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Schwarz Arbeiter.

Ueber seine Erfahrungen beim Bau einer Telegraphen­linie in Deutsch-Ostafrika schreibt der Telegraphen-Assistent Krause u. a. folgendes:Die meisten gegen Monatslohn befchäftigten Arbeiter gehörten ihrem Stamme nach den Suaheli an, es waren aber auch viele von den Waniam- west- und Wasegua-Stämmen dabei. Zu Arbeitern eigneten sich die intelligenteren Suahelis, zu Trägern die anspruch- losen aber auffallend stumpfsinnigen Waniamwesi- und Wasegna-Leute am besten. Bei der Herstellung des Weges haben die Neger recht fleißig gearbeitet; es wäre daselbst mit deutschen Arbeitern nicht mehr auszurichten gewesen. Auch bei Ausführung der anderen Arbeiten konnte ich über Mangel an Verständniß im allgemeinen nicht klagen. Die Leute machten das, was ihnen einige Male vorgezeigt war, ziemlich getreu nach, mehrere Neger zeigten sich auch recht anstellig; der Hauptfehler aber, den man bei allen Negern gemeinschaftlich findet Unbeständigkeit und Unzuver- lässigkeit, ließ alle diese Vorzüge zu schänden werden. Ihr persönliches Verhalten den Weißen gegenüber bot zu keinem Tadel Veranlassung. Im Verkehr unter sich be­stand stets Verträglichkeit; Streitigkeiten von Bedeutung kamen unter den Leuten fast nie vor. Der leichte Sinn und die gewohnte Heiterkeit, welche für diese echten Tropen­kinder recht bezeichnend sind, traten bei der Arbeit sowohl wie auf dem Marsche und im Lager recht oft zu Tage. Besonders bei dem Durchforsten wurde fleißig gesungen, und Stunden lang konnte man oft ihr kazzi moto (heiße Arbeit) vernehmen. Der Sturz eines starken Baumes wurde jedesmal von denen, die ihn gefällt hatten, mit starkem Geheul begleitet, das von einigen Negern durch kurze Freudenschreie dann wieder beantwortet wurde. Eines Tages behauptete ein Neger, sein Monatslohn sei fällig, er arbeite bereits 32 Tage und verlange seinen Lohn. Er zeigte einen Grashalm vor, in welchem sich 32 Knoten befanden, und behauptete, nach seinem Arbeits­antritt an jedem Tage einen Knoten in denselben gemacht zu haben; nach der Liste ergab sich, daß der Mann erst 26 Tage arbeitete. Es mußten diesem Manne Leute gegen- übergestellt werden, die früher angenommen waren als er und deren Lohn auch noch nicht fällig, oder der Mann mußte auf andere Weise darüber aufgeklärt werden, daß er sich geirrt und an verschiedenen Tagen anstatt einen Knoten zwei Knoten in den Grashalm gemacht hatte. Ein anderer Neger behauptete gleichfalls, daß sein Monat ab- gelaufen sei, und gab an, daß der Mond jetzt am Himmel genau dieselbe Stellung einnebme, wie bei seinem Arbeits­antritt. Wohl an 15 bis 20 Neger bitten täglich um Medizin; dem einen thut es hier, dem anderen da weh. Es sind meistens solche Kranke, deren Einbildungen nur auf Geister- und Aberglaube zurückzuführen sind. Mit einem Löffel Rizinusöl oder mit einem anderen billigen unschädlichen Mittel waren diese Leute dann wohl immer zufriedengestellt, aber alle solche Auseinandersetzungen er­forderten viel Zeit und Geduld."

Seemannsteiden.

Vor kurzem traf in Christiania der größte Theil der Mannschaft des am 8. Juni bei Jan Mähen nördlich von Island gestrandeten norwegischen Dampf-Fangschiffes Arctic" ein, welche Mannschaft 15 Tage lang in offenen Booten im Eismeer zubringen mußte, bevor sie sich nach Island hinab retten konnte. DerArctic," Kapitän Gjertsen, hatte am 6. März Tönsberg verlassen, um sich auf den Robbenfang ins Eismeer zu begeben. Am 8. Juni gerieth das Schiff bei Nebel und hohem Seegang aus dcr südöstlichen Seite von Jan Mähen auf Grund und strandete, so daß sich die 29 Mann starke Besatzung in die sechs Boote retten mußte. . An Bekleidung hatte die Schiffsmannschaft weiter nichts, als was sie auf dem Leibe trug, und Proviant nur äußerst wenig, etwas Bier, hartes Brot, Margarine und Pökelfleisch, doch durfte von j

