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Grrneirr-e-WgentiMM u«d Drivat-Eigenthum.

Da erzählte mir dieser Tage ein Bauer, bei der großen Kälte sei in seinem Orte kein einziger Brunnen zugefroren als der Gemeindebrunnen, weil keiner von denen, die ihr Wasser dort holten, sich die Mühe gab, ein halbes Bund Stroh zu nehmen und ihn zu umbinden. „Es fürchtete jeder, er könnte es für den anderen thun," sagte mein Gewährsmann. Am ersten Tage, als der Brunnen zu­gefroren war, hätte man ihn mit 10 Liter kochenden Wassers wieder losmachen können, aber wer sollte das erst thun? Und so gingen die Durstigen lieber jeden Tag eine weite Strecke bis an den Laufbrunnen der Gemeinde, um sich dort ihr Wasser zu holen, was bei dem furcht­baren Glatteis und bei der großen Menge, welche die Leute für ihr Vieh brauchten, eine geradezu halsbrecherische Arbeit war. „Gerade wie bei uns," mußte ich denken, als ich dies hörte, denn ganz genau so war es auch bei uns, wo die Leute auch ihr Wasser lieber in einer Ent­fernung von 200 Metern holten, als daß einer 5 Minuten Zeit darauf verwandt hätte, den Gemeindebrunnen gegen bte Kälte zu schützen, weil er fürchtete, er könnte etwas für den anderen thun. Welch ein Eifer wird nun einmal die Leute beseelen, wenn alles gemeinsam ist? Man kann sich hieraus ein Bild machen, wie es im socialistischen Zukunftsstaat aussehen wird, wo es gar kein Privat- Eigenthum mehr geben soll.

Fornde an der Uatnr.

In der Natur fließt ein unversteglicher Freudenquell. Sie läßt ihr Sonnenlicht in unsere Herzen fallen, entzückt uns mit ihren Liedern, glättet mit sanfter Hand die Furchen unserer Sorgen. Für jede Krankheit bat sie ein heilendes Kraut, für jede Wunde einen Balsam. Selbst unsere Gräber bedeckt sie mit Gras und Blumen — den Sinnbildern der Auferstehung. Sie giebt zu jeder Zeit uns irgend etwas Schönes. O, diese goldenen Kornfelder, über denen des Himmels Segen schwebt, welche Gottes allmächtige Hand in unser täglich Brod verwandelt, daß ein großes Volk nicht in der Wüste verschmachtet! O, diese bunten Blumenwiesen, die in allen Farben schimmern, von wald- umkränzten Bergen umschlossen, wie nähren sie die Seele mit allerhand Gedanken! Denn ist auch der Mensch nur wie eine Blume des Feldes, der Herr ist um sie her, wie schützende Berge, und sie braucht nicht zu welken „ohne Hoffnung aufzustehn!" — Die Schönheit der Natur redet zu uns, wie der Mund eines frommen Kindes in holder Unschuld zu einem von der Sünde und Leidenschaft be­rührten Menschen redet. Es ist wie ein sanfter Vorwurf, den die Natur durch ihre Lieblichkeit uns macht, der amerikanische Dichter Wordsworth wurde auf diesem Wege von seinem grenzenlosen Durst nach weltlichen Ver­gnügungen befreit. Er kehrte nach einer Nacht, die er in ausgelassener Lust auf einem ländlicben Ball hin- gebrach:, bei Tagesanbruch nach Hause zurück. Durch die Majestät eines herrlichen Sonnenaufgangs sandte ihm Gott eine Botschaft und die Berufung zu einem Dichter, der von nun seiner hohen Mission waltete. Er selbst er­zählt, wie sein Herz überfloß von Dank zu Gott, und wie er von stundan ein Anderer geworden war. F. St.

Das Glück.

