Nerrfchveckenplag».
Heuschrecken kennen wir alle, eine Heuschreckenplage ist uns, Gott sei Dank, hierzulande unbekannt. Versetzen wir uns aber einmal in die Lage des fleitzigen deutschen Kolonisten an der Wolga in Süd-Rußland, der brav geackert, gesäet und gejätet hat und voll guter Hoffnungen vor der Ernte steht. Es ist ein heißer Tag, unbewölkt der Himmel. Soweit der Blick reicht, dehnt sich die blaugrüne Steppe, nur unterbrochen von den Dörfern der Kolonisten mit den niedrigen Gehöften und den im Steppenwinde wogenden Kornfeldern. Morgen soll die Ernte beginnen, prüfend schreitet der Kolonist durch den Acker und überlegt die Anordnungen. Da erblickt er am Horizont eine finstere Wolke, sie scheint am Himmel festzustehen, nur hier und da lösen sich kleine Flatterwölkchen ab; es ist aber gar nicht schwill und gewitterhaft. Was mag die Wolke bedeuten? Ehe er sich noch klar über diese wunderbare Erscheinung wird, sprengt auf schäumendem Rosse ein Reiter daher, in dem er den Verwalter eines benachbarten Gutes erkennt. „Schlimme Geschichte," ruft der dem verwundert Dreinschauenden im Vorbeijagen zu, „die Heuschrecken sind im Anzüge; ich suche Arbeiter, soviel ich kriegen kann, um zu retten, was noch zu retten ist."
Nun ist die Bedeutung der Wolke klar, nun heißt's Eile, um dem Verderben zuvor zu kommen. Im Nu ist das Dorf alarmiert, auf den Höfen wird's lebendig. Die Männer laufen aus Leibeskräften mit der Sense auf der Schulter, um eiligst noch durch Mähen zu retten, was möglich ist; Rinber rennen mit eisernen Töpfen und Blechdeckeln heraus, um durch Lärmen den bösen Feind zu verscheuchen; die kleinen Bauernwagen sind sofort bespannt, und fort gcht's zu den weiterliegenden Feldern, im Galopp, wenn auch die Wagen so voll Menschen gepfropft sind, daß die Achsen sich biegen. Unterdessen steigt die Wolke höher und höher, schon schwirren, wie vorge chickte Plänkler, einzelne Heuschreckenschwärme durch die Luft, und heiser erschallt das Gekrächz der Krähen und Raubvögel, die sich sammeln und dem finsteren Gewölk entgegeneilen, das ihnen so reichliche Nahrung verspricht. Aus den nächsten Aeckern erhebt sich schon ein Flattern und Schwirren, ein Hüpfen von Tausenden grüner Körper und in Tausenden von glänzenden Flügeln glänzt und funkelt das Sonnenlicht. Jetzt I Wie mit Millionen von Punkten scheint plötzlich die Luft getüpfelt, es schwirrt vor den Augen, es prallt heftig gegen deinen Kopf und Körper, immer dichter zieht sich die graue, lebendige Decke vor dem Himmel zusammen.
Da — mit dumpfem, betäubendem Summen kommt der Hauptzug, eine undurchdringlich dichte Wolke, die Sonne verschwindet hinter dieser dunklen Wand, und schwarz senkt es sich nieder auf die unglückl chen Felder, von innen sich sogleich ein dichter Staub erhebt, gleich dem Qualm einer ungeheuren Esse. Unbeschreiblich ist das Gewimmel, bis zum Knöchel stampfen die Füße der Menschen in der lebendigen Masse, durch die sich die Räder der Wagen hindurch mahlen. Hülflos, machtlos stehen die paar Menschen diesem Naturereigniß gegenüber; der Segen des Sommers ist dahin. Kein einziger Halm steht mehr aufrecht, alles ist niedergedrückt und in wenigen Minuten kahl gefressen. Der Heuschreckenschwarm erhebt sich bald wieder, aber von dem so stolz im Winde wogenden Aehrenfelde ist nichts mehr zu entdecken, außer grauen Stoppeln und hier und da zerstreut liegenden kahlen Rispen, dafür bedeckt der Auswurf der Heuschrecke einen Finger hoch den Boden. tt.
Bärenjagd in ASurien.
