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Uorankammen.

Eine Anzahl Geschäftsleute in Amerika kamen jüngst auf den Gedanken, ein Rundschreiben an diejenigen ihrer Berufsgenossen zu schicken, deren Arbeit von namhaftem Erfolg gekrönt worden war, mit der Bitte, anzugeben, wie sie's eigentlich angefangen hätten. Eine große Anzahl von Antworten lief ein, und das Hauptergebniß aus den­selben ist folgendes: „Willst Du Erfolg haben, so sei ein Charakter, sei Herr über alle Deine Begierden, übe Selbstverleugnung; hüte Dich vor zu langem Schlaf, zu viel Zerstreuungen und Vergnügungen, vor jeher unnöthigen Ausgabe, siehe zu, daß Du eine gute Gesundheit behältst; sei im kleinen und im kleinsten sorgfältig; was überhaupt werth ist, gethan zu werden, ist auch werth, gut gethan zu werden; habe eine genaue Kenntniß aller Kleinigkeiten Deines Geschäfts und überwache auch das geringfügigste. Erledige rasch und genau alle Geschäfte. Suche Deine Erholung in der Abwechselung Deiner Arbeit. Am Sonntag ruhe von Deiner Arbeit. Habe Ausdauer; was Dir heute nicht gelingt, gelingt Dir vielleicht übers Jahr. Sei sehr vorsichtig in der Wahl aller Deiner Leute. Zeige ihnen Festigkeit und Freundlichkeit. Verhalte Dich gegen jedermann so, als könnte er Dir noch einmal nützlich werden; thue es aber nicht aus Berechnung, sondern aus uneigennützigem Wohlwollen; halte Dich nicht mit Neben­dingen auf; habe immer Dein Ziel vor Augen; meide unnützes Geschwätz. Summa: Habe Gott vor Augen und im Herzen und hüte Dich, daß Du in keine Sünde willigest, noch thuest wider Gottes Gebot.

Nie hat uns leid gethan,

daß wir fleißig waren zu guten Werken — daß wir mit unserem Urtheil zurückhielten, bis wir eine An­gelegenheit kennen gelernt hatten — daß wir nicht redeten, ehe wir die Sache, um die es sich handelte, durch­dacht hatten — daß wir aufsteigenden Zorn dämpften —• daß wir Barmherzigkeit übten — daß wir um Vergebung nachsuchten, wenn wir jemand beleidigt hatten — daß wir unsere Seele in Geduld faßten — daß wir dem Verleumder kein Gehör schenkten — daß wir nicht leicht­fertig glaubten, was über Mitmenschen übles geredet wurde.

Der Werth von Minuten.

„Verbotener Eintritt" stand an der Thür eines Saales in einer großen Teppichfabrik in England, die ich vor einigen Jahren besuchte. „Es ist der Saal, in dem 150 Frauen die Teppiche zusammensetzen, nachdem sie gewebt sind," erklärte der Führer, „und wir dürfen keine Fremden hinein lassen. Es ist nichts geheimniß­volles darin, sondern es handelt sich einfach nur um den Zeitverlust. Sobald Besucher eintreten, blickt unwillkür­lich jede der Frauen von ihrer Arbeit aus und verfolgt die Gäste mit den Augen. Gering gerechnet verliert sie wenigstens zwei Minuten an ihrer Arbeit, das macht bei 150 Arbeiterinnen für den Prinzipal einen Verlust von 300 Minuten, gleich fünf Stunden, bei jedem Besuche. Wenn die Maschinen mit vollem Dampfe arbeiten, können wir so viel Zeit nicht entbehren." R.

Der Kerxog von Wellington.

„Der eiserne Herzog," wie ihn das englische Volk nannte, war am glücklichsten in der Gesellschaft kleiner Kinder. „Kinder," sagte er, „betrachten mich als ihres Gleichen, machen mich zu einer Art Spielzeug für sich. Sie kletterten an mir herauf und spielten mit meinem Haar und meinen Händen. Sie wuchsen heran und wurden meine Freunde." — Einmal übernahm er die förmliche Oberaufsicht über drei kleine Kinder, deren ihm befreundete Eltern für einige Z^it abwesend sein mußten. Sie bekamen derweil die Masern, und nun besuchte er sie jeden Tag und schickte einen täglichen Krankenbericht an die fernweilende Mutter.

