcker säuert den Mehlteig und macht die Brote für die heiße Ofenglut zurecht. Und nach etlichen Stunden verkündet der kräftige Geruch des frischgebackenen Brotes, der das Haus erfüllt, daß wiederum vollendet sei, was Gott gegeben zur Leibes-Nahrung und Nothdurst, das liebe tägliche Brot.

Das liebe Brot, wahrlich! ein hohes, dankens- werthes Gut, das uns täglich vom lieben Herrgott aufgetischt wird. Aber das schönste ist, daß dies liebe Brot uns Christenleute an ein noch viel kräftigenderes und erquickenderes Brot erinnert, an ein Brot, dessen Genuß wahre Nahrung geben kann. Kennst du dieses Brot des Lebens? D.

Ukeh-Ausfuhr aus Deutschland.

Keine Thatsache spricht deutlicher für den großen Nothstand, in welchem sich die deutsche Landwirthschaft während der letzten Jahre befindet, als die fast gänzlich zurückgegangene Ausfuhr von Vieh. In dem ersten Jahre seit der Gründung des Reichs betrug der Export von Vieh nach der amtlichen Handelsstatistik 190,8 Millionen Mark. Er erreichte seinen Höhepunkt 1876, wo der Werth desselben bis auf 259,4 Millonen gestiegen war. Während der Jahre 1877 bis 1888 bewegten sich die Ausfuhrgrößen zwischen 88,9 Millionen bis 222,9 Milli­onen Mark, als im Jahre 1889 plötzlich der gesamte deutsche Viehcxport auf 30,4 Millionen Herabsank und 1892 noch ein weiterer Rückgang um 4 Millionen Mark eintrat. Die deutschen Landwirche haben also in den letzten 4 Jahren aus dem Export von Vieh im Ver­hältniß zu den früheren Jahren eine Mindereinnahme von 300 bis 400 Millionen Mark gehabt. Unmöglich kann die deutsche Landwirthschaft diesen Ausfall in den Ein­nahmen aus der Viehzucht auf die Dauer ertragen. Alle Landwirthe wissen, daß die Ursachen dieser in den letzten Jahren so auffallend geringfügigen Ausfuhr in den vom Auslande eingeschleppten Viehseuchen und den Ab­sperrungsmaßregeln der Nachbarstaaten gegen die Einfuhr seuchenverdächtigen Viehes aus Deutschland zu suchen sind. Es ist ferner hinlänglich bekannt, daß die Viehseuchen im Reiche nur durch Maßnahmen gründlich beseitigt werden können, welche die Möglichkeit der Einschleppung vom Auslande gänzlich ausschließen. Nur die schärfsten Ein­fuhrverbote gegenüber allen Staaten, welche seuchen- verdächtig sind, können hier helfen.

Schul-Pflicht.

Es ist in weiten Kreisen die Ansicht verbreitet, daß die Schulpflicht eines Kindes einfach mit der Zurücklegung eines bestimmten Alters beendet sei. Diese Meinung ist jedoch falsch. Wird ein Kind, auch wenn es nach seinem Lebensalter nicht mehr schulpflichtig wäre, vor der förm­lichen Entlassung nicht zur Schule geschickt, so liegt eine strafbare Schulversäumniß vor. Eine etwa. verzögerte Entlassung berechtigt nur zur Beschwerde bei der Schul- aufsichtsbehörde nicht aber zum eigenmächtigen Zurück­behalten des Kindes.