In dem Gemach des Abdalrahman, eines der größten maurischen Kalifen, fand man nach seinem Tode ein von ihm selbst geschriebenes Blatt, mit folgendem Bekenntniß: „Ich habe nun 50 Jahre im Sieg und Frieden regiert, geliebt von meinen Unterthanen, gefürchtet von meinen Feinden und geehrt von meinen Verbündeten. Reich­thümer und Ehren, Macht und Vergnügen waren meines Winks gewärtig, auch schien kein irdischer Segen meinem Glücke zu fehlen. In dieser Lebenslage habe ich mit Fleiß die Tage gezählt, an welchen reines Glück mein Theil gewesen; es waren nur vierzehn Tage."

Der Ariedmsgruß.

Sonntagsevangelium: Joh. 20, 19—23.

Joh. 20, 19. Jesus trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

Der Ostertag zeigt uns, daß Gott durch Thaten redet. Am Morgen erschien der Auserstandene den Frauen, die um ihn trauerten; am Abend trat er in die Mitte seiner Jünger, die in seinem Namen versammelt waren. Sein Morgengruß war: Weinet nicht, denn ich lebe! — und sein Abendsegen lautete: Friede sei mit euch! Es liegt in diesem Friedens­gruß mehr als der Gruß des Wiedersehens nach kurzer Trennung, es liegt in ihm ein Auftrag. Hat doch der Herr den Gruß nachdrucksvoll wiederholt, damit die Seinen darauf achten; hat er doch aus­drücklich hinzugefügt: „Gleichwie mich der Vater ge­sandt hat, so sende ich euch."

Ein jeder Jünger Jesu soll ein Bote des Gottesfriedens werden in der Welt voll Kampf und Streit. Auch wir, die wir an den Auferstandenen glauben, sollen dieser Sendung eingedenk sein. Es ist der Friede Jesu gemeint, der Friede, den er uns durch seinen Tod und durch sein Auferstehen erworben hat, und den er in unsere Seelen giebt, wenn er uns zu seinen Jüngern macht. Die Grundlage dieses Friedens ist die Vergebung unserer Sünden, der Herzschlag desselben ist die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens.

Der wahre Friede ist nur bei dem Auferstandenen zu finden. Willst du ihn empfangen, so mußt du zu allererst wissen, daß dein Erlöser lebt. Auch dir gilt der Abendsegen des Ostertages, auch dir zeigt er seine Hände und seine Seite! „Ich bin euer Friede! Jesus muß durch die verschlossenen Thüren eingehen, uns sein Werk zueignen und es uns immer wieder sagen: „Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." Er muß uns seine Worte wichtig machen, wichtiger als alles andere in der Welt, ja er muß sie für unsere Herzen zu lauter Bezeugungen des Geistes und der Kraft werden lafsen. Er muß unserer Seele sein Auserstehungsleben mittheilen, daß wir täglich auferstehen und im neuen Leben wandeln, sonst können wir nimmermehr Kinder dieses Friedens werden und nimmermehr als Boten seines Friedens ausgesandt und zum Segen für viele gesetzt werden.

Laßt uns an den Auferstandenen nicht bloß äußerlich glauben, sondern ihn auch innerlich er­fahren! Laßt uns kein Ostern feiern, ohne auch den Abendsegen zu erleben, welcher die Hauptsache am ersten Ostertage war und geblieben ist für jedes Ostern auf Erden! Laßt uns in jeder Stunde des Kummers und der Trübsal die Hände nach dem Friedefürsten ausstrecken, damit es uns gehe wie den Jüngern: „Da wurden sie froh, daß sie den Herrn sahen." Wieviel Stunden der Mattigkeit und großer geistiger Ermuthigung mußten wir schon durchleben, und wieviele stehen uns noch bevor! Dann ist uns, als wären wir geistlich tot, unser Gebet ist kraftlos, unsere Seele ist ein dürres Land. Wir halten uns wiederholt die Bibelworte vor, aber sie wirken nicht; wie ein Alp lastet die Ermüdung auf uns und die Furcht. In solchen Stunden laßt uns des Abend­segens am Ostertage gedenken.