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A«» der Kerliner Central-Markthalle.

Am 27. Januar, während ganz Berlin sich der Feier des Geburtstages des Kaisers widmete und alle Geschäfte ruhten, brach plötzlich in der großen Central-Markthalle am Alexanderplatz ein vernichtender Brand aus. Durch die unvorsichtige Handhabung einer Petroleumlampe wurden in den weitausgedehnten Kellerräumen lagernde Vorräthe entzündet und trotz des aufopfernden Kampfes der Feuer­wehr, die schließlich mit nicht weniger als 21 Schläuchen den Keller zu überschwem­men suchte, wurden, ganz abgesehenvon dem dem Bau, Werk zuge- fügten Scha­den, Lebens- mittel im Werthe von Hunderttau­senden in wenigen Stunden ver­nichtet. Nur wer den riesenhaften Betrieb in der

Central- Markthalle kennt, kann den Umfang des entstan­denen Scha­dens und dessen ein­schneidende SfUW VVI XUVÜUlVt Bedeutung

für die Lebensmittelversorgung Berlins richtig beurtheilen. Diese Markthalle dient "nämlich, abweichend von den übrigen städtischen Verkaufshallen, wenn auch nicht aus­schließlich so doch Hariptsächlich dem Großhandel, der Ver­sorgung der übrigen Hallen und zahlloser Kleinkrämer. Hier münden die Geleise der Stadtbahn ein, welche aus allen Theilen des deutschen Reiches, aber auch aus Italien, aus Rutzlaud, aus Oesterreich-Ungarn täglich Hunderte von Wagenladungen mit Gemüsen, mit Wild und Geflügel, für den unersättlichen Magen der Riesenstadt heranführen.

Das Geschäft ruht wesentlich in den Händen von 500 Groß­händlern und einer Anzahl städtischer Verkaufsvermittler, und diese speichern in den Kellereien jene ungeheuren Vorräthe auf, die dem Brande des 27. Januar zum Opfer fielen. Glücklicherweise waren die Vorräthe sämtlich ver­sichert, und es wurde auch von der Verwaltung ermög­licht, daß bereits nach 48 Stunden der Betrieb in der Markthalle selbst wieder ausgenommen werden konnte. Die Berliner

Hausfrauen hatten sich einige Tage über den be­sonders hohen Preis emzel« ner Lebens­mittel und Delikatessen zu beklagen, aber auch diese Preisstei­gerung sank infolge der neuen Zu­fuhren schnell. Heute sieht der Fremde dem Verkehr in der Markt­halle kaum noch an, daß vor kurzem ein Schaden­brand, wieihn Berlin seit fmuwunuLWjuiM' langer Zeit

nicht erlebte, in den Kellereien unter den sauberen Ständen und den von einer wogenden Menge erfüllten Gängen tobte; die berühmtenDamen der Halle" haben längst ihren Gleich- muth und ihre Zungenfertigkeit wiedergefunden, und die Verkaufsvermittler halten nach wie vor ihre regelmäßigen Auktionen ab. Unser Bild stellt eine solche dar. Den Erfolg wird der Brand aber jedenfalls haben, daß die baulichen Einrichtungen der Halle einer gründlichen Nach- prüfung unterzogen werden, denn ihnen mißt man große Schuld an der schnellen Ausbreitung des Feuers zu.