Die Provinz Asturien in Spanien beherbergt einen besonders kräftigen Menschenschlag, außerdem aber den ebenfalls hervorragend kräftigen asturischen Bären. Beide, Mensch und Bär, schätzen sich gegenseitig hoch, nehmen
aber die rauhen Gebirge und Wälder Asturiens jeder für sich in Anspruch, feindliche Begegnungen sind daher unvermeidlich. Bei diesen brauchen die echten Asturier keine Feuerwaffe, am allerwenigsten erschießen sie Meister Petz meuchlings aus dem Hinterhalte. Mit Knüttel und Messer rücken sie ihm auf den Leib; und zwar gehören zu einer Jagd immer zwei Mann, von denen der Knüttelträger von oben bis unten in feste glatte Tierfelle gekleidet ist und die besondere Aufgabe hat, Meister Petz, der nicht immer zum Kampfe aufgelegt ist, so zu reizen, daß er sich hoch aufrichtet und mit ausgebreiteten Armen auf den Störenfried losgeht. Das ist es aber, was dieser will. Er wirft den Knüttel von sich und stiirzt sich gradeswegs auf den Bären und umschlingt ihn so schnell und so fest wie möglich, wobei er gleichzeitig seinen Kopf in Sicherheit bringen muß, indem er ihn fest gegen die Gurgel des Bären preßt. Und nun beginnt das Ringen. Der Bär sucht mit dem Rachen den Gegner, besonders seinen Kopf, zu fassen, bringt dies aber nicht fertig, da dieser fest wie eine Klette an ihm hängt und unablässig den Kopf gegen die Kehle des Thieres stemmt. Die Klauen des Bären aber gleiten wirkungslos an dem festen glatten Fellkleide des Ringers ab. — Der mit dem langen Messer bewaffnete zweite Mann ist aber sofort bei der Hand, setzt die spitze Klinge in die Gegend des Schulterblattes des Bären auf und treibt sie mit fester Hand tief hinein, mitten in das Herz des Thieres. Dies bricht wie vom Schlage gerührt zusammen. Der Ringer stürzt mit hin und löst die Umarmung nicht eher, bis sein Genosse den Tod des Thieres zweifellos feststellt. tt.
Cholera-Karill»».
Professor Koch in Berlin hat den sogenannten Kommabazillus, welcher die Gestalt eines Komma hat, als den Erreger der Choleraerkrankung bezeichnet. Aber von Anfang an haben ihm namhafte Gelehrte widersprochen, und der bekannte Gesundheitsforscher Pettenkofer in München sowie einige seiner Freunde haben ganze Züchtungen von Kommabazillen verschluckt, ohne davon den geringsten Schaden zu leiden. Jetzt machen nun einige russische Aerzte, welche bet der Epidemie in Baku und Astrachan die Seuche auf das genaueste studiert haben, wichtige Mittheilungen hierüber. Sie impften verschiedenen Thieren Rein-Züchtungen von Kommabazillen unter die Haut, und die Thiere blieben am Leben. Sie entdeckten neben den Kommabazillen einige andere Bazillen, impften auch diese in Rein-Züchtung ein, und die Thiere blieben gleicherweise am Leben. Aber sie starben rasch und jedesmal, wenn eine Mischung dieser verschiedenen Bazillen unter ihre Haut gebracht wurde. Daraus schloffen sie, daß lediglich diese Mischung totbringend ist. Es werden aber noch Versuche hierüber angestellt.
Wikinger schiff
Das neue Wikingerschiff, eine getreue Nachbildung des bei Gotstad gefundenen, aus dem neunten Jahrhundert stammenden Fahrzeuges und dazu bestimmt, zur kolum- bischen Welt-Ausstellung nach Chicago zu segeln, ist jetzt im Rumpfe fertig. Da das 76 Fuß lange Wikingerschiff ein offenes Fahrzeug ist, so ist die Ueberfahrt über den Ocean nicht unbedenklich. Die Schiffsführer hielten jedoch eine Ueberfahrt bei geeigneter Jahreszeit, von Juni bis Herbst, wohl für möglich. Man wird auch bei der Nachbildung das an der rechten Seite des Fahrzeuges anzubringende Steuer, wie es zu jenen Zeiten allgemein üblich war, sowie das Raasegel benutzen. Als einziges weiteres Segel will man ein kleines Focksegel verwenden. Zum Schutz gegen das Ueberschlagen der Wellen soll ein Theerplan dienen; benannt ist das Fahrzeug „Leif Eriksen". In Christiania wurde angeregt, das Wikingerschiff mittels eines Dampfers hinüberzuschaffen, um nicht unnöthiger- weise zahlreiche Menschenleben aufs Spiel zu setzen.