Fmihlings-Gmoachrm.
Der Winter ist vergangen,
Die Erde grünt erneut, Im Feld der Blumen: Prangen DaS Aug' in Wenn' erfreut; Froh schallt der Vögel Sang. Stimm’ ein, o meine Seele, Im Hellen Jubelklang!
Gott, reich an Gut' und Treue, Dich ruf’ ich innig an I Hilf, daß ich dich erfreue, Wie du an mir gethan.
In deines Geiles Weh'n Laß dir im Herzeusgarten Viel Blüth und Frucht ersteh'n.
Krundsähe.
Wer im Leben etwas leisten will, der muß sich von gewissen feststehenden Grundsätzen leiten lassen. Je tüchtiger diese Grundsätze sind, je mehr nach ihnen mit unermüdlicher, zielbewußter Energie im täglichen Leben die Berufsaufgabe vollbracht wird, desto erfolgreicher wird das Leben des Menschen sich gestalten. Es wird sich weder in unsicheres Herumtasten verlieren und auf die beobachtende Außenwelt den Eindruck des Schwankenden machen; noch wird es auf den verlockenden, aber nur zu oft im Sande verlaufenden Weg überschwänglicher Hoffnungen und Wünsche sich verirren. Vielmehr wird es das Leben nehmen wie es ist, und die Menschen, wie sie sind, neben dem nüchternen Blick auf die Wirklichkeit aber unverrückt am ewigen Grund und Ziel alles Menschenwesens festhalten und an demselben jenen Halt finden, der das Menschenleben trotz aller Mühsal und Enttäuschungen dennoch lebenswerth macht.
Diese grundsätzliche Festigkeit ist auch für das politische Leben und für den Menschen in seiner Eigenschaft als Staatsbürger der gewiesene Weg zu nachhaltigem Erfolg. Angesichts der mannigfachen Schattierungen im parteipolitischen und gesellschaftlichen Leben, erscheint es allerdings schwierig, wahrhaft ersprießliche Grundsätze zu finden, von denen aus das Volks- und Staatsleben angeschaut und be- einstußt sein will. Dennoch wird der deutsche Mann, dessen Herz in Liebe und Begeisterung sür das wahre Wohl des Vaterlandes, für das glückliche Gedeihen der einzelnen Stände und für die nationale Größe des Volkes schlägt, keinen Augenblick in Zweifel sein über die maßgebenden Grundsätze, nach welchen er sich seine politische Meinung macht, an denen er die Forderungen des politischen Lebens prüft, durch die er sein eigenes politisches Handeln bestimmt.
Das Volks- und Staatsleben bedarf wie jedes Leben in erster Linie schonender Erhaltung und nachhaltigen Schutzes des Bestehenden. Wie der Landmann sein Ackerfeld vor allen Feinden, die das Gedeihen der Bestellung hindern wollen, möglichst zu schützen sich bemüht, so ist es eine selbstverständliche Forderung, ein bewährten Grundsatz, der in der Geschichte seine tausendfache Bestätigung findet, daß man dem Bestehenden im Volksleben unbedingten Schutz und grundsätzliche Schonung zu theil werden läßt. Diesen Schutz des Bestehenden anzustreben, ist um so mehr des deutschen Mannes grundsätzliche Aufgabe, als er weiß, wie viel Gutes seinem Volke auf diesem Wege bereits geschenkt ist, und daß es gewisse nationale Erbgüter giebt, wie Thron und
Altar, Sitte und Autorität, welche nicht ungestraft mtgetaffet werden können.
Solcher Schutz des Bestehenden wird aber ohne Zweifel einer grundsätzlichen Ergänzung bedürfen, wenn er der Kanal eines fortgehenden Segensstromes für das Volksleben sein soll. Eine Nation ist nicht etwas Fertiges, das man nur zu erhalten braucht, etwa wie man eine werthvolle Münze im Museum konserviert. Ein Volksleben ist etwas Gewordenes und etwas Werdendes. Die Pfiege der gesunden Fortentwicklung des Vorhandenen in einer der nationalen Eigenart entsprechenden Weise ist daher offenbar der andere Gesichtspunkt, der die politische Anschauung des deutschen Mannes beeinflussen wird.
Wachsthümliches Fortschreiten des Vorhandenen unter Wahrung nationaler Eigenart ist der Weg, auf dem das Volksleben feinem Ziele zueilt. Wie der Ast aus dem Stamm, so muß das Neue aus dein be- währten Grunde des geschichtlich Gewordenen hervor wachsen. Diese Förderung des Werdenden unter gleichzeitiger Schonung des Bestehenden, dieser besonnene Fortschritt, ist die bewährte Parole, welche unser Volk zum Vollzug seiner großen National- aufgabe führen wird. D.
Ginmandrrsr in Kraftlien
Dieser Tage ist von der österreichischen Regierung an die Statthaltereien und unterstehenden Behörden ein Schreiben ergangen, worin anschaulich von dem Schicksale der Ansiedler in Jaragua und Garibaldi im Staate Santa Catharina (Brasilien) gesprochen wird. Die Ansiedler wandten sich an das österreichische Generalkonsulat in Rio de Janeiro mit der Bitte um Besserung ihrer beklagenswerthen Lage durch Vorgehen bei der brasilischen Regierung. Diese Regierung hat den Einwanderern bis zur Ernte Vorschüsse aus Staatsmitteln zum Lebensunterhalte zugesichert, Vorschüsse, die darin bestanden, daß die Ansiedler durch 15 Tage im Monat für einen Tagelohn von 1 Milreis und 300 Reis (2 Gulden 84 Kr.) Straßenbauarbeiten für den Staat zu verrichten haben. Ihr Verdienst wurde ihnen aber nicht in barem Gelde, sondern in „Vales" (Bons) bezahlt, welche die Kaufleute nur zum Spottpreise übernahmen, sodaß die Kolonisten kaum das Nothdürftigste zum Lebensunterhalt erhielten. Die gegenwärtige brasilische Regierung hat die Zusiche- rungen, welche" die frühere im Mai 1892 gestürzte Regierung gemacht hat,l daß den Einwanderern sofort Grund und Boden angewiesen und Vorschüsse aus Staatsmitteln gezahlt werden sollen, nicht gehalten. Die Einwanderer sind deshalb bei der großen Theurung aller Lebensmittel, dann wegen der letzten Mißernte, ferner weil jüngst die Einstellung der Straßenbauten erfolgte und weil die Urbarmachung des Bodens sehr langsam vor sich geht, brotlos geworden. Der österreichischen Gesandtschaft in Rio de Janeiro ist es jedoch nicht gelungen, bei der brasilischen Regierung eine Milderung der Nothlage dieser Leute her- beizuführen. Aus dieser Schilderung ist ersichtlich, was die Auswanderer in Brasilien zu erwarten haben.
Kampf mit erneu Ratte.
Einen Kampf mit einer Ratte hatte kürzlich der Sohn eines Hofbesitzers in Jserlohn zu bestehen. Derselbe hatte auf dem Speicher zu thun, als ihm das Thier aus einer offenen Kiste, in deren Nähe er gekommen war, entgegen sprang und sich an seinem linken Bein derart feftbig, daß es ihm unmöglich war, die Bestie von sich abzuschütteln. Erst nachdem er her Ratte durch ein paar Hiebe den Garaus gemacht hatte, gelang es ihm, sich von derselben zu befreien.