Kaisers Geburtstag.
Zum fünften Mal feiern wir den Freudentag des deutschen Volkes und Heeres, den Geburtstag Kaiser Wilhelms II. Eine neue Zeit ist mit ihm heraufgezogen. Nicht nur auf den Gebieten der Volkswirthschaft, der Schule, sondern auch im Heerwesen gewahren wir frische Triebkraft, die in den großen Werken der Vergangenheit zwar wurzelt, aber in immer sich erneuernder schöpferischer Kraft frische Früchte zeitigt.
Unsere Waffen haben sich vervollkommnet, andere Kampfmittel bedingen andere Formen, und eine veränderte Fecht- weise muß sich durchringen; diesen Weg zeigen neue Vorschriften. Für die schnellere Mobilmachung, für die Verjüngung der Feldarmee, für die Reo ganisation des deutschen Heeres ist unser Kaiser auf Schritt und Tritt beoacht.
Wie der Soldat von jeher gewohnt ist, die Richtschnur für sein Thun und Lassen lediglich aus der Hand seines Kriegsherrn zu entnehmen, so "blickt auch der Mann der Arbeit und des Geschäfts vertrauensvoll auf die Führung seines Kaisers. Unser Kaiser geht uns voran, wir folgen ihm zu frifcfjer Arbeit und neuen Thaten. Wer möchte noch in dem Wettkampfe des Pflichteifers und der Hingebung, der unseren Staat kräftigt und erhält, zurückbleiben?
Wie eine geistige Erneuerung, so ist für die Heilung der kranken Volkszustände wirthschaftliche Besserung unerläßlich. Die Bürgschaft aber für das Gelingen wirthschaft- licher Reformen bietet die sociale Monarchie. Das sociale Kaiserthum ist der Friede. Durchgreifende Neuerungen gehen immer von einem persönlichen Einzelwillen aus. Das „Königthum von Gottes Gnaden" ist gerade in den Kämpfen der Gegenwart berufen, eine segensvolle Mission zu erfüllen. Nicht die von Standesinteressen beherrschten Parlamente, nicht die von großen Bankhäusern abhängige kapitalistische Republik, sondern der landesväterlich "gesinnte Monarch, der über den Parteien steht, dessen Lebensinteresse mit dem Bestand des ganzen Volkes zusammenfällt, ist im stande, im Geisterkamps und Jnteresienstreit das lösende, klärende, friedenverheißende Wort zu sprechen. Es ist nicht Zufall, daß vom deutschen Kaiser die weithin wirkende Anregung zum internationalen Arbeiterschutz ausgegangen, auch ist es nicht Zufall, daß auf der Berliner Konferenz gerade der Vertreter der volksbeqluckenden französischen Republik mehr Verständniß für die Interessen des Großkapitals als für das Wohl der Arbeiter verrathen hat. Nicht weil es der nationalen Eitelkeit schmeichelt, sondern weil es an ernste Verpflichtung gemahnt, halten wir es für wahr: „Am deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen."
Gegenüber dem internationalen Umsturz haben die staatserhaltenden Kreise aller Länder ihren mächtigsten Stützpunkt in der Hohenzollernschen Socialmonarchie. Ohne dieselbe bräche — menschlich geredet — die Welt in Anarchie zusammen. Wenn auch der oberste Schwm- Herr des Rechtes darüber niemanden in Zweifel läßt, daß er, wie den Bedrängten zu helfen, so den Empörer mit aller Energie niederzuzwingen entschlossen ist, so kann es doch nicht vermieden werden, daß die wohlwollende Berücksichtigung und Erfüllung der „berechtigten" Forderungen zugleich ungerechtfertigte Ansprüche und genußliebende Begehrlichkeit steigert" Aber wo wären denn große Ideen, edle Thaten einmal nicht mißbraucht worden? Wieviel Verkennung und Mißdeutung war zu überwinden, bis das deutsche Reich wieder- erstand? Wir meinen, dieselben Hohenzollern, welche uns Deutschen die nationale Einheit gaben, werden uns auch zur socialen Einigkeit führen. Folgen wir beherzt und entschlossen dem Kaiserbanner der socialen Reform!
Phonograph.