Dennoch.

Sonntagsevangelium: Matth. 15, 21—28.

Matth. 15, 25. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: „Herr, hilf mir."

Das Leiden ist unser Lehrmeister auf dem Wege des Glaubens. Durch Leiden ward Christus voll­endet. Der Pfad, der für ihn der richtige war, ist sicher gut genug für uns, selbst wenn es ein rauher und dorniger Weg ist, ja, er ist nöthig für uns, darum ist die Noth immer ein Pfand seiner Liebe. Wir können, so oft wir den harten Druck des Leidens erfahren, mit Gewißheit annehmen, daß Gott kein anderes Mittel fand, uns zu seiner Erkenntniß und zur Gemeinschaft mit ihm zu bringen. Dies ist tief beschämend, aber auch zugleich tief tröstlich.

„Erbarme dich meiner." In diesem Worte liegt die ganze Gebetskunst des kananäischen Weibes. Sie kann nicht Worte machen, sie kann nur ihr ganzes Herz in eine Bitte legen, und diese Bitte ist eine Fürbitte. Wo die Noth unserer Lieben unsere eigene Noth geworden ist, wo unser Gebet sich in Fürbitte wandelt, wo nicht die Selbstsucht, sondern die Liebe ihre Hafid nach dem Saunte des Kleides Jesu aus- streckt, da hilft der Herr ant liebsten. Doch wie das Leiden, das er uns schickt, so verhüllt er auch die Hülfe, die er uns bringt. Die Fürbitte der tief ge­beugten Mutter war schon erhört, obgleich die Beterin nichts als Abweisung sah, und Jesus ihr kein Wort antwortete. Er erscheint so hart, daß selbst das ohnmächtige Mitleid der Jünger ihm gegenüber für die Arme wie ein Trost aussieht. Diese schwachen Menschen haben doch wenigstens Worte, während der starke Heiland still bleibt bei ihrer Seelenangst.

Das war eine schwere Prüfung für die Betende. Wenn noch ein Funken von Stolz und Hochmuth in der Seele ist, so bäumt man sich gegen solche Erfahrung auf; es gehört große Demuth und ein starker Glaube dazu, um weiter zu flehen, auch wenn das eigene Herz spricht: „Gott ist dein Feind, er hat dich aufgegeben." Mag der Herr schweigen, der Glaube redet und hält ihm sein Wort vor. Der Herr ist nicht dazu da, zu schweigen, auch er redet; doch es ist nicht ein Trostwort, das Jesus spricht: „Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel." Kein Licht in diesem Worte für das Mutter­herz, wenn nicht dieß eine: „auch du bist ein verlorenes Schaf." Als der Herr dann wieder von den Hünd- lein redet, denen man das Brot der Kinder nicht austheilen darf, da findet die demüthig anhaltende Bitte der Kananäerin auch in diesem Nein wieder ihr „Ja" und auf die Absage wieder ihr „Dennoch," und das ist großer Glaube.

In den beiden Worten „Ja, Herr — aber doch" ist der Heilsweg auch für uns beschlossen. Das „Ja, Herr" giebt Gott Recht, das nimmt uns jeden Anspruch und jegliches Anrecht auf Gottes Hülfe, doch die zitternde Hand unseres Glaubens erfaßt das große Anerbieten der freien Gnade und wird nun gekräftigt zu einem „aber doch." Dadurch kommen wir in den Besitz der Vergebung unserer Sünden und der heiligen­den Kraft unseres Erlösers. Wer geängstet ist wie die Kananäerin, wer keinen Ausweg sieht in der Menge der irdischen Wege und Nöthe, der halte sich nach der Weise dieses „Ja, Herr, aber doch." H.