Missionar «nd Arrt.
Bei jedem Missionswerke ist die größte Schwierigkeit der Anfang, das Herankommen an die armen Leute und das Gewinnen ihres Vertrauens. Hat der Missionar erst ihr Vertrauen und ihre Liebe, dann hat er ihre Hand, an der er sie weiter von Stufe zu Stufe führen kann. Das wirksamste Mittel hierzu ist ärztliche Hilfe. In der Angst um ein liebes Kind, um die Frau oder den Mann öffnet man Wohl auch eine Pforte, die sich sonst dem Missionar fest verschloß und aus dem Helfer wird ein Hausfreund, aus dem Leibes-Arzt ein Seelen-Arzt und aus der Krankenstube der Ausgangspunkt einer Bewegung für das Christenthum. Darum hat man ganz besondere »ärztliche Mission" besonders in Indien und China eingerichtet. Aber auch für sich selber lernen die Missionare die ärztliche Kunst, da sie wie auch ihre Frauen und Kinder, besonders in den ungesunderen Theilen von Westafrika so häufig und so gefährlich erkranken und da ihre Reihen durch das tückische Fieber fort und fort so bedenklich gelichtet werden. So schätzenswerth die Hilfe der Missionsärzte in ihrer näheren Umgebung ist, so zweifelhaft wird sie bei schweren raschverlausenden Krankheiten auf Stationen, die 10—20 Stunden oder noch weiter vom Arzt entfernt sind I Wie schwierig unter Umständen die Verhältnisse sich gestalten, erzählt ein Missionar, möge ein Beispiel aus meinem Leben zeigen. Ich war mit memer Frau allein auf mein er Station und hatte eben einen leichteren Fieberanfall durch- zumachen, als ein Missionar von einer Nachbarstation zu uns kam, um sich bei uns ein wenig auszuruhen. Zwei
Misstonar und Arzt.
Tage darauf, wurde unser lieber Gast von gewaltigem Schüttelfrost gepackt, und es war ihm und mir klar, dag es nun einen Kamps aus Leben und Tod gelte. Ich that sofort selber das Nöthigste zu seiner Pflege, und schickte einen Eilboten aus die Nachbarstation um Hilfe. In der Nacht schickte ich noch einmal und bat dringender, weil die Krankheit bedenklich zunahm. Als ich nach einer am Krankenbette durchwachten Nacht zu meiner lieben Frau kam, hatte sie ebenfalls Fieber und mußte sich den ganzen Tag unaufhörlich erbrechen, so daß ich nicht wußte, wo meine Hilfe am nöthigsten war. Ein zu meiner Unterstützung beigezogener Katechist bekam am zweiten Tag ebenfalls Fieber. Endlich am Abend des zweiten Tages kam ein erfahrener Bruder von der Nachbarstanon an. Trotz meiner Bitten, er solle sich erst ausruhen von
den Strapazen der Reise, ließ er es sich nicht nehmen, mir wenigstens die halbe Nachtwache abzunehmen; aber am nächsten Morgen lag auch er im Fieber! Aber die Noth ging mit Gottes Hilfe ohne ernstere Folgen vorüber.
Nordische Gesundheit.
Wenn die Reize der Nordpol-Gegenden von so überwäl- tigenber Majestät sind, als der Nordpolfahrer Dr. Fridtjof Nansen sie ausgemalt, so ist es leicht erklärlich, daß, wie er jüngst erklärte, ihm Hunderte von Personen ihre Begleitung angeboten; auch ist es nach ihm richt unwahrscheinlich, daß in absehbar kurzer Zeit der Nordpol ein klimatischer Kurau>enthalt zur Erneuerung der Nerven werden dürfte. Allen Reizen der Nordpol- Gegenden voran stellt Dr. Nansen die allerdings nur kurze Zeit scheinende Sommersonne, die im Reflexe schneebedeckterRiesen- gleischer in tausend Farben spielt.,, Sie' wollen wissen, welches der Reiz der Nordpol- Gegenden ist?" äußerte sich Dr. Nansen einem Besucher gegenüber: „Gesundheit, strotzende Gesundheit! Die Muskeln zucken in Verlangen nach Thätigkeit. Man ißt wie em Pferd und schläft 12 oder 14 Stunden ohne Träume. Vor uns ist das Unendlich -Unbekannte, ringsherum Schweigen und Einsamkeit. Der Natur mächtiger Anblick bildet den Reiz und Zauber des höchsten Nordens. Im Winter ist die Szenerie fast ebenso schön, als die im Sommer. Die Nächte sind klar, der Mond und die Sterne leuchten hell über der schneebedeck- tm Meeresfläche."
Das Stottern.
Durch Herrn Rudolf Denhardt, Direktor der Anstalt für Stotterer in Eisenach, ist eine Untersuchung nach der Ausdehnung des Srotterns angestellt worden. Daraus geht hervor, daß dieses Uebel auf der ganzen Erde ange- troffcn wird; ebensowohl in Afrika als bei den Hindus und Chinesen. Merkwürdig ist es, daß bei den Fortschritten der Kultur das Stottern zunimmt, seltener findet man es bei wilden und halbwilden Stämmen. In den Kulturstaaten wird es zu den Krankheiten gerechnet. Im allgemeinen sind die Stotterer im Süden Europas nicht so zahlreich als im Norden. In Deutschland ist das männliche Geschlecht mehr dem Stottern unterworfen als das weibliche. Auf 5985 stotternde Knaben kommen nicht mehr als 2233 stotternde Mädchen.