Wie die Industrie bereits die Erfolge der Phono- graphie sich nutzbar macht, geht aus einer Mittheilung aus der Schweiz hervor, nach welcher soeben von dem
eidgenössischen Amt in Bern einem Genfer Uhrmacher eine sprechende Repetieruhr patentiert worden ist. Die sprechende Uhr ist mit Zuhilfenahme des Phonographen angefertigt; in dem Gehäuseboden einer Taschenuhr befindet sich eine Phonographische Platte, auf welche vor der Fertigstellung der Uhr die Stunden- und Viertel- stunden-Zeiten hmaufgesprochen sind. Im ganzen trägt die Scheibe 48 konzentrische Furchen, von denen 12 die Shonog.aphischen Zeitangaben der Stunden, 12 diejenigen er Stunden und der ersten, 12 diejenigen der Gründen und der zweiten und 12 diejenigen der Stunden und der dritten Viertelstunden in sich tragen. Zeigt nun z. B. der Stundenzeiger auf dem Zifferblatt 12V4 Uhr, so greift eine feine Spitze in die entsprechende Furche ein und von der gleichzeitig rotierenden Scheibe wird dann die Zeitangabe „zwölf und ein viertel" ertönen, gerade so, wie beim Phonographen von der rotierenden Walze die auf letztere hinausgesprochenen Worte ertönen. Der Rückendeckel der Uyr hat in der Mitte eine kleine Schallöffnung, ähnlich wie die natürlich bedeutend größeren Schallöffnungen beim Telephon. Wird die Schallöffnung der Uhr an das Ohr gehalten, so ist die gesprochene Zeit um so deutlicher vernehmbar.
Wetweod« KLumr.
Sckwn die alten Völker erzählten von einem „weinenden Baume," der auf den Kanarischen Inseln stand. Jetzt ist bei der Ortschaft Arai in Vorderindien ein solcher Baum zu großer Berühmtheit gelangt. An dem unteren Theile des Stammes, etwas über der Wurzel, soll sich eine Oeffnung befinden, aus der das Wasser wie aus einer kleinen Quelle hervorströmt und von den Blättern fallen beständig große Tropfen wie Thränen. Nicht nur die Bewohner an Ort und Stelle Pi gern zu ihm, sondern es kommen auch zahlreiche Wanderer aus sehr entfernten Bezirken. Das Wasser ist nach dem Berichte zwar ganz rein, doch hinderte das nicht, es sogleich als Mittel gegen Aussatz, ja selbst innerlich gegen anderweitige Leiden" zu gebrauchen. Aus diesem Grunde drängt sich die Menge heran, um ihren Becher unter den Baum zu stellen. Man braucht wirklich nicht nach Indien zu gehen, um, wenigstens im Hochsommer, das gleiche an unserem Ahorn, namentlich dem Berg- und Spitzahorn, oder auch Eschen, Linden zu sehen. Wer im Sommer unter Ahornbäumen wandelt, kann auf dem Boden zahllose Flecken bemerken. Dieselben rühren davon her, daß aus den Spitzen der Ahornblätter zur Zeit, wo die Sonne noch hoch über ihnen steht und darum viel Wärme über sie ausstrahlt, eine heftigere Bewegung des Saftes in den Bäumen hervorgerufen wird. Es geschieht durch die Verdunstung der Blätter; die Spitzen der Blätter lassen dann von Zeit zu Zeit den angesammelten Tropfen fallen. Der Saft ist ähnlich wie Bienenblut etwas süß und dadurch kleberig. An heißem Sommermittag kann ein nur einige Stunden unter einem Ahornbaum Sitzender völlig kleberige Kleider bekommen, und Tische und Bänke sind wie mit Syrup beschmiert. Unsere wilden Bienen besuchen um diese Zeit, wo die Linden längst verblüht haben, doch noch ihre Wipfel; sie sitzen beim Schmause des Honigs, welchen die Lindenblätter aus den höheren Regionen des Baumes auf die Blätter der tieferen Regionen herabträufeln.
KchkachthLoser in Chicago.
Amerika versteht Europa mit einem großen Theile der nothwendigen Lebensmittel. Wie groß allein der Versand an Fleisch ist, mag man daraus ersehen, daß in der einen Stadt Chicago in dem einen Jahre 1887 fünf und eine halbe Million Schweine und zwei und eine halbe Million Stück Rindvieh geschlachtet, verarbeitet und verschickt worden sind, d. h. in jeder Minute des Jahres, Tag und Nacht ohne Unterbrechung sind immer zehn Schweine und fünf Stück Rindvieh frisch geschlachtet und versandt worden.