letzterem nichts genossen werden, um keinen Durst zu er­regen. Kapitän Gjertsen, ein Mann von 32 Jahren, der bereits neun Jahre Robben- und Walfischfang im Eis­meer betreibt, hielt den Muth seiner Mannschaft aufrecht; es wurde das vom gestrandeten Schiffe mitgebrachte Segel in vier Stücke getheilt, auf den Booten angebracht und der Kurs auf Island gerichtet. Das Bier war bald ver­zehrt und die Mannschaft hatte gleich anfangs vier Tage hindurch keinen Tropfen Wasser genossen, bis sie von dem unterwegs angetroffenen Eise ihren Durst löschen konnte. Das Brot war bald vom Wasser aufgeweicht und un­genießbar. Die Schiffbrüchigen, deren Kleider von Regen und Seewasser durchnäßt waren, hatten ungemein zu leiden. Mit den größten Schwierigkeiten hatten die Bome zu kämpfen; wenn sie ins Eis geriethen, dann mußten sie mitunter große Strecken über die Eisschollen gezogen werden. Bei einer solchen Gelegenheit kam einst ein Boot außer Sicht, und erst nach 36 Slunden gelang es, dieses wiederzufinden. Endlich nach vierzehntägigen Leiden be- kamen die Boote die kleine nördlich von Island liegende bewohnte Insel Grimsö in Sicht, wo die völlig erschöpfte Mannschaft die erste Pflege erhielt. Die Schiffbrüchigen haben, dank der eisernen Natur der norwegischen See­leute, die Fahrt glücklich überstanden, auf der'sie während der fünfzehn Tage 190 Seemeilen gerudert und gesegelt waren.

Neue Uordpol-Erpedition.

Lieutenant Pearh ist der Führer einer neuen Polar- Expedition mit dem DampferFalcon." Dieselbe hat sich zunächst nach Jngelfield-Fjord bei Smiths Sund begeben. Hier sollen drei Mitglieder der Expedition ver­bleiben. Die übrigen wollen über das Binnenlandeis nach Jndependence Bay gehen. Bon hier will Peary mit einem Begleiter gegen Norden weiter ziehen, um die Gegend, welche möglicherweise nördlich von Grönland liegt, zu untersuchen. Dies ist das Hauptziel der Expedi­tion. Sollte man indes Polareis, welches nicht in zu starker Bewegung ist, treffen, so will man versuchen, bis zum Nordpol vorzudringen. Im Sommer 1895 hoffen Peary und seine Begleiter nach Amerika zurückzukehren. Der Falcon hat sechs Eskimohunde an Bord und wird in Hopedale, Labrador, anlausen, um noch mehr zu be­schaffen. Auch führt er acht Burrou- oder Colorado- Esel an Bord sowie 20 Brieftauben, um Nachrichten von Lieutenant Peary zu bringen, während er sich auf dem Marsche nach seinem Winterquartier befindet. Die Expedi­tion ist wohlausgerüstet und führt auf zwei Jahre Lebens­mittel mit sich. Auf dem Falcon befinden sich Lieutenant Prary, dessen Frau, eine Begleiterin der letzteren, die Frau eines der Offiziere und eine Mannschaft von zwölf Mann. Lieutenant Peary will ein in Theilen trans­portables Haus an die Küste von Bowdon-Bay schaffen, um hier den Herbst über die Niederlassungen herzustellen, die auf dem in Aussicht genommenen Marsche eingerichtet werden sollen. Am 1. März wird eine Abtheilung von sieben Mann mit Hunden und Schlitten nach der Jndependence-Bay aufbrcchen. Die Forscher sind sämtlich auserlesene Leute und voller Begeisterung für ihr Werk.

Gtektrirität.

Dem Amerikaner Edison ist neuerdings gelungen, direkt aus der Kohle ohne Vermittelung von Dampf- und Gaskraftmaschinen lebendige Kraft zu entwickeln, das heißt, elektrische Ströme direkt aus der Kohle ohne vor­herige Umwandlung in Wärme auf chemischem Wege zu erzeugen. Es wird betont, daß der erzeugte Strom in Hinsicht seiner Stärke und im Vergleich mit den an­gewandten Stoffen und Betriebskosten sehr kräftig sei, so daß also das Verfahren die bisher übliche Erzeugung von Elektrizität durch Dynamo-Maschinen in jeder Hinsicht über­treffen würde.